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7. Oktober

Republiksgeburtstag. Also: Geburtstag der Deutschen Demokratischen Republik. Herzlichen Glückwunsch. Auch wenn Du schon etliche Jahre tot bist. Eigentlich warst Du ja schon tot geboren, hattest aber keine Ahnung davon. Im Gegensatz zum faulenden, parasitären und sterbenden Kapitalismus, dem damals schon Marx den Tod weissagte, fehlte Dir von Anfang an der gewisse Lebensfunke. Den hatten Deine Väter vergessen, in Dich einzupflanzen. Die Kreativität, die Gewissheit, dass Findigkeit und Fleiß sich lohnen kann. Du warst ein schönes, frisches und lebhaftes Kind, das das Alte unbekümmert zertrampelte, denn natürlich wußtest Du es besser. Jugend ist so. Bis sie klüger geworden ist. Deine Unarten  aber, wurde erzählt, wären liebenswert und notwendig. Denn erst wenn  alles in Trümmern liegt, kann das Neue daraus erwachsen. So wie die junge Birke aus dem Baumstumpf einer Buche. Das mit den Trümmern, das hatten unsere guten englischen und amerikanischen Freunde übernommen, weswegen wir ihnen heute noch dankbar sind. Du hast dann den Rest getan.

Deine Eltern waren damals übrigens in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Tatsache! Und Dank ihrer Liebe bist Du nicht einmal 40 geworden. Immerhin noch besser, als inkontinent und bettlägerig. Wie dieser sterbende, faulende und parasitäre … . Du hast es hinter Dir. Wie Dirk Bach. Stell Dir den mal als Greis vor, der dieselben Witze reisst und nur noch die Alten können darüber lachen. Und dann trennt sich auch noch Deine jüngere Frau von Dir. Wie bei Otto Walkes. Natürlich war das damals Liebe und nicht Deine Berühmtheit und Dein Geld. So was wie Philemon und Baucis gibt es nur in der griechischen Sage. Heute undenkbar. Und der Zeus, der soll sich doch zu den Tafeln scheren.

Aber nun bin ich ganz vom Wege abgekommen. Deine Eltern haben übrigens schnell die Partei gewechselt, nach Deinem Tod. Besser, deren Namen. Weil sie Angst um ihr Geld hatten. Dein Tod war zwar schmerzlich, sie hatten sich so an Dich gewöhnt, aber sie haben ihn letztendlich verwunden. Jetzt sind sie dabei dem sterbenden, faulenden und parasitären Kapitalismus Gesundheitsratschläge zu geben. Darin sind sie Experten. Innerhalb 40 Jahren sollten sie aber auch ihn unter die Erde bekommen haben. Also 2030. Freuen wir uns darauf.

DDR unser Vaterland

Heute hätte die DDR ihren 60. Geburtstag gefeiert. 60 Jahre erster deutscher Arbeiter – und Bauerstaat, den die Arbeiter und Bauern bereits zum 40. Jahrestag in hellen Haufen verließen, weil sie einfach besser leben wollten. Heute gibt es keine Sonderzüge, die Flüchtlinge aus einer Botschaft in das Ausland bringen müssen, heute reisen Unsere Menschen einzeln aus, dahin, wo es besser ist als hier. Und weil es nicht spektakulär ist, gibt es hin und wieder auch nur eine kleine Zeile wie

Im vergangenen Jahr haben 165 000 Bundesbürger ihrer Heimat den Rücken gekehrt. Vor allem hohe Löhne und gute Kinderbetreuung ziehen deutsche Arbeitnehmer ins Ausland.

Man stelle sich mal die Anzahl der Sonderzüge vor, die mit jubelnden Menschen an Bord die Grenzen Deutschlands überqueren und Verzweifelte versuchen, auf den Bahnhöfen aufzuspringen, um ja die Abreise nicht zu verpassen, bevor das Licht ausgeht. Damals hieß es feinsinnig im Neuen Deutschland, also der Zeitung, die die Meinung im Lande vorgab und in der der Genosse Honecker höchstselbst manch Artikelchen verfaßte, wir weinen ihnen keine Träne nach.

