Posts Tagged 'Ausweisung'

London schafft sich ab

Ausländer in London. dk. Über die Ausländer in London bringen die Evening News in Bezug auf die Anarchisten – Schlacht in Stepney eine Betrachtung, in der die Zahl der in London ansässigen Fremden mit 136 000 angegeben wird. Von dieser Zahl sollen 39000 der russischen Nationalität angehören, eine Zahl die die deutsche und italienische Bevölkerung Londons zusammen übertreffe. Wenn die Polen aus Rußland dazugerechnet werden, deren Zahl schätzungsweise 16000 betrage, so ergebe sich eine Gesamtzahl von russischen Untertanen in der Höhe von 55 000, eine Zahl, die mit der Gesamtbevölkerung manches Londoner Stadtteils in Wetteifer treten kann. Der größte Teil dieser Russen lebe in Eastend. Das Jahr 1909 allein weise eine Gesamtzahl von Urteilen, die über Ausländer wegen der verschiedensten Vergehen verhängt worden seien, in der stattlichen Anzahl von 2617 auf. 26 der Fälle betrafen Verurteilungen bis zu 3 Jahren Zuchthaus, während ein Fall sogar mit Verhängung der Todesstrafe endete. 432 Fälle bezogen sich auf Diebstahl und Hehlerei, 78 Fälle auf Verwundungen und Angriffe, 49 auf Einbrüche, 45 auf Fälschungen, 35 auf unerlaubte Rückkehr nach England, obwohl Ausweisung erfolgt war, und einer auf Mord.

Die größte Anzahl von Vergehen kam auf das Konto der russischen, polnischen und deutschen Nationalität. Während desselben Jahres wurden nicht weniger als 478 ausländische Verbrecher von den Richtern zur Ausweisung empfohlen. Durchschnittlich wurden 28 Prozent von allen verurteilten Ausländern deportiert. Der Hauptinspektor, unter dessen Kontrolle die Verfügungen bezüglich des Fremdengesetzes vom Jahre 1905 erfolgten, drückte sich über die Wirksamkeit des Fremdengesetzes in nachstehender Weise aus: Trotz der auffallenden Abnahme der Zahl ausländischer Verbrecher in England, sei es zweifelhaft, ob die Vorkehrungen zur Ausweisung von Verbrechern jene Wirksamkeit besitzen, die ihnen ursprünglich zugesprochen wurde. Man müsse eben in Erwägung ziehen, ob es ratsam sei, eine so verhältnismäßig kleine Zahl von Verbrechern auszuweisen.

Aber nicht nur ausländische Verbrecher beherberge London in übergroßer Zahl: auch die Zahl ausländischer Armer und Irrsinniger sei ganz beträchtlich. Bei einer jüngsten Inspektion der verschiedensten Irrenanstalten Londons seien nicht weniger als 500 Irrsinnige ausländischer Nationalität entdeckt worden, die auf Kosten Englands unterhalten wurden. Sofort setzte die Behörde alle Hebel und Mittel in Bewegung, um die ausländischen Geisteskranken deportieren zu können, aber eine ganz lächerlich kleine Zahl sei ausgewiesen worden.

Im Jahre 1909 seien nicht weniger als 8826 Ausländer aus öffentlichen Armenmitteln unterstützt worden, von denen mehr als 6500 im Eastend wohnten. Die überwiegende Anzahl dieser Leute rekrutierte sich aus Russen und Polen. 1680 Personen ausländischer Nationalität hielten sich im genannten Jahre in den verschiedenen Armenhäusern des Eastend auf.

Die Einwanderung nach London ist in steter Zunahme begriffen, was aus nachfolgender Aufstellung zur Genüge hervorgehe: Im Jahre 1904 seien in London 41000 Ausländer gewesen, im Jahre 1905 betrug ihre Zahl bereits 55000, Im Jahre 1906   60250, Im Jahre 1907 95000, im Jahre 1908 110970, und im Jahre 1909 136000, bei der nächsten Volkszählung, die im April dieses Jahres stattfinden wird, werde sich herausstellen, daß die Anzahl der gegenwärtig in London lebenden Fremden zumindest 150 000 betrage.

