Archiv für 12. Januar 2014

Interessantes aus dem Reichslande

Militärkapelle

Noch mal zur Zabern-Affäre und dem Verhältnis der dortigen Bevölkerung zum deutschen Militär. Der Leser möge sich bitte vergegenwärtigen, daß der deutsche Sieg über das französische Kaiserrreich, nachdem dieses Deutschland 1870 angegriffen hatte, bereits 43 Jahre zurückliegt. *Die Coburger Zeitung vom 13.01.1914* schreibt auf ihrer Titelseite:

Interessantes aus dem Reichslande erzählt ein Militär in der „Tägl. Rundsch.“ Die Truppe marschiert auf der Landstraße in Lothringen. (Deutsches Reichsgebiet. Anmerkung vom Blogwart.)  Aus dem Wald heraus links und rechts ertönen plötzlich hell und herausfordernd französische Kavalleriesignale: In den Bäumen sitzen Mitglieder der „Lorraine sportive“ in einer Uniform, die derjenigen der französischen Kolonialinfanterie täuschend nachgebildet ist und äffen mit ihren Trompeten die deutschen Soldaten. Ist die Felddienstübung vorbei, dann marschieren die Welschlinge unter den Klängen der Marseilleuse wieder in ihr Dorf.

Nun hat auch die Jungdeutschlandbewegung in die Reichslande hinübergegriffen. Aber das Pfadfinderkorps kam nur unter der Bedingung zustande, daß keine deutschen Korkaden an den Hüten angebracht würden!

Ich bin wochenlang mit meinem Freiluftschiffertrupp landauf, landab gezogen, die Telegraphendrähte, die wir von der Aufstiegstelle zum nächsten Fort legten, wurden regelmäßig zerschnitten, die Täter waren nie zu entdecken. Die Landesjugend lief natürlich mit, weil die Fesselballon-, Freiballon- und Luftschiffaufstiege ihr Spaß machten, sie wurde von uns Offizieren auch immer an „bevorzugte Plätze“ gelassen. Ein Bürschchen wird vom Serganten gefragt, ob es gut Deutsch könne. „Pfui, bin nicht Deutscher, bin Franzos!“

Die Pisangs werden überhaupt behandelt wie rohe Eier. Fast jede unverschämte Flurschadenabrechnung wird ihnen bewilligt. Es wird „oben“ gewünscht, daß es keinen Krach gebe. Für den nötigen Krach sorgen die Leute schon selbst. Der „Sauprüß“ gilt als Eindringling, weil sein mildes Verhalten als Schwäche gedeutet wird. Überall wird die Trikolore Frankreichs verwendet, wenn sie auch nicht wehen darf. Zum mindesten deckt sie den Katafalk Verstorbener in der Kirche. Keine Gelegenheit wird versäumt, das Heer herauszufordern.

Es vergeht buchstäblich keine Woche in Elsaß-Lothrigen ohne einen Überfall auf Militärpersonen. Ich will nur ein paar Fälle aus Metz hierhersetzen, wo ich gestanden habe, und zwar aus dem Stadtbezirk Metz; draußen vor Forts und Pulverhäusern ist zehnfach soviel passiert. Alle diese Fälle sind innerhalb zweier Jahre zu verzeichnen gewesen.

Sergeant Maasch, Inf.-Reg. 130, wird auf offener Straße erschossen; ein Haufe von Zivilisten hat ihn plötzlich überfallen. Sergeant Schmidt, bayr. Inf.-Reg. Nr. 8 bekommt von hinten einen Schuß durch die Hand. Unteroffizier Hänisch, Fußart.- Reg. 8, Schuß von hinten in den linken Oberarm. Musketier Dirks, Inf.-Reg. 144, unvermutet und ohne Veranlassung von mehreren Zivilisten überfallen, Verletzung im Gesicht. Drei Monate später passiert dasselbe bei den Musketieren Haick und Zimmermann, Unteroffizier Giruth, Inf.-Reg. 144, bekommt aus dem Wäldchen am Diedenhofener Tor einen Schuß in die linke Hand; Täter unbekannt.  Vizefeldwebel Welk, Halbinvaliden-Abteilung, mit Schlagring ohne jede Ursache am Hinterkopf schwer verletzt. Vizewachtmeister Naumann, Drag.-Reg. 9 von acht bis zehn Zivilisten ohne Ursache überfallen und schwer verwundet. Kurz vorher geschieht dasselbe unvermutet dem Dragoner Kordes.

