Gegen das Denunziantentum

Gegen das DenunziantentumWeil es so schön ist, wird es wieder hervorgekramt. Hervorhebungen vom Blogwart. Das war, glaubt der Blogwart sich zu erinnern, aus einem der „Zeitungszeugen“.

Berlin, 28. April.

In letzter Zeit mehren sich wieder die Anzeichen verwerflichen Denunziantentums. Die Nachprüfung der bei der Polizeibehörde wegen angeblich staatsfeindlicher Äußerungen erstatteten Anzeigen ergibt sehr oft, daß die Anzeigen ausschließlich persönlichen Streitigkeiten entspringen und daß es sich um Äußerungen handelt, die teilweise viele Monate zurückliegen Namentlich werden bei Hausstreitigkeiten die Gegner oft politisch verdächtigt.

Der Reichsminister des Innern hat daher die Landesregierungen ersucht, den Polizeibehörden erneut eine scharfe Bekämpfung dieses Denunziantentums zur Pflicht zu machen. Die Neufassung des § 164 des Strafgesetzbuches durch das Gesetz vom 26. Mai 1933 gibt die Möglichkeit, mit hohen Gefängnisstrafen gegen die des nationalsozialistischen Staates unwürdige Erscheinung leichtfertiger Angebereien wirksam vorzugehen.

Jetzt kann sich jedermann denken, warum sich das, also die scharfe Bekämpfung des Denunziantentums, nie mehr wiederholen darf, in Deutschland. Da könnte ja jeder kommen, der mich hindern will meinen Nachbarn als Rassisten anzuzeigen und Volksverhetzer, weil der Arsch wieder mal auf meinem Parkplatz parkt. Ein Wiederholungstäter!

Was hätten sie damals eigentlich mit dieser, ähm, Frau Kahane gemacht, die das ja nun stiftungsmäßig betreibt? Festungshaft zum Schreiben ihrer Memoiren?

Hätte der Reichsminister des Inneren eine Denunziantenstiftung finanziert, wäre er schön aus dem Schneider gewesen. Aber Internet war damals ja noch ganz schön Neuland.

1 Response to “Gegen das Denunziantentum”



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