Posts Tagged 'Erster Weltkrieg'

Der Friede muß bewaffnet sein

1914 bricht ja aus heiterem Himmel und durch deutsche Schuld der Erste Weltkrieg aus, lernt man heute. Deutschland ist bereits damals nur von Freunden umgeben, die lediglich sein Bestes wollen, wie die *Freiburger Zeitung am 27.06.1912* berichtet.

Frankreich und die deutsche Wehrvorlage.

Von einem militärischen Mitarbeiter. Wenn bisher noch Zweifel bestanden, so schreibt die R. G. C. (?), ob die vom deutschen Reichstage mit großer Mehrheit angenommene Wehrvorlage ein sicheres Mittel zur vorläufigen weiteren Erhaltung des Friedens sei, so sind diese Zweifel durch die letzten Beratungen über den Heeresetat der französischen Kammer wohl gründlich beseitigt worden.

Verstummt ist das Revanchegeschrei des vorigen Winters und Frühjahrs, das lebhaft an die Zeit vor Beginn des Krieges 1870 erinnerte und sicher auch zum Kriege geführt haben würde, wenn die Engländer die dazu unbedingt erforderlichen 150 000 Mann Landungstruppen bereit gehabt hätten.

Bild: Im Frühjahr 1912 zeigt Frankreich, was es im Kriegsfalle aufbieten will. Die Zuschauer sind begeistert.

Die jetzige Stimmung in Frankreich wird zutreffend von dem bekannten Senator Humbert in der France militaire geschildert, der die augenblickliche europäische Lage „voller Besorgnis und Unsicherheit“ allein auf den italienisch – türkischen Krieg und – die deutsche Wehrvorlage zurückführt. Nicht einmal der englischen Flotte traut Herr Humbert mehr; er hält die Bedingungen, unter denen die deutsche Flotte einen Überfall auf die englische wagen kann, für viel günstiger als die der Japaner bei Port Arthur und behauptet, daß die erste Linie der englischen Flotte unfähig sei, dem heimlich auf Kriegsstärke gebrachten gesamten deutschen Geschwader Stand zu halten, sowie erst einmal fünf oder sechs Kreuzer in den Grund gebohrt oder kampfunfähig gemacht sind. Wenn die Engländer glaubten, den teuer bezahlten Sieg der Deutschen mit dem zweiten Geschwader wieder ausgleichen zu können, so mache das dem Gedankengang der Engländer alle Ehre, zeige aber auch, wie sich die Engländer in der Beurteilung Deutschlands irren.

In der denkwürdigen Sitzung vom 18. Juni aber suchte Major Driant, der Abgeordnete von Nancy, klar zu machen, daß Deutschland infolge der Wehrvorlage ein um 200 000 Mann stärkeres Friedensheer besitze als Frankreich und daß, wenn der Kriegsminister behaupte, die Stärke Frankreichs läge in den Reserven, zu bedenken sei, daß die deutschen Reserven sich erst sammeln, nachdem das aktive deutsche Heer bereits einen entscheidenden Stoß gegen das unzureichende französische  Bollwerk geführt habe, wogegen die französischen Reserven mitten in den Strudel hineingeworfen werden müßten.

An Selbstbelobung fehlt es natürlich dabei nicht. Frankreich hat das beste Geschütz der Welt, nun müsse es aber noch das beste Gewehr haben und dies durch Einführung des automatischen Gewehrs erreichen; möge das auch 600 Millionen kosten; der Vorteil bestehe darin, daß Deutschland das für seine Heeresverstärkung eine Milliarde (?) ausgebe, nach den soeben gebrachten Opfern hierin nicht fortfahren könne. Driant wies auch darauf hin, daß Deutschland 1200 Geschütze mehr aufs Schlachtfeld bringe und daß es am 1. Okt. 1912 mit vier verstärkten Armeekorps bereit stehe zum Einmarsch nach Frankreich, daß diese Korps sogar bereits unter das Kommando eines an der Grenze untergebrachten Armeeführers gestellt seien.

Wir sehen, wie sich hier das bereits vor 25 Jahren erlebte Schauspiel wiederholt, daß die französische Streitsucht durch die zweifellose Kriegsbereitschaft des deutschen Heeres zum Schweigen gebracht wird, damals tat die unerwartete Einführung des Repetiergewehres dieses Wunder. Wir können mit dem Stand der Dinge somit sehr zufrieden sein; mag man über die neue Heeresvorlage denken wie man will, sie hat fraglos ausgereicht, uns den Frieden zu erhalten. Und der alte Spruch, daß man zum Kriege rüsten soll, wenn man den Frieden erhalten will, hat sich von neuem glänzend bewährt. v. W.-F.

