Deutschtum in Chile

Schwere Zöpfe flechtenAm 4. Februar 1914 schreibt der deutsche Gesandte in Chile, Herr von Eckert, in der *Freiburger Zeitung* über die Stellung der zugewanderten und in Chile geborenen Deutschen. Der Blogwart zitiert in Teilen:

… Manche große Landgüter sind in deutschem Besitz. Santiago mit etwa 1/2 Million Einwohner, in prächtiger Lage am Fuße der hier bis zu 5400 Meter ansteigenden Cordillere, entwickelt sich im Zentrum immer großstädtischer, während die Außenviertel mehr ländlichen Charakter tragen. Santiago zählt 4000 bis 5000, Valparaiso 7000-8000 Einwohner deutscher Sprache. Auch in anderen Städten, wie Conception und namentlich Baldivia, leben viele  Deutsche, letztere Stadt, die nach dem großen Brande schöner wiederersteht, trägt einen überwiegend deutschen Charakter. Bekannt ist die Mitarbeit vieler Einwanderer bei diesem Kulturwerk.

Zuerst kamen unter Präsidenten Manuell Montt in den 50er Jahren des vorherigen Jahrhunderts viele Einwanderer aus allen Teilen Deutschlands nach den Provinzen Baldivia und Llanquthue. Obwohl meist schon in Chile geboren und gute chilenische Bürger, haben sich die Deutschen dort doch ihre Eigenart erhalten; überall wird deutsch gesprochen, man findet viele deutsche Schulen, Kirchen, Krankenhäuser, der Handel ist fast ganz deutsch, alle Importwaren werden überwiegend aus der alten Heimat bezogen.

Nördlich von Baldivia im alten Araukanien, das erst in den 80ger Jahren endgültig unterworfen wurde und wo man noch heute etwa 100000 jetzt friedliche und ackerbautreibende Indianer findet, unter denen deutsche Kapuzinermönche Missionsarbeit verrichten, hat in den letzten Jahrzehnten ebenfalls eine starke deutsche Einwanderung stattgefunden, auch dort sind blühende Niederlassungen in großer Zahl entstanden.

Die südlichste Ackerbauzone Chiles ist die große Insel Chiloe, auf der auch Deutsche leben. Dann kommt auf 1000 Kilometer ein mit dichten Wäldern bedecktes berg – und gletscherrreiches Festland mit zahlreichen vorgelagerten Inseln, die nur von wenigen wilden Indianern bewohnt und wohl größtenteils unkultivierbar ist. Erst an der Magellanstraße, um die Stadt Punta Areas herum, die südlichste der Welt, und auf Feuerland finden sich wieder Ansiedlungen. Diese Gegend hat in neueren Jahren durch Schafzucht großen Aufschwung genommen. Auch Punta Areas hat eine kräftige deutsche Kolonie.

Die Stellung der Deutschen, sowohl der Reichsdeutschen, als der Deutschchilenen, d.h. der in Chile geborenen Deutschen, die chilenische Bürger sind, ist sehr angesehen. Der Chilene erkennt gern die großen Verdienste an, die sie sich um die Entwicklung des Landes erworben haben. Als Förderer und Träger des deutschen Handels, als Abnehmer unserer Industrieerzeugnisse dienen sie auch unserem deutschen Heimatlande. …

Auch deutsche industrielle Unternehmen gibt es in Chile viele, wie die großen Elektrizitätswerke in Santiago und Valparaiso, viele deutsche Mühlen, zahlreiche Brauereien. … Zahlreiche deutsche Vereine bestehen überall, Sänger, Turner, Feuerwehr, Krieger – und flottenvereine, Schützenvereine u. a. m. Es gibt etwa 35 deutsche Schulen, eine Anzahl deutscher Kirchen und mehrere deutsche Krankenhäuser. Im höheren chilenischen Unterrichtswesen sind viele deutsche Gelehrte aller wissenschaftlichen Zweige tätig. Die chilenische Armee ist nach deutschem Muster ausgebildet, mehrere deutsche Instrukteure sind dauernd in Chile tätig und viele chilenische Offiziere werden alle jahre nach Deutschland zur Ausbildung gesandt. Bewaffnung und Ausrüstung der Armee ist sehr modern und fast durchweg aus Deutschland bezogen. …

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