Archiv für 8. Oktober 2013

Hannover macht es richtig

ZigeunerlagerWie der Blogwart gerade auf der „Jungen Freiheit“ las, hat Hannover, besser die Stadtverwaltung, die Verwendung des Wortes Zigeunerschnitzel untersagt. Das Forum der Zigeuner, das sich aus Tarnungsgründen Sinti und Roma nennt, hatte erfolgreich gegen die Verwendung des Wortes Schnitzel geklagt. Regardo Rose, der Vorsitzende,  ist erfreut. Gegenüber BILD erklärte er, zwar hätten die Kunden nicht „Sinti und Roma“ – Schnitzel verlangt, aber wir wüßten ja alle, was gemeint sei. Seit der unsäglichen Praxis im Deutschland von 1939 bis 1945 Zigeuner zu Schnitzeln zu verarbeiten, um sie dann dem Deutschen Volke als Nahrungsmittel zuzuführen, hätte der Begriff „Zigeunerschnitzel“ einen üblen Beigeschmack. Jedenfalls für die Zigeuner. Verzeihung. Die Sinti und Roma.

Ermutigt durch diesen richtigen Schritt hat der Verband der Jäger in Deutschland angekündigt, man werde prüfen, ob der Begriff Jägerschnitzel nicht die Gefühle der Waidfrauen und Waidmänner verletze. Zwar sei noch kein Fall bekannt, daß während der Nazizeit ein Deutscher Jäger durch Deutsche verspeist wurde, man werde aber entsprechende Nachforschungen aufnehmen.  Irgendwer wäre bestimmt diskriminiert worden und dann werden man den anderen nicht den ganzen Kuchen überlassen. Ob die Hamburger sich dem Trend anschliessen ist noch offen, die Berliner jedenfalls ließen bereits wissen, wer künftig noch ein Backwerk verzehre, das Berliner genannt wird, bekomme es mit Klaus Wowereit persönlich zu tun. Und wer will das schon?

Bild: Zigeunerlager 1901. Über das Volk, das sich noch nicht in Sinti und Roma geschieden hatte, weil sich das vornehmer anhört, schreibt die *Wiener Illustrierte Zeitung*:  „Eigenartig berührt die, sagen wir, Kasteneinteilung welche die Zigeuner stillschweigend unter sich eingeführt haben. Als vornehmste Gesellschaft fühlen sich die Musiker. In der That! Es gibt unter diesen Leuten Männer, denen der Zigeuner kaum anzumerken ist. Hat jedoch so ein angejubelter Primgeiger den Salonanzug und die Lackstiefel ausgezogen, hat er auch schon seine ganze Zivilisation an den Nagel gehängt. Die zweite Classe bilden die Holzschnitzer, dann folgen die Schmiede, auf diese die Handvoll Tagelöhner und Feldarbeiter, die jedoch eine verteufelte Ähnlichkeit mit der untersten Stufe, mit den Wanderzigeunern haben. Das sind die Parias. Thierischen Genuss und thierischer Ungebundenheit fröhnend, haben sie den Diebstahl und wenn es nicht zu gefährlich ist, den Straßenraub zum Gewerbe. Der Müßiggang ist ihre Leidenschaft, Betrug und Bettelei ihre Arbeit.“ Und, meint der Blogwart, der Mehrheitsgesellschaft mit ihrer penetranten Nörgelei auf die Nerven zu gehen, kommt heute noch dazu.

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Isidor Hespel der Schakal

Eine Milliarde Mark*Coburger Zeitung 8. Oktober 1923*: Ein Henker, der sich selbst hinrichtet. Isidor Hespel, mit dem Beinamen „der Schakal“, bekleidete den Posten eines offiziellen Henkers in der französischen Verbrecherkolonie von Cayenne. Nach einer langen Reihe von Jahren, in denen er selbst als Deportierter hier lebte und sich gut führte, wurde er dazu ausersehen, die Guillotine zu bedienen, wenn Verbrecher hingerichtet werden.

Nun hat er sich selbst eines todeswürdigen Verbrechens schuldig gemacht, indem er einen anderen Sträfling tötete. Er wurde deshalb zum Tode verurteilt und seine Berufung von dem französischen Obergricht verworfen. Er hat nun vor seiner Hinrichtung um eine Gnade gebeten. Da er augenscheinlich von den Fähigkeiten anderer Henker eine sehr geringe Meinung hat, so bat er darum, daß ihm gestattet werde, die Guillotine für seine eigene Hinrichtung selbst aufzubauen und ihren Mechanismus selbst genau zu kontrollieren. Er glaubt dann wenigstens sicher zu sein, daß kein unangenehmer Zwischenfall passieren, sondern daß er rasch vom Leben zum Tode befördert wird.

