Fragen Sie doch mal einen Politiker

Marthe Chenalwann er das letzte Mal im Theater oder im Konzert war, ohne Einladung und außerhalb des Wahlkampfes. Fragt IC Falkenberg. Herr Falkenberg ist Künstler. Und Künstler haben es bekanntlich drauf. Hier äußert sich der Musiker zu den Sparplänen Sachsen – Anhalts am Grundnahrungsmittel Kunst und Kultur und ist empört. Böses, so IC Falkenberg, wird die Folge sein. Die Menschen werden verrohen und in den Westen ziehen, um dort ihre animalischen Triebe auszuleben. Oder sich den Nazis anschliessen, um Ausländer auszuwaiden.

Deshalb ist es notwendig, daß Künstler weiterhin mit dem Geld derer gefüttert werden, die den Theater- oder Konzertbesuch wie die Pest scheuen, weil sie sich das Gebotene nicht antun möchten.

Kunst kommt von Können, sagt man, und unter Könnern sollte es doch kein Problem sein, auf die Wünsche des Publikums einzugehen, um sich das tägliche Brot zu erspielen? Früher hat das doch auch geklappt. Wer etwas konnte, machte sich einen Namen, wer nicht, hungerte eben. Hungern muß heute niemand mehr. Aber, sagt der Blogwart, wenn man sich als Künstler selbst verwirklichen will, dann reicht der Gang zum Sozialamt nicht aus, eine Bühne muß her oder ein Konzertsaal. Ansonsten verroht das Volk. An der Straße der Gewalt.

Hat so etwas schon mal jemand von einem Bäcker gehört, wo wir gerade bei Grundnahrungsmitteln sind? Seine Brötchen und Brote schmecken zwar nicht, die Kundschaft verzichtet auf den Einkauf bei ihm, weil sie das Zeug widerlich findet aber weil er gerne Bäcker ist, hat das Land ihm gefälligst die Backstube zu subventionieren und die Angestellten. So läuft das, wenn sich Künstler kritisch äußern. Nein, Kunst kann man nicht mit dem Backen von Brötchen vergleichen aber warum soll das Publikum für die Hobbys anderer zahlen? Weil sie es sagen?

Früher. Also in vordemokratischer Zeit, da gab es das Mäzenentum, das heißt, wenn Musiker, Sänger oder Schauspieler aus der Masse hervorstachen, durch ihre Leistungen (oder ihr Aussehen) oder ihren guten Ruf, dann fanden sich Monarchen oder Landesfürsten, die sie förderten.  Sie förderten herausragende Leistungen und die Darbietungen der Geförderten hatten zu gefallen, ansonsten wurde die Stelle als Hofkomponist oder -Schauspieler neu besetzt.

Aber zum Glück leben wir in einer Volldemokratie mit Rundumversorgung. Hier hat jeder, der von sich sagt, er wäre Künstler, ein Recht auf Selbstverwirklichung mit staatlicher finanzieller Unterstützung. Nur die Bäcker eben nicht. Wenn die schlecht Backen, dann war es das.

Jetzt muß die Kultur sich mit noch mehr Mut zu zivilem Ungehorsam den aktuellen Sparplänen entgegenstellen, geschlossen und gemeinsam mit den Bürgern. Beschwört IC Falkenberg. Und der Blogwart freut sich schon darauf, wenn Schauspieler und Musiker trillernd und pfeifend durch die Straßen ziehen und rufen: „Dieses Theater wird bestreikt!“

Natürlich, wird es hart werden für die Bevölkerung, die vorher nicht ins Theater ging und jetzt auch nicht, wenn die Verrohung der Sitten schleichend aber unbarmherzig einsetzt und man nicht mehr wählen kann, zwischen preisgünstigem Blutbad bei RTL oder teurerem Blutbad auf der Theaterbühne. Wo die Flecken doch so schlecht rausgehen. Aber da müssen sie dann durch. Durch diese Durststrecke.

Bild: In vordemokratischen Zeiten war das einfach. Wer nichts konnte oder nicht gefiel, wurde an die Hunde verfüttert oder verlor seine Stelle bei Hofe. Heute finanziert das Volk mit Begeisterung das ehemals fahrende Volk, denn es weiß, nur ein gut subventioniertes Theater hält es davon ab, zum Nachbarn zu gehen, ihm die Kehle aufzuschlitzen und seine Frau mit Gewalt zu nehmen. Und wer das nicht glaubt, der hat von Kunst und Kultur keine Ahnung.

13 Responses to “Fragen Sie doch mal einen Politiker”


  1. 1 eulenfurz 26. Juni 2013 um 08:35

    Die Alimentierungsmaschinerie läßt sich stets nur durch Erpressung und Nötigung am Rotieren halten.

