Posts Tagged '13. August 1961'

Tag des Bauarbeiters

Heute hat der Blogwart doch völlig den Tag des Bauarbeiters verpennt, also den Tag, an dem die Regierung der DDR ein gewaltiges Arbeitsbeschaffungsprogramm auflegte und im August 1961 den „Antifaschistischen Schutzwall“ errichten liess, der schützte die Deutsche Demokratische Republik fortan vor Faschisten, Militaristen und sonstigen -isten, insbesondere aber seine Einwohner, die ja nun des Nachts nicht mehr von den Faschisten überfallen werden konnten, um ihnen ihr sauer Erspartes wegzunehmen und in einen Starfighter zu investieren. Beispielsweise. Ein Erfolg war sofort sichtbar. Die Diebstahlsrate am Eigentum der Werktätigen und dessen Verschleppung nach dem Westen sank gegen Null. Was die Verschleppung betrifft. Auch nach Polen wurden kaum noch Trabants, Wartburgs oder Moskwitschs entführt, obwohl man dort auf solch eine Mauer verzichtete. Das Beispiel war wohl genug. Schlagartig hörte auch die illegale Einwanderung auf.

Was zuvorderst an westlichen kommunistischen Pfarrern, Lehrern oder Schauspielern heimlich und bei Nacht und Nebel eingewandert war, um im Arbeiter – und Bauernstaat um Asyl zu ersuchen, mußte das nun offiziell tun. Und bei Sonnenlicht. Die DDR nahm aber nicht jeden. Nur die Klassenbewußtesten, falls es da überhaupt eine Steigerung gibt. Der Vater der derzeitigen Bundeskanzlerin war auch einer. Klassenbewußt. Er floh die Freiheit und wählte die Unterdrückung. Ein Unterdrückungsheld. Streng nach Drygalla – Maßstäben gemessen, konnte das natürlich nicht ohne Folgen bleiben. Im Umfeld. Der Familie. Das Ergebnis erleiden wir jetzt.

Heute wissen wir aber, daß die Mauer, wie sie liebevoll genannt wurde, ein Unterdrückungsinstrument war, das die Menschen der DDR daran hindern sollte, in Freiheit zu leben. Und sie hatten noch Glück. Also nicht das mit der Unfreiheit. Sie hatten Glück, weil die Freiheit und die Menschenrechte nicht herbeigebombt wurden. Heutzutage sagen ja die deutschen Intellektuellen, daß für die Freiheit kein Preis zu hoch sein darf, vorzugsweise, wenn ihn andere zahlen. Mal Hunderttausend Leute totzuschiessen, damit sie nachher frei sind – kein Problem. Aber die Kinder haben es ja dann besser. Oder die Enkelkinder. Oder die Urenkel. Wobei man natürlich bedenken muß, Leute, die um der Freiheit wegen sterben müssen, die kommen nicht mehr zum Zeugen. Sie dienen höchstens noch dazu. Als Zeugen. Gegen ein Unrechtsregime. Viele Menschen sind ja damals auch an der Mauer gestorben.

Weil sie nicht robust genug waren. Einige 7,62 mm – Projektile im Körper, das verkraften nicht viele Leute. Auch nicht diese Grenzsoldaten. Es gab damals sogar einen „Schiessbefehl“ hat die demokratische Presse herausgefunden. Menschen, die ein bestimmtes Gebiet betreten, mit der Absicht, das Arbeiter- und Bauernparadies zu verlassen, sollten erschossen werden. Klar, daß die sich nicht mit Befehlsnotstand herausreden konnten. Jeder moralisch anständige Mensch weiß, was man tun darf und was nicht, das steht in den 10 – oder den Geboten der Jungpioniere. In letzteren stand natürlich nicht, schiesse keinem Klassenfeind in den Rücken, sondern sag ihm, er soll sich vorher umdrehen. Sooo plump war die DDR auch nicht.

Dennoch ist es aber verwunderlich, daß heutige Volksvertreter oder Juristen so agieren, wie sie es tun, als hätten sie einen Persilschein in der Tasche. Einen Freibrief, der ihnen nach der nächsten Revolution volle Immunität garantiert. Oder, um mit Feldwebel Kylon zu sprechen: „Wie dumm kann man eigentlich sein?“ Mit Revolutionen ist es nämlich wie mit Erdbeben. Man glaubt, man sitzt in einer seismisch sicheren Zone und schiebt das Grollen und Grummeln, das die ganze Zeit leise zu hören ist, auf die nahe Autobahn. Oder meint jemand, dem Genossen Honecker, 1961 Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend der DDR, hätte einer 1961 gesungen, daß in 27 Jahren alles vorbei ist? Und er muß sich in einem ostdeutschen Pfarrerhaus verkriechen? Aus Angst vor dem Volkszorn.