Bild: Im Deutschen Reich 1923 hat sich endlich die Vision der DIE LINKE erfüllt.  Jedermann ist Millionär, wobei natürlich auch hier die Reichen zu Milliardären wurden und die Armen sich für ihre Millionen immer noch nichts kaufen können. Die Not ist groß und Bankautomaten, aus denen das Geld wächst, gibt es auch noch nicht. Schlimme Zeiten sind das, in denen 67jährige Mütterchen in der Unterwäsche Butter schmuggeln, um über die Runden zu kommen. Auch das ist die Weimarer Republik, die erste Demokratie auf deutschem Boden.

Kann man den nicht wegsperren

Und warum.Fragen Volksstimme – Leserinnen besorgt beim Anblick eines Mannes, der, so wie er aussieht, sich gibt und den Eindruck eines asozialen Alkoholikers macht, die Umgebung des Allee – Centers in Magdeburg verschandelt.  „Wir hart arbeitenden Werktätigen  wollen uns entspannen, wenn wir das Allee – Center besuchen und was müssen wir sehen? Eine Gestalt, wie aus Gorkis Nachtasyl entsprungen oder einer progessiven Theaterinszenierung von Wallensteins Lager!“ Getarnt wird diese Verwahrlostenfeindlichkeit mittels geheucheltem Mitgefühl, bald kommt der Winter, nicht mehr mit Eis und Schnee, wie ihn noch unsere Urgroßeltern kannten, sondern mit mildem Frühlingshauch, wie ihn unsere Kanzlerin prophezeiht, aber was macht das schon, wo er doch keine Schuhe anhat, stinkt und jedes Auge beleidigt.  Der Verwahrloste. Der dann auch noch keine Hilfe annimmt. Nicht vom Amtsarzt, nicht von der Teestube der Stadtmission und Schwester Erika Tietze, auch die Mitarbeiter des Sozialamtes sind ratlos, die sich Tag und Nacht um das Individuum bemühten, es mit Futter und Alkohol lockten, in der Hoffnung, es handzahm zu machen, bislang ohne Erfolg.

An der Erfolglosigkeit wird sich auch nichts ändern, denn der Mann, der völlig in sich gekehrt barfuß durch die Straßen wandelt, einem zweiten, wenn auch besoffenem Messias gleich, hat sich, außer, daß er ein Schandfleck ist, nichts zu  schulden kommen lassen, wofür ihn der Staat wegsperren könnte. Weder hat er Anzeige erstattet, gegen Leute, die  große Geldsummen am Fiskus vorbei ins Ausland bringen, noch, wie Bernd Lucke oder die Ex – Bundespräsidentengattin Wulff, den rechten Arm in sozialer Geste gehoben. Oder gar auf einer CDU – Veranstaltung ein Deutschland – Fähnchen geschwenkt, für nämliche Tat ihn die Kanzlerin persönlich hätte ohrfeigen müssen.  „Das Selbstbestimmungsrecht wiege schwerer als die Fürsorgepflicht des Staates“. Hin und wieder jedenfalls. Wenn es dem Staat, besser seinen Repräsentanten,  in den Kram passt.

Warum sich das Objekt der Zuneigung so vieler hilfsbereiter weiblicher Wesen ihrer Hilfe verweigert, können wir unterdessen nur ahnen. „Als Angebot für Obdachlose stehe zum einen die Gemeinschaftsunterkunft in der Basedowstraße zur Verfügung. 88 Plätze stehen dort bereit.“ Da sollten auch bei den zerlumptesten Alkoholikern heftigst die antifaschistischen Alarmglocken schrillen.

Bild: Dieses Bild ist gestellt. Zu sehen ist der Volksstimme – Praktikant Sven K., der sich zur Veranschaulichung des Artikels und der großen Not der Helfer der Sozialindustrie, zuerst mit Containerkleidern ausstaffierte, dann drei Flaschen Oettinger leerte, um sich in Stimmung zu bringen, die Flaschen fotogen in Position brachte, um sich anschließend, bedeckt mit der Zeitung der Konkurrenz, auf einer Bank niederzulegen. Vom Objekt der Fürsorge war kein Bild zu bekommen, nicht einmal eines mit schwarzem Augenbalken, auch keine Stellungnahme, es ist kaum zu fassen, wie weit deren Verweigerungshaltung, am Aufbau der Entwickelten sozialistischen Gesellschaft aktiv teilzunehmen,  tatsächlich geht. 


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