Posts Tagged '1866'

Alleweil ein wenig durstig

(Ein Annexionsschwank.) Vom Deutsch – Deutschen Kriege 1866. In der „Augsb. Abendzeitung“ finden wir folgende, aus Lindau datierten, von einer bayrischen Annexion berichtenden Schwank: „Kaum war gestern hier die (unbegründete) Nachricht eingetroffen, daß Preußen bei Hof in bayrisches Gebiet eingefallen, als sofort ein Kriegszug in die angrenzende preussische Herrschaft Achberg, eine Enklave zwischen Bayern und Württemberg, in`s Werk gesetzt wurde. Ein starkes Dutzend junger Leute marschierte von hier aus mit Flinten, Pistolen u.s.w. versehen, in zwei Abteilungen nach dem Hauptort Efferattsweiler. Im dortigen Wirtshaus wurde das Hauptquartier aufgeschlagen, die Waffen im Ort mit Beschlag belegt, die darunter befindlichen Böller an den Fenstern des Hauptquartiers aufgepflanzt und dann zur Besitznahme des Landes geschritten.

An der Ortstafel in der Mitte des Ortes stellte sich die ganze Mannschaft auf. Darauf wurde eine Proklamation verlesen, welche „im Namen des Commandanten der bayrischen Schaar“ die Einwohner für bayrische Staatsbürger erklärt. Nach der Verlesung wurde die Proklamation an den Pfahl der Ortstafel angeheftet, derselbe blau und weiß angestrichen, und der mit einer schwarzrot goldenen Schärpe umkleidete Anführer erklärte vor der versammelten Bevölkerung, daß nunmehr das preussische Regiment aufgehört habe und das Land für Bayern und Deutschland annectiert sei. Das Volk nahm dies offenbar günstig auf, und trank  mit den Befreiern zur Feier der Vereinigung freigiebig gespendetes Annexionsbier.

Oberhalb der demolierten Tafel wurden dann die deutsche und bayrische Flagge aufgehißt und mit dreimaligem Hoch und mit Schüssen begrüßt. Mit Ausnahme eines alten Försters, gegen den energisch ausgetreten werden mußte, war, war die Bevölkerung schliesslich ganz enthusiasmiert und stimmte freudig und mit Hutschwenken in das Hoch ein. Bei Einbruch der Nacht marschierte die Schaar nach Lindau zurück.“ *Freiburger Zeitung 29.06.1866*

Der Klimawandel schlägt wieder hart zu. Den 17. Juni, zwischen 9 und 10 Uhr Morgens, fiel eine so große Menge Schnee auf den Anhöhen von Bresse (Vogesen), daß sie ein winterliches Aussehen bekamen. Die Erde war ganz weiß. Die ältesten Personen der Gegend erinnern sich nicht, im Juni Schnee gesehen zu haben.  *Freiburger Zeitung 29.06.1866*

Hörensagen. Offenbach, 23. Juni. Wie hier erzählt wird, soll die württembergische Reiterei eine kleine Anzahl kurhessischer Soldaten in Bergen als preußische Gefangene eingebracht haben, wo sich natürlich das Mißverständnis aufklärte. Die Kurhessen hatten zwar den Schwaben ihre Nationalität energisch geltend gemacht, aber es half nichts, die Pickelhaube ward ihnen zum Verderben. *Freiburger Zeitung 29.06.1866*