Die lieben, armen, friedlichen Leute, die da „Schüsse von hinten“ abfeuern, sind vermutlich schwer provoziert gewesen. Vielleich hat einer der Soldaten eine Zigarrette geraucht. Außerdem hatten sie alle die Frechheit, deutsche Uniform zu tragen. Da ist es natürlich kein Wunder. … (vom Blogwart gekürzt.)

In Ergänzung dieser Feststellungen über die fast gewohnheitsmäßigen Überfälle auf Militärpersonen in Metz, die natürlich von der demokratischen Presse totgeschwiegen werden, meldet ein Straßburger Korrespondent eine Liste der Überfälle und Belästigungen des Militärs in Zabern,  bekanntlich der „friedlichst gesinnten, freundlichsten, ruhigsten und militärliebensten Stadt“ des Deutschen Reiches, wie die Redner des Reichstages versichert haben. In dieser herrlichen Stadt hat das jetzt in die Barackenlager verbannte Infanterie-Regiment Nr. 99 binnen wenig mehr als Jahresfrist, nämlich vom September 1912 bis November 1913 sechs Überfälle auf seine Angehörige durch die einheimische Bevölkerung zu verzeichnen, wozu noch zwei Überfälle mit Schüssen und Steinwürfen auf den Schießstand und Patronenausgabeposten in Pfalzburg treten, wo bekanntlich ein Bataillon des Regiments garnisioniert ist.

Am 21.September 1912 wurde der Sergeant Ranz des Regiments auf dem Nachhauseweg mit starken Knüppeln niedergeschlagen, im Februar 1913 acht Unteroffiziere auf dem Nachhausewege abends von einer Rotte überfallen und mit Steinwürfen verletzt. Bald darauf wurde der Zahlmeisteraspirant Prüfer auf dem Nachhausewege abends hinterrücks überfallen, nachdem ihn die Burschen, die man früher als „Wackes“ bezeichnet hat, schon vorher den Weg verlegt, ihn angerempelt und als Spinner, Kohldampfschieber, Hungerleider beschimpft hatten. Der Versuch, den Zahlmeisteraspiranten in den Kanal zu werfen, mißlang. Am 27. April wurde der musketier Hecker auf der Straße von einer Rotte hinterrücks angefallen und mit Stöcken Verprügelt. Das gleiche Schicksal widerfuhr dem Unteroffizier Sickfeld am 8. Oktober, nachdem ihn die Burschen zuvor als „Spinner“ gehänselt hatten. Am 9. November endlich wurden die Musketiere Schlauch und Klein vor einer wirtschaft von 7 einheimischen Burschen unter dem Schlachtruf „Dreckige Schwoben“, „Werft die Schwoben in den Kanal“ angefallen. Da die beiden musketiere sich kräftig mit Fäusten und Füßen zur wehr setzten, hatten in diesem Falle die Angreifer den Schaden.

Das sind 8 Fälle in Jahresfrist, die gerichtlich festgestellt sind; weitere ließen sich unschwer aufzählen. Sie beweisen jedenfalls, daß die Neunundneunziger in Zabern nicht erst seit der wackesäüßerung des Leutnants v. Forstner sich eines sonderbaren Entgegenkommens von Seiten der Bevölkerung erfreuten und ihres Lebens nicht recht sicher waren. … (vom Blogwart gekürzt.)

Bild: In Elsaß – Lothringen sieht sich das deutsche Militär tätlichen Angriffen und Mordanschlägen ausgesetzt. Das findet in der demokratischen Presse keine Beachtung. Sagt aber ein Leutnant „Wackes“, dann kocht die Empörung hoch. Wen das an heutige Zeiten erinnert, und den Umgang der demokratischen Presse mit der grassierenden Deutschenfeindlichkeit, der hat wohl zu viel Phantasie. Und natürlich müssen Geschichtslügen ständig wiederholt werden. Jahrestage dafür gibt es ja genügend.


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