Der Völkerbund und die Judenfrage 1933

Spielkasino*Freiburger Zeitung 29. September 1933* Dr. Göbbels vor den Vertretern der Weltpresse: „Eine der am häufigsten gegen das nationalsozialistische Deutschland erhobenen Vorwürfe ist der, daß seine Behandlung der Judenfrage den Gesetzen der Humanität zuwiderlaufe und deshalb in der ganzen Welt auf Verständnislosigkeit gestoßen sei. Auch darüber sei mir ein Wort gestattet, vor allem im Hinblick darauf, daß die Judenfrage an sich die ganze Weltöffentlichkeit auf das tiefste bewegt hat und in der parteiischen Darstellung vielfach von vornherein das Verständnis in der Welt verbaut. Ich stehe nicht an, offen zuzugeben, daß im Verlaufe der nationalen Revolution in Deutschland gelegentlich Übergriffe seitens unkontrollierbarer Elemente geschehen sind. Das aber ist nicht das Ausschlaggebende. Wie die deutsche Regierung die Auseinandersetzung mit der Judenfrage auf gesetzmäßigem Wege vornahm, so wählte sie damit die humanste und unleserlich Methode. Unverständlich aber erscheint uns, gegen unleserlich Abwehrreaktion in Deutschland zu protestieren, andererseits sich zu weigern, den von Deutschland abwandernden jüdischen Überschuß aufzunehmen. …“

*Freiburger Zeitung 30. September 1933* Die Judenfrage vor dem Völkerbund. In der heutigen Vollsitzung der Völkerbundsversammlung legte der holländische Außenminister de Graeff einen Entschließungsentwurf über die Behandlung der deutschen Judenfrage vor. Er betonte dabei, daß ihm der Gedanke einer Einmischung in die innerdeutschen Angelegenheiten fern liege und es sich darum handle, praktische Maßnahmen angesichts der Tatsache zu treffen, daß Tausende von deutschen Staatsangehörigen in die benachbarten Länder auswanderten und mit den bisherigen Mitteln nicht versorgt werden können. … In der gleichen Sitzung kündigte der schwedische Außenminister Gundler seine Absicht an, die Judenfrage unter dem Gesichtspunkt des Minderheitenrechts zur Sprache zu bringen. …

*2. Oktober 1933 Abendausgabe der Freiburger Zeitung* Die Einstein – Kundgebungen. Daily Mail erneuert heute ihre Kritik an den für morgen geplanten Kundgebungen in der Albert Hall, bei der Prof. Einstein einen Vortrag halten wird. Das Blatt sagt, angeblich bezwecke die Veranstaltung zu Geldsammlungen für die deutschen Flüchtlinge aufzurufen, aber tatsächlich werde sie allenthalben als eine Kundgebung gegen das Hitlerregime betrachtet werden. …

*Freiburger Zeitung 4. Oktober 1933* Judenfrage keine Minderheitenfrage. Gesandter von Keller über den Standpunkt Deutschlands zum Minderheitenproblem. … Das Problem der nationalen Minderheiten erschöpfe sich aber nicht in der Frage des Verfahrens vor dem Völkerbunde zu ihrem Schutz; es handele sich um eine grundsätzliche Auseinandersetzung über das Nationalitätenproblem. Die auf Grund der Friedensverträge vorgenommenen Grenzziehungen hätten die Hoffnung einer Neuordnung der Staaten Europas nach dem Selbstbestimmungsrecht schwer enttäuscht. … Von besonderer Bedeutung für die Beurteilung des jetzigen Standes des Nationalitätenproblems sei die immer noch bestehende Tatsache zu einer mehr oder weniger erzwungenen Assimilierung fremder Minderheiten durch das Mehrheitsvolk. Von deutscher Seite sei immer wieder betont worden, daß das neue Deutschland tiefes Verständnis für die Gefühle und Lebensinteressen anderer Völker habe und sie auch zu respektieren bereit sei. Es wehre sich aber gegen jeden Versuch, Deutsche zu entnationalisieren. Die deutschen Volksgruppen im Auslande hätten vielfach zu ihrem Leidwesen erfahren, daß fremde Völker diejenigen Rechte, die sie für sich und ihre Minderheiten im Auslande beanspruchen, den bei ihnen lebenden deutschen Minderheiten noch nicht grundsätzlich zuzugestehen bereit seien. …

Die Juden Deutschlands seien weder eine sprachliche noch eine nationale Minderheit und hätten auch niemals Wünsche geäußert, als solche behandelt zu werden. Die Ausübung der jüdischen Religion sei in Deutschland völlig unbehindert. Es handelt sich in Deutschland in erster Linie um ein bevölkerungspolitisches und soziales Problem. … Beim Abschluß zweiseitiger Verträge sei eine praktische, befriedigende  Lösung kaum zu erwarten, wenn die Vertragspartner über die grundsätzliche Seite des Minderheitenschutzes, den Volkstumsgedanken, verschiedener Meinung sind.

