Archiv für 10. Januar 2014

Oberst von Reuter vor dem Kriegsgericht

Panzerkassenmobil 1914

Zur Zabern-Affäre berichtet die *Coburger Zeitung vom 10.01.1914* Interessantes. Wie auch schon in der Ausgabe einen Tag davor. Eine Darstellung jedenfalls, die vollkommen von der der DIE ZEIT abweicht. Eskommt, nicht nur, wie DIE ZEIT schreibt, zu Demonstrationen, sondern zu ehrverletzenden und tätlichen Angriffen auf Polizei und Militär. Das Militär und die Polizei wird gezielt Provokationen ausgesetzt, um sie zu Handlungen zu reizen. Die örtlichen Behörden untersagen der Polizei bei solchen Tumulten ihrer Pflicht nachzukommen.

Die *Coburger Zeitung* schreibt: „Der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Ossiander gab in seinem Plaidoyer zunächst eine chronologische Schilderung der Vorgänge. Leutnant v. Forstner hatte die Äußerung über die Wackes getan. Während die Äußerung in die Presse kam, befand sich der Leutnant außerhalb. Als er am 2. Nov. in seine Garnision zurückkehrte, erfuhr er, daß die Sache böses Blut machte. Nach weiteren hetzerischen Zeitungsartikeln wurde der Leutnant Gegenstand von Belästigungen, Beleidigungen und Schmähungen. Man warf ihm die Fenster ein und beabsichtigte, ihn zu überfallen. Die zunehmenden Tumulte veranlaßten den Obersten zum Eingreifen. Seine Ansprache an die Leute wurde aber nicht gehört. Als Forstner  nach einem Krankenbesuch in Begleitung eines befreundeten Assistenzarztes über die Straße ging, wurden die Offiziere verhöhnt und bedroht. Die Tumultanten seien aber nicht nur Kinder und halberwachsene Burschen gewesen, sondern auch erwachsene Männer. Als zwei Offiziere am hellen Tage sich auf der Straße befanden, wurden sie von einer großen Menge nicht nur pöbelhaft beleidigt, sondern auch mit Steinen beworfen. Ein andermal wurde Leutnant v. Forstner von einer Menschenmenge, die vor seiner Wohnung stand, belagert. Die Gendarmen standen untätig davor und als ein Major, der übrigens nicht belästigt wurde, herunterging und von den Gendarmen ein festeres Eingreifen verlangte, erwiderte man ihm , sie hätten Weisung von der Kreisdirektion, nicht allzuscharf einzugreifen. … „

Der Blogwart fragt: Kann man diese Quellen auch als Journalist der DIE ZEIT lesen?  Sicher, wenn einem an der Wahrheit gelegen ist. Am Anfang stand eine unbedachte, politisch nicht korrekte Äußerung   eines Leutnants. Verursacht wurde die Affäre aber durch die Berichterstattung in den Lokalblättern, in der eine Mücke zum Elefanten aufgeblasen und eine Hetze gegen das Militär entfacht wurde, wie sie bis dahin noch nicht erlebt worden war.

Bild: Geldtransporte werden in Paris künftig mit solchen Panzerkassenautomobilen geschützt. Sie sollen, untertitelt das Bild, Schutz gegen Überfälle durch Apachen und Automobilräuber gewähren. Der Stamm der Apachen hat für den ehrverletzenden Mißbrauch seines Namens, als Synonym für Straßenräuber, immer noch keine Entschädigung erhalten. Zeit wird es aber!


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