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Ritterlichkeit

Versenkung eines Handelsdampfers*Die Freiburger Zeitung vom 04.07.1923* schreibt: Amerikanisches Urteil über deutsche U – Boot-Führer. Belgische Soldaten haben kürzlich, wie berichtet, den in Essen wohnenden Korvettenkapitän Hans Rose aufs Schwerste mißhandelt und dann ohne Angabe von Gründen ins Gefängnis gebracht. Inzwischen ist er, wie das Rote Kreuz mitteilt, wieder freigelassen worden. Durch die Presse geht jetzt ein Zitat aus dem Buch The Victory at sea worin der amerikanische Admiral Sims von eben diesem deutschen Kapitän Hans Rose folgendes zu erzählen weiß:

„Sein Name wurde in unserem Konvoizimmer (das Büro, von dem aus die Begleischiffe (Konvois) der Truppentransportschiffe ihre Orders bekamen) so vertraut, seine Art des Vorgehens war so individuell, daß wir den braven Jungen sozusagen gern mochten. Wir gewöhnten uns eine gewisse Hochachtung für Hans an, weil er ein tapferer Mann war, der sich ganz ungewöhnlichen Gefahren aussetzte, und vor allem, weil er sein verzweifeltes Handwerk mit einem gewissen Anstand ausübte. So pflegte er öfter mit dem Torpedieren eines Schiffes zu warten, bis alle Rettungsboote besetzt waren, dann gab er ihnen womöglich eine Schleppleine und Proviant und hielt die Boote zusammen, bis der zu Hilfe eilende Zerstörer in Sicht war. Dann erst tauchte er und verschwand. Dieses menschliche Verhalten bedeutete für Kapitän Rose ein erhebliches Risiko, denn ein Zerstörer in der Nähe war für ihn, wie er wohl wußte, eine ernste Gefahr.

Er torpedierte unseren Zerstörer Jacob Jones. Bei dieser Gelegenheit handelte Rose mit seiner üblichen Ritterlichkeit. Die Überlebenden des Jacob Jones hatten natürlich keine Signalmittel, da die Funkentelegraphie mit ihrem Schiff untergegangen war. Nun sandte Rose unter beträchtlicher Gefahr für sich selbst einen S.-O.-S. – Anruf (Hilferuf) aus, in dem er Länge und Breite angab und Queenstown (Irland) benachrichtigte, wo die Besatzung in offenen Booten treibe. Es war daher nicht überraschend, daß Rose einer der wenigen Unterseeekommandanten ist, denen Seeoffiziere der Alliierten heute gern die Hand drücken möchten. Ich habe seither selber Seeoffiziere sagen hören, daß sie wünschten, ihn nach dem Kriege kennen zu lernen.“

Daß diese Ritterlichkeit, die in der einfachen Einhaltung der Regeln für die Seekriegsführung bestand, nicht unbedingt vom Feind aufgebracht wurde, berichtet *Stahlgewitter* auf seinem Blog zum Ersten Weltkrieg :

New York, 14. Oktober. (W. B.)
Die „World“ meldet aus New Orleans:
Vier Amerikaner, Mitglieder der Mannschaft des Maultierschiffs „Nicosian“, legten eine schriftliche eidliche Erklärung nieder, in der sie schildern, wie die Engländer elf hilflose Mitglieder der Besatzung eines deutschen Tauchbootes kaltblütig ermordet haben.

In der eidlichen Erklärung wird zunächst der Angriff des Tauchbootes auf die „Nicosian“ beschrieben. Nachdem die Mannschaft die „Nicosian“ in Booten verlassen hatte, begann das Tauchboot die Zerstörung der „Nicosian“ durch Beschießung. Inzwischen näherte sich ein vorher am Horizont gesichteter Dampfer, auf dessen Außenseite mittschiffs zwei Bretter mit aufgemalter amerikanischer Flagge angebracht waren. Die Insassen des Bootes waren erfreut durch den Gedanken, daß ein neutraler Dampfer in der Nähe sei, um sie aufzunehmen.

Das die amerikanische Flagge führende Schiff, das sich später als das britische Kriegsschiff „Baralong“ unter dem Kapitän Mc Bride herausstellte, kam an die „Nirostan“ heran. Gleichzeitig verschwanden die vorerwähnten Bretter und an Stelle der amerikanischen wurde die britische Flagge gehisst. „Baralong“ feuerte sofort auf das Tauchboot; später schoß die „Baralong“ mit schwerem Geschütz. Mehrere Deutsche auf dem Tauchboot wurden getroffen. Das Tauchboot sank langsam. Die Mannschaft stand bis zur Hüfte im Wasser.

Elf Mann, darunter der Kommandant, sprangen ins Wasser und schwammen auf die „Nicosian“ zu. Fünf erreichten den Bord der „Nicosian“, die anderen sechs hielten sich an herabgelassenen Tauen fest. Inzwischen erreichten unsere Boote die „Baralong“ und wir gingen an Bord. Der Kapitän Mc Bride schien hocherfreut zu sein. Darauf befahl er seinen Leuten, sich an der Reeling aufzustellen und auf die sechs Deutschen unten im Wasser zu feuern. Sodann wies jemand darauf hin, daß fünf Deutsche auf der „Nicosian“ seien. Von einigen Offizieren zur „Nicosian“ begleitet, suchten nun britische Seesoldaten die Deutschen an Bord der „Nicosian“ auf. Kapitän Mc Bride befahl den Seesoldaten, mit allen aufzuräumen und keine Gefangenen zu machen.

Die Schriftstücke schildern eingehend, wie die einzelnen Deutschen erschossen wurden. Der Schiffszimmermann der „Baralong“ ließ einen Deutschen mit hochgestreckten Händen auf sich zukommen und erschoß ihn dabei mit einem Revolver. Der Kommandant des Tauchbootes sprang von der „Nicosian“ und schwamm auf die „Baralong“ mit hocherhobenen Händen zu. Die Seesoldaten feuerten auf ihn von der „Nicosian“ aus. Ein Schuß traf ihn in den Mund; schließlich versank er. Sodann kehrten die Seesoldaten auf die „Baralong“ zurück; es herrschte große Freude unter ihnen. Diese Schriftstücke decken sich mit den seinerzeitigen Angaben des Amerikaners Dr. Banks, der damals Tierarzt auf der „Nicosian“ war und besonders den Mißbrauch der amerikanischen Flagge betonte. 2)

Bild: Für die Freiburger Zeitung damals ist es natürlich unfassbar, wie, mitten im Frieden, belgische Besatzungssoldaten über einen deutschen Soldaten herfallen, der im Kriege nur seine Pflicht tat und dabei die Anerkennung seiner Krieggegner errang. Heute wissen wir aber, das waren alles Barbaren, schlimmer, Nazis, nein, natürlich nicht die Belgier oder die Engländer, sondern die Deutschen. Bestes Beispiel ist ja dieser Dönitz, der verbot seinen U – Boot – Besatzungen im Weltkrieg Nr II  doch tatsächlich die Rettung der Mannschaften versenkter Schiffe, weil die Gefahr, während dieser Rettungsaktionen von alliierter Luftwaffe versenkt zu werden, viel zu groß geworden war. Eben ein Kriegsverbrecher. Dieser Dönitz. Kapitän Mc Bride aber war ein Held. Ohne Frage.


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