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Wer freut sich auf den Winter

alle Kinder, alle Kinder. Und auch die größen Leut´ die freuen sich wenn es schneit. Ja, früher. Früher mußten noch ausländische Regierungen die Leute zum Frieren bringen. Das waren schlimme Zeiten. Heute schafft das die Bundesregierung ganz alleine und wir können stolz auf ihre Leistungen sein, wenn sie die Energie aus Klimaschutzgründen so verteuert, daß sich Heizen nur noch für HARTZ IV – Empfänger lohnt.

Eine unmögliche Leistung. Berlin. 25.Okt. Den Blättern zufolge ist vor einigen Tagen bei der Reichsregierung eine Note eingegangen, in der die Reparationskommission eine Steigerung der deutschen Kohlenlieferungen verlangt. Die deutsche Regierung hat mit den Sachverständigen eingehend die Note beraten und will, wie die Germania schreibt, versuchen, mit den Alliierten zu Verhandlungen zu kommen, um dabei ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen. Trotzdem die deutsche Regierung nur duch äusserste Anstrengung und durch empfindliche Schädigung der eigenen deutschen Interessen die bisher gemachten Kohlenlieferungen ausführen konnte, fordert jetzt die Reparationskommission eine Mehrlieferung von 200 000 Tonnen Kohlen monatlich. Sämtliche Blätter erklären diese Forderung für unerfüllbar. Deutschland hätte bisher trotz des Tiefstandes der Mark englische Kohlen einführen müssen, um seine Wirtschaft vor dem Erliegen zu bewahren und die Eisenbahnen, die Gas – und Elektrizitätswerke in Betrieb zu halten. Die weiter fortschreitende Entwertung des deutschen Geldes hat jetzt die Einfuhr ausländischer Kohle unmöglich gemacht. In den letzten Monaten hat Deutschland für 8 – 9 Milliarden Mark monatlich ausländische Kohle einführen müssen. FREIBURGER ZEITUNG. 26.10.1922.

Erstaunlich, wie damals die Menschen dem Aberglauben verhaftet waren, elektrische Energie müßte erzeugt werden, um Güter zu produzieren. Heute wissen wir, Strom kommt immer aus der Steckdose, man braucht sie nur im Baumarkt zu kaufen und an die Wand zu schrauben.  Und wer Geld benötigt, muß nicht arbeiten, nein, er geht zum Amt oder demonstriert so lange, bis er mehr Geld bekommt. Kuriose Zeiten waren das damals.

Bild: Die blutigen Ausschreitungen der Kommunisten in Berlin am 15. Oktober. Kommunisten verprügeln einen Teilnehmer der Versammlung des Bundes für Freiheit und Ordnung. WIENER BILDER. 22.10.1922.

Bunt statt braun! Früher wurden andere Begründungen verwendet, um mit dem guten Gefühl, eine noch bessere Sache zu tun, auf andere Menschen einzudreschen. Die Zeitungen, außer den Kampfblättern der Antifaschisten, waren aber noch nicht so weit, wie die heutigen.

Kommunistenexzesse in Berlin. In Berlin haben sich am 15. d. M. blutige Zusammenstöße zwischen den nationalistischen Teilnehmern des Bundes für Freiheit und Ordnung und Kommunisten ereignet. Die kommunistische Partei hat die Veranstaltung des neugegründeten Bundes seit Tagen bereits als eine Provokation der Arbeitermassen und als Wiedererwachen der Orgesch in Berlin aufgefaßt und daher ihre Anhänger zu energischem Widerstand aufgefordert. Tatsächlich erschienen die ersten Kommunisten vor dem Zirkus Busch – Gebäude schon lange, bevor die Tore geöffnet wurden.

Zunächst versuchten sie in den Haupteingang in den Zirkus einzudringen und als dies nicht gelang, drangen sie durch das kurz zuvor geöffnete Busch – Palais ein. Im Saale warfen sie Tische und Stühle um, versperrten die Eingänge und zertrümmerten die Fensterscheiben. Inzwischen wurde die Polizei alarmiert. Sie entsandte eine kleine Patrouille, die auf den Widerstand der Kommunisten stieß, Als sie dennoch in das Zirkus Busch – Gebäude gelangen wollte, kam es zu einem Handgemenge, wobei mehrere Personen verletzt und verhaftet wurden. Bei den Verhafteten fand man Revolver, Dolche und Schlagringe.

Inzwischen waren neue kommunistische Trupps angekommen und stellten sich auf den Zugangsstraßen zu dem Zirkus auf, um die Mitglieder des Bundes für Freiheit und Ordnung zu erwarten. Gegen 10 Uhr kamen die ersten Versammlungsteilnehmer  und wurden von den Kommunisten am Betreten des Zirkus gehindert. Auch in der Umgebung des Gebäudes kam es jetzt zu heftigen Zusammenstößen. Die Polizeibeamten wollten diese Kämpfe unterbrechen, konnten aber wegen ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit die Streitenden nicht auseinanderbringen. Mehrere Personen lagen schwer verletzt am Straßendamm. Die Verwundeten wurden von den Kommunisten in Sicherheit gebracht, so daß in vielen Fällen die Personalien nicht festgestellt werden konnten.

