Jennifer Teege schreibt

Schule*Großvater hätte mich erschossen*. Ja, seufzt der Blogwart bedauernd, leider hat der Opa Amon seine Enkelin aber  nie kennengelernt. *Sepp Depp* erklärt in seinem Artikel, daß es objektiv gar nicht möglich war, vom hypothetischen Balkon des Kommandantenhauses Lagerinsassen zu erschießen, es sei denn, sie hätten direkt vor seinem Haus dazu Aufstellung genommen. Nichtsdestotrotz sollen hier nicht die unfassbaren Verbrechen eines Herrn Göth angezweifelt werden, der über einen Hügel hinweg Menschen erschoß und sie dann von Bello und Pluto zerfleischen ließ, wobei noch nicht geklärt ist, wie er die Hunde dazu gebracht haben sollte, auf dem hypothetischen Balkon stehend, ist es doch von Frau Teege eine kolossale Leistung, sich mit den Schandtaten ihres Opas auseinanderzusetzen, der sie ja, leider, leider, nie persönlich treffen durfte.

Der Blogwart wird auch noch mal schauen, ob es in seiner Ahnenreihe irgendein Monster gibt, das er dann in einem Buch ausschlachten kann. Der Titel wird dann lauten „Ururururgroßmutter hätte mich ausgesaugt“ oder so ähnlich. Oder „Urururururopa hätte mir die Hände abgehackt“. Natürlich wird das nie an Frau Teeges Glanzleistung heranreichen, würden doch Quellen, Fotos und Augenzeugen fehlen aber was macht das schon. Dann muß eben die Phantasie ein wenig mehr bemüht werden. Auf die Wahrheit kommt es bekanntlich nicht an.

Bild: Von Kindheit an hatte Jennifer Teege so ein dumpfes Gefühl, irgendetwas könne nicht mit ihr stimmen. Es war aber nicht ihre gesmischtrassige Herkunft. Deshalb war sie froh, eines Tages zu erfahren, daß Amon Göth ihr Großvater ist. Fortan ließen sich sämtliche Probleme ihres Lebens auf den bisher unbekannten Opa zurückführen und ein Buch kam auch dabei heraus. So hatte die Abstammung der damals kleinen Jennifer und die Verbrechen Amon Göths dann doch noch ihr Gutes.

11 Responses to “Jennifer Teege schreibt”


  1. 1 Dr.Alopecius 25. September 2013 um 10:21

    Folgt man Dikigoros dem Zynischen, dann wäre Amon Göth nur eine literarische Gestalt, und zwar ausschließlich. So wie Binjamin Wilkomirski. Oder wie Schweinchen Dick. Wer es fassen kann, der fasse es: NT Matze 19/12.

  2. 2 Olli P. 25. September 2013 um 10:30

    Als ich die Geschichte zum ersten Mal hörte, war mir klar, dass die Zeit des III.Reiches noch für Jahrhunderte Spielraum für allerlei Geschichten hat. Noch perverser geht es nicht: Eine Halbschwarze hat einen Großvater, der angeblich zu den größten NS-Verbrechern zählen soll. So nach dem Motto: Aus Scham hat sich die Tochter von Amon Göth mit einem Neger eingelassen (oder so ähnlich). Bin ja mal gespannt, was noch so für haarsträubende Geschichten die Zukunft bringt. Ist ja fat keiner mehr da, der die geistigen Ergüsse von paranoischen Gutmenschen dementieren kann. Die geistige Vernebelung geht in die nächste Etappe…..

  3. 3 Karl Eduard 25. September 2013 um 11:10

    @Dr.Alopecius

    Aber nein, natürlich hat Amon Göth all die Verbrechen begangen, die durch Augenzeugen belegt sind, der ganze Rest ist eben künstlerische Freiheit. Und wenn es objektiv nicht möglich gewesen sein soll, von seinem Balkon Insassen im Lager zu erschiessen, weil er die unmöglich sehen oder gar auf sie zielen konnte, dann ist es dennoch die reine Wahrheit.

  4. 4 Beipflichter 25. September 2013 um 11:15

    So werden manche Konstellationen gegenüber „damals“ invertiert. Während es seinerzeit eine desaströse Entdeckung darstellte, unter seinen Vorfahren sog. „Nicht-Arier“ zu finden, ist es heute ein in jeder Hinsicht vernichtender Befund, einen erschröcklichen Nazi-Untäter als Gross- oder Urgross-Vater zu „entlarven“. –
    Und entgegen der in sonstigen Zusammenhängen trivialen Tatsache, dass Erkenntnisse und vor allem „Gewissheiten“ mit zeitlichem Abstand zu Ereignissen immer nebulöser werden, ist das in Punkto Nazi-Verwicklungen genau umgekehrt. – Je mehr Jahrzehnte verstreichen, desto unwiderlegbarer werden Missetaten ans „Licht der Wahrheit“ gezerrt, und untergetauchte „Missetäter entdeckt.“

  5. 6 vitzli 25. September 2013 um 13:36

    „bzw. arierenkelINNEN“ muss es heissen.

  6. 7 eulenfurz 25. September 2013 um 14:35

    Nur durch Zufall erfuhr Jennifer Teege, dass ihr Großvater der grausame Nazi-Verbrecher Amon Göth aus dem Film „Schindlers Liste“ war.

    So steht es in der Journaille. Also war ihr Großvater Schauspieler und hat böse Rollen gespielt. Das ist doch keine Schande! Die Töchter von Klaus Kinski sind doch auch groß rausgekommen!

    Lieber sollte sie mal bei den Ahnen väterlicherseits nachforschen – wer weiß, wie viele Kannibalen unter denen sind.

  7. 8 Sophist X 25. September 2013 um 15:57

    Man sollte den Großvater posthum dafür verklagen, dass er seine Enkelin erschossen hätte. Überhaupt sollte man alle lebenslänglich einsperren, die jemanden erschossen hätten.

  8. 9 Karl Eduard 26. September 2013 um 01:50

    @eulenfurz

    Der Schauspieler hat sich bis heute nicht entschuldigt.

  9. 10 Olli P. 26. September 2013 um 06:32

    Eigentlich habe ich auch keine Lust mehr, täglich zur Arbeit zu gehen und überlege angestrengt, mit welchen Enthüllungen ich ein Buch verfassen kann, um von den Erlösen leben zu können. Vielleicht schaffe ich es ja dann auch ins Fernsehen…….

  10. 11 Olli P. 27. September 2013 um 05:24

    Und jetzt habe ich bei Wikipedia gelesen, dass die Person auch noch in Israel studiert hat. Ihr Großvater rotiert wahrscheinlich gerade…..


Comments are currently closed.



September 2013
M D M D F S S
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30  

Blog Stats

  • 2.273.576 hits

Archiv


%d Bloggern gefällt das: