Archive for the 'Deutsch – Deutscher Krieg 1866' Category

Alleweil ein wenig durstig

(Ein Annexionsschwank.) Vom Deutsch – Deutschen Kriege 1866. In der „Augsb. Abendzeitung“ finden wir folgende, aus Lindau datierten, von einer bayrischen Annexion berichtenden Schwank: „Kaum war gestern hier die (unbegründete) Nachricht eingetroffen, daß Preußen bei Hof in bayrisches Gebiet eingefallen, als sofort ein Kriegszug in die angrenzende preussische Herrschaft Achberg, eine Enklave zwischen Bayern und Württemberg, in`s Werk gesetzt wurde. Ein starkes Dutzend junger Leute marschierte von hier aus mit Flinten, Pistolen u.s.w. versehen, in zwei Abteilungen nach dem Hauptort Efferattsweiler. Im dortigen Wirtshaus wurde das Hauptquartier aufgeschlagen, die Waffen im Ort mit Beschlag belegt, die darunter befindlichen Böller an den Fenstern des Hauptquartiers aufgepflanzt und dann zur Besitznahme des Landes geschritten.

An der Ortstafel in der Mitte des Ortes stellte sich die ganze Mannschaft auf. Darauf wurde eine Proklamation verlesen, welche „im Namen des Commandanten der bayrischen Schaar“ die Einwohner für bayrische Staatsbürger erklärt. Nach der Verlesung wurde die Proklamation an den Pfahl der Ortstafel angeheftet, derselbe blau und weiß angestrichen, und der mit einer schwarzrot goldenen Schärpe umkleidete Anführer erklärte vor der versammelten Bevölkerung, daß nunmehr das preussische Regiment aufgehört habe und das Land für Bayern und Deutschland annectiert sei. Das Volk nahm dies offenbar günstig auf, und trank  mit den Befreiern zur Feier der Vereinigung freigiebig gespendetes Annexionsbier.

Oberhalb der demolierten Tafel wurden dann die deutsche und bayrische Flagge aufgehißt und mit dreimaligem Hoch und mit Schüssen begrüßt. Mit Ausnahme eines alten Försters, gegen den energisch ausgetreten werden mußte, war, war die Bevölkerung schliesslich ganz enthusiasmiert und stimmte freudig und mit Hutschwenken in das Hoch ein. Bei Einbruch der Nacht marschierte die Schaar nach Lindau zurück.“ *Freiburger Zeitung 29.06.1866*

Der Klimawandel schlägt wieder hart zu. Den 17. Juni, zwischen 9 und 10 Uhr Morgens, fiel eine so große Menge Schnee auf den Anhöhen von Bresse (Vogesen), daß sie ein winterliches Aussehen bekamen. Die Erde war ganz weiß. Die ältesten Personen der Gegend erinnern sich nicht, im Juni Schnee gesehen zu haben.  *Freiburger Zeitung 29.06.1866*

Hörensagen. Offenbach, 23. Juni. Wie hier erzählt wird, soll die württembergische Reiterei eine kleine Anzahl kurhessischer Soldaten in Bergen als preußische Gefangene eingebracht haben, wo sich natürlich das Mißverständnis aufklärte. Die Kurhessen hatten zwar den Schwaben ihre Nationalität energisch geltend gemacht, aber es half nichts, die Pickelhaube ward ihnen zum Verderben. *Freiburger Zeitung 29.06.1866*

Gefecht bei Langensalza. Gotha, 27. Juni. Heute Mittag griffen die preussischen Truppen unter General Fließ, ihrem Auftrage gemäß, die hannöversche Armee an, welche zwischen Langensalza und Merxleben eine feste Stellung eingenommen hatten. Der Auftrag war, den Feind, welcher bisher stets ausgewichen, zur Entwicklung seiner Kräfte zu bringen. Die Position wurde mit großer Energie angegriffen und der Feind mit dem Bajonet über die Unstrut zurückgeworfen. Bei dieser Gelegenheit griff das hiesige Regiment mit solcher Bravour ein, daß es die laute Bewunderung der umstehenden Truppen auf sich zog. Der Feind entwickelte eine bedeutende Übermacht. Nach Erfüllung ihres Auftrages gingen die Truppen in ihre frühere Stellung zurück. Auf beiden Seiten sind hohe Verluste zu beklagen. (Eine Beschreibung der Schlacht gibt es hier auf Seite 64, leider nur in Fraktur.) *Coburger Zeitung 29.06.1866* Lob der hannoveranischen Truppen: „Dieses ganze Vordringen der Hannoveraner war, wie alle preußischen Offiziere es bezeugen, mit solcher Energie, solcher Kraft und solchem Todesmutigen Elan ausgeführt, daß jedes Land, welches eine solche Armee besitzt, das vollständigste Recht hat, darauf stolz zu sein.“

Bild: Deutscher Bürgerkrieg 1866. Kanonier Rudloff verteidigt sein Geschütz gegen Berittenen.  Das hätte man auch friedlich betend klären können!