    Brechen diese ganzen Schimären einmal weg, Krampf gegen Rächts, Integrationsindustrie, Kulturscharlatanerie … brechen für die bislang malochenden Zahldrohnen plötzlich Tage ungeahnten Wohlstandes und ungeahnter Freizeit an.

    Nur die Faulpelze und Nichtskönner der schmarotzenden Subventionsbereiche müßten plötzlich abspecken. Das würde aber die Wirtschaft ungemein ankurbeln, denn diese selbsternannten „Kreativen“ müßten fortan sinnvoller Tätigkeit nachgehen und wirkliche Nachfragen erfüllen.

  2. 2 Karl Eduard 26. Juni 2013 um 09:17

    Es würde ja reichen, wenn die sich ihr Geld selbst erspielen. Dazu reicht es aber offenbar nicht. Und wenn man den Bürger fragt, willst Du weniger Polizeistationen im Lande oder Dein Theater behalten, natürlich stimmt er für das Theater, solange der Schauspieler bei Notruf dann auch kommt und die Polizistenrolle überzeugend darstellen kann. Das dürfte doch kein Problem sein. 🙂

  3. 3 Beipflichter 26. Juni 2013 um 09:43

    Das bundesdeutsche Hornvieh ist ja gründlichst darauf konditioniert worden, wo und wann es die Claqueur-Rolle bei „künstlerischen Darbietungen“ bzw. „ Kunstobjekten“ zu spielen hat. – Denn alle sind bekanntlich reaktionärer Mieflinge und pöööse Naaatsieehs, die nicht die ach so „progressive“ „Moderne Kunst“ bejubeln, sondern entweder komplett ignorieren, oder sogar als dekadenten Dummfug und Scharlatanerie ablehnen.
    Ergo werden „Events“, wo derlei Brechreiz-Kunst kredenzt wird, eher grossflächig gemieden, wo all die „Progressiven Bühnen“, „Modernen Galerien“ mit unseren Steuergeldern künstlich am Leben gehalten werden, damit irgendwelche durchgeknallten, grössenwahnsinnige IrrwischInnen sich an ihren pathologischen „Kunstwerken“ austoben können.

    Bei populäreren „Kunstdarbietungen“ , die das Bundeshornvieh schon eher frequentiert, ist indes darauf zu achten, dass sein Beifall bzw. Bewunderung desto frenetischer auszufallen hat, je weniger die „Kunst“ seinem eigenen, westlichen, christlisch-abendländischen, gar deutschem Kulturkreis entstammt.

  4. 4 Unke 26. Juni 2013 um 13:13

    @KE
    Polizeistationen versus Theater?
    Aber das geht ja gar nicht. Denn das würde ja bedeuten, „das eine gegen das andere auszuspielen“!
    Neinneinnein. Es darf nirgends weniger werden. Niemals. Schließlich wissen wir ja, wohin das führt.
    Es muss immer mehr werden. Mehr von allem. Für alle. Äh… also für alle, die nichts arbeiten. (Staats-)“Künstler“. Sozialarbeiter. GEZ- Entlohnte. Griechische Pensionäre. Ostdeutsche Rentner. Und so weiter.
    .
    Als ich eine Zeit lang in Kiel arbeitete bin ich regelmäßig an der „Bundesanstalt für Milchforschung“ vorbeigekommen; eines der höchsten Gebäude der Stadt.
    Kann mir einer erklären, welche Geheimnisse der Milch nach über 130 Jahren Forschung noch der Entdeckung harren? Wenn man die Beschäftigten dort fragt (Bundesbedienstete) werden die mich sicherlich von ihrer absoluten Unersetzlichkeit überzeugen… oder es zumindest versuchen…

  5. 5 Karl Eduard 26. Juni 2013 um 13:20

    @Unke

    Die Mikroskope werden ja immer besser, da gibt es noch viel zu forschen. 🙂

  6. 6 Hildesvin 26. Juni 2013 um 15:09

    Mich würde es ja eigentlich nach meiner pekuniären Erholung (früher selbstständig(!), dann pleite, jetzt geschätzter Großknecht) mal nach einer Oper gelüsten: Aber mir graut bei der Vorstellung, daß an unpassender Stelle ein Herrenballett auftaucht, unten schwarze Strapse/oben SA-Uniform, Cancan tanzt und dabei das Horst-Wessel-Lied in Rap-Version singt, wobei sich der rechte und der linke Flügelmann einen abschrubben.
    Und, wer es befremdlich findet, ist ein tumber Prolet, wenn nicht gleich Natzi.

