Archiv für 21. Februar 2014

Die neue türkische Welt

Latifè, die Gattin Mustapha Kemal Paschas*Das interessante Blatt vom 28. Februar 1924* Die neue türkische Welt. Der alte Mohammed würde doch bedenklich seinen Prophetenbar streichen, wenn er aus Allahs siebentem Himmel herabblicken könnte auf seine lieben, modernen Türken, die sich weder um Allah noch um seinen Propheten sonderlich bekümmern.

Es gibt heute in der Türkei Sachen, die alle seligen Kalifen aus dem Häuschen bringen könnten. Da ist zum Beispiel der weibliche Oberst. Nur in der Türkei, die seit ihrer Neuordnung überstürzende Reformen einführt, hat sich das Weib auch militärisch die Gleichberechtigung mit dem Manne zu erwerben verstanden. Frau Hanoum Bimbachi ist von der Regierung in Angora zum Kommandanten des dort garnisonierenden 36. Kavallerieregiments ernannt worden. Dieser weibliche Reiteroberst, dessen überraschende, militärische Karriere jedenfalls einzig erscheint, hat den griechisch-türkischen Krieg mit Auszeichnung mitgemacht, wurde wegen ihrer Tapferkeit und militärischen Begabung zum Offizier ernannt und erreichte mit letzter Beförderung den Grad eines Regimentskommandeurs.

Eine andere Hanoum ist die erste Frau der modernen Türkei: Latifè, die Gattin Mustapha Kemal Paschas, des ungekrönten Herrschers der türkischen Welt. Trotzdem der Koran das Abbilden von Menschen und Tieren als Geschöpfe Gottes untersagt, läßt sich Hanoum Latifè ganz nach abendländischen Gebräuchen mit dem Gatten und dem Freund desselben, Ismet Pascha, der zurzeit Ministerpräsident der Angoraregierung ist, photographieren.

Trotzdem es nie ein türkisches Theater gegeben hat und die Schaustellungen, die in reichen Privathäusern hie und da veranstaltet wurden, nichts weniger mit Kunst zu tun hatten, gibt es schon eine türkische Tragödin, Hanoum Bediah Manvahit, der große künstlerische Intelligenz und vollendete dArstellung nachgesagt wird.

Damit auch die Varietèkunst nicht zu kurz kommt, hat der Foxtrott siegreich den Einzug in die Türkei gehalten und ein Tänzerpaar, Rechtwan Ruweddin Elena hat einen Rekord von 21 Stunden 3 Minuten aufgestellt.

Der Blogwart meint: Bah, ist es nicht gewöhnlich, sich Meriten auf dem Schlachtfeld zu erwerben, um dann doch nur Regimentskommandeurin zu werden? Wir heute, haben hingegen eine Verteidigungsministerin, die weder vom Tuten aber vielleicht vom Blasen Ahnung hat und dennoch kommandiert sie die Streitkräfte eines ganzen Landes. Das ist Fortschritt Herr Mustapha Kemal Pascha! Davon könnten Sie sich eine Scheibe abschneiden, wenn sie noch könnten.

Verabscheuungswürdig

Josef Thorak Zwei Menschen„Kraft und Schönheit sind die Fanfaren dieses Zeitalters, Klarheit und Logik beherrschen sein Streben. Wer in diesem Jahrhundert aber Künstler sein will, muß sich auch diesem Jahrhundert weihen.“

Bild: Ist diese Nazi – Kunst nicht verabscheuungswürdig? Der Blogwart meint. Ja. Vorneherum umfangen sie sich zärtlich, während im Nebenzimmer gewiß schon die Zyklon – B -Kanister stehen, neben den sauber aufgehängten SS-Uniformen. Man muß auch immer das Häßliche hinterm Schönen suchen, wobei das in der heutigen Zeit gar nicht so einfach ist. Schönes zu finden. Aber das ist ja gerade das Perfinde an der Nazi – Kunst, sie kommt dem Auge wohlgefällig daher, während sie das Entartete entartet nennt, weil es ihrem Schönheitsbegriff entartet ist. Unsere Künstler sind aber nicht so. Die müssen sich nicht anstrengen, Hässliches zu produzieren. Und dafür sind wir dankbar.

Undank ist der Deutschen Lohn

Das deutsch-amerikanische Nationaldenkmal in St. Loius*Das interessante Blatt vom 26.02.1914* Das deutsch-amerikanische Nationaldenkmal in St. Loius. St. Lous wird demnächst einen plastischen Schmuck erhalten, der an Großartigkeit alle öffentlichen Denkmäler Amerikas überragen wird. Das Denkmal soll ein Dank der amerikanischen Nation an die Deutschen sein, deren Mithilfe Amerika an die Spitze der Kulturstaaten gestellt hat. Verdankt doch die Union seit den Befreiungskriegen deutscher Kraft und deutschem Blut einen großen Teil ihres staatlichen Aufschwungs. So ist denn das Denkmal den drei großen Deutsch-Amerikanern Schurz, Daenzer und Prätorius gewidmet, in denen sich das Deutschtum Amerikas verkörpert hatte. Das Denkmal selbst ist ein Werk des Berliner Bildhauers Professor Wandschneider, von gewaltiger monumentaler Wirkung. Die Hauptfigur des Denkmals „die Wahrheit“, durch eine realistisch empfundene nackte Frauengestalt dargestellt, hat Bedenken erregt und konnte erst ein Schiedsspruch hervorragender Künstler es durchsetzen, daß für diesen Teil des Werkes keine Änderung vorgeschrieben wurde.