Deutschlands Flottenwunsch

Hier werden für den Unkundigen noch einmal alle Gründe aufgeführt, warum ein Küstenstaat eine Flotte braucht. Daß damit Piraten aufgesammelt werden, um sie zu verköstigen und dann auf Lebenszeit für einen Kuraufenthalt nach Deutschland zu verfrachten, das ist leider nicht der eigentliche GrundEine schwere Schuld. Wird hier beklagt, fast könnte man meinen, man wäre nicht in einer Monarchie, die sich selbstherrlich an den Staatsgeldern bedienen kann, wie es heute die Bundesregierung Deutschlands   tut, in der es von Demokraten nur so wimmelt, wie von Maden im zerlaufenen Stinkerkäse. Daß es allerdings Demokraten sind, das adelt ihr Treiben in hohem Maße und nichts ist uns lieber, als daß gewählte und ungewählte Volksvertreter das Land in den Ruin treiben.

Wenn Preußen nur eine größere Flotte hätte! Das ist ein Wunsch, welcher jetzt in ganz Preußen und Deutschland wiederhallt, und der gewiß Manchem in unserm Vaterlande als ein schwerer Vorwurf auf die Seele fällt. Viele schwere Opfer wären uns erspart worden und die Zuversicht auf unseren schließlichen Erfolg in dem Kampfe gegen Dänemark würde noch fester stehen, wenn wir neben unserem trefflichen Landheere schon eine Seemacht besäßen, welche die Dänen bis ins Herz ihres Landes kräftig verfolgen könnte. Nur wenn Preußen schon eine größere Flotte hätte, könnte der Trotz des tückischen Feindes vollständig gebeugt werden! Gleich wie im Danewerk, vor Düppel und in Fridericia würde der Däne auch auf seinen Inseln in die Enge getrieben und gezüchtigt werden, und wir könnten in Kopenhagen den Frieden erzwingen, über den wir jetzt in Londen mit dem mißgünstigen Europa handeln und markten müssen.

Warum aber besitzen wir noch immer keine Flotte, wie sie uns Noth thut? Die einfache Antwort ist: weil auch in dieser Beziehung die besten Absichten der Regierung durch das Streben und Treiben der sogenannten Fortschrittspartei im Abgeordnetenhause gelähmt und gehemmt worden sind.

In den 16 Jahren, welche seit dem vorigen dänischen Kriege verflossen sind, hatte die Regierung in selbstständiger Thätigkeit den tüchtigen Anfang einer Seemacht geschaffen. Das Bedürfniß dazu war damals recht handgreiflich hervorgetreten; denn unsere Küsten und Handelshäfen waren völlig wehrlos und die Dänen vermochten mit ganz unbedeutenden Kriegsschiffen das Auslaufen aller unserer (Handels –) Schiffe zu verhindern. Deshalb wurde im Jahre 1848 zunächst mit dem Bau von Kanonenbooten begonnen und in den folgenden Jahren damit, sowie mit dem Ankauf von Schiffen für die Marine, soweit es möglich war, fortgefahren. Seit dem Jahre 1850 wurde im Staatshaushalt ein besonderer Betrag für die Marine, zunächst freilich nur mit circa 282,448 Thlr. ausgesetzt. Im Jahre 1853 that die Regierung einen wichtigen Schritt für die fernere Entwickelung unserer Seemacht, indem sie vom Großherzogthum Oldenburg ein Küstengebiet an der Jahde zur Anlegung eines Kriegshafens an der Nordsee erwarb. Auch wurde damals eine eigene Admiralität errichtet, um die Angelegenheiten der Marine, welche bis dahin im Kriegsministerium besorgt worden waren, besonders zu pflegen und zu fördern.