  7. 7 vitzli 27. Juni 2013 um 01:14

    @ hildesvin

    der witz ist ja, kunst will gerne und soll durchaus auch provozieren. aber wen eigentlich provoziert der von dir geschilderte bühnale kulturkatastrophenfall?

    niemanden.

    aber alle angepassten kulturbetriebswürstchen tun willig so, als ob.

    omg…omg … omg … lol.

    ich sehe da römische dekadenzverdächte. (wobei ich keine parallelen zu dem schwulen türkenindieeuhereinholer anknüpfen möchte, der eigentlich gar nicht in diese länder reisen … wegen schwulentödlicher scharia …. aber ich komme fast vom thema ab …. lol).

  8. 8 Karl Eduard 27. Juni 2013 um 01:39

    Das mit der Provokation reden uns die Schwachsinnigen ein, die Stümper, anstatt Könner sind. Wen wollte da Vinci provozieren, Michelangelo, Tizian, Schinkel, Lessing oder Schiller? Oder auch der Ohrabschneider van Gogh? Niemanden. Die hatten Themen und Ideen, die raus mußten. niemand hat sich von denenen gesagt, jetzt mach ich mal was Provokatives, da werden die Leute aber staunen. Oder die Opernkomponisten, die Operettenschreiber, die Komponisten. Wollte Beethoven provozieren? Nein. Der hatte Musik in sich, die mußte raus. Der Bewunderte Napoleon und schrieb die Eroica. Schubert war genauso ein Kreativer. Nirgendwo ein Abklatsch oder gar eine Interpretation. Alles Orginal und alles orginell. Heute hingegen, Nichtskönner, Schleimscheisser und Subventionsjäger.

  9. 9 eulenfurz 27. Juni 2013 um 07:04

    @K.E.
    Es ist einem subventionierten Kultur-, Wissenschafts- oder Politbetrieb eigen, daß er Kreativität und Innovation behindert und vom Typus des Bürokraten übernommen wird, der Kultur, Wissenschaft und Politik lähmt.

  10. 11 vitzli 27. Juni 2013 um 13:35

    karli,

    du hast schon recht mit dem, was du schreibst. aber es ist eben auch nicht zu vergessen, daß viele künstler, die zb neue stile entwickelten, die herkömmlichen Altbackenen provozierten. „blaue reiter“ und co, oder politisch provozierten (grosz, dix und sowas). weiteres stichwort entartete kunst.

    früher hatte kunst auch eine ganz andere funktion. (objektgenaues malen ist zb durch die photografie vielfach obsolet geworden). umgekehrt hätte politische malerei vor 400 jahren wohl wenig überlebenschancen gehabt. welcher könig hätte sich ein königskritisches bild aufgehängt (und bezahlt)?

    warum soll es daneben nicht auch „schöne“ kunst geben. die tun sich ja nicht gegenseitig weh. aber die unschönen einfach so ausgrenzen …. tse, tse …!

    davon zu unterscheiden ist natürlich der rein dekadente (und kulturbehördenbezahlte) bereich. zb aktuell ai weiwei und seine aufeinandergestapelten stühle zb. heute kann man auf den boden spucken und das zur kunst erklären („gesellschaftskritik: asymetrisch minimalistischer und biologisch voll abbaubarer ausdruck von verachtung des rechten establishments“ oder was auch immer man dazu faseln kann).

    im bereich der musik gilt das selbe. oder ist bei dir der kreative künstlerische bereich seit dem 20. jahrhundert erstorben? beatles etc …? weil die geigen und partituren fehlen? geht intellektueller jazz? was ist mit gruseligem freejazz?

    du unterliegst außerdem dem irrtum, daß du glaubst, die provokation muss geplant sein. sie kann es. vielfach haben künstler aber provoziert, durch neuen stil etwa, ohne das unbedingt beabsichtigt oder gewollt zu haben (das dürfte auch vielfach für den bereich entartete kunst gegolten haben). aber da kam plötzlich etwas neues, junges an und das hat den altvorderen platzhirschen schon immer gestunken. (würdest du heute rechte kunst machen, würde das auch ohne jede provokationsabsicht provozieren, und wie! lol).

    die „provokationen“, die hildesvin oben beschreibt, sind angepasste hässliche nur und Scheinprovokationen (schon weil provokateure und „provozierte“ hand in hand dastehen und staunen, wie gut sie doch sind). dekadent eben.

  11. 12 Karl Eduard 27. Juni 2013 um 22:10

    Du hast schon recht aber wieso müssen wir das bezahlen, wenn sich Leute selbstverwirklichen wollen?

  12. 13 vitzli 27. Juni 2013 um 23:10

    da sind wir uns völlig einig. der kunstsubventionsmist ist entartet.


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