Gefecht bei Langensalza. Gotha, 27. Juni. Heute Mittag griffen die preussischen Truppen unter General Fließ, ihrem Auftrage gemäß, die hannöversche Armee an, welche zwischen Langensalza und Merxleben eine feste Stellung eingenommen hatten. Der Auftrag war, den Feind, welcher bisher stets ausgewichen, zur Entwicklung seiner Kräfte zu bringen. Die Position wurde mit großer Energie angegriffen und der Feind mit dem Bajonet über die Unstrut zurückgeworfen. Bei dieser Gelegenheit griff das hiesige Regiment mit solcher Bravour ein, daß es die laute Bewunderung der umstehenden Truppen auf sich zog. Der Feind entwickelte eine bedeutende Übermacht. Nach Erfüllung ihres Auftrages gingen die Truppen in ihre frühere Stellung zurück. Auf beiden Seiten sind hohe Verluste zu beklagen. (Eine Beschreibung der Schlacht gibt es hier auf Seite 64, leider nur in Fraktur.) *Coburger Zeitung 29.06.1866* Lob der hannoveranischen Truppen: „Dieses ganze Vordringen der Hannoveraner war, wie alle preußischen Offiziere es bezeugen, mit solcher Energie, solcher Kraft und solchem Todesmutigen Elan ausgeführt, daß jedes Land, welches eine solche Armee besitzt, das vollständigste Recht hat, darauf stolz zu sein.“

Bild: Deutscher Bürgerkrieg 1866. Kanonier Rudloff verteidigt sein Geschütz gegen Berittenen.  Das hätte man auch friedlich betend klären können!

Das Vaterland ist in Gefahr

Aufruf des Königs.
An Mein Volk!

In dem Augenblicke, wo Preußens Heer zu einem entscheidenden Kampfe auszieht, drängt es Mich, zu Meinem Volke, zu den Söhnen und Enkeln der tapfern Väter zu reden, zu denen vor einem halben Jahrhundert Mein in Gott ruhender Vater unvergessene Worte sprach.

»Das Vaterland ist in Gefahr!«

Oesterreich und ein großer Theil Deutschlands steht gegen dasselbe in Waffen!

Nur wenige Jahre sind es her, seit Ich aus freiem Entschlusse und ohne früherer Unbill zu gedenken, dem Kaiser von Oesterreich die Bundeshand reichte, als es galt, ein deutsches Land von fremder Herrschaft zu befreien (Schleswig – Holstein 1864). Aus dem gemeinschaftlich vergossenen Blute, hoffte Ich, würde eine Waffenbrüderschaft erblühen, die zu fester, auf gegenseitiger Achtung und Anerkennung beruhender Bundesgenossenschaft und mit ihr zu all dem gemeinsamen Wirken führen würde, aus welchem Deutschlands innere Wohlfahrt und äußere Bedeutung als Frucht hervorgehen sollte. Aber Meine Hoffnung ist getäuscht worden. Oesterreich will nicht vergessen, daß seine Fürsten einst Deutschland beherrschten; in dem jüngeren, aber kräftig sich entwickelnden Preußen will es keinen natürlichen Bundesgenossen, sondern nur einen feindlichen Nebenbuhler erkennen. Preußen – so meint es – muß in allen seinen Bestrebungen bekämpft werden, weil, was Preußen frommt, Oesterreich schade. Die alte unselige Eifersucht ist in hellen Flammen wieder aufgelodert: Preußen soll geschwächt, vernichtet, entehrt werden. Ihm gegenüber gelten keine Verträge mehr, gegen Preußen werden deutsche Bundesfürsten nicht bloß aufgerufen, sondern zum Bundesbruch verleitet. Wohin wir in Deutschland schauen, sind wir von Feinden umgeben, deren Kampfgeschrei ist: »Erniedrigung Preußens!«

Aber in Meinem Volke lebt der Geist von 1813. Wer wird uns einen Fuß breit preußischen Bodens rauben, wenn wir ernstlich entschlossen sind, die Errungenschaften unserer Väter zu wahren, wenn König und Volk durch die Gefahren des Vaterlandes, fester als je geeint, an die Ehre desselben Gut und Blut zu setzen, für ihre höchste und heiligste Aufgabe halten. In sorglicher Voraussicht dessen, was nun eingetreten ist, habe Ich seit Jahren es für die erste Pflicht meines Königlichen Amtes erkennen müssen, Preußens streitbares Volk für eine starke Machtentwickelung vorzubereiten. Befriedigt und zuversichtlich wird mit Mir jeder Preuße auf die Waffenmacht blicken, die unsere Grenzen deckt. Mit seinem Könige an der Spitze wird sich Preußens Volk ein wahres Volk in Waffen fühlen! Unsere Gegner täuschen sich, wenn sie wähnen, Preußen sei durch innere Streitigkeiten gelähmt. Dem Feinde gegenüber ist es einig und stark; dem Feinde gegenüber gleicht sich aus, was sich entgegenstand, um demnächst im Glück und Unglück vereint zu bleiben.

Ich habe Alles gethan, um Preußen die Lasten und Opfer eines Krieges zu ersparen, das weiß Mein Volk, das weiß Gott, der die Herzen prüft. Bis zum letzten Augenblicke habe Ich, in Gemeinschaft mit Frankreich, England und Rußland, die Wege für eine gütliche Ausgleichung gesucht und offen gehalten. Oesterreich hat nicht gewollt und andere deutsche Staaten haben sich offen auf seine Seite gestellt. So sei es denn. Nicht Mein ist die Schuld, wenn Mein Volk schweren Kampf kämpfen und vielleicht harte Bedrängniß wird erdulden müssen: aber es ist uns keine Wahl mehr geblieben! Wir müssen fechten um unsere Existenz, wir müssen in einen Kampf auf Leben und Tod gehen gegen diejenigen, die das Preußen des großen Kurfürsten, des großen Friedrich, das Preußen, wie es aus den Freiheitskriegen hervorgegangen ist, von der Stufe herabstoßen wollen, auf die seiner Fürsten Geist und Kraft, seines Volkes Tapferkeit, Hingebung und Gesittung es emporgehoben haben.

Flehen wir den Allmächtigen, den Lenker der Geschicke der Völker, den Lenker der Schlachten an, daß Er unsere Waffen segne!

Verleiht uns Gott den Sieg, dann werden wir auch stark genug sein, das lose Band, welches die deutschen Lande mehr dem Namen als der That nach zusammenhielt, und welches jetzt durch diejenigen zerrissen ist, die das Recht und die Macht des nationalen Geistes fürchten, in anderer Gestalt fester und heilvoller zu erneuen.

Gott mit uns!

Berlin, den 18. Juni 1866. (gez.) Wilhelm. *Amtspresse Preussens 20.06.1866*

Unser Mann in Lissa

Das Aufeinandertreffen von Monitor und Merrimack, zwei völlig unterschiedlich gepanzerte Schiffe im amerikanischen  Bürgerkrieg dürfte bekannt sein. Das Gefecht endete unentschieden. Anschliessend experimentierten die Flotten mit Panzerungen herum. Weniger bekannt, zumindest in Deutschland, ist die Seeschlacht von Lissa 1866, in der eine überlegene italienische Panzerschiffflotte auf eine gemischte österreichische traf. Die Österreicher siegten. Es liest sich wie eine antike Seeschlacht, denn die Geschütze waren noch die üblichen, die wurden mit Panzerungen nicht fertig, also wurde gerammt.

(Orginal-Korrespondenz.) Pola, 23. Juli 1866 Der Telegraph benimmt heutzutage, das ganze Vergnügen, interessante Neuigkeiten schreiben zu können, und in den Hauptsachen wird jeder Brief von den Depeschen überholt, doch will ich mich davon nicht abhalten lassen, Ihnen einige Details über die hier so ereignisreichen letzten Tage zu geben, die aber so massenhaft, so konfus über uns hereinbrachen, daß an ein geordnetes Ganzes jetzt noch gar nicht zu denken ist. Daß Tegethoff von hier auslief am 20. d. Nachmittag, die feindliche Flotte in weit überlegener Stärke traf, sie angriff, eine große Panzerfregatte in den Grund rannte, eine andere in die Luft sprengte, die Bravour des Linienschiffs „Kaiser“, die Namen der Gefallenen und Verwundeten, die Flucht der Italiener, die Entsetzung Lissa`s, die Hartnäckigkeit der Verteidigung von Seite der Besatzungstruppen ec. ec. wird Ihnen aus Telegrammen bekannt sein, und nur die jetzt von der ruhmgekrönten Eskadre hier verbreiteten und viel erzählten Einzelheiten will ich hinzufügen.