Seitdem hat die Regierung ihre eifrigen Bemühungen für die Vermehrung unserer Seemacht, so viel in ihren Kräften stand, fortgesetzt und im Vergleiche mit dem Jahre 1848 hat sie es allerdings schon zu einer recht beträchtlichen Entwickelung gebracht. Während wir damals nur 4 Fahrzeuge mit 18 Kanonen besaßen, hat unsere Flotte augenblicklich folgenden Bestand:

An Dampfern haben wir erstlich von Schraubenschiffen: 1) vier Korvetten, nämlich drei mit 28 gezogenen Geschützen, (»Arcona«, »Gazelle« und »Vineta«) und eine mit 17 gezogenen Geschützen (»Nymphe«), – sodann 2) einundzwanzig Kanonenböte, und zwar sechs erster Klasse zu 3 Geschützen und funfzehn zweiter Klasse zu 2 Geschützen; ferner zwei Räderdampfschiffe, nämlich »Adler« mit 4, »Loreley« mit 3 Geschützen. An Segelschiffen besitzen wir drei Fregatten (»Gefion« mit 48, »Thetis« und »Niobe« mit je 38 Geschützen), und drei Briggs (»Muskito« und »Körner« zu 16, »Hela« mit 8 Geschützen). An Ruderfahrzeugen endlich 36 Schaluppen, jede mit 2 Geschützen. Dies ergiebt zusammen 69 Kriegs-Fahrzeuge mit 392 Geschützen; außerdem sind im Bau begriffen ein Panzerschiff, zwei Corvetten und zwei Schrauben-Kanonenböte. Die Seemannschaft aber besteht (in der gewöhnlichen Friedensstärke) aus 75 Offizieren, 40 Kadetten, 52 Deckoffizieren, 1000 Unteroffizieren und Matrosen, 416 Mann Werftleuten, 260 Schiffsjungen, 600 See-Soldaten und 300 See-Artilleristen, im Ganzen 2743 Mann.

So danken wir denn der Fürsorge der Regierung einen recht bedeutenden Fortschritt unseres Seewesens, und die junge preußische Seemacht hat gezeigt, daß der Geist, welcher sie beseelt, ihre Kraft und Macht im Einzelnen noch erhöht.

Aber das Alles ist doch nur ein kleiner Anfang zu einer Seemacht und bei Weitem noch nicht ausreichend, um auch nur einer Marine zweiten Ranges, wie die dänische es seit alter Zeit ist, im Großen und Ganzen die Spitze zu bieten, da dieselbe uns an Zahl, Größe und Stärke der Schiffe wohl dreimal überlegen ist.

Das Streben unserer Regierung war deshalb schon seit Jahren darauf gerichtet, den guten Grund, den sie in allmäliger Thätigkeit gelegt hatte, nunmehr zu einer rascheren und umfassenderen Hebung der Flotte zu benutzen. Hierzu erbat sie im Jahre 1862 die Unterstützung des Landtags, indem sie die Bewilligung von Geldern zur Beschaffung drei großer Panzerschiffe, sowie zur kräftigeren Fortsetzung der begonnenen Schiffsbauten und zur Anlegung eines Kriegshafens auf der Insel Rügen beantragte.

Die Gegner der Regierung im Abgeordnetenhause aber wiesen dies Verlangen zurück. Gegen die Nothwendigkeit der Sache selbst konnte von keiner Seite eine Einwendung erhoben werden. Die Fortschrittspartei versichert ja jeder Zeit, daß sie es mit der Förderung der Flotte gerade am besten meine.

Aber ihre Theilnahme und Fürsorge für die Flotte hat sich immer nur in großen Worten und hohlen Reden erwiesen. Gegen die entschlossene That aber, welche die Regierung verlangte, hatten die Parteimänner tausend Einwendungen und Ausflüchte. Die Einen wollten erst noch mehr Sachverständige hören, Andere wollten warten, bis sich herausgestellt hätte, ob das englische oder das deutsche Eisen zu Panzerschiffen besser sei, noch Andere verlangten, daß vorher die obere Leitung des Marine-Ministeriums verändert würde, wieder Andere endlich wollten den Kriegshafen nicht auf Rügen, sondern bei Danzig angelegt wissen oder verwiesen auf den Hafen von Kiel, den es aber erst zu erobern galt. Alle zusammen benutzten schließlich den Vorwand: erst müsse man einen vollständigen Plan für die Entwickelung der Marine auf eine Reihe von Jahren hinaus haben, um zu übersehen, ob Preußen die Ausgaben bestreiten könne. Da aber die Regierung aus tausend guten und verständigen Gründen mit einem solchen Plane nicht so ohne Weiteres fertig sein konnte, wurde das Geld auch für das Nächste und Nothwendigste verweigert.

