Posts Tagged 'Blockade'

Haasprediger

Gewaltfriede oder Wilson –  Programm? Im April 1919 hat Deutschland, das zu kämpfen aufgehört hat, seine Truppen in das Reich zurückzog, und zum größten Teil sich selbst entwaffnete, immer noch keinen Frieden mit den Kriegsgegnern. In seiner Osterbotschaft klagt Reichspräsident Ebert (SPD): Wir haben die schweren Aufgaben des Waffenstillstands erfüllt: obgleich wehrlos und wirtschaftlich am Ende werden wir durch die Blockade immer noch abgesperrt, werden unsere Gefangenen immer noch in Feindesland zurückgehalten. Das ist gleichbedeutend mit der Fortsetzung des Krieges und eine Belastung, wie sie wohl noch kein Volk zu bestehen hatte. Und zu den demokratischen Sozialisten, wie sie sich jetzt nennen: Friede, Arbeit und Brot, und das neue Deutschland zu schaffen, ist aber auch unmöglich, solange Teile unseres Volkes in einem Kampfe verharren, der unser schwer darniederliegendes Staats – und Wirtschaftsleben vollends zu vernichten droht. Das ist aber bekannt, je schlechter es einem Land geht, desto besser geht es den demokratischen Sozialisten, denen bekommt das Elend der Leute wie eine Badekur, weshalb sie daran, daß Menschen besser leben, auch kein Interesse haben. Außer sie selbst sind diese Leute.

In einer demokratischen Versammlung in Frankfurt –  Demokratische Versammlungen in Deutschland waren 1919 noch möglich, ohne daß sich talibanbärtige Undemokraten dazwischensetzten, so tolerant waren die damals! –   a. M. sprach Staatsrat Dr. Haas aus Karlsruhe über Gewaltfrieden oder Wilsonprogramm.

Wilson, wir erinnern uns, war der gütige amerikanische Präsident, in einer langen Reihe gütiger amerikanischer Präsidenten, der die Territorien der Staatsgebiete neu verteilte und sie den Völkerschaften zusprach, die auf ihnen die Mehrheit stellten, auch wenn sie es nicht taten. Ausgenommen von dieser Regelung waren die Deutschen. Für die galt das Selbstbestimmungsrecht der Völker nicht, was sie sehr, sehr traurig machte. Völkerrecht ist eben nicht für alle da. Listigerweise mißbrauchte ein gewisser Hitler später diesen Umstand in seiner Propaganda, in dem er den Menschen die Wahrheit ins Gesicht sagte, weshalb die Wahrheit zu sagen, heute verboten ist. Jedenfalls in Deutschland. Oder sie wird als nicht hilfreich eingestuft.

Er sagte (Dr. Haas) nach Bericht der Fkf. Ztg. wenn unsere Feinde den Gewaltfrieden machen, dann werde ein ungeheurer Haß in Deutschland aufflammen. Ich war immer ein Gegner der Haßgesänge. Aber der Haß wird jetzt kommen, denn der Gewaltfrieden zeigt uns, daß wir belogen und betrogen worden sind. Was sich ein bischen so anhört, wie der 18jährige Knabe 1989 in der DDR, der meinte, man habe ihn 40 Jahre lang belogen, hier waren es aber gerade mal ein paar Monate, daß Deutschland, im Vertrauen auf Wilson einseitig den Krieg für beendet erklärte.  Das uns gegebene Wort wäre gebrochen. Nicht nur wir, auch die Feinde haben sich zu Wilsons 14 Punkten bekannt. Jetzt aber hat man das Gefühl, daß der Waffenstillstand uns abgelistet worden ist. Von Deutschland droht keine Gefahr mehr, für Brutalitäten gibt es jetzt keine Entschuldigung mehr. Zu der Taktik mancher Leute, unsere Schuld am Kriege einzugestehen, kann ich nicht verstehen, wir müssen sagen: Ihr seid genau so schuld! (Lebhafter Beifall.) Und wenn die alte Regierung den Krieg verschuldet hätte, darf man jetzt Greise und Kinder dafür büßen lassen? … Wir müssen von der Schuld am Kriege sprechen, weil die andern uns die alleinige Schuld aufbürden wollen und weil bei uns Leute winseln, daß wir allein Schuld seien.