*Freiburger Zeitung 6. Oktober 1933* Die Genfer Minderheitendebatte. Die französische Delegation hat am Schluß der heutigen Sitzung den französischen Resolutionsentwurf eingebracht. Danach soll die diesjährige Bundesversammlung feierlich die Empfehlung der Völkerbundversammlung vom 21. September 1922 bestätigen und verkünden, daß die Staaten, die gegenüber dem Völkerbund nicht durch formelle Verpflichtungen auf dem Gebiete des Minderheitenschutzes gebunden sind, trotzdem gehalten sind, ihre Minderheiten der Rasse, Religion und Sprache gerecht und tolerant zu behandeln.

Der gegenüber dem ursprünglichen Entwurf bezeichnenderweise abgeänderte zweite Absatz lautet: Die Völkerbundsversammlung ist der Ansicht, daß sie eine Interpretation der Minderheitenverträge oder der obigen Empfehlung nicht als begründet zulassen kann, die gewisse Kategorien von Staatsbürgern von den Vorteilen der Bestimmungen der Verträge ausschließt, indem diese Bestimmungen sich auf alle Staatsbürger ohne Unterschied der Rasse, Sprache oder Religion beziehen.

*Freiburger Zeitung 7. Oktober 1933* Keine Einigung in der Minderheitenfrage. … Hinsichtlich des gestern eingereichten französischen Antrages, gewisse Grundsätze für die Gesetzgebung aller Länder für verbindlich zu erklären, standen sich die Meinungen unvermittelt gegenüber. Der deutsche Vertreter wies nachdrücklich darauf hin, daß der Teil des französischen Antrages, der eine Rechtsgrundlage für die internationale Diskussion der deutschen Arierbestimmungen liefern soll, für Deutschland unannehmbar sei. … Wird der deutschen Auffassung nicht Rechnung getragen, so besteht keine Aussicht auf die Annahme der Entschließung, da hierfür Einstimmigkeit notwendig ist.

*Freiburger Zeitung 9. Oktober 1933* Keine Übereinstimmung in der Minderheitenfrage. … Der englische Antrag, der das Beschwerdeverfahren verbessern sollte, stieß, wie zu erwarten war, auf den Widerstand der kleinen Entente und wurde mit Zustimmung Englands in Form einer Empfehlung für den Völkerbund gekleidet..

Andererseits widersetzte sich England dem polnischen Antrag, der für alle Staatsbürger, die Gleichberechtigung ohne Unterschied der Rasse, Sprache und Religion forderte. Die polnische Resolution wurde schließlich zurückgezogen, nachdem auch die französischen und italienischen Vertreter sich dagegen ausgesprochen haben.

So stand nur noch der französische Antrag zur Diskussion, … und der in seinem zweiten Absatz in unverkennbarer Tendenz gegen Deutschland die Zurücksetzung von einzelnen Staatsbürgerkategorien verbieten will. Der erste Absatz wurde von dem deutschen Vertreter angenommen mit der Maßgabe, daß er auf die eigentlichen Minderheiten Anwendung finden müsse. Bei der Diskussion über Absatz 2 wurde die französische Absicht deutlich, Deutschland zu isolieren. Der französische Delegierte, Senator Bèrenger, sprach von der Notwendigkeit einer Protesterklärung gewisser Regierungen und von den heiligen Pflichten des Völkerbundes auf diesem Gebiet. … Ohne auf die deutschen Argumente einzugehen, verlangte der französische Vertreter die Abstimmung, bei der sämtliche Mitglieder für Absatz 2 stimmten. … Der deutsche Vertreter wird sowohl im politischen Ausschuß als auch in der Vollversammlung gegen diese Entschließung stimmen, so daß die nach der Geschäftsordnung zur Annahme erforderliche Einstimmigkeit nicht erzielt werden wird.

Der Blogwart ergänzt:  Wenige Tage später tritt Deutschland wegen Unstimmigkeiten bei den Abrüstungsverhandlungen aus dem Völkerbund aus.

 

 

 

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2 Responses to “Der Völkerbund und die Judenfrage 1933”


  1. 2 neuesdeutschesreich 9. Oktober 2013 um 21:01

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.


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