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An die Frauen und Jungfrauen

HEIDELBERGER ZEITUNG 29. Juni 1866

Aufruf

Der Krieg ist ausgebrochen. Deutsche stehen Deutschen feindlich gegenüber. An Verwundeten und Hilfsbedürftigen wird es nicht fehlen. Es ist Pflicht der Menschlichkeit für alle, welche in dem unheilvollen Zusammenstoße ihr Leben und ihre Gesundheit opfern, nach Kräften zu sorgen, nicht minder die Noth der Zurückgebliebenen zu lindern. Freunde wie Feinde sind unsere deutschen Brüder. Durch eine frühzeitige Ordnung der freiwilligen Krankenpflege im Felde nach dem Vorbilde des internationalen Congresses zu Genf kann viel Unheil gesteuert werden. Sorgen wir bei Zeiten, daß es den Ärzten nicht an dem Nöthigen gebricht. Die Unterzeichneten sind zusammengetreten, um solche Gegenstände, welche für die Krankenpflege im Kriege vorzugsweise gebraucht werden, zu sammeln und sie dorthin, wo es daran mangelt, zu senden. Zunächst werden dabei die Truppen des badischen Landes vorzugsweise bedacht werden, nächstem aber ohne Unterschied der Abstammung diejenigen Truppenteile, die am dringensten der Hilfe bedürfen. Der Verein hat sich mit den Sanitätsbehörden der badischen Armee in geeignete Verbindung gesetzt und wird die ihm anvertrauten Gegenstände nach Bedarf befördern. Zunächst sind die Unterzeichneten zur Sammlung bereit. Größere Gegenstände bittet man in den Stunden von 9 – 12 Uhr Vormittags oder von 3 – 6 Nachmittags auf dem Rathause abzuliefern.

Als besonders wünschenswert werden erbeten: Bettzeug und Bettwäsche, namentlich auch Kissen, Matratzen u. Decken, Leibwäsche, Unterzeug, Strümpfe, Pantoffeln, Taschentücher, Handtücher, Verbandmaterialien, besonders alte und neue Leinwand, Charpie, Flanell, Nessel, Rollbinden, Binden aus Gaze, wasserdichte Zeuge, Holzschienen, Gyps, Pappdeckel, Krücken, Arm – und Fußwannen, Eiterbecken, Spritzen, kurzum Krankenhausbedürfnisse aller Art. Wir wenden uns für die Beschaffung derselben besonders an die Frauen und Jungfrauen, sowie an die Frauenvereine, deren Opferwilligkeit ein reiches Feld der Thätigkeit finden wird. Da ferner die Anstellung und Unterstützung freiwilliger Krankenpfleger und Pflegerinnen die Versendung der gesammelten Gegenstände, die Unterstützung der Hinterlassenen Geld in reichem Maße erfordert, so sind Geldbeträge ganz besonders erwünscht. Zum Empfange derselben ist jeder der Unterzeichneten bereit. Heidelberg den 25. Juni 1866.

C. Anserst. Dr. Blum. Bluntschli v. Dusch. Friedreich Gervinus. M. Groß. Helmholtz. Krausmann. Otto Krieger. I. Landfried. Geh. Rath Mittermaier. Renck, Stadtdirektor. Simin Reiß. L. Spitzer. O. Weber. Wilms. Dr. Wolf. Ph. Zimmermann. K. Bittel.

Skalitz-Marsch


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