Die wichtigste Lehre, die man also ziehen kann, aus dem Tag des Bauarbeiters, ist, sich rechtzeitig um seine Flucht zu kümmern. Und deshalb, liebe Leser, ist Reisefreiheit auch eines der wichtigsten westlichen Freiheitswerte. Als Volksvertreter kann man schon jetzt schauen, was ein angehmer Alters – und Asylsitz ist. Vorzugsweise natürlich solche Länder, die nicht ausliefern. Und wo die Sonne scheint. Zur Not gibt es auch immer noch einen letzten Hubschrauber. Mit begrenztem Platz. Der Rest hat dann eben Pech gehabt.

Was wir wieder brauchen

Komitees zur Verhinderung der Anonymität im Internet. Hoppla hopp, gleich jährt sich der 13. August 1961, Tag der Errichtung des Antifaschistischen Schutzwalles in der DDR, und so klare Bekenntnisse wie damals, die benötigen wir heute unbedingt wieder, zum Beispiel gegen die ungeheuerliche Feigheit, anonym im Internet zu hetzen, eventuell sogar gegen den geschätzten Innenminister oder gegen die Zustände, die schwarze, vom Sozialamt ausgebeutete Menschen dazu bringen, Geschäfte zu plündern oder Weiße zu zwingen, sich auf der Straße auszuziehen, um sie ihrer Kleidung zu berauben. Natürlich nur aus Not und zum Schutz vor Kälte, versteht sich.

Muldensteiner Kumpel an die Volkskammer der DDR. Aktiver Kampf dem Menschenhandel. Werte Abgeordnete. Wir, die Brigade vom Bagger 617 im Tagebau Muldenstein des Braunkohlenwerkes „Einheit“ in Bitterfeld, haben uns in zahlreichen Aussprachen über den Abschluß eines Friedensvertrages noch im Jahre 1961 auseinandergesetzt. Es gab zwar am Anfang unterschiedliche Meinungen, aber jetzt haben wir Klarheit über die Notwendigkeit geschaffen. Jawohl, unsere Regierung handelt richtig, wenn sie dem Menschenhandel, der den Imperialisten für ihre Störmaßnahmen dient, Einhalt gebietet. Die Maßnahmen des Magistrats des demokratischen Berlins finden gleichfalls unsere volle Zustimmung.

Wir sehen der verbrecherischen Bonner Politik ebenfalls nicht tatenlos zu. Auf unsere Forderung hin wurde auch im Tagebau ein Komitee zur Verhinderung des Menschenhandels gebildet und es arbeitet bereits. Seien Sie versichert, daß wir alle Maßnahmen die durch die Volkskammer und unsere Regierung zur Durchsetzung unserer Friedenspolitik beschlossen werden, unterstützen. … Glück  auf! Besatzung des Baggers 617 W. Pacyna, Brigadier, H. Köppe, Gewerkschaftsvertrauensmann *Neues Deutschland 10. August 1961*

Für eine lebendige, gesalzene Demokratie. … Nach Feierabend verwandelte sich der Angepasste zum anonymen, rechtsradikalen Blogger „Fjordman“, der im Netz aufs Übelste gegen Muslime wetterte. Äußerungen wie „Der Islam und alle, die ihn praktizieren, müssen total und physisch aus der gesamten westlichen Welt entfernt werden“ fanden auch Zustimmung beim norwegischen Massenmörder Anders Breivik.  …   Was sind das nur für charakterlose Gesellen, die sich in anonymen Blogs austoben? Das Internet war angetreten, die gesellschaftliche, repressionsfreie Debatte durch den Schutz der Anonymität zu befördern. Leider hat es auch dazu geführt, dass nun Typen mit Persönlichkeits-Defiziten sowie einer Blockwart- und Heckenschützen-Mentalität für allerlei Krudes und Menschenverachtendes eine Bühne haben. …  Beherzte, mutige, kontroverse Diskussionsbeiträge von couragierten Bürgern sind das Salz für eine lebendige Demokratie.   Wilhelm Klümper *DER WESTEN 07.08.2011 *

Ärzte des Bezirkes Frankfurt (Oder): Meidet Westdeutschland und Westberlin! Wir sind der Überzeugung, daß der Abschluß eines Friedensvertrages noch in diesem Jahr die reale Möglichkeit bietet, die barbarischen Absichten der westdeutschen Militaristen rechtzeitig zu durchkreuzen. Wir haben den festen Willen, zu dieser Lösung mit bestem Vermögen beizutragen.  … Wir begrüßen darum die Erklärungen der Regierung der DDR und des demokratischen Blocks, in denen alle Bürger der DDR im Interesse ihrer eigenen Sicherheit, im Interesse ihrer Familien und im Interesse der Sache des Friedens vor den Gefahren des Menschenhandels gewarnt und gemahnt werden, Reisen nach Westdeutschland und insbesondere Besuche in Westberlin zu meiden.

In Anbetracht der Gefährdung, der Ärzte und Angehörige des mittleren medizinischen Personals durch die konzentrierte Abwerbung der Menschenhändler ausgesetzt sind, appellieren wir an alle Berufskollegen diese Mahnung ernst zu nehmen. Der Appell ist u. a. unterzeichnet von Dr. Großer, Beeskow: Dr. Berthold, Beeskow; Dr. v. Wachsmann, Wriezen: Fiedler, Bezirksarzt: Dr. Heyse. Bezirks – Tbc-Arzt; Dr. Löwe, Ärztlicher Direktor des bezirkskrankenhauses Frankfurt (Oder); Dr. Freytag, Kreisarzt Bernau; Dr. Lappe, Ärztlicher Direktor, Krankenhaus Stalinstadt; Hartmann, Oberschwester, Krankenhaus Eberswalde; Fiebelkorn Hebamme, Kreiskrankenhaus und Eberswalde; Dr. Krüger, Kreisarzt und Leiter des Landambulatoriums Maschnow.  *Neues Deutschland 10. August 1961*

Der Autor ist entzückt von soviel beherzten, mutigen und controversen, also zustimmenden Diskussionsbeiträgen, die unsere Demokratie würziger machen. Der Regierung immer wieder zu sagen, wie weise sie ist und wie gut sie vorausschaut und das Beste für uns will, wenn die Maßnahmen manchmal auch etwas lahm daherkommen, das macht doch eine gesellschaflich repressionsfreie Debatte aus. Daß es zwar am Anfang unterschiedliche Meinungen geben darf, der Form halber, dann aber muß Klarheit herrschen. 

Bild: Friedliche Muslime demonstrieren für repressionsfreie Debatten, aber gegen Anonymität im Internet. Das Plakat zeigt den enthaupteten dänischen Karikaturisten Westergaard mit dem Körper eines Hundes, der allerlei   Krudes und Menschenverachtendes zeichnete,  dabei aber vergaß, zuvor in die Anonymität des Internets abzutauchen, das bescherte ihm freundlichen Besuch eines Somaliers, der sich mit einer Axt Zugang zum Haus des Westergaard verschaffte, sicher wollte er nur Holz hacken.

Bild 2: Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker. Ein junger englischer Proletarier aus Birmingham teilt, wie St. Martin, bereitwillig Hemd und Hosen mit einem jener Zuwanderer, deren Herzlichkeit und Lebensfreude auch Deutschland so ungemein bunter machen. Trotz vollständiger Bekleidung friert der Sonnensohn Afrikas. Das war dem jungen Manne gleich aufgefallen und enthusiastisch entledigte er sich aller Bekleidung, da er ja das Klima gewohnt ist. Der Autor ruft: Eifert ihm nach! 

Austreibung von Volksschädlingen

Arbeiter verjagten DDR – Feinde. Faschistische Elemente über die Staatsgrenze vertrieben. Bad Salzungen (ADN). Arbeiter aus volkseigenen Betrieben des Kreises Bad Salzungen im Bezirk Suhl haben am Donnerstag den bisher in Kranlucken wohnhaften Hermann Fink und dessen Sohn Willi in die Westzone verjagt. Beide entpuppten sich als freche faschistische Elemente. Hermann und Willi Fink hatten sich als Feinde der Staatsmacht der DDR entlarvt. Sie beschimpften in übelster Weise die Arbeiter, denen sie in übelster Weise nachredeten, sie seien nicht in der Lage, die Geschicke des Arbeiter- und -Bauern-Staates zu lenken und zu leiten. Bestrebt, die Ausbeuterordnung des Kapitalismus in der DDR zu restaurieren, versuchten sie, die Kranluckener Genossenschaftsbauern auf den Weg der kapitalistischen Entwicklung in der Landwirtschaft zurückzuzerren.

Bei beiden handelt es sich um unbelehrbare Feinde aller ehrlichen Genossenschaftsbauern, die die DDR von innen zersetzen wollten.  Ihr Bestreben war darauf gerichtet, Massenauftritte aus der LPG in Kranlucken zu organisieren. Voller Zynismus priesen sie das kapitalistische Wolfsgesetz der Vernichtung von Klein- und Mittelbauern in Westdeutschland. Ihr schändliches Treiben entsprang der Absicht solche kapitalistischen Zustände eines Tages auch in Kranlucken wieder zu praktizieren.

In der Zeit der Weimarer Republik stark verschuldet, in der Nazizeit Ortsbauernführer, entwickelten sich die Finks unter den Bedingungen der Arbeiter-und-Bauern-Macht zu reichen Bauern. Die Möglichkeiten, die sie durch unseren Staat erhielten, hinderten sie nicht, entgegen den Interessen einer friedlichen Entwicklung der Dörfer der DDR, sich die Hetzparolen des westlichen Rundfunks und Fernsehens zu eigen zu machen, sie öffentlich zu vertreten und sich zu Werkzeugen westlicher Agentenzentralen herzugeben. … *NEUES DEUTSCHLAND 5.08.1961*

Der Autor meint, offensichtlich wurden hier zwei erfolgreiche Bauern verjagt, die nicht einsahen, warum sie ihren Hof, mit dem sie gute Erträge erzielten, in eine der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der DDR auflösen sollten, in der die das Sagen haben würden, die weniger erfolgreich wirtschafteten, aus was für Gründen auch immer.

Bild: Fritz Schramma. Aufrechter Kämpfer gegen freche faschistische Elemente. Mangels einer anderen Zone, in die er die demokratisch gewählte Stadtratsfraktion von Pro Köln mit Hilfe der revolutionären Arbeiterschaft hätte vertreiben können, mußte er hilflos zusehen, wie sich die Faschisten auf den Rhein retteten, dort wurden sie von den antifaschistischen Lehrern, Beamten und anderem arbeitsscheuen Gesindel mit Flaschen und Steinen an der Rückkehr in den demokratischen Sektor gehindert.

Gekapert vom Staat und vom Bildungssystem

„Ihr seid Verräter am Sozialismus“. „Neue Ruhr Zeitung“ bestätigt die Verbrechen der Menschenhändler. Essen (ND). Welches Verbrechen Eltern, die sich den Menschenhändlern ausliefern am Volke und an ihren eigenen Kindern begehen, offenbart eine Schilderung der in Essen erscheinenden „Neuen Ruhr Zeitung“ vom 2. August über die Verhältnisse im Fanglager der Bonner Menschenhändler in Massen bei Unna: Ein 16jähriges verzweifeltes Mädchen, das von Vater und Mutter, als sie die Republik verließen, mit über die Genze geschleppt wurde, hat ihre Eltern öffentlich angeklagt, gemeinen Verrat am Sozialismus und an der DDR begangen zu haben.

Sie will in die DDR zurück. „Die Eltern wissen nicht, was sie tun sollen“, so berichtet der Reporter der „Neuen Ruhr Zeitung“: „Das Mädchen, sechzehn Jahre alt, will unbedingt in die Sowjetzone (gemeint ist die DDR) zurück. Es ahnte nichts von den Fluchtgedanken seiner Eltern, als es über die Westberliner Sektorengrenze fuhr. Hier fragt der Autor: Ja, wie auch? Wie hätte es das ahnen sollen? Offenbar waren sich die Eltern des Mädchens ihrer Tochter nicht sicher, die seit 10 Jahren, nämlich seit sie eingeschult wurde, der sozialistischen Gehirnwäsche ausgesetzt war, so wie heute die Schüler der sozialistischen Gehirnwäsche über Schuldkult, Klimatod und Multikulti ausgesetzt sind. Und daß sie zurück wollte, zu ihren Freunden, ist das ein Wunder?  Aber nach einem Tag schrie es seine Eltern an: „Ihr seid Verräter! Ihr verratet die Idee des Sozialismus!“ Vater und Mutter müssen ihr Kind bewachen, damit es nicht bei Nacht und Nebel zurückkehrt.“