Vergeblich mahnte der Kriegsminister und erinnerte daran, daß man doch mit dem Anfange anfangen müsse, und daß man, um zu schwimmen, vor Allem ins Wasser müsse. Die Regierung, sagte er, wünsche aus militairischen und politischen Gründen, rasch vorzugehen. Preußen müsse nicht blos für sich, sondern auch für Deutschland seine Flotte einrichten, nicht blos zur Abwehr, sondern auch zum Angriff. Preußens Hülfsmittel, fügte er hinzu, müssen ausreichen, um Preußens Ehre zu Land und Meer zu bewahren.

Die Mehrheit des Abgeordnetenhauses blieb für alle Mahnungen taub und lähmte durch Versagung der nothwendigen Mittel die Thatkraft der Regierung. Im jetzigen Augenblicke erkennt wohl das ganze Land, wie sehr die Regierung Recht hatte, als sie rasch mit dem Nöthigsten beginnen wollte, – eine wie schwere Schuld dagegen diejenigen auf sich geladen haben, welche aus lauter nebensächlichen Bedenken und aus Parteisucht jene rasche und wirksame That gehindert haben.

Wären im Jahre 1862 die Kosten für die drei Panzerschiffe und für die baldige Beendigung der übrigen Schiffsbauten gewährt worden, so würden wir schon jetzt mit viel größerem Nachdrucke der dänischen Seemacht entgegentreten können. Die Belagerung und der Sturm gegen die Düppeler Werke wären nicht so mühevoll und blutig gewesen, wenn wir die Dänen auch zur See überall zu verfolgen im Stande wären. Das große Panzerschiff »Rolf-Krake« wäre dann nicht blos von unseren Land-Batterieen, sondern durch seines Gleichen bekämpft worden. Vollends aber hätten wir den Sieg alsbald von Düppel nach Alsen verfolgen können, wenn unser ruhmgekröntes Landheer durch eine kräftige Flotte unterstützt wurde.

Wohl haben die Alliirten jetzt auch ganz Jütland besetzt, – selbst die Festung Fridericia haben die Dänen preisgegeben, um nicht auch dort die Wirkung der preußischen Geschütze zu erfahren, welche sie in Düppel und Sonderburg auf so empfindliche, bittere Weise kennen gelernt haben. Aber damit ist der Uebermuth und die Widerstandskraft der Dänen noch nicht gebrochen, vielmehr trotzen sie darauf, daß sie auf ihren Inseln für uns unangreifbar sind, und hoffen, unseren Handel jetzt um so empfindlicher zu belästigen und zu schädigen. Für die großen Verluste, die sie an Menschen und an Kriegsmaterial aller Art erlitten haben und für die Pfandnahme von Holstein, Schleswig und Jütland werden sie sich schadlos halten wollen, indem sie fort und fort preußische Kaufmannsschiffe wegnehmen und unseren Handel auf jede Weise beeinträchtigen. Dabei rechnen sie darauf, durch ihre guten Freunde in England und anderen Ländern, welche uns Deutschen unsere Erfolge nicht gönnen, schließlich doch noch Schutz und Hülfe zu finden, um die Länder, welche unser Schwert ihrer Willkürherrschaft entrissen hat, später wieder in ihre Gewalt zu bekommen.  …  *Preussische Amtspresse 04.05.1864*

Die Erfahrungen des Deutsch – Dänischen Krieges legten 1864 praktisch den Grundstein für das spätere Flottenbauprogramm Wilhelm II. , das nicht irgendwie einer Laune oder Spielerei entsprang, sondern der wirtschaftlichen Notwendigkeit, sich unabhängig zu machen von den herrschenden Seemächten, um nicht ihrer Willkür ausgeliefert zu sein. Für das Deutschland heute ist das allerdings normal, daß ihm jeder auf der Nase herumtanzen kann, es sind immerhin unsere Freunde, die das tun und für die wir gerne zur Arbeit eilen, sofern wir das überhaupt noch tun. Kommt das Geld doch, wie bekannt, aus dem Bankautomaten, weil das Ausdrucken von Möbeln, Autos oder Schweinshaxen, technisch noch nicht möglich ist. So viel auch zur Frage, warum Geld überhaupt gebraucht wird. Weil es sich einfach leicher verstauen lässt.

Bild: Flottenparade Englands 1914 vor der Kriegserklärung an Deutschland.  