Die Italiener griffen Lissa mit ihrer ganzen Seemacht an, hatten eine bedeutende Anzahl Landungstruppen unter Kommando eines Obersten an Bord und versuchten, auf eine nicht sehr zu ihren Gunsten sprechende Art, mit Aufbietung aller Kräfte sich in Besitz dieses Eilandes zu setzen. Lissa ist gut, aber nicht so stark befestigt, daß es einer solchen Flotte, wenn dieselbe von muthvollen, verständigen, unternehmenden und ihrer Sache gewissen Kommandanten geführt worden wäre, hätte so lange – 3 Tage – erfolgreich Widerstand leisten können. Wenn sich auch Lissa seiner Formation nach sehr gut zur Verteidigung eignet, so bieten die vielen Buchten und Häfen dem Feinde Gelegenheit, eine Ausschiffung auf verschiedenen Punkten zu bewirken und unter dem Schutze und der Mitwirkung einer so starken Flotte einen Erfolg erzielen zu können. Es muß daher die Bravour unserer Küstenartillerie, welche die Werke Lissas besetzt hatte, sowie die hervorragenden ausgezeichneten Leistungen des Marine-Infanteriebataillons unter Kommando des thatkräftigen, energischen,  intelligenten und ausgezeichneten Majors Kratky anerkannt werden. …

