Politikerlogik

Die bedrohte deutsche ReichseinheitNach den Hochwasserschäden und der Schadenregulierung durch die Allianz, liest man in der Volksstimme, fordert die Allianz-Versicherung die Inhaber sogenannter DDR – Policen auf, ihre Verträge auf den aktuellen Tarif umzustellen, der eine Selbstbeteiligung im Schadenfall vorsieht oder bietet alternativ an, den Versicherten zu kündigen.  Wenn man sich mal überlegt, daß der Wiederaufbau eines abgesoffenen Hauses bei einem bisherigen Jahresbeitrag von vielleicht 300 €  die Allianz 100 000 € im besten Falle kostet, dann müsste so ein Hauseigentümer diesen Beitrag 333 Jahre  in ein Sparschwein stecken, um nach einem Jahrhunderthochwasser sein Häuschen wiederzuerrichten. Selbst vergleichsweise geringe Schäden, bei denen das Wasser vielleicht 10 cm hoch im Haus stand, kosten die Versichertengemeinschaft bis zu 50 000 €. Versicherungen sind aber Wirtschaftsunternehmen, die ihren Aktionären Gewinn versprochen haben, und die Gewinn machen müssen, um weiterzuexistieren,  keine gemeinnützigen Vereine. Sie leben auch nicht von Geldern, die durch Steuerpflicht begründet sind, die also gezahlt werden müssen, egal, ob man Hausbesitzer ist oder nicht. So, wie das unsere Politiker tun.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nannte den Schritt der Allianz am Mittwoch „ein verheerendes Signal für die Eigenvorsorge“.  Der Blogwart meint, ein „verheerendes Signal für die Eigenvorsorge“ hingegen ist es, wenn die Landesregierung das Geld der Steuerzahler für die rauswirft, die sich hätten gegen Hochwasser versichern können, es aber bisher nicht taten. Mit solcherart Hilfen durch die Landesregierung, die sich zwar gut machen, um das Image gütiger und fürsorgender Väter zu pflegen, oder den Anschein zu erwecken, man sei der Weihnachtsmann, werden die Leute in ihrem Glauben, die Landesregierung wird es schon richten, oder der gütige Staat, bestärkt, die dann aus Saumseligkeit oder Übermut ihr Eigentum nicht versichern und im Schadenfall erwarten, daß die Gemeinschaft sie schon aus dem Dreck ziehen wird.

Der Blogwart kennt ganz persönlich einen Fall, der, als das Wasser näherrückte, angstbebend anrief und nach einer Hochwasserversicherung fragte, die ja nun, wenn das Wasser um die Gummistiefel spült, gar nicht mehr verkauft werden darf und der, seit es vor seinem Haus wieder trocken geworden ist, keine Eile hat, sich für das nächste Jahrhunderthochwasser zu versichern, das, wir wissen es ja, alle 15 oder 20 Jahre auftritt, weswegen es auch nicht Zehnjahreshochwasser heißt.

Natürlich weiß der Blogwart, daß man, um Landesfürst zu werden, wie der Herr Haseloff, sich weder einer Eignungsprüfung in gesundem Menschenverstand  noch einem Intelligenztest unterziehen muß, der feststellt, daß man doch mehr Hirnschmalz besitzt, als ein Konsumbrot, dennoch ist es für ihm immer wieder erschütternd, wie dämlich die Leute sind, die vorgeben, das Land zu regieren. Obwohl populistisch wohl das treffendere Wort wäre.

Am 4. Oktober 1923 schreibt  *Das interessante Blatt* (v. Blogwart leicht gekürzt): Die Krise in Deutschland. Einstellung des Ruhrwiderstandes. Die innenpolitischen Erschütterungen, die das deutsche Reich jetzt durchmacht, sind Folgeerscheinungen des verlorenen Ruhrkrieges. Es war eine Schicksalstunde, als die Reichsregierung den Beschluß faßte, im Ruhrgebiete den passiven Widerstand zu organisieren. … Die deutsche Währung ist zusammengebrochen und maßlos wirtschaftliches Elend kam über das gequälte deutsche Volk. Die wirtschaftliche Not hat den Parteiengegensatz verschärft und die Separationsgelüste gesteigert. Monarchisten, Deutschnationale, Sozialisten und Linksradikale stehen sich kampfbereit gegenüber. In Bayern hat die Hitlerpartei einen förmlichen Mobilisierungsplan ausgegeben und gedroht, in Berlin mit bayrischen Fäusten Ordnung zu machen. Die bayrische Regierung hat dagegen Dr. v. Kahr als Generalkommissär mit weitgehenden Vollmachten bestellt, um jedem Putschversuch energisch begegnen zu können. …

Dazu muß der Blogwart anmerken, daß vor dem Ruhrwiderstand die Invasion fremder Streitkräfte in Deutschland stand, die nur stattfinden konnte, weil Deutschland durch den Versailler Vertrag auf eine Hunderttausend – Mann – Armee beschränkt wurde, die keinen aussichtsreichen Widerstand hätte leisten können. Und vor dem Versailler Vertrag stand der Wortbruch des amerikanischen Präsidenten Wilson, der einen gerechten Frieden versprach und dessen Versprechen törichterweise geglaubt wurde. Not und Elend waren also nicht, wie der Journalist meint, Folge des Widerstandes der Deutschen gegen eine völkerrechtswidrige Invasion Frankreichs, Belgiens und Englands, sondern Folge der völkerrechtlichen Invasion fremder Streitkräfte in Deutschland und der wirtschaftlichen Forderungen des Versailler Vertrages. 