Wilson stand immer auf dem Standpunkt, daß die Blockade völkerrechtswidrig sei und nur entschuldbar, weil wir den U – Bootkrieg begonnen haben? Wie kann die Blockade jetzt noch entschuldigt werden.  Sie bewirkt einen dauernden Haß in Deutschland. Hunderttausende sind infolge der Blockade gestorben, Unzählige siechen dahin, viele Kinder werden krank und verkümmern. Wir schreien es in die Welt hinaus, daß das Verhalten unserer Gegner schamlos  und völkerrechtswidrig ist. (Zustimmung.) Energisch protestiert Dr. Haas gegen die Zurückhaltung unserer Kriegsgefangenen. Die Nachrichten mehren sich, daß ihre Behandlung in Frankreich immer schlechter wird, wie sie überhaupt dort immer am schlechtesten behandelt worden sind … Nach weiteren Ausführungen kam Dr. Haas zum Schluß:

Wir haben aber zum Verzweifeln kein Recht  und keinen Anlaß. Deutschland setzt sich trotz allem durch! Wir schaffen uns unsere Zukunft. Wir lassen uns nicht versklaven. Das Volk, das sich innerlich freigemacht hat, muß auch nach außen frei sein, muß ein vollberechtigtes, gleiches Glied unter den Völkern sein. Wir sollen erst 15 Jahre dienen, um dann gnädigst in den Völkerbund aufgenommen zu werden. Wir wollen einen gerechten Völkerbund, der allein die Gleichberechtigung verbürgt. Neben den nationalen Interessen dürfen die großen Gedanken der Menschheit nicht vergessen werden. (Stürmischer Beifall.) Und deshalb, liebe Leser, ist es um so verwerflicher, daß Deutschland nicht an der Seite seines besten Freundes, Frankreich, unverzüglich in den Krieg gegen Libyen eingetreten ist. Das sind wir ihm nämlich schuldig. *Freiburger Zeitung 16.04.1919* Bild: Heimkehr der deutschen Helden aus Deutsch – Ostafrika . Der Einzug der Kolonialtruppen mit Fahnen und im Schmucke ihre Orden in Berlin. General v. Lettow – Vorbeck rechts. *Wiener Illustrierte Zeitung*

Ich bin der Hass

800 000 Opfer der Hungerblockade

In der Festsitzung, die am Samstag in Berlin zur Feier des Geburtstages Friedrich des Großen die Akademie der Wissenschaften abhielt, sprach Geheimrat Rubner über den Aufbau der deutschen Volkskraft. Er zeigte in seinem Vortrag, wie die englische Politik der Hungerblockade den Gesundheitszustand des deutschen Volkes ruiniert habe, und glaubt die Zahl der bisher an der Hungerblockade gestorbenen Menschen auf 800 000 schätzen zu können, während der gesamte Schaden für unser Volk durch die Blockade 46 Milliarden betragen dürfte.

Diese Rechnung werden unsere deutschen Friedensunterhändler den maßlosen Entschädigungsforderungen unserer Feinde gegenüberzustellen haben. *Freiburger Zeitung 27.01.1919*

Hungertote der Blockade Leningrads

Das eine ist ein Verbrechen und das andere wird totgeschwiegen, schliesslich will man keinen Freund brüskieren, was der Autor gut verstehen kann. Was, wenn der dann plötzlich kein Freund mehr ist?

Blockade

Die Opfer des Massakers von Distomo verklagen Deutschland auf Schadenersatz. Rückendeckung erhalten die Kläger durch die griechische Regierung.

Art. 22 der Haager Landkriegsordnung. Die Kriegführenden haben kein unbeschränktes Recht in der Wahl der Mittel zur Schädigung des Feindes.

Die Aushungerung  Deutschlands. Ein erschütterndes Bild der verheerenden Wirkungen der über Deutschland vom Feinde verhängten Blockade geben die vom Reichsgesundheitsamt und vom statistischen Reichsamt mitgeteilten Zahlen, die in einer außerordentlichen Sitzung der Vereinten ärztlichen Gesellschaften in Berlin vom 18. Dezember 1918 durch Vorträge berufener medizinischer Autoritäten bekanntgegeben worden sind. Einzelheiten der Verheerungen, die von der früheren Regierung geheimgehalten worden sind, werden jetzt, nach einem Referat von Geh. Rat Hamel, Medizinalreferent im Reichsamt des Innern, Freund und Feind überliefert:

„Vergleicht man,  um die Zahl der Opfer der Blockade zu ermitteln, die Sterbefälle der Zivilbevölkerung während des Krieges mit den Sterbefällen im letzten Friedensjahr 1913, selbstverständlich, um zu richtigen vergleichenden Schlußfolgerungen zu gelangen, unter Anwendung aller statistischen Kautelen, so ergibt sich für das Jahr 1914 noch keine merkliche Erhöhung der Sterbefälle mit  9 1/2 bezw. 14 Proz. noch nicht allzu groß.

