Deutsche Regierung uneinsichtig

Flugzeuglandung unter den Linden 1923Folgender Artikel behandelt einen Teil der deutschen Geschichte, der aus dem Bewußtsein der Öffentlichkeit verschwunden ist. 1923 besetzen Frankreich und Belgien völkerrechtswidrig deutsches Staatsgebiet und errichten dort eine Schreckensherrschaft, infolge derer Tausende Deutsche vertrieben und brotlos gemacht werden, Hunderte zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt und etliche Menschen erschossen, erschlagen oder ordentlich von Gerichten der Besatzer zum Tode verurteilt  werden. Anders, als das heutige Regime Merkel, entschuldigt sich die damalige deutsche Reichsregierung nicht für Vorfälle, die noch gar nicht aufgeklärt sind, oder zahlt eilfertig Entschädigungen. Das sollte uns schon zu denken geben. Jeder, der in der damaligen Zeit mit wachen Sinnen durch die Welt ging, wird eines begriffen haben, das Völkerrecht ist damals, wie heute, keinen Schuß Pulver wert, wenn sich Staaten nicht selbst zu verteidigen wissen. Deutschland war zu diesem Zeitpunkt eine Armee von 100 000 Mann erlaubt, jeder militärische Widerstand war damit von vornherein aussichtslos.   *Die Coburger Zeitung vom 09.08.1923* schreibt:

Neue Anmaßungen gegen Deutschland. Belgien und Frankreich fordern „Genugtuung“ für Duisburg. – Ablehnende Antwort der Reichsregierung.

Nach einer Meldung des „Berl. Lok. – Anz.“ hat nach der letzten Besprechung des Reichskanzlers mit dem Nuntius Pacelli eine Demarche des französischen Botschafters und des belgischen Gesandten stattgefunden. … Beide Missionschefs haben als Auffassung ihrer Regierung im Auswärtigen Amt dargelegt, die Reichsregierung habe sich durch ihre Anordnungen über den passiven Widerstand, durch ihre Beileidstelegramme u. dergl. für die Folgen des Widerstandes verantwortlich gemacht. Die französische und belgische Regierung müßten verlangen, daß das Attentat auf die Duisburger Brücke missbilligt werde,  und daß alles unternommen werde, um die Täter zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen. Als Beweis dafür, daß Deutsche an dem Attentat beteiligt gewesen seien, wies der belgische Gesandte darauf hin, daß auf der Brücke Bruchstücke einer Explosionsbombe gefunden worden seien. –

Der Vertreter der Reichsregierung hat darauf geantwortet : Wir entschuldigen uns vieltausendmal, gleich morgen hält der Reichstag eine Sondersitzung ab, in der wir uns alle kollektiv schämen und auch, wenn es keine Opfer gegeben hat, außer dem Brückenbelag, gibt es doch sicher Bedürftige unter den Besatzungssoldaten, denen wir etliche Millionen Reichsmark anweisen könnten? Der Vorfall in Duisburg sei der deutschen Regierung bisher nur aus Zeitungsmeldungen bekannt geworden. Alle versuche, sich ein klares Bild zu verschaffen, seien gescheitert, was nicht zu verwundern sei, weil die deutschen Lokalbehörden keine Möglichkeit hätten, den Sachverhalt an Ort und Stelle nachzuprüfen.

Selbst wenn an dem Vorfall Deutsche beteiligt gewesen sein sollten, so könne nicht zugegeben werden, daß die deutsche Reichsregierung irgendeine Verantwortung dafür zu tragen habe oder in irgendeiner Weise zu derartigen Akten ermutigt habe. Nach Beginn der Ruhraktion habe die deutsche Regierung Anordnungen erlassen, die nicht die Ursache, sondern die Folge des spontan aus der Seele der Bevölkerung hervorgewachsenen Widerstandes gewesen seien.

Das, wirft der Blogwart ein, muß man sich auf der Zunge langsam und genüßlich zergehen lassen: Die deutsche Regierung hat Anordnungen erlassen, nämlich die, zum passiven Widerstand gegen die Besatzer, als Folge des Wunsches der besetzten Bevölkerung nach Widerstand. Wie hat doch Marlene Dietrich in Hinblick auf unsere heutigen Volldemokraten gesungen: Sag mir, wo die Männer sind. Wo sind sie geblieben?

Das Beileidstelegramm im Falle Schlageter (des von den Besatzern ermordeten deutschen Kaufmannes) sei eine durchaus natürliche und selbstverständliche Kundgebung gewesen, nachdem ein deutscher Mann von einem fremden Kriegsgericht auf deutschem Boden für eine wahrlich nicht aus ehrloser Gesinnung entstandenen Tat verurteilt und hingerichtet worden sei.