Deutsche Soldaten

Man kann heute gar nicht mehr nachvollziehen, wie unterschiedlich der Menschenschlag um 1864 im Vergleich zu heute war. Inklusive der Staatsoberhäupter. Von der Erstürmung der Düppeler Schanzen wird berichtet

Noch Einiges vom 18. April. (Unsere Pioniere) haben keinen geringen Antheil an dem Ruhme des 18. April. Schon in der Nacht vor dem Sturme hatten sie, auf allen Vieren herankriechend, die meisten Wolfsgruben der dänischen Schanzen mit Sand zugeschüttet. Die Wolfsgruben sind Erdlöcher, in welchen sich spitze Pfähle erheben. Außerdem hatten die Dänen ihre Schanzen mit vielerlei Hemmnissen umgeben. Pallisadenwälle, Gräben, Moräste, mit breiten Faschinenmessern bespickte spanische Reiter, Eggen, Dornenbündel etc. versperrten den Zugang. Alle diese Hindernisse, von deren Schrecklichkeit dänische Blätter so viel geprahlt, wurden jedoch mit Hilfe der braven preußischen Pioniere rasch genommen. Letztere hieben mit ihren Aexten, unter einem Hagel von Kartätschen und Flintenschüssen, Bresche in die Pallisaden, füllten die Gräben und Moräste mit Sand aus, von dem jeder Soldat der Sturmkolonne einen Sack auf der Schulter trug, und brachen die Messer und Zacken aus den Eggen und spanischen Reitern los, oder bedeckten dieselben gleichfalls mit ihren Sandsäcken. Die Stürmenden erstiegen die einzelnen Schanzen von rechts und links in beständig wechselndem Zickzacklaufe, um dem Feuer der feindlichen Kanonen möglichst auszuweichen. Beim Abhauen der Pallisaden wurden zahlreiche Offiziere und Soldaten vom 3. und 7. Pionier-Bataillon verwundet, u. A. wurden bei der geschlossenen Sternschanze Nr. 6 ein Ingenieur-Offizier und 3 Mann durch Granatsplitter fast gänzlich in Stücke zerrissen. Ein wahrhaft erhabenes Beispiel von Heldengröße lieferte ein schlichter Pionier des 3. Bataillons vor Schanze 2. Die Stürmer standen vor den Pallisaden des Werkes, eine Oeffnung war nicht vorhanden, jeder Augenblick der Zögerung mußte ein Kamerad mit dem Leben zahlen. Da tritt der edle Pionier vor den Lieutenant von Saß-Jaworsky, 35. Regiments, dessen Zuge er zugetheilt war: »Herr Lieutenant, gehen Sie zur Seite, ich werde Ihnen ein Loch machen, – auf mich kommt es dabei nicht an!« Spricht’s, nimmt einen Pulversack, tritt an die Pallisaden und entzündet die furchtbare Masse mit brennendem Schwamm. Zerrissen fliegt der Mann nach der einen, die Pallisaden nach der andern Seite und über seinen Leichnam eilen die Kolonnen zum Siege.« – Des Helden Name ist bis jetzt nicht ermittelt worden, – er ist aber im Himmel angeschrieben.

Und dort könnte ihn dann Frau Käßmann lesen, erhielte sie jemals einen Platz in ihm, es wird aber wohl auf die Hölle hinauslaufen, die Dank kapitalistischer Marktwirtschaft immer reichlich mit Brennmaterial versehen ist, falls die Teufel nicht auch vom ökologischen Wahn befallen sind und die Tiefen der Finsternis mittels Sonnenkollektoren und Windrädern beheizen und beleuchten. *Amtspresse Preussens *

Vom Nutzen der Flotte

Im Deutsch  – Dänischen Krieg 1864 und im Allgemeinen. „… Im Jahre 1848 blokirten die Dänen unsere Häfen wirklich, und wir konnten es nicht hindern. Jetzt steht die Sache Gottlob anders. Wir haben inzwischen eine Kriegsflotte hergestellt: ist dieselbe auch noch verhältnißmäßig klein, so haben unsere braven Seesoldaten doch am 17. März den Dänen mit der That gezeigt, daß diese nicht mehr Herren der Ostsee sind. Als ein Erfolg des an jenem Tage von unseren Kriegsschiffen gelieferten ersten Seegefechtes ist es ohne Zweifel vor Allem zu betrachten, daß der Feind es nicht wagt, einen preußischen Hafen wirklich zu versperren, und daß wir uns in dem gegenwärtigen Kriege um die dänische »Blokade« wenig Sorge machen dürfen. “  *Preußische Amtspresse 13.04.1864*