Dann aber treten in den beiden folgenden Jahren die schweren Schädigungen der Blockade grell in Erscheinung. Im Jahre 1917 betrug die Zunahme der Sterbefälle der Zivilbevölkerung bereits etwa 32 Prozent und im Jahr 1918 sogar 37 Prozent gegenüber dem Friedensjahr 1913. Nach sorgfältiger Berechnung ergibt sich für die Jahre 1915 bis Ende 1918 insgesamt eine Zahl von rund 763 000 Todesopfern der Blockade. Hiervon entfallen allein auf das Jahr 1917 260 000 und auf 1918 294 000 Todesfälle (unter Ausschluß  der durch die Grippe verursachten Todesfälle!).

Weniger bekannt war bisher, daß auch unter den Kindern und den jugendlichen weiblichen Personen die Opfer der Unterernährung sehr schwer gewesen sind. Eine für das Jahr 1917 vorgenommene Auszählung der Sterbefälle nach Altersklassen hatte in dieser Hinsicht das erschreckende Ergebnis, daß im Alter von 1 – 5  Jahren ein Mehr von rund der Hälfte, im Alter von 5 bis 15 Jahren sogar ein Mehr von 55 Prozent an Todesfällen gegenüber dem Friedensjahr zu verzeichnen war; bei den weiblichen Personen von 15 bis 30 Jahren ergab sich eine Zunahme der Todesfälle um rund 45 Prozent. Allein im Jahre 1917 sind über 50 000 Kinder im Alter von 1 – 15 Jahren und 15 000 Mädchen und Frauen durch die Blockade dahingerafft worden. Bei den mehr als 60jährigen Männern und Frauen aber führte 1917 die Blockade in rd. 127 000 Fällen zum vorzeitigen Tode!

Es hieße die vernichtende Wucht der Anklage, die diese Zahlen gegen die Ungesetzlichkeit der Hungerblockade erheben, verringern, wenn man ihnen Worte der Leidenschaft hinzufügen wollte. Wer will aber gegenüber diesen grausigen Todesopfern unter Kindern, Frauen und Greisen dem deutschen Volke es abzusprechen wagen, daß es in Notwehr gehandelt habe, als es seinerseits zur Abwehr der Hungerblockade und zur rascheren Beendigung des Krieges zu härteren Kriegsmaßnahmen seine Zustimmung gab? …

Weitere Blockadefolgen: Verdopplung der Todesfälle der an Tuberkulose Erkrankten im Vergleich 1913 und 1918.  Eine vermehrte Tuberkulosesterblichkeit für die Zukunft wird prognostiziert. Verdopplung der Erkrankungen an den Atemwegen mit einer Zunahme der daraus resultierenden Todesfälle um 43 Prozent auf 21 000 Tote. Zunahme der Grippetoten verursacht durch Mangelernährung. Todeszahl 1918: 150 000.

… Die Wahrheit ist also, daß die Blockade eine Katastrophe war, deren Folgen wir mit 763 000 Toten und einer   nicht wiedergutzumachenden Schädigung unserer Volksgesundheit bezahlen und daß wir einer weiteren Katastrophe entgegengehen. Denn: unsere Vorräte sind kleiner geworden – ungünstiger gestellt sind wir in Bezug auf Kartoffeln, Fleisch, Fett (unser Schweinebestand ging von 26 auf 8 Millionen zurück), bei Beibehaltung der jetzigen Brotration werden auch unsere Mehlvorräte vorzeitig dahinschmelzen, eine Erhöhung der Zuckerration ist nicht zu erwarten. Wir haben eine HUNGERSNOT , eine Übersterblichkeit in Aussicht, die Deutschland an den Abgrund führt. Die meisten Bewohner unseres Vaterlandes sind durch die Blockade der Kriegszeit körperlich heruntergekommen – auch auf dem Lande, wo längst eine zum Teil freilich durch Überstrapazierung hervorgerufene erhöhte Sterblichkeit eingesetzt hat -, die unmenschliche Blockade nach beendetem Kriege wird noch viele Tausende erwürgen. *Freiburger Zeitung 13.01.1919*

Blockadeaktivisten am Werk

An der Seite der ruhmreichen Sowjetarmee. 1983. Gelebter Proletarischer Internationalismus. Das westliche System ist es nicht wert, verteidigt zu werden. Kommunismus rockt!


Januar 2020
M D M D F S S
« Okt    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  

Blog Stats

  • 2.183.815 hits

Archiv