Posts Tagged 'der Balkankrieg'

Dürfen die alten Metzger bleiben?

Osram

Irgendwo im Land durften am vergangenen Wochenende die Schafe darüber abstimmen, ob die alten Metzger bleiben oder einmal neue Schlachtungsmethoden ausprobiert werden sollten. Und die Sorge der Schafe ist natürlich groß, wie es weitergeht, sollte man die liebgewordenen Schlachter für die nächste Legislaturperiode verlieren. Eines ist aber sicher, das Fell wird ihnen weiterhin über die Ohren gezogen. Und dafür sind sie dankbar. „Määäääh!“

Zur Bekämpfung des Geburtenrückganges verlangt der Deutsche Bund für Mutterschutz – schreibt  *die Coburger Zeitung vom 22. Januar 1913* –  den sofortigen Import von 5 Millionen Negern und 10 Millionen Türken, Sprach-, Kulturkenntnisse und Integrationswillen sind durchweg unerwünscht, die Deutschen müßten eben eine Willkommenskultur entwickeln, außerdem müssen  Zugewanderte und ihren Nachkommen mit einer fürstlichen Rente ausgestattet werden und hätten ein jeder  500 intensive Straftaten frei, ehe die Staatsanwaltschaft sich bei den so dringend benötigten Geburtenrückgangsbekämpfungshelfern für das Versagen der Gesellschaft zu entschuldigen hat. eine umfassende Mutterschutzversicherung. Eine Petition an den Reichstag tritt für folgende Abänderung der Reichsversicherungsordnung ein: 1. Erhöhung des Wochengeldes auf den Betrag des vollen Lohnes; 2. freie Hebammendienste, freie ärztliche Behandlung bei der Geburt und bei Schwangerschaftsbeschwerden, Stillgelder in Höhe des halben Wochengeldes und Schwangerengelder als Regelleistungen der Kassen; 3. Gewährung der vollen Wochenhilfe an die weiblichen Mitglieder aller Kassenarten: 4. Gewährung freier Hebammendienste, freier ärtzlicher Behandlung bei der Geburt und der Schwangerschaftsbeschwerden, sowie Stillgelder in Höhe des halben ortsüblichen Tageslohnes für weibliche Personen an die versicherungsfreien Ehefrauen der männlichen Kassenmitglieder.

Verhungert der Balkankrieg? Der Balkankrieg. Obwohl die Hoffnung besteht, daß die Türkei dem Verlangen der Großmächte nachgibt und den Frieden nach den Bedingungen Bulgariens schließlich unterzeichnen wird, unterläßt es die bulgarische Regierung nicht, durch verschärfte Maßnahmen einen Druck auf die Hohe Pforte auszuüben. Bulgarien ist mit seinem Menschenmaterial am Ende seiner Kräfte angelangt. Sollte im Frühjahr der Krieg noch nicht beendet sein, so müßten notgedrungen weite Strecken Landes brach liegen bleiben und eine Hungersnot wäre unvermeidlich.

Die Sorge mag in Sofia bestimmend gewirkt haben, die bulgarischen Friedensdelegierten zu ermächtigen, sich direkt mit dem Hauptquartier in Verbindung zu setzen und die Wiederaufnahme des Feldzuges zu beschließen, falls sie die Nutzlosigkeit weiterer Verhandlungen einsehen sollten. Bekanntlich müßten nach einem Abbruch der Verhandlungen noch vier Tage verstrichen sein, ehe der Krieg wieder aufgenommen werden darf.

Wie das Reutersche Büro erfährt, hat der bulgarische Premirminister Geschow die Delegierten in London ermächtigt, den bulgarischen Oberkommandierenden, General Sawow direkt telegrafisch zu ersuchen, die Feindseligkeiten wieder aufzunehmen, wenn sie meinen sollten, daß für den Friedensschluß keine Aussicht mehr bestehe. Im Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß die Soldaten der Balkanverbündeten bis spätestens zum Februar zur Bestellung ihrer Äcker zurückkehren müssen, da sonst eine Hungersnot unvermeidlich wäre.

Weitere ergötzliche Nachrichten findet der Leser unter obigem Link zur Ausgabe der Coburger Zeitung.

Made in Germany

Häuptling Brahim Begu 1913

Am 10.01.1913 schreibt die Coburger Zeitung: Ein serbisches Lob über die Krupp`schen Geschütze. Der Wiener „Reichspost“ wird aus Belgrad gemeldet: Die in Kragujewatsch abgehaltenen Schießübungen mit den Türken abgenommenen Krupp`schen Geschützen haben überraschende Resultate ergeben. Die Krupp`schen Kanonen sind vorzüglich und die Munition ausgezeichnet. Die Fachleute können sich nicht erklären, wie es kam, daß die türkische Artillerie so erfolglos die serbischen Truppen beschossen hat. Man nimmt an, daß die Geschosse schlecht temperiert waren.

… Wie das Reuterbüro erfährt, werden die Mächte heute offiziell benachrichtigt werden, daß Serbien zum Beweise seines guten Willens bereit sei, im Interesse des allgemeinen Friedens Opfer zu bringen und sich entschlossen habe, unmittelbar nach Friedensschluß seine Truppen von der Küste der Adria zurückzuziehen. Die serbische Regierung hofft, daß durch diese Handlungsweise Europa von seiner Mäßigung überzeugt wird und keine weiteren Opfer verlangt, die außerhalb der Grenzen seiner Macht liegen.

Dieser Rückzug Serbiens ist ohne Frage auf Betreiben Rußlands erfolgt oder – was dasselbe bedeutet – durch die Erkenntnis diktiert worden, daß Rußland Serbien bei einem Konflikt mit Österreich nicht unterstützen werde. Nunmehr dürfte auch die Demobilisierung in Rußland und Österreich sehr viel leichter und schneller erfolgen.

Wie man sieht, sagt der Blogwart, arbeitete Serbien bereits 1912 auf einen Krieg mit Österreich hin, der ist 1913 erst einmal abgesagt, wegen fehlender Unterstützung Rußlands, die Ermordung des österreichischen Thronfolgers 1914 in Sarajewo ist dann das Sahnehäubchen auf den fortwährenden serbischen Provokationen gegen Österreich.

Bild:  Albanische Blütenrevolutionäre von 1913.

Die Waffen nieder!

Im November 1912 ist der Balkankrieg, entfesselt von Serbien, Montenegro, Bulgarien, Griechenland und Albanien gegen die Türkei,  immer noch in vollem Gange. Während die Waffen sprechen, demonstrieren die Wiener Sozialdemokraten gegen den Krieg auf dem Balkan. Der natürlich dann sofort beendet wurde. Alle kriegführenden Parteien reichten sich umgehend die Hände und versprachen sich gegenseitig, so etwas nie wieder zu tun.

Bild: Griechische Truppen im Gefecht.

Bild: Wiener Sozialdemokraten protestieren gegen etwas. Hier gegen den Krieg. Der beschliesst, völlig eingeschüchtert, sich wieder zur Ruhe zu begeben. Glück gehabt.

Irritierend an diesem Protest aber ist, Österreich befindet sich überhaupt nicht im Krieg. Seither sind Linke nicht wesentlich intelligenter geworden. Im Gegenteil.


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