Dr. Ju. Berlin 13.04. Immer häufiger werden die neutralen, ausländischen Pressestimmen, die darauf hinweisen, daß sich England durch seinen Neutralitätsbruch gegen Skandinavien auch in wirtschaftlicher Hinsicht ins eigene Fleisch geschnitten habe. Während es für Deutschland einzig darauf ankam, Skandinavien nicht zum Schauplatz und Sprungbrett weitgespannter britischer Kriegserweiterungspläne werden zu lassen, waren es für England neben militärischen auch schwerwiegende wirtschaftliche Gründe, die zum Überfall auf Skandinavien reizten. Der Norden war für England unter anderem eine große Blockadelücke für das Reich. Deutschland trieb friedlichen, selbst während des Krieges immer intensiver werdenden Handel mit den skandinavischen Ländern. Und wie wir auch ein wirtschaftliches Interesse gehabt hätten, diesen Frieden zu erhalten, so wurde dieser Tatbestand für England eben der Anlaß, diesen Frieden zu brechen. …  *Wiener Neueste Nachrichten 13.04.1941*

Bild: Auch Du Dr. Oetker! Nur weil die kleinen Nazis mit „Gustin“ gefüttert wurden, konnten sie als starke Wehrmachtssoldaten das kampfstarke aber völlig unvorbereitete Polen niederwerfen und den Massenangriffen der französischen und englischen Armeen 1939 am Westwall standhalten. Eine Historie, die bisher unaufgearbeitet blieb. Auch die Besetzung Dänemarks und Norwegens wäre ohne Oetkers Gustin nicht möglich gewesen.

 

Preussen plündern nicht

Der Deutsch – Dänische Krieg 1864 geht langsam seinem Höhepunkt entgegen, der Erstürmung der Düppeler Schanzen. (Mit welchem edeln und menschlichen Sinne) der Krieg von Seiten der Preußen geführt wird, mögen einige Stellen aus dem Briefe eines fremdländischen Berichterstatters beweisen. Es heißt darin: »Einzelne dänische Offiziere boten den preußischen Soldaten, welche sie gefangen nahmen, ihre Börsen an, wurden aber von diesen sehr artig ersucht, ihr Eigenthum nur zu behalten, da preußische Soldaten zu stolz wären, um Gefangene zu plündern. Die Ritterlichkeit der preußischen Soldaten geht sogar so weit, daß sie die Uhren, Geldbeutel und Brieftaschen der von ihnen begrabenen dänischen Gefallenen sammelten und dann sämmtliche Sachen mit einem Parlamentär in das dänische Lager zurücksandten. Alle dänischen Todten werden von den Preußen mit gleichen militairischen Ehren wie ihre eigenen Kameraden begraben, und sie haben kürzlich sogar auf ein großes Grab, in dem 39 gefallene dänische Soldaten liegen, ein Kreuz mit einer Inschrift gesetzt.« *Amtspresse Preußens 06.04.1864* Und das waren, wohlgemerkt, die Soldaten, das gemeine Volk sozusagen. Wobei man ehrlich sagen muß, da war es den Bessergestellten noch nicht möglich, plötzlich ihr Gewissen zu entdecken, um den Dienst am Vaterland zu verweigern, im Gegenteil, der Dienst für das Vaterland war höchste Verpflichtung. Und immerhin, in einer Wehrpflichtarmee. Wir können nur froh sein, daß diese Zeiten vorüber sind.

Kriegsereignisse in Dänemark

Hamburg 8. Februar, Abends. Das Gerücht, daß die Preußen von Glücksburg aus bei Holdnas nach Düppel übergesetzt, die schwach besetzten Düppeler Schanzen genommen hätten und mit dem Gros des Corps auf Apenrade gerückt seien, um der retirierenden dänischen Armee den Weg nach Jütland abzuschneiden, gewinnt immer mehr an Boden. Rendsburg8. Februar, 12 Uhr 39 Minuten Nachmittags. Die Alliierten machten bei der Verfolgung der Dänen große Beute. Sie nahmen die dänische Feldpost. Der blutige Kampf bei Bau und Kupfermühle dauert fort. Schleswig, 8. Februar, Abends. Die bisher ermittelten österreichischen Verluste bei Verfolgung der Dänen am 6. d. belaufen sich an Toten und Verwundeten auf 27 Offiziere und 626 Mann. Schleswig 8. Februar. Es war die Absicht des dänischen Kommandeurs, vor dem Abzuge das Schloß Gottorf zu sprengen und das Magazin anzuzünden. Beides unterblieb auf Befehl des Königs, seine Vaterstadt zu schonen. Die Summe der zurückgelassenen Positionsgeschütze wird auf 120 angegeben. *Die Presse 9.2.1864*

