Scham

Der Blogwart hat sich die Zeitung heutigen Datums gekauft. Inwendig ein Artikel und ein Bildbericht. Eine Deutsche, nennen wir sie Janice Sternagel, weil sie sich auch so nennt, reist nach Peru und schreibt: … Die Kleidung der Frauen ist während der Arbeit die typische Tracht, die eigentlich viel zu schade ist, um auf dem Feld mit schweiß und Schmutz befleckt zu werden. Zudem sind diese Trachten kostspielig, was angesichts des geringen Verdienstes der Einheimischen unglaublich ungerecht erscheint. Wir haben in diesen Tagen viele Eindrücke gewonnen und uns das eine oder andere Mal für unseren deutschen Luxus geschämt.“

Warum schämst Du Dich, Janice? Fragt der Blogwart und erwartet keine Antwort. Du hast den Luxus ja nicht erarbeitet. Schämst Du Dich deshalb? Weil Deine Eltern, Großelter, Urgroßeltern und Generationen davor, fleißige und innovative Leute waren? Schämst Du Dich, weil Du unverdientermaßen andere Länder bereist? Wahrscheinlich. Wer hat die Eingeborenen in Peru daran gehindert, unsere Zivilisationsstufe zu erklimmen, in der Kleidung nicht mehr in mühevoller Handarbeit getöpfert werden muß? Wir? Nein! Es gibt also keinen Grund zur Scham.

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11 Responses to “Scham”


  1. 1 Rucki 26. Mai 2014 um 10:49

    Die leben aber im „Einklang mit der Natur“ die da in Peru.

    Hat das die Janice Sternnagel nicht gesehen?

    Dieses flunderbare Leben im „Einklang mit der Natur“ ist doch der Traum aller Grünbewegten, atom- genfrei und ohne Schemie.

  2. 2 vitzli 26. Mai 2014 um 13:02

    abgestumpft wie sie ist, die janice,schämt sie sich nur, statt tiefe schuldgefühle zu entwickeln, wie es eigentlich gesellschaftlich erwartet wird und auch psychisch gesund ist.

    schade. unsere nachwachsenden schlagen schon jetzt völlig aus der art.

  3. 3 eulenfurz 27. Mai 2014 um 10:33

    Niemand hindert sie daran, auf heimischer Scholle in der schaumburgisch-lippischen Volkstracht Rüben anzubauen. Aber nein, Madame reist lieber in der Welt herum, um fremde Leute zu beglotzen. Und schämt sich für Deutschland, anstatt für sich selbst.

  4. 4 ein leser 27. Mai 2014 um 12:53

    Frueher holte man die glotzobjekte im rahmen von kolonialschauen nach europa. Heute faehrt man selbst hin. Nennt man sowas fortschritt? Ob die angeglotzten zurueckgeglotzt haben? Fragen ueber fragen …

  5. 5 alphachamber 27. Mai 2014 um 16:48

    Hallo! Bin gerade – durch Vitzli – auf Ihrem Blog gelandet.
    Interessantes Material, gute Essays!
    Nette Grüße

  6. 6 Kersti 28. Mai 2014 um 14:01

    Eine Tracht gibt ein Zusammengehörigkeitsgefühl, Handarbeit wertet Lebensmittel auf. Diese Supermarktkonsumentin läuft auf dem Gutmenschen- und Schuldkultschleim. Man, was sind wir umerzogen! Mal lesen „Das eingepflanzte Irresein“:
    Durch diese idiotischen Altkleidersammlungen zerstören wir die Textilindustrie der 3. Welt und vereinheitlichen sie.

  7. 7 Frankstein 28. Mai 2014 um 17:20

    Nun, dieses Sternagel, was immer das ist, zelebriert doch nur eine andere Variante von “ Feuchtgebiete“. Um in die Schlagzeilen zu kommen, reicht heute die entblößte „Scham“ nicht mehr; da sei Pussy Riot’s vor. Die Schelte ist daher nicht ganz angemessen, denn Fremdschämen geht nicht.
    “ Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit ….. ( dass) auf dem Bewusstsein beruhen kann, durch unehrenhafte, unanständige oder erfolglose Handlungen sozialen Erwartungen oder Normen nicht entsprochen zu haben.“ ( sagt unser aller wikidudia).
    Das Sternagel ( Stern-agel/ Ster-Nagel ?) erklärt sich in aller Öffentlichkeit als unehrenhaft, unanständig und erfolglos. Das Schämen ist also angebracht.

  8. 8 hans heiner 30. Mai 2014 um 14:13

    @Eulenfurz Super Kommentar!

  9. 9 Karl Eduard 31. Mai 2014 um 05:32

    Nein, das nennt man Tourismus.

  10. 10 Karl Eduard 31. Mai 2014 um 05:35

    Was für Schlagzeilen? Das war eine Reisereportage, wie sie jeder junge Mensch heutzutage schreiben könnte, der ein Land mit fremder aber rückständiger Kultur bereist. Daß heutzutage Gymnasiasten mit T-Shirts herumlaufen, auf denen Losungen stehen, mit denen sie der weißen Kultur den Untergang wünschen, derselben, die ihnen das Gymnasium ermöglichte, das ist doch das Erschreckende.

  11. 11 Frankstein 31. Mai 2014 um 06:47

    Sorry, Bwana, mit den Schlagzeilen war auch nur die Öffentlichkeit gemeint. Ich erkenne auch das Perverse an der Haltung vieler Jugendlicher und gleich vieler Erwachsener. Wobei ich es vielfach für den schlechten Ersatz einer natürlichen Drangwäsche halte. Diese armen Irren können weder auf schmalen Negerpfaden wandeln, noch mit den Wildgänsen rauschen und schon garnicht mit den geblähten Segeln den Wellen trotzen. Im Grunde sind sie Lebensverweigerer, wenn auch nicht immer aus eigenem Antrieb.
    Normal bewegte Zeiten- wie die meisten in unserem Lebensraum- hätte diese Spreu längst untergegraben. Ein ungefestigter Charakter kann auch schnell auf Abwege geraten.
    Gerade las ich, ein Gericht in Niedersachsen hat einer 17-jährigen Asylbewerberin 40.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, weil ein Krankenhaus vor 9 Jahren keine Maßnahmen gegen ihre erbliche Kleinwüchsigkeit ergriffen hat. Weil man das Gericht nicht abfackeln darf und den Richter nicht lynchen, kann es zu Irritationen kommen.
    Einen Augenblick durchzuckte mich der Gedanke, die englischen Besatzer zu verklagen, die in der Nachkriegszeit mein körperliches Wachstum durch ein verknapptes Nahrungsmittelangebot beeinträchtigt haben. Aber keine Angst, sofort setzte die Scham über diesen Gedanken ein. Meine Altvorderen hätten mir dereinst die Hölle heißgemacht. Denn jeder ist seines Glückes Schmied, nur manche scheuen das Feuer.


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