Die Beschlagnahme der englischen Hauptstadt durch die Russen sei der hervorstechendste Zug in dieser Angelegenheit. Im Jahre 1904 habe die Zahl der in London lebenden Russen 678 und die der Polen 1938 betragen; heute hingegen betrage die Anzahl russischer Untertanen in London, wie schon hervorgehoben, 55000. *Freiburger Zeitung 08.01.1911*

 

 

Tod unterm Tannbaum

Über die Erschießung von zwei deutschen Fremdenlegionären haben drei Stettiner, denen die Flucht aus der Fremdenlegion geglückt ist und die vor einigen Tagen in die Heimat zurückgekehrt sind, Einzelheiten berichtet. Sie erzählen nach der Stettiner Abendpost: Drei Deutsche, Friedrich Paul und Alfons v. Zeisel aus Dresden, sowie Alfred Possel, ein Bayer, kamen auf den unglückseligen Gedanken, auf afrikanischem Boden eine kleine Weihnachtsfeier zu veranstalten. Friedrich Paul fand irgendwann einen kleinen Baum, der zur Not die Tanne ersetzen konnte, Alfred Possel hatte noch drei Kerzenstümpfe bei sich und v. Zeisel stellte dann unseren Christbaum, an dem die Lichter befestigt waren, auf drei Bajonette. Unser Weihnachtsbaum brannte und leise kam uns die Erinnerung an zu Hause. Wir sangen erst Stille Nacht und andere Weihnachtslieder, bis auf einmal kaum wußte jemand, wer das Lied zuerst angestimmt hatte, Die Wacht am Rhein ertönte. Wir hatten noch keine zwei Strophen gesungen, als ein Adjutant und ein Feldwebel, die Deutsch verstanden und daher das Lied erkannt hatten, wutentbrannt mit gezogenen Säbeln auf unsere Gruppe, die aus etwa 60 Deutschen bestand, zusprangen. Man erklärte, daß wir Meuterei verübt hätten. Früh morgens um 5 Uhr stellte man uns vor die Front. Zwölf Mann mit aufgepflanzten Bajonetten traten vor uns an, und der Oberst hielt eine Strafrede, und schließlich kam die Verlesung des Urteils des Standgerichts. Friedrich Paul und Possel wurden zum Tode verurteilt, als angebliche Rädelsführer.  Die zwölf Legionäre erhielten Befehl zum Feuern. Beide lagen tot vor uns. Alfons v. Zeisel wurde nackt ausgezogen, Arme und Füße wurden ihm auf dem Rücken zusammengebunden, und so legte man ihn in den Sand, dahin, wo ihn die glühende Sonne am heftigsten traf, hier mußte er zwölf Stunden liegen.  FREIBURGER ZEITUNG 10.10.1913.

Ausweisung deutscher Arbeiter aus Frankreich. Paris, 10. Okt. Wie aus Soissons im Departemernt Aisne gemeldet wird, hat der Polizeikommandant die Ausweisung von 10 deutschen Arbeitern verfügt, die bei Barackenbauten für das neue Militärlager beschäftigt waren. Die Blätter haben in der letzten Zeit einen heftigen Feldzug gegen die deutschen Arbeiter eröffnet. FREIBURGER ZEITUNG 10.10.1913.

Coburg, 9. Okt. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags geht mit der Absicht um, das Diätengesetz des Reichstages zu reformieren und will zu diesem Zwecke im November einen dahingehenden Antrag stellen. Wie verlautet, soll nach diesem Antrage das System der Anwesenheitsgelder beibehalten werden, doch soll die bisherige Ratenzahlung am 1. Dezember, 1. Februar, 1. März und 1. April fortfallen und vor allem die Bestimmung, daß ein Drittel sämtlicher Diäten erst nach dem Schlusse oder der Vertagung des Sitzungsabschnittes gezahlt werden, beseitigt werden. Nach dem sozialdemokratischen Vorschlage sollen Monatsdiäten von 500 Mark gezahlt werden und zwar ohne zeitliche Beschränkung. Für versäumte Sitzungen werden, wie jetzt, Abzüge gemacht.  – Ob dieser Vorschlag auf Gegenliebe stoßen wird, bleibt abzuwarten. COBURGER ZEITUNG 10.10.1913.

Bild:  WIENER BILDER 5. 10.1913. Der albanische Aufstand. DIE COBURGER ZEITUNG schreibt am 10.: Die Albaner sind nun überall von den serbischen Truppen geschlagen worden. … 6000 Albaner, welche die nördliche Grenze Albaniens überschritten hatten und den Versuch machten, die Stadt Djakowa zu stürmen, wurden von den serbischen Truppen umzingelt. …

Lieb Vaterland


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