Ärger mit der Eisenbahn

Alles stöhnt über ausgefallene Klimaanlagen im ICE, was für Erdnüsse! Pünktlich muß die Bahn fahren, pünktlich! Was dabei herauskommt, wenn sie, wie heute immer öfters, unpünktlich fährt, kann man nachfolgend lesen, dann kommen nämlich die Badener zu spät! Der Juli 1866 war heiß, sehr, heiß, was auf einen frühen Schellnhuberschen Klimawandel hindeutete. Nur gab es da weder das Lügenmaul Al Gore, noch den besagten professoralen Klimawandel – folgen – forschungs – profiteur, demzufolge schwitzten die Leute nur, ohne angstvoll zum Pol zu eilen, um Eisbären zu kraulen oder Gletschern wärmende, bzw. kühlende Decken aufzulegen. Außerdem hatten sie andere Sorgen. Nämlich die auftreibenden Leichen von ihren Äckern, Wiesen und Straßen zu holen und die Verwundeten zu bergen. Einfach so, mit Karren und auf Geheiß ihrer Bürgermeister oder Amtsvorsteher.

Wien, 23. Juli (1866). FREIE PRESSE. Der ehemalige Kriegsminister aus der Reichsrathzeit, Graf Degenfeld, befindet sich in Begleitung des ehemaligen österreichischen Gesandten in Berlin, Grafen Karolyi, und des früheren österreichischen Gesandten in Darmstadt, Freiherrn von Brenner, gegenwärtig im preußischen Hauptquartier zu Nikolsburg, um während der eingetretenen fünftägigen Waffenruhe mit dem preußischen General-Lieutenant v. Moltke und dem Grafen Bismark die Bedingungen eines die Friedens-Präliminarien enthaltenden Waffenstillstands zu vereinbaren. Wenn auch  noch nicht den Wortlaut, so kennt man doch bereits die wesentlichen Punkte dieser  Friedens-Präliminarien, und nach Allem, was uns darüber gestern aus Paris berichtet wurde, zu urteilen, sind dieselben so hart, wie dies unter den gegenwärtigen höchst traurigen Umständen nur denkbar ist. Österreich soll aufhören, zu Deutschland zu gehören; aber auch ohne Österreich soll Deutschland nicht einheitlich constituiert werden. Preußen wird politisch und militärisch  der Gebieter über Deutschland bis zur Mainlinie, Baiern, Würtemberg, Hessen-Darmstadt, Baden sollen unter der Führung Baierns eine selbständige Gruppe bilden. So will es nicht Österreich, so will es auch nicht Preußen, so will es eine Macht, die in deutschen Dingen nichts mitzureden haben sollte, so will es das napoleonische Frankreich … .

Von der schlesisch-böhmischen Grenze schreibt man der A. A.  Ztg. unterm 18. Juli: Aus Pleß wird gemeldet, daß die Beunruhigung der oberschlesischen Grenze durch österreichische Streifzüge fortdauert, und namentlich beschossen die Österreicher am 16. v. das Badehaus zu Goczalkowitz und es mußte das in Pleß stehende Militär gegen dieselben ausrücken, wobei mehrere Preußen durch Schüsse verwundet wurden. Unter der Kriegsbeute, welche jetzt oft über die Grenze gebracht wird, sieht man mitunter auch österreichische Gewehre von so schlechter Beschaffenheit, daß die preußischen Miniègewehre, mit welcher die Landwehr zweiten Aufgebots bewaffnet wird, mit denselben den Vergleich aushalten. Auch die Kanonen scheinen von geringerer Beschaffenheit als jene der preußischen zu sein, aber im Allgemeinen stimmen die Preußen darin überein, daß die österreichische Artillerie besser schießt als die preußische. …