Das tun wir ja heute auch nicht, jedenfalls nicht unsere Regierungen, wenn Hochqualifizierte auswandern, statt dessen kompensieren wir ihren Verlust mit Leuten, die weder Deutsch sprechen, noch einen Beruf haben, mit dem hier jemand etwas anfangen könnte oder die die geringste Ahnung haben, von unseren kulturellen Traditionen, zu denen die Beschneidung und das Zunähen weiblicher Geschlechtsorgane tatsächlich nicht gehört. Schau an!

60 Jahre DDR, und natürlich würden uns die Zeitungen und das Fernsehen weiter erzählen, daß wir,  inmitten verfallender Infrastruktur, inzwischen mit dem Aufbau der Entwickelten Sozialistischen Gesellschaft fertig sind und, wie die Genossen der Sowjetunion, in die erste Phase des Aufbaus des Kommunismus eintreten würden, was weitere kollektive Anstrengungen und Entbehrungen erfordere, während die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland abgehärmt, mit vollen Einkaufstüten durch die Gegend schlurfen mußten oder im Neuwagen fahren, geknechtet, vom unbarmherzigen Großkapital, das nimmermüde wird, zu faulen und abzusterben.

Zwanzig Jahre später, nach dem Ende der DDR, werden der Leute, die den real existierenden Sozialismus erlebten, immer weniger und ich zähle die JUNGEN PIONIERE oder Mitglieder der FREIEN DEUTSCHEN JUGEND mit Absicht nicht dazu, denn was für Erfahrungen konnten die schon sammeln, außer, daß die Kinder- und Jugendzeit schön war und tolle Ostbands gespielt haben.  Haben die den realsozialistischen Alltag erlebt,  in den Institutionen, Betrieben, Genossenschaften? Mußten sie herumrennen, nach gefälliger Kleidung, Ersatzteilen, Handwerkern oder gar einer Wohnung mit Innentoiletten und keinen tropfnassen Wänden? Nein. Sie haben weder nach Weihnachtsleckereien und Orangen anstehen müssen und auch nicht nach Obst und Gemüse, das man heute nicht mal mehr den Tafeln hinwerfen würde. Sie mußten sich nicht mit desinteressierten Verkäuferinnen herumärgern oder mit Kellnern in Restaurants, die zwei Drittel der Gaststätte als reserviert erklärten, während draußen die Hungrigen warteten, um platziert zu werden. Abhängig von den Launen faulen Gesindels.

Wenn man so etwas heute jemandem erzählt, der es nicht erlebt hat, der glaubt einem kein Wort. Auch nicht, daß es Waren „unterm Ladentisch“ gab, zurückgelegt für gute Bekannte oder Leute, die einem diese Gefälligkeiten auf andere Weise vergelten konnten.  Wer erinnert sich noch an die ekelerregenden öffentlichen Toiletten im Sozialismus oder die Abenteuer des Schienenstrangs? In rüttelnden zugigen Wagen. Im Winter hatte man die Wahl, auf den Bänken zu erfrieren oder gar gekocht zu werden.

Wer erinnert sich vor allem an die unablässige Propaganda des Fernsehens, über die  Großtaten unserer Arbeiter, Bauern und Intelligenz und den Jubelfeiern,  die veranstaltet wurden, wenn sie einfach nur ihre Arbeit getan hatten? Mein Gott, wie ich die Berichte über die verlustlose Einbringung der Ernte vermisse oder über die Winterschlachten in den Tagebauen, wo Leute Kohle gewannen, damit wir Licht und Wärme haben. Und wer erinnert sich daran, daß es eine Meinung gab, die man besser öffentlich vertrat, wollte man sich keine Probleme einhandeln und eine die man eben hatte und die man höchstens im vertrauten Kreis zu äußern wagte.

Naja. Aber es war ja nicht alles schlecht in der Diktatur des Proletariats, daß Andersdenkende eingesperrt wurden, zum Beispiel, das Ampelmännchen oder großartige Militärparaden. Wie diese hier:

Der Frieden muß bewaffnet sein


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