Bild: 1. Reichswehrminister Geßler, 2. Adolf Hitler, 3. Dr. Gustaf v. Kahr

11 Responses to “Politikerlogik”


  1. 1 eulenfurz 26. September 2013 um 06:09

    Versicherungen funktionieren doch wie Wirtschaftsunternehmen, und so, wie ihre Hochhäuser und Zentralen aussehen, machen sie ordentlich Gewinn. Da kann sch der potentiell Versicherte an fünf Fingern abzählen, daß er, im großen Durchschnitt betrachtet, Miese macht. Aber manche sielen auch Lotto, und wer träumt nicht vom Lottogewinn oder dem Geldsegen nach einem Schadensfall?

  2. 2 eulenfurz 26. September 2013 um 06:14

    Ups, hier liegt noch ein übrig gebliebenes „p“ herum …. da gehört’s rein: „spielen“ Lotto

  3. 3 Karl Eduard 26. September 2013 um 07:17

    Oder wie DIE LINKE plakatierte: „Teilen macht Spaß!“

  4. 4 Kaulquappe 26. September 2013 um 09:32

    Versicherungen sind für den Normalo ein Verlustgeschäft. Er muss die Betrüger, die Aktionäre und den Apparat mitbezahlen.
    Was den Hochwasserschutz (im Versicherungssinne) in (potentiellen) Überflutungsgebieten angeht: dort müßte die Prämie risikobedingt hoch sein, so dass sich der Hausbesitzer überlegt, ob nicht doch in ein sichereres Gebiet zieht… oder von der Landesregierung (und damit den sie drangsalierenden asozialen GrünInnen) eine Garantie bekommt, dass Überschwemmungsflächen eingerichtet werden (dann würde aber wiederum auch Prämie sinken bzw. das Abschließen einer solchen Versicherung weniger notwendig machen).
    DAS wäre Marktwirtschaft.
    Hätte täte Fahrradkette…

  5. 5 Karl Eduard 26. September 2013 um 12:00

    @Kaulquappe

    Genau. So ein Hausbesitzer muß einfach nur monatlich so viel weglegen, daß es für den Sturmschaden reicht. Was kostet die Neueindeckung eines Daches? Peanuts. Oder nehmen wir mal den Amokläufervater in Winninden, dessen Versicherung schon etliche Millionen Schmerzensgeld und so zahlte, das vorsorglich beiseite zu legen, kann doch kein Problem sein. 🙂

  6. 6 eulenfurz 26. September 2013 um 14:22

    @karl eduard
    Das ist dann halt Pech, so wie ein Lottogewinn Glück ist. Wer Wahrscheinlichkeitsrechnung beherrscht, so wie die Versicherungen und Lottogesellschaften, ist klar im Vorteil.

  7. 7 Karl Eduard 26. September 2013 um 19:54

    Natürlich, deswegen ist, sich im Auto anzuschnallen, die blanke Spielverderberei.

  8. 8 Sammy J. Castillo 27. September 2013 um 03:43

    Seit dem Bruch zweier Völkerrechtsverträge durch USrael, EU und die BRD-Staatsmafia im Zusammenhang mit dem €urotz-Bailout haben Diskussionen über die Rechtslage der BRD etwas von der Beschäftigungstherapie einer Behindertenwerkstatt an sich, so kindisch und irrelevant sind sie. Nur noch Irrsinn, im Rahmen eines singulär kriminellen Systems über Rechte und Paragraphen zu diskutieren. Ja, ich weiß, der Vorwurf trifft selbstverständlich auch mich. Mich sogar ganz besonders. Natürlich mag es irrelevant sein, aber sachliches Diskutieren ist eine Kunst, die meiner Meinung nach trainiert werden soll und muss. Wenn sich eine Gelegenheit anbietet, warum nicht? Vielleicht weckt man dabei sogar noch den ein oder anderen aus seinen Träumen.

  9. 9 Kaulquappe 27. September 2013 um 07:10

    Endlich kenne ich KEs bürgerlichen Beruf.
    Er ist Versicherungsvertreter!

  10. 10 eulenfurz 27. September 2013 um 07:37

    @Karl Eduard
    Natürlich kann man gegenrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, wegen Nichtangeschnalltseins zu sterben, im Gegenzug zu den Kosten für einen Sicherheitsgurt. Man kann sich allerdings auch in gepolsterter Ritterrüstung ins Auto setzen, das würde die Wahrscheinlichkeit weiter erhöhen, im Falle des Falles unbeschadet zu bleiben.

    Man kann das Geld, das man für Versicherungen ausgibt, auch anderweitig investieren. In soziale Netzwerke etwa. Oder weniger arbeiten, um weniger Geld für Versicherungen erwirtschaften zu müssen, und mehr Zeit für soziale Kontakte zu haben. Aber bitte doch, jedem Tierchen sein Pläsierchen, und wer Versicherungen braucht, weil er den Unwägbarkeiten des Lebens nicht traut, soll dafür auch zahlen müssen.

  11. 11 Karl Eduard 27. September 2013 um 15:36

    @eulenfurz

    Letzterem, daß er dafür zahlen soll, stimmt der Blogwart uneingeschränkt zu. Wie gesagt, er, nicht die Gemeinschaft, die er dann im Unglücksfall angeht und der er tieftraurige Geschichten erzählt, warum es zwar zum neuen Auto gereicht hat oder zu einer Zigarrettenschachtel pro Tag, nicht aber zu einer Gebäudeversicherung. Jeden Tierchen sein Plaisierchen.


Comments are currently closed.



September 2013
M D M D F S S
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30  

Blog Stats

  • 2.275.834 hits

Archiv


%d Bloggern gefällt das: