Archiv für 28. Januar 2014

Moral und Moralin

Kolynos Zahnpasta*Freiburger Zeitung vom 28.01.1934* Reichsminister Dr. Goebbels über die Tugendwächterei. Auszüge:

… Das geht so weit, daß diese Kumpanei von Sittenrichtern nicht einmal vor den Bezirken des rein Privaten halt macht. Sie möchten am liebsten in Stadt und Land Keuschheitskommissionen einsetzen, die die Aufgabe hätten, das Ehe- und Liebesleben von Müller und Schulze zu überwachen. Sie würden zwar, wie es in der bekannten Operette heißt, das Küssen nicht abschaffen, weil das eine viel zu beliebte Beschäftigung ist; aber sie würden immerhin, wenn es nach ihnen ginge, das nationalsozialistische Deutschland in eine Einöde von Muff und Muckertum verwandeln, in der Denunziation, Bettschnüffelei und Erpressung an der Tagesordnung wären. …

2. Die Deutsche Frau geht nicht allein aus, sie sitzt nicht allein im Restaurant, sie fährt nicht ohne Anstandsdame mit einem Jüngling oder gar mit einem S.A. – Mann auf die Sonntags – Nachmittagstour, sie raucht nicht, sie trinkt nicht, sie putzt sich nicht, sie macht sich nicht schön, kurz und gut, sie tut alles, um die böse Begehrlichkeit des Mannes in ihre Schranken zu weisen. So ungefähr stellt  der kleine Moralin – Moritz  sich die deutsche Frau vor. Und wehe, wenn so ein armes, weibliches Wesen, das vor lauter Schicklichkeitsgesetzen nicht mehr aus noch ein weiß, das Unglück hat, aus Unkenntnis oder sündiger Lust eines davon zu übertreten. Es versteht sich am Rande, daß die deutsche Frau keinen Bubikopf trägt, das tun nur Jüdinnen oder sonst verächtliches Gezeug.

Haben denn diese Moraltrompeter keine blasse Ahnung davon, daß sie mit dieser Überheblichkeit Millionen deutscher Frauen, die im Leben und Beruf grad und ehrlich ihre Pflicht und Schuldigkeit tun, die ihren Männern gute Kameradinnen und ihren Kindern aufopfernde Mütter sind, aufs tiefste beleidigen und demütigen? …

Bild: Eine deutsche Frau lacht nicht! 1934 fühlen sich viele Menschen berufen, im Dienste einer gute Sache, anderen Menschen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Das hat solche Ausmaße angenommen, daß sich die Staatsführung dazu genötigt sieht, die Begeisterung, andere Menschen zu denunzieren, anzuschwärzen und Strafen über sie zu verhängen oder zu fordern,  zu bremsen. Es macht den Nationalsozialismus im Ausland lächerlich. Unsere heutige Regierung hat damit keine Probleme. Das hat auch etwas mit Würde zu tun. Und Würdelosigkeit.

Separatisten in der Pfalz

Heinz Orbis1924 versucht Frankreich, Teile des von Frankreich völkerrechtswidrig besetzten Deutschlands, aus dessen Staatsgebiet herauszureissen. Es bedient sich dabei heimischer Verräter in sogenannten Separatistenbewegungen. Heute würde man sagen Opposition. So wie in der  in der Ukraine. Oder Syrien.

*Die Freiburger Zeitung vom 28. Januar 1924*: Die Sonderbündlerbewegung in der Pfalz. Nach dem Berliner Lokalanzeiger geht durch die ganze Pfalz nach dem Besuche des englischen Generalconsuls Clive eine neue Bewegung, die durch eine Abstimmung in den einzelnen Ortschaften eine vollständige Ablehnung der Separatisten durch die pfälzische Bevölkerung aufs neue darlegen soll. In der Nordpfalz, der Heimat des erschossenen Separatistenführers Heinz Orbis, hat in vielen Orten nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung zugunsten der Separatisten gestimmt. Die Bürgermeister von 43 Landkreisen der Nordpfalz faßten einen einstimmigen Beschluß, wonach sie die Regierung der autonomen Pfalz in Speyer nicht anerkennen.. Ferner erklärten  in dieser Entschließung diejenigen Bürgermeister, die eine Loyalitätserklärung an die sogenannte autonome Regierung abgegeben haben, daß sie diese Erklärung unter dem Zwang abgaben, und sich in Zukunft auch nicht mehr durch Androhung von Zwangsmaßregeln zu einer solchen Erklärung herbeilassen würden. Der Beschluß ist von allen Bürgermeistern eigenhändig unterzeichnet worden.

