Archiv für 18. Juni 2013

Unwillkommene Gäste

Fräulein Julia Gal

*Die Freiburger Zeitung vom 18.06.1933* zitiert: Unwillkommene Gäste! r. Prag, 15. Juni. Das tschechisch – agrarische Blatt Becer des Ministerpräsidenten Malypetr schreibt: „Es werden überstürzte Vorbereitungen getroffen, um den Sitz der SPD nach Prag zu verlegen. Das ist eine große Zumutung. Die Führer der Sozialdemokraten haben die Wiege des Marxismus verlassen, und zwar nicht gerade sehr tapfer. Leider sind sie gerade zu uns hergelaufen. Das bereitet uns gar kein Vergnügen. Wir haben selbst Sorgen genug. Wir brauchen keinen Verdruß, der unser Land sicher treffen wird, wenn diese Leute bei uns einziehen Wir müssen ihnen sagen: Was ihr euch dort eingebrockt habt, das löffelt selbst aus. Wir wollen Ruhe und ordentliche Beziehungen und deshalb sind wir ganz entschieden dagegen, daß bei uns eine Propaganda gegen ein Nachbarreich entfaltet wird. Es werden Versuche gemacht, auch unsere amtliche Nachrichtenstelle mit Nachrichten gegen Hitler zu überschwemmen. (Das Blatt meint damit die Tatsache, daß das amtliche tschechische Pressebüro das deutschfeindliche Telegramm des Genossen Wels an die Arbeitskonferenz in Genf verbreit hat.) Wir werden auf unserem Boden kein Hitlertum dulden. Wir werden aber auch nicht zulassen, daß gewisse Emigrantenorganisationen uns Schwierigkeiten machen. Das würde sich kein Nachbarreich gefallen lassen, am wenigsten Deutschland. Wir würden umgekehrt auch nicht ruhig zusehen, wenn man gegen uns ähnliches unternehmen würde.

Wenn wir schon das zweifelhafte Glück haben, sie bei uns begrüßen zu können, so werden wir nicht zulassen, daß sie am Ende unsere Einrichtungen in den Dienst ihrer Propaganda stellen, wie es z. B. Herr Wels schon getan hat. Es ist ja auch gar nicht sicher, ob er wirklich im Namen der SPD sprechen kann, denn die Mehrheit ihrer Führer ist ja im Deutschen Reich geblieben. Die Sozialdemokraten hätten besser daran getan, wenn sie sich draußen wie ein Mann gewehrt hätten.

Der Blogwart meint, natürlich hätte die Zeitung auch Artikel zitieren können, die ihre überschwengliche Freude darüber ausdrücken, endlich die geflohene deutsche Opposition aufnehmen zu können. Aber das wäre wohl etwas viel verlangt.

Die Schande Frankreichs im Ruhrgebiet

Die Schande FrankreichsFasst am 18.06.1923 kurz die *Coburger Zeitung* zusammen: Die Schande Frankreichs im Ruhrgebiet. Vom 15. Januar bis 15. Mai sind von den Einbrechern an Rhein und Ruhr diese Greueltaten verübt worden: 64 Personen, darunter Greise, Frauen und unmündige Kinder sind ermordet! 1211 Wehrlose mit Hundepeitschen und Bajonetten schwer mißhandelt! Ueber 800 Jahre Zuchthaus, Gefängnis und Zwangsarbeit gegen Beamte und Privatleute verhängt! 8500 Beamte, Arbeiter und Angestellte aus ihren Wohnungen vertrieben! 24672 ihrer angehörigen obdachlos hinausgestoßen! 4383 Beamte, Arbeiter und Angestellte aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen! 127 Milliarden Mark Gemeinden und Privatpersonen gestohlen und geraubt! 104 Milliarden Mark durch Geldstrafen erpresst! 2500 Zeitungsverbote seit dem Ruhreinbruch! Schreibt die Zahlen in Eure Herzen! Vergeßt nichts! Denkt immer daran.

Der Blogwart meint: Natürlich sind diese Mörder, Folterer und Diebe längst tot und wer sind wir denn, ihre Taten den Söhnen und Enkeln anzulasten oder bis alle in Ewigkeit auf diesen unschönen Vorfällen herumzureiten? Bereits 16 Jahre nach dieser kulturellen Großtat des befreundeten Frankreichs, erklärt dieses Deutschland den Krieg, heutige Geschichtsinterpreten werden deshalb nicht müde darauf hinzuweisen, daß Deutschland im darauffolgenden Jahr Frankreich überfällt. Wer hätte das denn ahnen können?

Was der Uropa noch wußte

Am 18.06.1913 schreibt die *Freiburger Zeitung* in ihrer 2. Morgenausgabe: Vor 100 Jahren. 17. Juni 1813. Das Lützowsche Korps wird bei Kitzen, unweit des Schlachtfeldes von Großgörschen, völkerrechtswidrig, trotz des Waffenstillstandes überfallen. Das Korps hatte eben sein Biwak bezogen, als das Nahen feindlicher Kavallerie gemeldet wurde. Lützow sandte daraufhin den Leutnant von Kropff nach Leipzig, um von dem Herzog von Padua Erlaubnis zum ungefährdeten Weitermarsch einzuholen. Unterdessen standen die Lützower und ein feindliches Regiment sich drohend gegenüber. Als Kropff nicht zurückkehrte – er war als Arrestant festgehalten worden – gab Lützow, Schlimmes ahnend, den Befehl zum Abmarsch in nördlicher Richtung. Lützow selbst, von seinem Adjutanten, Theodor Körner, begleitet, ritt einer nahenden feindlichen Kavallerieabteilung von 1500 Mann entgegen, an deren Spitze der würtembergische General Normann und der französische Divisionsgeneral Fournier ritt. Anletzteren stellte Lützow das Ersuchen, Halt zu machen, damit ein Zusammenstoß der Truppen vermieden werde, doch der rief ihm entgegen: „Waffenstillstand für jedermann, aber nicht für sie!“

Daraufhin sprengte Lützow zu seinen Husaren zurück. Doch schon im nächsten Augenblick schwenkte die würtembergische Kavallerie gegen die in Marschkolonnen zu vieren reitenden Lützower ein und warf sie über den Haufen. Der Führer, Major von Lützow, sank schwer getroffen vom Pferde und wäre gefangen worden, wenn nicht ein treuer Husar, Gebhardt, ihm sein Pferd angeboten hätte. Mit Lützow fand sich dann eine kleine Schar von einigen zwanzig Reitern zusammen, die auf großen Umwegen durch den Harz, oft versteckt durch treue Freunde, am 22. die Elbe erreichten und am nächsten Morgen in aller Frühe auf Kähnen übergesetzt wurden. Eine zweite Schar von 80 Mann hatte sich unter dem Oberjäger Beozwarzowski einen Weg durch die Feinde gebahnt. Ihr gelang es, schon am 18. Abends die Elbe zu erreichen.

Deutsche Turnerinnen 1913

Offene Stellen – : Zu 2 Mädchen (4 u. 8 J.) wird eine Kindergärtnerin I. Kl. gesucht. Vorzustellen Silberbachstraße 1. 1. Stock von 10 -12 Uhr.  Tüchtiges zuverlässg. Mädchen für Küche und Haushalt per sofort ev. später gesucht. Gesucht wird zum 01. Juli ein braves Mädchen das die bürgerliche Küche versteht und mithilft in der Haushaltung neben einem anderen Mädchen. Zu erf. Günterstalstr. 7 im Laden. In angenehme Stellung (Villa bei Basel) wird ein sauberes Dienstmädchen zu kinderlosem Ehepaar (Fabrikdirektor) gesucht. Zu 2 Mädchen von 3 und 8 Jahren wird ein besseres Mädchen, welches nähen und bügeln kann, nach Straßburg auf 1. Juli gesucht. – Näheres Erwinstr. 87, II. Gesucht einfaches Hausmädchen sofort oder 1. Juli nach St. Blasien. Zu erfr. Stadtstraße Nr. 67, 3. Stock. Junges Mädchen zu einem Kind, sowie als Hilfe im Haushalt gesucht. Lessingstraße 7, 2. Stock. Arbeiterinnen gesucht. Aug. Bühne & Co. Stahlspänefabrik. Baselerlandstraße. Tüchtige Falzerin sofort gesucht. Kaiserstraße 110. Lehrmädchen mit guten Schulzeugnissen zum Eintritt auf 1. August gesucht. Wiedtemann & Co. Glas-, Porzellan – u. Luxuswaren

Bild: 8. Juni 1913. Weihe des Deutschen Stadions im Grunewald. Bericht von *Sport im Bild*. Der Blogwart meint, es fällt auf, daß der Bedarf an Integrationsbeauftragt_innen, Sozialpädagoginnen, Genderbeauftragt_innen und Spezalistinnen für höhere Matthematik, wie sie ja in Abständen in Talkshows auftauchten, äußerst gering war. Er zweifelt aber, daß es heute noch Mädchen mit der gesuchten Qualifikation und den Einstellungsvoraussetzungen gibt.


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