Archiv für 17. Juni 2014

Das Urteil im Horst Wessel Prozeß

Amok*Freiburger Zeitung 15. Juni 1934* Das Urteil im Horst Wessel Prozeß Berlin, 15. Juni. Im Horst-Wessel-Prozeß wurde am Freitagnachmittag unter großer Spannung folgendes Urteil verkündet:

Die Angeklagten Gallo Epstein und Hans Ziegler werden wegen Mordes zum Tode und zu lebenslänglichem Ehrverlust verurteilt. Der Angeklagte Peter Stoll erhält wegen Beihilfe zum Mord siebeneinhalb Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust.

In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende des Berliner Schwurgerichts u. a. aus: Durch das Ergebnis der Beweisaufname ist festgestellt, daß sich die Angeklagten Epstein und Ziegler im Sinne der Anklage des gemeinschaftlichen Mordes schuldig gemacht haben. Das Gericht konnte keine Rücksicht bei Anrechnung der Strafen nehmen, die das Gericht des ersten Horst-Wessel-Prozesses im Jahre 1930 verhängt hatte. Wir hatten, so erklärte der Vorsitzende, nach dem Eindruck zu urteilen, die uns die mehrtägige Verhandlung vermittelt hat.

Sämtlichen Teilnehmern der Aktion war bekannt, daß sich der Ueberfall gegen den Sturmführer Horst Wessel richtete. Horst Wessel war es gelungen, der Kommune in diesem Bezirk erheblichen Abbruch zu tun. Es war ihm möglich, eine große Anzahl Kommunisten auf seine Seite zu ziehen und seinen Sturm zu einer machtvollen Abteilung zu machen. Während die Bevölkerung gewöhnt war, bei Schalmeienklängen einen Umzug des Roten Frontkämpferbundes zu vermuten, stellte Horst Wessel selbst eine solche Kapelle auf und zog dann an der Spitze seines Sturms durch die Gegend, die damals der hauptherd der kommunistischen Partei war. Diese Erfolge brachten ihm einen außerordentlichen Haß bei den Kommunisten ein, der sich in Drohbriefen und Ueberfällen entlud. man wollte durchaus das „Studentlein“, wie man ihn nannte, beseitigen.

Die Mittäter an der Bluttat billigten den Entschluß Ali Höhlers, auf Horst Wessel zu schießen und sind daher des Mordes schuldig. Epstein stand vor dem Mordhaus „Schmiere“, Ziegler begleitete die Haupttäter in das Haus. Auch bei dem Angeklagten Stoll hat das Gericht lange geschwankt, ob es ihn nicht auch als Mittäter ansehen solle. Wenn das Gericht ihn nur der Beihilfe als schuldig erachtete, so deshalb, weil der das gefährliche Treiben des RFB. noch nicht lange kannte und weil ihm nicht widerlegt werden konnte, daß er die Tat lediglich unterstützen wollte. Im Strafmaß ist bei Stoll berücksichtigt worden, daß er aus Not, aus Arbeitslosigkeit, in die kommunistischen Kreise geriet. Andererseits durfte die Strafe angesichts der Schwere der Tat,  nicht milder ausfallen.

Die Angeklagten folgten der Urteilsbegründung völlig zusammengebrochen und weinend.

Der Blogwart meint: Unzweifelhaft haben damals tapfere Männer, vom Stamme Epstein oder Ziegler, versucht, den Anfängen zu wehren und der blutigen Barbarei des Nationalsozialismus Einhalt zu gebieten, um der noch barbarischeren Herrschaftsform des Kommunismus Raum zu schaffen, die damals schon auf etliche Millionen Ermordeter stolz zurückblicken konnte. In der Sowjetunion. Und ganz klar war das Siegerjustiz, denn erst nach Machtübernahme durch den Nationalsozialismus wurden diese unmenschlichen Urteile gefällt. Interessant für den Blogwart war aber an diesem Artikel, wie erfolgreich dieser Horst-Wessel mit seiner Agitation inmitten einer Hochburg der Kommunisten gewesen sein muß, so daß er schließlich beseitigt werden mußte. Parallelen zu heutigen Überfällen auf Politiker und Aktivisten, die nicht unter die Kategorie „links“ fallen, sind im Übrigen rein zufällig und haben nichts damit zu tun, daß die Regierung Merkel ein solches Treiben wohlwolend duldet.


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