Die sieben Geislein und der Wolf

Mißverstandener Wolf

„Hört mal“. sprach die Mutter Geis zu ihren Kindern, 7 an der Zahl, denn es war eine asoziale Familie aber nicht aus dem Morgenland. „Ich muß jetzt zur Arbeit ins Verteidigungsministerium. Seid schön artig und öffnet nur dem Paketzusteller von Amazon oder eurer Mutter und außerdem hat man den Wolf gesehen, ganz in der Nähe und ich will nicht, daß meinen Kindern etwas passiert.“

„Geht klar“, rief das siebente und letzte Geislein, denn es war das jüngste, aber nicht auf den Mund gefallen.  Die anderen 6 Geislein nickten nur unter ihren Kopfhörern, sie hatten der Mutter Mahnung schwach vernommen und dachten sich ihren Teil. Der ging von „Nerv nicht!“ bis zu „Typische Wolf -Phobikerin, die man mal aufklären sollte“, denn obwohl die Mutter ihren Kindern die Wünsche von den Augen ablas, nahmen die das als Selbstverständlichkeit und achteten ihr Mütterlein darum nicht sehr.

Es waren Ferien und der Tag schlich dahin mit Videospielen und dem Sehen von Cartoons auf dem Kinderkanal. Als es klingelte. „Pizza!“ Jubelte das erste Geislein, das nicht sehr helle war, denn niemand von ihnen hatte Pizza bestellt. Es lugte durch den „Spion“. Vor der Tür stand der Wolf. „Es ist der Wolf“, rief das Geislein, das Pizza erwartet hatte. „Geil!“ Liess sich das dritte Geislein hören, das fast Alles geil fand. Außer das Zimmer aufräumen, Abwasch und Hausaufgaben. In der Reihenfolge. Bevor die Tür aufgeschlossen war, erinnerte die 7. und jüngste Geis an der Mutter Mahnung. „Wir sollen nicht dem Wolf öffnen!“ Ein altkluges Kind eben.

„Wir sollen dir nicht öffnen“, rief das Geislein an der Tür, „wir machen Dir nicht auf!“

„Wieso denn nicht?“ Fragte der Wolf und seine Stimme klang angenehm männlich, wenn auch betrübt. „Das macht mich jetzt ziemlich traurig, echt, Ihr habt doch wohl keine Vorurteile? Gegen Wölfe.“

Da sahen sich die kleinen Geislein ratlos an. „Warte mal Wolf“, rief die vierte Geis, „wir müssen kurz googeln.“ „Ihr müßt Gurgeln?“ Fragte der Wolf nach.  „Also wenn Ihr krank seid, dann gehe ich wieder, meine Gesundheit ist mir wichtig. Gerade in der Erkältungszeit.“

„Quatsch“, ließ sich das vierte Kind vernehmen, das bis dahin geschwiegen hatte. „Wir gehen ins Internet, um rauszufinden, ob Du vertrauenswürdig bist.“ „O.K.“ Quittierte der Wolf. „Aber macht hin, ich muß noch zum Essen.“

Das Internet lieferte zum Thema Wolf kontroverse Aussagen, wobei die Pro – Wolf – Fraktion eindeutig überwog. Zuerst war der Wolf da, lasen die Geislein erstaunt und dann die Ziegen. Die hätten den Wolf mittels Zersiedelung, Straßenbau und Reduzierung der Wälder verdrängt aber jetzt wäre er, Wolf sei Dank, wieder da. Einige Beiträge klangen so, als würden sich die Verfasser selbst gerne umbringen, um dem Wolf die Rückkehr zu ermöglichen, es schien ihnen aber an Mut dazu zu fehlen. Bedauerlich.

Es gab auch launige Sprüche wie: „Erst stirbt der Wolf und dann die Ziege.“ Oder „Machs noch mal, Isegrimm.“ Viele Dokumentationen bewiesen glasklar, daß Rotkäppchen eine abgefeimte Lügnerin sei und es ein Komplott gab, zwischen Jäger, Großmutter und Rotkäppchen, um dem Wolf eine Falle zu stellen und das an sich arglose Wesen kaltblütig umzubringen. Gegenteilige Ansichten wurden als Verschwörungstheorien entlarvt. „Spinnern kann man nicht trauen“, kommentierte das fünfte Kind. Die sitzen bestimmt mit dem Aluhut auf der Couch und glauben  noch an Märchen.“

„Was ist nun?“ Knurrte der Wolf vor der Tür. „Habe ich eine reine Weste?“

„Klar, komm rein“, riefen die Geislein im Chor, öffneten dem Wolf und bevor ihn jemand fragen konnte, was er denn auf dem Herzen habe, fing das Gemetzel an.