Bild: Wenige Jahre später erklärten dankbare Amerikaner Deutsche zu Barbaren, die Nonnen vergewaltigen, Kinder auf Bajonetten aufspießen und gefangene Franzosen kreuzigen, der nackten Wahrheit aber wurde ein keusches Gewand angetan, ihr Kopf züchtig verhüllt, die Augen verbunden, die Ohren verstopft und der Mund mit einem Knebel verschlossen, seither kommt es Amerikanern, was die Wahrheit betrifft, nicht mehr so genau darauf an, wenn es darum geht, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte in aller Welt durchzusetzen.

Alphonse Bertillon ist tot

Bertillon SystemUnd das schon eine ganze Weile. *Das interessante Blatt vom 26.02.1914* schreibt: Der Erfinder des anthropometrischen Systems gestorben. Alphonse Bertillon, der Direktor des Identifizierungsamtes der Pariser Polizei, ist am 14. d. M. im Alter von 61 Jahren gestorben. Bertillon hatte Chemie studiert und lange Jahre den Beruf als Chemiker ausgeübt, befaßte sich aber daneben mit physiologischen Studien.

Im Jahre 1885 brachte er bei der Pariser Polizei die Bitte ein, an Verbrechern ein von ihm erdachtes Erkennungssystem durch Feststellung der Körpermaße erproben zu lassen. Seine psychologischen Studien hatten ihm die Erkenntnis gebracht,  daß nicht zwei Menschen der Erde hinsichtlich ihrer Körpermaße übereinstimmen. Diese wissenschaftliche Erfahrung stellte er in den Dienst der Polizei und eröffnete damit der wissenschaftlichen Tätigkeit im Polizeiwesen ein weites fruchtbares Feld.

Das anthropometrische System beruht auf der Verschiedenheit der menschlichen Körpermaße und es sind insbesondere folgende Körperteile, die in Betracht kommen: Kopflänge, Kopfbreite, Jochbeinbreite, Länge des Ohres, des Fußes, des Armes, des mittelfingers, des ganzen Körpers, Armspannweite und Sitzhöhe.

Nach Bertillons System werden diese Maße auf besonderen Karten notiert und die Karten ebenfalls nach einem von ihm erdachten System in eine Registratur eingereiht, die es ermöglicht, jede bestimmte Karte aus hunderttausenden in wenigen Minuten herauszufinden.

Die großen Erfolge, die das Bertillon-System bei der Pariser Polizei hatte, veranlaßten sämtliche Sicherheitsbureaus der Kulturwelt, dieses System, welches Bertillon unermüdlich weiter ausarbeitete, einzuführen. …

BilD. Und wieder war es kein Schwarzer, der ein System erfand, mit dem die Polizei Personen identifizieren konnte, Schwarze zählten 1914 augenscheinlich nicht zur Kulturwelt, zum Glück haben wir diesen Rassismus heute fast gänzlich abgelegt.

Unglaublich!

Schwester MonikaDer Blogwart wird am Morgen gerade beim Bäcker bedient, nach ihm kommt eine junge Frau mit schulpflichtiger Tochter, da drängt sich doch ein altes Mütterchen vor, wedelt mit einem Geldschein und ruft: „Kann ich bitte schnell zwei Brezeln kriegen, ich muß gleich zum Arzt.“ Unglaublich, sagt der Blogwart, daß Ärzte jetzt schon Brezeln von den Kranken fordern, bevor sie sie überhaupt behandeln! Wo ist Deutschland nur hingekommen?

Bild: Wo ist 2014 die ärztliche Ethik nur hin, die 1943 durchaus noch zu finden war, außer, wenn es galt, alle Juden, Zigeuner, Homosexuelle oder Andersbegabte zu ermorden, so daß es heutzutage keine mehr gibt. Juden, Zigeuner, Homosexuelle und Andersbegabte. Erstickt unter den Bombenteppichen von Luftmarschall Harris, dem Vielgelobten? Scheint so, wenn Greisinnen voller Hast um Brezeln rufen, weil sie schnell zum Arzt müssen. Darum sollte sich mal der Gesundheitsminister kümmern, oder ist es eine sie, falls sie nicht gerade dabei ist, zurückzutreten, weil ein Parteifreund ihr gesteckt hat, daß demnächst die Staatsanwaltschaft klingelt?


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