Die Italiener vor Lissa, durch ihre Avisodampfer vom Herannahen der österreichischen Flotte verständigt, ließen von der Aktion gegen Lissa ab, gingen in Schlachtlinie formiert, derselben entgegen. Tegethoff, über den sich Persano geringschätzend geäussert haben soll, und der jetzt eines besseren belehrt worden ist, ging direkt auf die Italiener los, seine Flotte im Angriffswinkel formiert.  An der Spitze der ersten Division das Admiralsschiff „Erzherzog Ferdinand Max“, und die anderen sechs Panzerfregatten; bei der zweiten Division als Führerlinienschiff „Kaiser“ mit den Holzfregatten „Schwarzenberg“ und „Novara“ an den Flügeln; die dritte Division bildeten die Kanonenboote und Dampfer. Die Italiener manövrierten mit der Absicht, die österreichische Flotte vollkommen zu umzingeln und die Holz- von den Panzerschiffen abzuschneiden; was aber Tegethoff durchblickte, direkt auf eine Panzerfregatte losrannte, dann noch eine zweite und dritte rammte, ohne jedoch besonderen Erfolg zu erziehlen. Endlich bei der vierten großen Panzerfregatte „Rè d`Italia“ erreichte er das brilliante Resultat, daß dieses Prachtschiff mit über 700 Mann Equipage in weniger als 5 Minuten gesunken und mit Mann und Maus verloren war. – Das mutvolle geschickte Manöver des Kommandanten des „Erzherzog Max“, Linienschiffkapitän Bar. Sternegg, bei Gelegenheit dieses Ingrundbohrens, kann von allen Offizieren der Eskadre nicht genug gelobt werden; am Schlachttag selbst nicht unbedeutend erkrankt, ließ er sich dennoch nicht abbhalten, das Kommando zu führen und leitete von den Fockwanten aus die Bewegungen des Schiffes, um sie von dort aus besser zu übersehen. Das schnelle Sinken des imposanten feindlichen Schiffes, das Geschrei der Ertrinkenden war ein großartiges schreckliches Schauspiel. Die italienischen Ausschiffungs- oder Marinetruppen feuerten noch in den letzten Momenten und dieses Kleingewehrfeuer verwundete mehrere unserer Offiziere und Mannschaft. Viele Augenzeugen versichern, bei Gelegenheit des Sinkens gesehen zu haben, daß ein italienischer Matrose in Todesangst zur Flaggleine eilte und die Flagge zu streichen versuchte, doch soll er von einem Offizier, der ihn wegstieß daran verhindert worden sein, welcher im Moment des Versinkens mit dem Rufe: „Eviva lÌtalia“ in den Wellen verschwand. – Durch das Niederrennen dieses feindlichen Schiffes war die Linie durchbrochen, die österreichische Flotte drang dichtgedrängt durch, die Absicht des Feindes war auf diese Weise vereitelt und es entspann sich jetzt ein furchtbarer Kampf von Schiff gegen Schiff und bei der Überlegenheit der Italiener kam es häufig vor, daß ein österreichisches von zwei bis drei feindlichen gleichzeitig angegriffen wurde. – Wo sich ein Holzschiff von uns – auf welche die Italiener besonders scharf losgingen, weil sich ohne viel Gefahr fürs eigene Panzerschiff und Leben billig Resultate erzielen lassen – in Gefahr befand, eilte Tegethoff mit seinen Panzern herbei und stieb die Italiener auseinander. Linienschiff „Kaiser“, welches die Italiener wahrscheinlich für das Flaggschiff hielten, … wurde von fünf feindlichen Panzerfregatten zum Opfer ausersehen. Der so fürchterlich geschilderte, sich aber harmlos benehmende „Affondatore“, dessen Kommandant sich seiner Kraft nicht bewußt zu sein schien, feuerte seine 300-Pfünder und Granaten gegen den hartbedrängten „Kaiser“, welche in den Batterien und auf Deck verheerend wüteten, doch gelang es dem mutvollen, ausgezeichneten Kommandanten, Linienschiffskapitän Petz, durch ein entschiedenes heldenmütiges Manöver sich von seinen Verfolgern und Bedrängern zu befreien. Er rannte mit ganzer Kraft gegen das ihm den Weg verlegende Panzerschiff, welches jedoch schnell zur Seite wich, gab gleichzeitig konzentrierte Breitseiten den ihn umgebenden Panzerfregatten und machte sich dadurch frei. Natürliche Folge dieses ebenso kühnen als gefährlichen Manövers war der Verlust des eigenen Bugspriets, Beschädigung des eigenen Vorderstevens. Auch fiel durch diesen fürchterlichen Anprall der Fockmast auf Deck, ohne jedoch Schaden an Menschenleben zur Folge zu haben, da Schiffslieutenant Gröller, diese Katastrophe vorausgesehen, die Bemannung der vorderen Sektionen der Deckbatterie rechtzeitig nach hinten beordert. Am Linienschiff wurde der Schiffsfähnrich Proch, ein sehr intelligenter junger Offizier, in der Kreuzmarse von einer Flintenkugel in den Kopf getroffen und stürzte leblos aufs Deck. Eine auf Deck geplatzte Granate riß den Obersteuermann und vier andere Steuerleute am Steuerrade in Stücke, ohne aber letzteres zu beschädigen. Ebenso verheerend wirkten einige in den Batterien geplatzte Hohlgeschosse, und ein Schuß im Steuer hätte, wenn er etwas mehr eingedrungen wäre, für dieses Schiff sehr verhängnisvoll werden können.

Die Größe und furchtbare Wirkung der feindlichen Geschosse kann man am besten an einigen Kanonenrohren am „Kaiser“ ermessen, welche am Kopfe von einem solchen Geschosse getroffen, vollkommen in Stücke zerstoben.

