Archiv für 1. Oktober 2013

Vor 90 Jahren

DevisenrazziaAm 01.10.1923 schreibt *Die Coburger Zeitung* Fortschreitende Verteuerung der Lebenshaltung um 77,7 Prozent. Obwohl der Eigenwert der Mark im Durchschnitt der letzten Woche, gemessen am Einheitskurs des Dollars in Berlin, infolge der neuen Stützungsmaßnahmen der Regierung etwas gestiegen ist, hat die Inlandskaufkraft der Mark in Bezug auf die Lebenshaltungskosten eine neue erhebliche Einbuße erlitten. Die Teuerungsmeßziffer der Industrie und Handelszeitung stieg von 18564556 auf das 32984431 fache, was eine Teuerung von 77,7 Prozent gegenüber der Vorwoche bedeutet.

Der Ankauf von Reichssilbermünzen durch die Reichsbankanstalten findet vom 01. Oktober ab bis auf weiteres zum 150 000 000 fachen Betrag des Nennwertes statt.

Die neue Erhöhung der Eisenbahntarife. Ab 2. Oktober werden die Personenfahrpreise der Eisenbahn um die Hälfte der bisherigen Preise erhöht. Alle Fahrkarten, die noch heute gelöst werden, behalten ihre volle Gültigkeit ohne Nachzahlung bis mit Donnerstag, 4. Oktober.

Die Suche nach Devisen. Beamte des Devisenkomissars haben in Kassel Razzien veranstaltet. Wo sie ausländische Zahlungsmittel vermuteten, drangen sie urplötzlich ein und nahmen Durchsuchungen vor. Das Ergebnis ist auf mehrere Billionen zu beziffern. – In Leipzig  haben Beamte auf der Suche nach Devisen in einem Lokal nach Durchsuchung der Anwesenden auch die Räume geprüft. Sie rückten Tische, Stühle, Garderobenständer, Sofas und fuhren mit den Fingern in die entlegensten Ecken. Eine sehr lohnende Beschäftigung!. Dollars, Pfunde, Franks, Gulden und Kronen wurden zutage gefördert und auch deutsche Goldstücke lagen am Boden. Ein Stoß Devisen, unter eine Tischplatte geklemmt, wurde entdeckt und die Finger zweier Glacèhandschuhe waren mit Devisen gepolstert. Der Eigentümer meldete sich begreiflicherweise nicht. Die Summe der versteckten Devisen ist größer als die, die den Gästen abgenommen worden ist. Man hat das Geld von vorherein verloren gegeben und will sich die Scherereien, d. h. die Freiheitsstrafe, sparen.

Bild: Devisenrazzia. Der klamme deutsche Staat braucht Geld, das im internationalen Zahlungsverkehr anerkannt ist. da muß man schon mal dem Bürger in die Tasche und der Dame unters Kleid fassen. Nein, das ist nicht der Unterdrückungsapparat der NS – Diktatur, sondern die demokratische Regierung von 1923, die solches Treiben veranstaltet. Geschichte wiederholt sich ja bekanntlich nicht. Jedenfalls wiederholt sie sich nicht genauso.


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