Die Endstationen des Verrats. Die „Neue Ruhr Zeitung“, die feststellt, daß dieses durch gewissenlose Eltern heraufbeschworene Schicksal des verzweifelten Mädchens beileibe kein Einzelfall ist, bringt in einer großen Fortsetzungsreportage erschütternde Beispiele über die Endstationen des Republikverrats.  In einem Bericht über die traurigen Verhältnisse in denen die Familie Michalik im Lager Massen bei Unna lebt, nachdem sie den Menschenhändlern auf den Leim ging, schreibt der Reporter über die jetzt 12 jährige Doris Michalik: „Wäre Doris vier Jahre älter, würde sie vielleicht genauso handeln wie das 16 jährige Mädchen im Nebenzimmer.

Die Kinder weinten. Auch Erwin Michalik und seine Frau schleppten ihre drei Kinder, die 12 jährige Doris, die 11 jährige Ulrike und den 9 jährigen Klaus, über die Grenze in die Frontstadt. Die 12 jährige Doris, seine älteste Tochter, begann plötzlich zu weinen: „Vati, ich habe Angst, ich will wieder nach Hause.“ Aber ungerührt von der Angst vor dem Ungewissen entgegengehenden Kinder machten die Eltern den Verrat perfekt. … *NEUES DEUTSCHLAND 4. 08.1961*

Erika Thoss handelte richtig. Plauen (ADN). Eine eindeutige Abfuhr erteilte auch die 20 jährige Erika Thoss aus dem VEB Plauener Baumwollwebereien den Bonner Menschenhändlern, die sie in ihre Fänge locken wollten. Von einer Charlotte Egert aus Goslar, Kuhlenkamp 8, erhielt sie einen Brief, in dem sie unter vielen Versprechungen zum  Verrat an ihrem Arbeiter und Bauernstaat aufgefordert wird: „Wir haben hier eine Gummistrumpfstrickerei und können jede Menge Mitarbeiter brauchen …“ Erika Thoss übergab diesen Lockbrief dem FDJ – Sekretär ihres Betriebes und erklärte, „sie kenne diese Egert überhaupt nicht. Auf diesen Brief falle ich nicht herein. “  *NEUES DEUTSCHLAND 4. 08.1961*

Den Bau der Berliner Mauer vor 50 Jahren hält ein gutes Drittel der Berliner nach einer Umfrage nicht für falsch. Die Forsa-Erhebung im Auftrag der „Berliner Zeitung“ ergab, das 10 Prozent der Befragten den Mauerbau „voll und ganz richtig“ finden, weitere 25 Prozent teilweise für richtig.

Bild: In die DDR zurückgekehrt sind der Dreher Karl Schröder und Edith Tabbert. Mit dem Schmied Alfred Fischer und Hunderten anderen Zuwanderern und Rückkehrern befinden sie sich im Aufnahmelager Eisenach und werden in den nöchsten Tagen in ihre neuen Heimatorte weiterreisen.

Sag mir wo Du stehst

Berliner reden deutsch. Leser urteilen über Grenzgänger. Von den 246 Leserbriefen, die gestern in unserer Redaktion eingingen, waren 112 dem Grenzgängerproblem gewidmet, derzeitig das Hauptgesprächsthema in Berlin. Hier einige Auszüge: Unmißverständlich: Mir scheint, da muß endlich mal ein deutliches Wort geredet werden. Deutlich, damit meine ich unmißverständlich. Die da drüben arbeiten und hier ihre Kinder in die Ferien fahren lassen, drüben die Löhne drücken und hier billige Mieten zahlen, müssen sich endlich mal sagen lassen: Ihr könnt uns nicht auf der Nase herumtanzen! Sicher soll man darüber reden aber mal muß auch mit dem Gerede zu Ende sein. Sie haben ganz recht: Jetzt muß man wissen, wohin man gehört. Paul K., Brigadier, Leninallee