Das Linienschiff soll es auch gewesen sein, welches mit wohlgezielten Granaten die große Panzerfregatte in Brand steckte,  die während des Gefechtes mit fürchterlicher Explosion in die Luft ging. Der Name dieses Schiffes ist bis jetzt noch nicht sichergestellt. Die Vermutungen schwanken zwischen „Principe di Cariagnano“, „Ré di Portogalo“ und „Castelfidardo“. Es war eines der größten feindlichen Panzerschiffe. Vom Ré dé Italia“ haben sich bei 17 Mann durch Schwimmen und mit Hilfe von Holztrümmern auf Lissa gerettet, auch diese wissen nicht anzugeben, welches das in die Luft gesprengte Schiff war, doch soll es das Flaggschiff des Admirals Vacca gewesen sein. Als der „Ré d´Italia“ sank, rangen hunderte von Leuten schwimmend mit dem Tode und stießen jämmerliche Bitten um Rettung aus. Trotz der Hitze des Gefechtes befahl Tegethoff, alle Boote des „Erzherzog Max“ ins Wasser zu werfen, damit sich diese Unglücklichen retten konnten, doch wurde er an diesem edlen Werke durch den neuerlichen Angriff einer anderen Panzerfregatte verhindert, welche über diese herumschwimmenden eigenen Leute weg ihm zu leibe ging. Der Kampf war ein erbitterter und es trat der Fall ein, daß sich unsere mit den feindlichen Schiffen so nahe Bord an Bord lagen, daß die Wischer und Setzer der Kanonen nicht mehr gehandhabt werden konnten und unsere Matrosen die noch unvollendete blinde Ladung in die feindlichen Stückpforten  abfeuerten. Das Schließen der gepanzerten Stückpforten und ein schleuniges Abfallen der feindlichen Schiffe war das Resultat einer solchen Begegnung. … Die Haltung der Mannschaft, der ausgezeichnete Mut und gute Geist derselben, besonders der Venetianer, kann von den Offizieren nicht genug gelobt werden und Beispiel von Heldenmut werden auf jedem Schiffe erzählt. Diese Flotte in so kurzer Zeit so vortrefflich einexerziert zu haben, ist ein nicht hoch genug anzuerkennender Verdienst der sich jetzt so brilliant bewährten Kommandanten und Offiziere. Daß eine von Tegethoff geführte, längere Zeit schon von ihm befehligte Flotte von heldenmütigen Geist beseelt werden muß, ist die natürliche Folge seines magischen Einflusses auf jeden Einzelnen und mehr als Alles wirkt sein Beispiel. Anstatt sich in den gepanzerten Turm einer Panzerfregatte zurückzuziehen und von dort aus – wie es die Italiener taten – seine Flotte zu kommandieren, stand er mit seinem Stabe während des ganzen Gefechts am Kassaret des „Erzherzog Max“, von wo er Alles übersah, überall rechtzeitig hineilte und so die Flotte zu  Sieg und Ruhm führte. Daß bei diesem Durcheinanderfahren, diesem Gewirre von Schiffen kein Zusammenstoß der eigenen Schiffe erfolgte, spricht ebenso, wie die vielfach erfolgten Versuche, des „Affondatore“ zu rammen, für die Tüchtigkeit im Manövrieren jedes einzelnen Kommandanten. Die Bravour, mit der jedes einzelne Schiff ins Feuer geführt wurde, daß sich alle Schiffe, die kleinen Kanonenboote, ja selbst die Raddampfer an dem Kampfe gegen die Panzerfregatten beteiligten – während die italienischen Holzschiffe sich in respektvoller Entfernung hielten, stempelt jeden einzelnen der Kommandanten zum Helden.

Sehr tief empfindet die Marine den Verlust der zwei vorzüglichen Kommandanten, Linienschiffs – Kapitän Moll und Klint. Ersterer kommandierte die Panzerfregatte „Drache“, eine feindliche Kugel, eine der ersten, die herüberflogen, riß ihm den Kopf ab, ebenso platzte eine Granate gleich bei Beginn des Gefechts auf der Brücke der „Novara“ und tötete den Kommandant Linienschiffs – kapitän Klint und dessen herumfliegende Knochensplitter verwundeten die nebenstehenden Kadetten schwer. Moll soll einige Tage vor dem Gefechte scherzweise einem seiner Kameraden gesagt haben. „ich bin der 13. Schiffskapitän, Nr. 13 ist das Präsignal meines Schiffes, es sollte mich wundern, wenn diese Unglückszahl sich nicht an mir bewähren sollte, wenn wir ins Gefecht gehen. Er war einer der ersten, die fielen. …

. Quelle .

Ungarisches Kalenderblatt zu Baron von Tegetthoff


August 2020
M D M D F S S
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Blog Stats

  • 2.218.474 hits

Archiv