Archiv für 26. Juni 2013

Fragen Sie doch mal einen Politiker

Marthe Chenalwann er das letzte Mal im Theater oder im Konzert war, ohne Einladung und außerhalb des Wahlkampfes. Fragt IC Falkenberg. Herr Falkenberg ist Künstler. Und Künstler haben es bekanntlich drauf. Hier äußert sich der Musiker zu den Sparplänen Sachsen – Anhalts am Grundnahrungsmittel Kunst und Kultur und ist empört. Böses, so IC Falkenberg, wird die Folge sein. Die Menschen werden verrohen und in den Westen ziehen, um dort ihre animalischen Triebe auszuleben. Oder sich den Nazis anschliessen, um Ausländer auszuwaiden.

Deshalb ist es notwendig, daß Künstler weiterhin mit dem Geld derer gefüttert werden, die den Theater- oder Konzertbesuch wie die Pest scheuen, weil sie sich das Gebotene nicht antun möchten.

Kunst kommt von Können, sagt man, und unter Könnern sollte es doch kein Problem sein, auf die Wünsche des Publikums einzugehen, um sich das tägliche Brot zu erspielen? Früher hat das doch auch geklappt. Wer etwas konnte, machte sich einen Namen, wer nicht, hungerte eben. Hungern muß heute niemand mehr. Aber, sagt der Blogwart, wenn man sich als Künstler selbst verwirklichen will, dann reicht der Gang zum Sozialamt nicht aus, eine Bühne muß her oder ein Konzertsaal. Ansonsten verroht das Volk. An der Straße der Gewalt.

Hat so etwas schon mal jemand von einem Bäcker gehört, wo wir gerade bei Grundnahrungsmitteln sind? Seine Brötchen und Brote schmecken zwar nicht, die Kundschaft verzichtet auf den Einkauf bei ihm, weil sie das Zeug widerlich findet aber weil er gerne Bäcker ist, hat das Land ihm gefälligst die Backstube zu subventionieren und die Angestellten. So läuft das, wenn sich Künstler kritisch äußern. Nein, Kunst kann man nicht mit dem Backen von Brötchen vergleichen aber warum soll das Publikum für die Hobbys anderer zahlen? Weil sie es sagen?

Früher. Also in vordemokratischer Zeit, da gab es das Mäzenentum, das heißt, wenn Musiker, Sänger oder Schauspieler aus der Masse hervorstachen, durch ihre Leistungen (oder ihr Aussehen) oder ihren guten Ruf, dann fanden sich Monarchen oder Landesfürsten, die sie förderten.  Sie förderten herausragende Leistungen und die Darbietungen der Geförderten hatten zu gefallen, ansonsten wurde die Stelle als Hofkomponist oder -Schauspieler neu besetzt.

Aber zum Glück leben wir in einer Volldemokratie mit Rundumversorgung. Hier hat jeder, der von sich sagt, er wäre Künstler, ein Recht auf Selbstverwirklichung mit staatlicher finanzieller Unterstützung. Nur die Bäcker eben nicht. Wenn die schlecht Backen, dann war es das.

Jetzt muß die Kultur sich mit noch mehr Mut zu zivilem Ungehorsam den aktuellen Sparplänen entgegenstellen, geschlossen und gemeinsam mit den Bürgern. Beschwört IC Falkenberg. Und der Blogwart freut sich schon darauf, wenn Schauspieler und Musiker trillernd und pfeifend durch die Straßen ziehen und rufen: „Dieses Theater wird bestreikt!“

Natürlich, wird es hart werden für die Bevölkerung, die vorher nicht ins Theater ging und jetzt auch nicht, wenn die Verrohung der Sitten schleichend aber unbarmherzig einsetzt und man nicht mehr wählen kann, zwischen preisgünstigem Blutbad bei RTL oder teurerem Blutbad auf der Theaterbühne. Wo die Flecken doch so schlecht rausgehen. Aber da müssen sie dann durch. Durch diese Durststrecke.

Bild: In vordemokratischen Zeiten war das einfach. Wer nichts konnte oder nicht gefiel, wurde an die Hunde verfüttert oder verlor seine Stelle bei Hofe. Heute finanziert das Volk mit Begeisterung das ehemals fahrende Volk, denn es weiß, nur ein gut subventioniertes Theater hält es davon ab, zum Nachbarn zu gehen, ihm die Kehle aufzuschlitzen und seine Frau mit Gewalt zu nehmen. Und wer das nicht glaubt, der hat von Kunst und Kultur keine Ahnung.


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