Man dürfe nicht vergessen, daß keinem Belgier oder Franzosen trotz maßlosen Terrors der Besatzungstruppen auch nur ein Haar gekrümmt worden sei, während mehr als zwanzig Deutsche schuldlos ihr Leben unter den Kugeln der Besatzungstruppen eingebüßt haben. Die Angabe, daß man am Ort der Tat Trümmer einer Bombe gefunden habe, sei keineswegs genügend, um die Beteiligung Deutscher an dem Attentat nachzuweisen. Hingewiesen werde müsse aber darauf, daß nach französischen Meldungen in letzter Zeit wiederholt Fälle sich ereignet hätten, bei denen französische Soldaten von ihren eigenen Kameraden erschossen worden seien. Was die deutsche Mitwirkung in der Weiterbehandlung der Angelegenheit betreffe, so werde die deutsche Regierung sich äußern, sobald in konkret-substantierter Form das Ergebnis der Untersuchung vorliegen werde.

Und das, merkt der Blogwart an, ist ja nicht so schwer, das Ergebnis einer Untersuchung abzuwarten, bevor schweifwedelnd die Staatstrauer ausgerufen wird. Immer wenn er diese alten Texte liest, drängen sich ihm unwillkürlich Vergleiche zum heutigen Politikerpersonal auf und der Begriff „ohne jegliches Format oder Charakter“ ist schon sehr beschönigend.

Bild: Dem deutschen Staat ist es verboten, eigene Luftstreitkräfte zu unterhalten. Fremde Flugzeuge können also nach Gutdünken deutschen Luftraum verletzten, ohne die Möglichkeit, sie aufzuhalten. Was dem Zivilflieger recht ist, ist aber dem Militärpiloten billig. Deutschland muß aber keine Angst haben, ist es doch nur von Freunden umgeben, von denen käme keiner auf die Idee, Bomben zu werfen. Nur, weil sie es könnten. Hier ist ein Zivilflugzeug in Berlin „Unter den Linden“ gelandet, die Polizei stellt die Maschine sicher.

4 Responses to “Deutsche Regierung uneinsichtig”


  1. 1 eulenfurz 10. Juli 2013 um 09:19

    Unfaßbar, die Nazis waren also nicht nur nach 1945 in den demokratischen Ämtern aktiv, sondern auch vor 1933 tummelten sie sich in demokratischen Parteien. Das gehört dringend aufgearbeitet.

    Man stelle sich das mal vor: 2 Jungens von der Stahlhelm-Jugend sterben erschossen in einer brennenden Kutsche, die keine Spuren hinterläßt, und in deren ausgebrannter Wohnung wird ein Splitter der explodierten Bombe im Nähkästchen gefunden. Die Frau des einen wird verhaftet, der Reichstag hält eine Schweigeminute für die Angehörigen der umgekommenen Besatzer ab, zahlt Millionen Reichsmark Löse- und Schweigegeld und beim Show-Prozeß gegen die Stahlhelm-Frau treten die Angehörigen der Franzosen- und Negersoldaten als Nebenkläger auf…

    Das könnte man weiterspinnen und erhielte einen Roman der Grotesken und Irrsinnigkeiten. Aber nichts ist heute so normal, wie der Wahnsinn!

  2. 2 m.ela 10. Juli 2013 um 10:15

    Ganz sicher hatte die damalige Reichsregierung auch nicht versäumt, die eine oder andere Straße nach den gemeuchelten Franzosen- und Negersoldaten zu benennen *weitergesponnen*

  3. 3 Karl Eduard 10. Juli 2013 um 10:20

    Bloß wäre sie damit beim Volke kaum durchgekommen. Der Verblödungslevel lag erheblich niedriger.

    Es ist ja auch ein Unterschied, ob man gewaltsam okkupiert wird oder die Regierung die Besatzer einlädt und ihre Schandtaten zu kultureller Bereicherung und Vielfalt erklärt. Die Propagandisten solcher Ungeheuerlichkeiten wären nicht alt geworden. Jedenfalls nicht älter als nötig.

  4. 4 Zeckentod 11. Juli 2013 um 08:22

    Ja, ja, wenn man sich erst mal an die Besatzung gewöhnt hat, leben die Verräter wie die Made im Speck. Der Euro ist dann „alternativlos“, jeder militärische Widerstand von vornherein aussichtslos: Damals konnten nicht mal 100 000 Mann in Waffen etwas ändern, heute hat man vorsorglich gleich die ganze Bundesweht „entmannt“ und erzählt den Micheln, sein bißchen „Freiheit“ würde von den Söldnern am Hindukusch verteidigt! Frau Ferkel, die Made im Speck, hat eben die „Lektion“ aus der Geschichte gelernt: daß das Völkerrecht „keinen Schuß Pulver wert“ ist, denn: Recht haben und Recht bekommen sind bekanntlich zwei völlig verschiedene Dinge, zwischen denen Welten liegen. Damals waren wir eben noch ein normales Volk und ein normaler Staat, wenn auch teilbesetzt – heute haben wir uns an die Besatzung gewöhnt und nehmen die Schläge der Besatzer gerne hin, ja übernehmen auch noch fremde Schuld, wenn ein paar „Döner“ gekillt werden. Fast sind wir wie Gott! Denn „Vergeben ist ja sein Beruf…“


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