Archiv für 11. Juli 2013

Zschäpe wickelt ein Hustenbonbon aus

KreuzeUnd das, sagt der Blogwart, ist schon das Interessanteste, was die Berichterstattung zu den vorgeblichen NSU – Morden hergibt. Während das Mordopfer irgendwelcher Killer, die der Staat nun der Überlebenden des „Terrortrios“ in die Schuhe zu schieben versucht, auf der Leinwand in seinem Blute schwimmt, nimmt Frau Zschäpe die Brille ab, wickelt ein Bonbon aus und redet mit ihren Anwälten, anstatt laut aufheulend zusammenzubrechen und „ich war es, ich war es!“ zum Richtertisch zu rufen.

Der Zeuge Günther B. sieht zwei Männer in Radlerkleidung am Mordfahrzeug vorübergehen aber offensichtlich keine Frau. Wo ist da, fragt der Blogwart, die Verbindung zu Frau Zschäpe und wer waren die Männer in Radlerkleidung? Als Radler verkleidete Radler?

Antwort geben könnte Semiya Simsek, die Tochter des von irgendwem Ermordeten, die hat nämlich ein Buch geschrieben, „Am Tag, als Enver Simsek starb und alle Glohocken klangen …“ oder so, die wird doch wenigstens Frau Zschäpe gesehen haben, die rauchenden Colts in den Händen? Aber wenigstens regt sich Scham im Leser, beim Lesen des Erinnerungsbandes, so wie sich manchmal Scham regt, wenn man sich fragt, wie können Journalisten so etwas verzapfen ohne anschließend den Kopf in den Backofen zu stecken und das Gas anzudrehen? Kann  das mal jemand erklären?

Bild: Die Zahl der Toten ist Legion aber wie beweist ein Staat, der sich stolz selbst Rechtsstaat nennt, denen, denen er für den Tod der Toten eilfertig die Schuld zuwies und Entschädigungen zahlte, ohne je diese Schuld bewiesen zu haben, daß sie die Toten ermordeten? Aber, meint der Blogwart, in einer Bananenrepublik wie der unsrigen, geht das schon. Auch wenn Frau Zschäpe weder selbst geschossen, noch die Waffen geladen oder sie nur transportiert hätte, verurteilt werden muß sie. Und wenn es nur für die Vernachlässigung ihrer Katzen ist.

Vor 80 Jahren

Strandmode 1933Berichtet *Die Freiburger Zeitung vom 11. Juli 1933* Der bereits zitierte Lord Rothermere führt aus … Die erste Folge des neuen Geistes, den Hitler Deutschland eingehaucht habe, sei eine ersichtliche Wiederbelebung seines Binnenhandels. In England sei die Einflüsterung weit verbreitet worden, die Nazis wären finstere , junge Raufbolde, die mit Terror über eine eingeschüchterte, empfindliche Bevölkerung herrschten. Das sei eine gänzliche Verdrehung der Tatsachen, sie erfreuten sich vielmehr der Sympathie der Bevölkerung und seien der Vortrupp der nationalen Erhebung, die unter der sachgemäßen, zweckbestimmten Führung Hitlers und seiner Handvoll Gehilfen, außerordentlich schnell Deutschland das Vertrauen in die eigene Kraft und ein gütiges Geschick wiedergebe, das durch die Kriegsniederlage erschüttert gewesen sei. Hitler, so schließt der Artikel Rothermeres, sei ein Tatmensch, er habe sein Land aus der fruchtlosen Leitung durch zaudernde, halbfertige Politiker gerettet, er habe seinem nationalen Leben den unüberwindlichen Geist sieghafter Jugend eingeflößt.

Reichsminister Dr. Göbbels spricht über die Aufgaben des Rundfunks: … Ich werde in den nächsten Tagen die Vertreter des Rundfunks, die die Schlüsselstellung innehaben, zu mir kommen lassen und ihnen noch im besonderen sagen, daß der Rundfunk von der höchsten Spitze bis zum letzten Mann im Senderaum nun ganz eindeutig nationalsozialistisch eingestellt zu sein hat. Ich gebe hier der Hoffnung Ausdruck, daß der Rundfunk ein großes und modernes Beeinflussungsmittel in der Hand der Reichsregierung werden wird und daß von keiner Seite mehr Störungen einsetzen können. Der Rundfunk ist nicht mehr das Instrument der Männer im Kabinett, er ist das Mittel, unser nationalsozialistisches Wollen ins Volk zu tragen. …