Am Donnerstag abend meuterte die separatistische Besatzung des Regierungsgebäudes in Speyer, weil ihre Forderungen auf höhere Entlohnung und bessere Verpflegung nicht bewilligt worden waren. Die anwesenden Regierungsmitglieder Eber, Schmitt und Epper mußten flüchtig gehen, sie flohen in eine französische Kaserne. (!)  von dort zogen sie mit dem berüchtigten separatistischen Stoßtrupp dem sog.en. „Fliegenden Ems“, und einer Kompanie Marrokaner vor das Regierungsgebäude. Die Separatisten drangen von vorne, ihre Helfer von der Hinterseite ein. Die Meuterer, etwa 60 Mann, wurden an Händen und Füßen gefesselt und in den Keller gesperrt, wo sie bei Wasser und Brot festgehalten werden.

Gedenkt der hungernden deutschen Kinder

Nach Blättermeldungen aus Koblenz ist der Separatistenführer Schlick aus Bell am Donnerstag abend auf der Landstraße zwischen Adenau und Mayen erschossen worden. Schlick wurde von acht Kugeln durchbohrt, aufgefunden. Die Attentäter sind spurlos entkommen. Schlick spielte während der Separatistenherrschaft in Mayen als „Landrat“ eine große Rolle; schon vor Jahr und Tag war er in der ganzen Gegend äußerst verhaßt wegen einer Reihe von Untaten, die er unter der Separatistenherrschaft ausführte. Infolge der Ermordung Schlicks hat die französische Besatzungsbehörde über Mayen und Umgebung die Verkehrssperre verhängt.

Bild: Heinz Orbis. Leitete die Abspaltungsbewegung zugunsten Frankreichs in der Pfalz. Er wurde, schreibt „Das interessante Blatt“, mit mehreren Begleitern in einem Restaurant in Speyer von deutschen Nationalisten erschossen. Der Blogwart meint, zum Glück sind solche Zeiten vorbei, in denen die Waffe gebraucht wurde, gegen Verräter am Deutschen Volk. Heute schicken wir solche Leute ins EU – Parlament, wo sie vor dem Zugriff deutscher Nationalisten sicher sind.

Bild 2: Ein Opfertag des Holländischen Roten Kreuzes für die hungernden deutschen Kinder: Der Zug mit der riesigen Sammelbüchse in den Straßen von Hertogenbosch, dem Hauptort der holländischen Provinz Brabant. – Das Ergebnis des Sammeltages, an dem sich fast sämtliche Bewohner der Stadt beteiligten war ein ganz bedeutendes.

Neiddebatte

Georg Jahn Idylle*Die Coburger Zeitung vom 28. Januar 1914*: Über die Größe der Hinterlassenschaft Bebels geht der Streit weiter. Der in Königsberg erscheinenden „Ostpreussischen Zeitung“ wird von gutunterrichteter Seite geschrieben: Die Versuche des „Vorwärts“, das hinterlassene Millionenvermögen Bebels glattweg abzuleugnen, erfahren durch die amtliche Steuereinschätzung Bebels eine eigenartige Beleuchtung. Bebel hat nicht 300 000 M. , wie der Vorwärts behauptet, zu Lebzeiten als Vermögen besessen, sondern der Parteiführer der „Hungernden und Enterbten“ zahle für genau 684 000 M. selbstangegebenes Vermögen seit dem Jahre 1908 die preußische Vermögenssteuer. Diese nichthinwegzuleugnende Tatsache liegt schwarz auf weiß in den Akten der Berliner Steuereinschätzungsbehörde. – Zu diesen annähernd 700 000 M. versteuertem Vermögen kommt noch der Wert des Besitztums in der Schweiz.

Bild: Ist das nicht unglaublich, wie die bürgerliche Presse 1914 versucht, den verstorbenen Genossen Bebel zu diffamieren, der von seinen Diäten als Reichstagsabgeordneter und seinen Honoraren als Schriftsteller, immer getreulich Mark für Mark beiseite legte, um sie in Zeiten der Not den von ihm Geführten zu spenden? Leider gab es diese Zeiten der Not nie. Aber was kann denn der Bebel dafür? Man kann ja auch reich sein und dennoch danach trachten, den Staat zerstören, der einem das reiche Leben ermöglicht. Oder nicht?


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