Über die Kämpfe des achten Bundes-Armeecorps mit den Preußen bei und in Aschaffenburg bringt der „Schwäbische Merkur“ nachstehende Berichte: Aschaffenburg, 17. Juli. Soeben, Dienstag Abends um 9 Uhr, lange ich hier an. Auf der Mainbrücke sind die Preußen beschäftigt, die Minen zur Sprengung der brücke zu legen. Es heißt, die Bundesarmee werde in der kommenden Nacht die Stadt bombardieren. Die Bewohner der am Main-Ufer gelegenen Häuser sind angewiesen, ihre Wohnungen für diese Nacht zu verlassen. Vor der Stadt, auf dem linken Main-Ufer, liegt eine Abteilung Preußen in Stockstadt, eine halbe Stunde von Aschaffenburg, eine Compagnie in einer viertelstunde Entfernung im Bivouak, und soeben ertönt ein Signal, das ein weiteres Bataillon zum Bivouakieren von der Stadt ruft. Die 10 – 18,000 Mann, welche in der Stadt liegen, sind die Sieger von Kissingen, die seit jener Schlacht in zweiter Linie stehen; die Kämpfer von Langensalza stehen noch weiter zurück, in Hößbach und Umgebung, und bilden die Reserve, bis wieder die Reihe an sie kommt, die Angriffskolonne zu bilden.

Laufach 18. Juli. Die Nacht in Aschaffenburg ging ohne Störung vorüber. Diesen Morgen um halb 6 Uhr wurden die 900 Österreicher(Italiener), welche bei Aschaffenburg freiwillig die Gewehre streckten, und 500 gefangene Bayern mittels der Eisenbahn auf eine preußische Festung  (Königsberg wurde genannt) befördert. Ich habe das Schlachtfeld von Aschaffenburg bis Laufach, in einer Ausdehnung von drei Stunden, begangen und den Ort der Verwüstung gesehen, die zahlreichen Lazarethe, die man in jedem Weiler und jedem Dorf antrifft, theilweise – unter Anderem die Kirche in Laufach, welche von Stühlen und Bänken ganz geräumt, nur als Lazarteh dient – besucht, die auf den Feldern angelegten Begräbnisstätten, die vier größten bei Frohnhofen(Filiale von Laufach), angesehen. Die einstimmige Ansicht von Soldaten und Bürgern ging dahin, daß es ein tollkühnes Unternehmen von General Perglas gewesen sei, trotz wiederholter Warnungen mit 6000 Hessen und vier Kanonen vom Thal aus die Preußen ohne Kenntnis ihrer Stärke (ihre Zahl wuchs allmählich auf 20,000 Mann mit 24 Kanonen, dieselben, die jetzt in Frankfurt liegen) anzugreifen. Die auf der Landstraße von Lohr heranziehenden Preußen theilten sich bei Hain in zwei Colonnen; die eine besetzte eine bewaldete Höhe südlich von Frohnhofen, die andere zog sich in einer Schlucht östlich vom Weiler aus der sie die Anhöhe erklettern konnten, die sie zugleich als Wall benützt; beide Colonnen konnten die auf einem hinter dem Weiler nördlich ansteigenden Kornfelde aufgestellten Hessen vollständig mit ihren Schüssen beherrschen. Bald zogen sich die Hessen nach großen Verlusten im Thal abwärts nach Aschaffenburg, wo von Frankfurt her ein paar tausend Österreicher eben noch zur Zeit ankamen, um den Rückzug der Hessen einigermaßen zu decken. Die Badener, auf deren Nachfolge die Österreicher sicher rechneten, kamen nicht, da sich der Bahnzug auf irgendwelche Weise verspätete. Nun folgte noch ein harter Kampf um und in Aschaffenburg, während welchem 900 Österreicher zu den Preußen übergingen. Auf dem linken Ufer des Mains verfolgten die Preußen noch ihre Feinde bis Stockstadt, wo den Hessen eine von Hanau retirierte Colonne Würtemberger zu Hilfe kam und zur Sistierung des Kampfes, der vom Vormittag 11 Uhr bis zum Einbruch der Nacht gedauert, mitwirkte. Heute erstreckt sich die preußische Armee bis zum Weiberhof, zwischen Hößbach und Laufach. Ein Sanitäts-Commando befindet sich auch hier und Vorposten treten über Hain hinaus. …

Die Nachricht, daß bei Aschaffenburg 1500 Österreicher gefangen genommen wurden, ist leider wahr; es sind dies durchgängig Italiener vom Regimente Wernhardt, das früher in Mainz lag. Schon auf dem Durchmarsche durch Frankfurt erzählten mir die Offiziere, daß, seitdem den Leuten die Abtretung Italiens bekannt geworden, ein schlechter Geist unter denselben herrsche und sie im Falle, daß die Truppe ins Gefecht kommt, sich wenig Gutes versprechen. …

Quelle.


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