Als die alte Geis in das Haus zurückkehrte und die Spuren des Blutbades sah, weinte sie jammervoll, griff sich das Telefon und rief nach der Polizei und dem Jägersmann. Die kamen auch. Erst am  nächsten Tag. Wegen der Überlastung. Denn SPD und CDU hatten  Polizisten und Jäger eingespart, um Geld für die Förderung der Wiederansiedelung der Wölfe  freizubekommen. Das heißt, es kam nur ein Polizist und ein weiterer Herr, der sich als Wolfsbeauftragter vorstellte.

„Tja“, sagte dieser zur alten Geis, während der Polizist Fotos machte und den Tatort kontaminierte, „es soll also ein Wolf gewesen sein?“ „Sicher!“ Rief die in Tränen aufgelöste Mutter Geis und wies auf blutige Pfotenspuren und Haarbüschel hin.

„Schön, schön“, konstatierte der Wolfbeauftragte. „Es könnte aber auch ein wildernder Hund gewesen sein. Oder ein Fuchs. Oder Sie selbst, man hört ja Sachen aus dem Osten ….“ „Ich habe ein Alibi“, rief die alte Geis, „und Videoaufnahmen. Eigentlich wollte ich ja meine Kinder überwachen, und wegen der Einbrecher, wir wohnen schließlich im Wald .“

Da sprang das kleinste Geislein aus dem Uhrenkasten, in dem es sich bis jetzt versteckt gehalten hatte und rief, daß es der Wolf gewesen sei. Sie könne das bezeugen.

„Sicher doch, mein Kind“, strich der Wolfbeauftragte der Kleinen über das Haar. „Sicher doch.“ Während der Polizist die Kamera einpackte. „Aber, mußt Du wissen, es sind nicht alle Wölfe so. Die meisten Wölfe sind sehr scheue Wesen, die würden sogar vor Dir Reißaus nehmen. Statt simpler Rachegedanken sollten wir verstehen lernen, was gerade diesen Wolf dazu gebracht hat, das zu tun, was er getan hat. Und ihm mit Liebe begegnen. Wie auch all den anderen Wölfen.“ Und damit wandten sich die Herren zum Gehen.

Mutter Geis aber holte einen Cleaner, denn sie konnte sich das leisten, und überschlug in Gedanken die entfallenden Ausgaben für 6 Kinder, während das siebente Geislein jetzt das einzige Geislein war. Das durchsuchte in der Zeit bereits die Schätze der gefressenen Geschwister und sortierte aus, was es schon immer haben wollte.

So waren am Ende Alle glücklich und zufrieden. Bis auf die Gefressenen. Dafür war aber der Wolf satt und hatte erst einmal keinen Hunger mehr. Und das war auch etwas wert.

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7 Responses to “Die sieben Geislein und der Wolf”


  1. 1 Unperson 30. März 2016 um 14:14

    Skandalös! http://www.smilies.4-user.de/include/Schock/smilie_sh_026.gif

    Neee, echt jetzt! Ich begreif einfach nich, wieso diese unzivilisierten, barbarischen Viecher nich gelernt ham, wie man in den Lidl-Markt geht und sich dort tiefgekühlte Nestle-Fertiggerichte kauft, so wie wir alle.

    Und wenn sie sich dort als Flüchtilanten-Fachkräfte ausweisen können, müssen sie ihre Einkäufe noch nich mal bezahlen (Lidl und Schwarz, bzw. Sven Seidel und Robin Goudsblom allerdings auch nich, sondern … na, WER wohl?).

    (ab Min 11:15)

    Ich fordere mit Nachdruck:

    Integrationskurse für Canis lupus JETZT!!!

  2. 2 Henry Strobel 30. März 2016 um 17:45

    ich kann dem dritten Geißlein nur beipflichten:Geil!

  3. 3 Blond 31. März 2016 um 06:19

    Ist wieder ein super Spaß, dies zu lesen!
    Diese Märchen haben auch heute noch sehr viel Unterhaltungs-Charakter!
    Wenn sie modern erzählt werden 😀 😀 😀
    Danke für die Aufheiterung, K.E.!

  4. 4 Suum Quique 31. März 2016 um 08:12

    Als Metapher und Realiter: 100% Zustimmung!

  5. 5 kW 31. März 2016 um 14:20

    Es sind nicht alle Wölfe so, wie wahr…

  6. 6 Frau V. aus H. 31. März 2016 um 20:43

    Sei nicht albern….niemand muss Angst vor der Dunkelheit haben…..

  7. 7 Frau V. aus H. 31. März 2016 um 20:55

    Warum nur ist der Wolf die am negativsten besetzte Gestalt in unseren Märchen? Rudelverhalten und Treibjagt-Instinkt?
    Warum wird der Wolf gezielt wieder angesiedelt? ??


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