Trotz dieser Zwischenfälle begann die Versammlung des Bundes. Wie Ohrenzeugen behaupte, kam es zu wüsten antisemitischen Hetzreden. Mittlerweile dauerte der Kampf vor dem Zirkus Busch – Gebäude fort. Immer wieder kam es zu Zusammenstößen zwischen den Kommunisten und der Polizei, wobei die Kommunisten in schärfster Weise vorgingen und von ihren Totschlägern, Dolchen und Schlagringen Gebrauch machten. … .

Schon damals war also die Angewohnheit verbreitet, legale Versammlungen zu sprengen, wir haben die Fehler der Weimarer Republik also nicht nur erkannt, die zum Aufstieg des Großen Volkssschauspieler führten, wir wiederholen sie auch. Jetzt aber stehen die Demokraten an der Spitze der Exzesse. Bravo, Genossen.

Dies und Das

Das verbotene Nationallied. Trotz der Vorstellung der Reichsregierung hat die interalliierte Rheinlandkommission für das besetzte Gebiet das bisher geltende Verbot des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles“ aufrecht erhalten, obwohl es nunmehr amtlich als das deutsche Nationallied angekündigt worden ist. Dieser merkwürdigen Maßnahme wird eine ebenso merkwürdige Begründung mit auf den Weg gegeben. Es heißt, es habe vier Jahre lang Franzosen und Belgiern als Ausfluß deutscher  Herrschsucht in die  Ohren geklungen, und deshalb müsse es verboten bleiben, wo Franzosen und Belgier seien. Man ersieht aus dieser Begründung, daß unsere Pazifisten, Kommunisten usw. bei der interalliierten Rheinlandkommission Schule gemacht haben. Wenn ferner angeführt wird, der Text der ersten Zeile sei eine Ueberhebung, so wissen die Herrschaften am Rhein ganz genau, daß keine Ueberheblichkeit anderen Völkern gegenüber darin liegt, wenn man sein eigenes höher als die anderen schätzt. Im Gegenteil, Engländer, Franzosen und Belgier sind uns in der Einschätzung ihrer Völker weit über. Es muß aber doch das Lied Zauberkraft besitzen, sonst würde es nicht verboten. COBURGER ZEITUNG 12. Sept. 1922.

Das Fiasko von Hamborn. Die Kommunisten von Hamborn hatten vor einigen Tagen  einen Kontrollausschuß eingesetzt, der Lebensmittelpreise um 40 Prozent „vereinbarte“. Der Kontrollausschuß drohte mit „Aktionen“ der Massen, und die geängstigten Geschäftsleute sahen sich gezwungen, ihre Waren sogar unter dem Einkaufspreis loszuschlagen. Die Berliner „Rote Fahne“ pries diese „Selbsthilfe“ der Hamborner Arbeiterschaft in den höchsten Tönen und empfahl sie eifrig zur Nachahmung. Dem frühen Jubel ist aber rasch die Ernüchterung gefolgt. Auf der Ende voriger Woche abgehaltenen Betriebsrätekonferenz der Groß-Berliner Betriebe, die von den Kommunisten gegen den Willen der Gewerkschaft einberufen wurde, mußte der Hauptredner eingestehen, daß die Hamborner „Aktion“ kläglich Schiffbruch erlitten hat. Die Kaufleute hüteten sich natürlich, ihre Lager wieder aufzufüllen, um nicht weiteres Kapital zuzusetzen. Die Folge der Lebensmittelverbilligung in Hamborn ist also eine äußerst gestiegene Lebensmittelknappheit. Die Hamborner konnten einige Pfund Kartoffeln, Zucker, Mehl usw. billig einkaufen und müssen nun hungern. Die aus dem Hamborner Fiasko sich ergebende Lehre, daß man in ein so kompliziertes organisches Gebilde, wie es die Wirtschaft darstellt, nicht ungestraft rohe gewaltsame Eingriffe tun darf, ist natürlich von den Kommunisten nicht begriffen worden. Im Gegenteil! Der Berliner Betriebsrätekongress verlangte Nachahmung des Hamborner Beispiels im ganzen Reich! Wenn den Kommunisten die russische Hungerkatastrophe ein Vorbild ist, treffen sie mit ihren Vorschlägen freilich das Rechte. COBURGER ZEITUNG 12. Sept. 1922 .

Die äußere Politik wird z. Zt. von dem Kampf zwischen Griechenland und der Türkei beherrscht. Die griechische Armee ist vollständig geschlagen, die Konferenz von Venedig hinfällig geworden. Die Regierung von Angora diktiert dem flüchtigen Feind ihre Bedingungen, und es entspricht nur der Logik der Tatsachen, wenn Kemal Pascha in Bälde in Konstantinopel die Einheit des türkischen Reiches wieder hergestellt und mit England und Frankreich auf dem Fuße der Gleichberechtigung verhandelt. „Nomen est Omen!“  Das gilt auch für den Vertrag von Sevres, der berühmten Stätte französischer Porzellankultur. Dieses „Porzellan“ hat sich als sehr brüchig erwiesen; es liegt jetzt in Scherben am Boden. Wir Deutsche könnten aus dem zähen Kampf der Türkei viel lernen. Freilich befinden wir uns in einer weit ungünstigeren Lage als die Türkei, da die Geschütze Frankreichs unmittelbar auf uns gerichtet sind und im Innern alle Voraussetzungen für jenen Widerstand fehlen, den die Türken entfaltet haben. Wir könnten aber wenigstens die eine Lehre ziehen, daß kein Volk verloren ist, wenn es sich nicht selbst aufgibt. COBURGER ZEITUNG 14. Sept. 1922 .


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