Deutsche Arbeitslager London, 10. Juli (W.T.B.) Ein Sonderkorrespondent des Daily Express schildert den tiefgreifenden Eindruck, den er bei einem Besuch in rheinländischen Arbeitslagern empfangen hat und sagt, eines der schwierigsten Weltprobleme, nämlich die Aufrechterhaltung der Moral der Arbeitslosen, werde von den Nationalsozialisten in bemerkenswerter weise in Angriff genommen. Anstatt den Arbeitslosen zu erlauben, durch Müßiggang in ein verbrecherisches Leben hinabzugleiten und körperlich zu verwahrlosen, würden sie mit militärischer Disziplin ausgebildet und mit nützlichen öffentlichen Arbeiten beschäftigt. Jeder Arbeiter könne das Lager verlassen, wenn er wolle; aber den meisten gefalle das harte Leben nach der traurigen Erfahrung der Untätigkeit.

Fritz Ebert jun. in Schutzhaft Berlin, 9. Juli. Der Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten, Redakteur Fritz Ebert, ist nach langem vergeblichem Suchen aufgefunden und in Schutzhaft genommen worden. Er wird in ein Konzentrationslager gebracht werden.

*2. Morgenausgabe* „Deutsche Brüder in Not“ Markgräfler schreiben aus Rußland erschütternde Briefe. Holzen (Amt Lörrach), 8. Juli. Vor etwa 80 Jahren war von hier die Familie Hagin, ein seit Jahrhunderten in Holzen ansässiges Markgräfler Bauerngeschlecht, nach Rußland ausgewandert. Jetzt kommen Briefe von der Familie aus Südrußland, die mehr als viele Worte von der erschütternden Not, unter der Rußlanddeutsche leiden, aussagen. In einem dieser Briefe vom Juni d. J. heißt es: Weil wir uns in großer Not befinden, bat ich meine Mutter, Maria Hagin um die Adressen ihrer Verwandten in Deutschland. Jetzt sind wir in großer Not und wir leben schon etliche Monate ohne Brot. Laut Enteignungsgesetz verloren wir, nachdem wir aus dem Kollektiv ausgeschlossen wurden, unsere letzten Kühe und Hühner. Das, was uns gelassen wurde, ist wertlos. Das Schlimmste ist, wir haben keinen Teil an der zukünftigen Ernte. In einem Brief vom 14. Juni schreibt die Tochter an ihre Verwandten in Deutschland: Wir essen gegenwärtig die Blüten von den Bäumen und Gras und da ist man immer hungrig. Brot haben wir schon seit drei Monaten keines. Bitte helft uns, wenn es geht.

*1. Abendausgabe* Für eilige Zeitungsleser: Berlin: Das internationale Arbeitsamt in Genf hat festgestellt, daß in Deutschland der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit bisher am erfolgreichsten durchgeführt worden ist. London: Der kürzlich aus Rußland zurückgekehrte Sonderkorrespondent der „Times“ schildert in einem Bericht die drückende Lage der russischen Bevölkerung. So seien u.a. während der letzten beiden Jahre 70 Millionen Bauern von 14 Millionen Farmen in 200000 Kollektivfarmen getrieben worden. Berlin: gegenüber einer ausländischen Mitteilung, daß sich in Deutschland 100 000 Schutzhäftlinge befänden, gibt der amtliche Preußische Pressedienst die Zahl für ganz Deutschland mit 18000 an.

Bild: So tummelt sich die modebewußte Frau von 1933 am Strand. Trotz Stacheldraht, kläffenden deutschen Schäferhunden und Maschinengewehren auf Wachtürmen, die 18 000 von 80 Millionen in Unfreiheit halten, geht das Leben in Deutschland seinen normalen Gang. Daß Andersdenkende eingesperrt werden, das können wir uns im demokratischen Rechtsstaat nicht vorstellen, außer, sie leugnen den Holocaust, also, daß sie persönlich es nicht waren, die 6 Millionen Juden umbrachten und andere das technisch gar nicht bewerkstelligen konnten oder wollten oder durften. Dann ist die Demokratie und der Glaube, auf dem sie beruht, nämlich der  an unsere ewige Erbschuld,  in Gefahr, dann wird hart durchgegriffen. Richtig so. Sagt der Blogwart. Leugnern jeglicher Coleur gehört das Handwerk gelegt.


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