Meckertante war still.  Als ich neulich vor einem Laden stand, wo man auf Kartoffeln wartete, meckerten einige Frauen darüber, daß nur ein Mann da wäre, der sie ablud, was ihnen zu lange dauerte. Plötzlich meldete sich eine Frau zu Wort und fragte die neben ihr stehende, warum denn ihr Mann „drüben“ arbeite. Wäre er hier, könnten vielleicht auch die Kartoffeln schneller abgeladen werden. Da war die Meckertante gleich still. Manchmal ist unser Langmut schon zu groß. Erst betrügen sie uns, nutzen die Vorteile des Arbeiter – und Bauern- Staates, ohne, daß sie einen Handschlag für diesen Staat tun. Mitfahrer sozusagen, die obendrein noch meckern, daß der Chauffeur nicht schnell genug fährt. Emma Schulz, Berlin – Weißensee

Verkaufen sich an Konzerne. Unser Nachbar sagte uns immer: „So lange es nicht verboten ist, gehe ich „rüber“. Jetzt glaubt er, daß alle anderen gemeint seien, nur er nicht. Wir haben ihm gesagt, daß es jetzt auch für ihn gilt, sich zu entscheiden. Er ist ein alter Arbeiter, und ich habe ihn an die großen Kämpfe der zwanziger Jahre erinnert, als kaum ein Berliner Arbeiter daran dachte, nur seine eigenen Interessen zu sehen. Ob er denn glaube, daß die Direktoren der Konzerne heute anders dächten als damals. Sie haben damals wie heute nur das eine Interesse, die Arbeiterklasse zu schädigen. Und das sollen wir uns gefallen lassen? Wir haben es uns damals nicht gefallen lassen, und heute erst recht nicht. Fritz L., Berlin –  Pankow

Stoff für Hetze. Wäre es nicht so traurig, könnte man es fast kurios nennen, welche Rolle die Grenzgänger jetzt spielen: Erst verlassen sie hier ihre Arbeitsplätze. Die vielen Vorteile, die ohne ihre Hilfe zustande kommen, nehmen sie wahr. Obendrein liefern sie aber der Westpresse nun auch noch einen Vorwand zur Hetze gegen uns. Die armen Menschen, die drangsalierten, hört man da. Das sollte uns reichen. Erst uns in den Rücken fallen und uns dann auch noch von vorne anfallen. Alles muß seine Grenzen haben. Erna Konrad, Berlin – Treptow

Bild:   Grenzgänger  – Ihr könnt uns nicht auf der Nase herumtanzen! Sicher soll man darüber reden aber mal muß auch mit dem Gerede zu Ende sein. Sie haben ganz recht: Jetzt muß man wissen, wohin man gehört.   Manchmal ist unser Langmut schon zu groß. Erst betrügen sie uns, nutzen die Vorteile des Arbeiter – und Bauern- Staates, ohne, daß sie einen Handschlag für diesen Staat tun. Die vielen Vorteile, die ohne ihre Hilfe zustande kommen, nehmen sie wahr. Obendrein liefern sie aber der Westpresse nun auch noch einen Vorwand zur Hetze gegen uns. Die armen Menschen, die drangsalierten, hört man da. Das sollte uns reichen.   Alles muß seine Grenzen haben. *NEUES DEUTSCHLAND 01.08.1961*

Das NEUE DEUTSCHLAND war das Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei der Deutschen Demokratischen Republik, die sich, unterm Eindruck des Jahres 1989 erst in Partei des Demokratischen Sozialismus, dann in DIE LINKE umbenannte, nun aufgestockt, durch westliche Terroristen, Maoisten, Kommunisten, Gewerkschafter und Antizionisten. Es veröffentlichte die politischen und ökonomischen Zielstellungen der Partei und die Meinung, die im Land zu herrschen hatte. Damals reichte eine große überregionale Zeitung. Es mußten nicht Hunderte voneinander abschreiben. Wie heute. Es ist schön, meint der Autor, daß man einmal nachlesen kann, wie sehr sich die grundlegenden Auffassungen geändert haben. Denn natürlich ist heute, von der Arbeit anderer zu leben und immer neue Privilegien für sich einzufordern, als Gegenleistung für Integrationsverweigerung, Faulheit und kriminelles Verhalten, keine Ausbeutung mehr.

Sag mir wo Du stehst!


November 2021
M D M D F S S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930  

Blog Stats

  • 2.275.628 hits

Archiv