Vom Stachel der Eifersucht getrieben

Was bisher geschah. Eine serbische Terrororganisation ermordet das österreichische Thronfolgerpaar. Österreich fordert die serbische Regierung auf, diese Terrororganisation zu verbieten und künftig antiösterreichische Propaganda und Aktivitäten zu unterlassen. Serbien druckst herum. Krieg zwischen Serbien und Österreich! Da hätte der Krieg noch lokal bleiben können und schnell beendet werden. Russische Truppen überschreiten die deutsch-russische Grenze. Krieg Rußland – Deutschland. Russische Truppen betreten österreichisches Gebiet. Krieg Rußland – Österreich. Frankreich mobilisiert und schweigt auf die Frage, ob es sich aus dem Krieg Rußland – Deutschland heraushalten wird, während bereits deutsches Reichsgebiet von französischen Abteilungen angegriffen wird. Zur Sicherung seiner Nordflanke verletzt Deutschland belgisches Territorium und versichert, es würde die Souveränität Belgiens achten und sämtliche Schäden wiedergutmachen. Krieg Frankreich – Deutschland. England nimmt die Verletzung der Neutralität Belgiens zum Anlaß, Deutschland den Krieg zu erklären. Ein Zeitungsartikel, der wohl die Empfindungen dazu am Besten beschreibt. Die Frage war, wer ist zuerst in Belgien. Die französische Armee oder die deutsche. Ähnliches fand dann 1940 statt, im Wettlauf um Norwegen, zwischen der deutschen Wehrmacht und den Engländern. Seit Ende des Ersten Weltkrieges wissen wir aber, wer immer die Guten und wer die Lumpenhunde sind. Im sozialistischen Geschichtsunterricht galt und gilt(?) der Schlieffenplan als Beweis für die Aggressivität des Deutschen Kaiserreiches.  Erst über die Franzosen herfallen, um dann das russische Reich zu erobern. Deutschland  vom Atlantik bis zum Pazifik sozusagen. Aber Deutschland hatte gar keine andere Möglichkeit, zu reagieren, sollte es von mehreren Seiten mit Krieg bedroht werden, wenn es sich nicht unmögliche Militärlasten aufbürden wollte.

Bild: England erklärt am 4. August Deutschland den Krieg. Die Flotte Englands nach der Revue bei Spithead. Nach einer fotografischen Aufnahme.

Wien, 5. August 1914. Der Enkel des Buchhändlers Goschen hat gestern in Berlin als Bevollmächtigter Botschafter des Königs von England den Krieg erklärt. … Das geschah gegen sieben Uhr abends, und vielleicht sind zur selben Stunde die englischen Riesendampfschiffe aus den Häfen in der Nordsee herausgedampft. Denn auf den Augenblick, in dem aufgestapelter Neid sich schrankenlos ergeben darf und nicht mehr gezügelt werden muß, haben die Feinde des Deutschen Reiches in England schon lange gewartet. Sie werden keine Minute verlieren, um den längst geplanten Angriff zu versuchen, und bald werden die britischen Geschwader in der Nähe der deutschen Küsten, wo so viele blühende Handelsstädte das Walten des Bürgerfleißes bekunden, gesichtet werden.

Die Urheber des sündhaften Krieges wollen erfüllen, wovon sie träumten und wonach sie zitterten, als könnten sie nicht Ruhe finden, bevor es geschehen ist. Vom Stachel der Eifersucht getrieben, haben sie nach der Gelegenheit zu diesem Kampfe sich immer gesehnt. Die Rede des englischen Staatssekretärs hat klar bewiesen, daß der Anschlag gegen das Deutsche Reich schon lange vorbereitet war und daß die Bedingungen für die Neutralität eine Falle gewesen sind, ganz nach dem Geschmacke hergerichtet, der zur Hinterhältigkeit einen kleinen Zusatz von sittlichem Gefühl liebt. Heuchelei über Heuchelei, muß jeder aufschreien, der die Worte liest und die in Sanftmut verkleidete Gehässigkeit spürt und die mit der Gebärde des Anstandes vorgetragene Falschheit merkt und von der inneren Unwahrhaftigkeit geradezu angewidert ist. Die englische Regierung, die einen ungerechten, nicht einmal durch irgendwie zureichende Vorwände begründeten Krieg führt und die ruchlose Blutschuld vor der Geschichte zu verantworten haben wird, will den französischen Rachedurst und die panslawischen Greuel mit einem Namen decken, der früher, als er noch ein Symbol des Schutzes für Menschlichkeit war, mit Ehrfurcht genannt wurde und jetzt von der kleinlichen und neidischen Mittelmäßigkeit herabgewürdigt wird.

König Eduard hatte auf der Terrasse seines Hotels zu Marienbad nach dem Frühstück ein Gespräch mit dem französischen Ministerpräsidenten George Clemenceau. Schon damals wollte England den Krieg, und aus der Unterredung ist ein Wort in die Öffentlichkeit hinausgeflattert, das noch heute gilt und woran jetzt, da die Gedanken sich unwillkürlich der künftigen Seeschlacht zuwenden, erinnert werden muß. Clemenceau antwortete dem König, der ihn zu einer kriegerischen Politik drängen wollte: Frankreich wäre dazu bereit, wenn die Dreadnoughts in die Spree hineinfahren könnten und England eine Landmacht hätte. Die Dreadnoughts können auch jetzt nicht in die Spree hineinfahren, und der Gedanke, ein Reich mit sechsundsechzig Millionen Einwohnern zu besiegen, wenn die Flotte vernichtet wird, ist so kindisch, daß die Gefahr des Zusammenbruchs der kontinentalen Politik des britischen Reiches um kein  Haar geringer wird, wenn alle deutschen Schiffe auf dem Grunde des Meeres liegen. Die alten Geschichten von der spanischen Armada und von der Zerstörung der holländischen Überlegenheit zur See sind auf das Deutsche Reich mit seinen unermeßlichen Hilfsmitteln nicht anwendbar. Wenn die deutsche Armee den Eisenpanzer der lothringischen Festungen durchbrechen und wieder vor Paris stehen sollte, wenn Rußland von den verbündeten Heeren in Podolien durch eine Hauptschlacht zurückgeworfen werden könnte, würde der Krieg, den England führt, nichts sein als Bilderstürmerei zu See, fanatischer Groll, der ein Kunstwerk zerbricht, aber nichts schafft. Sie können es nicht leiden, daß die ganze Welt voll Bewunderung für die junge deutsche Flotte ist. Die an ihnen zehrende Monopolsucht, die Überhebung, mit der sie die Erde als dazu bestimmt ansehen, britisches Eigentum zu werden, all diese häßlichen Gefühle haben den brudermörderischen Krieg hervorgerufen. …

Deutschenhaß ist das Gemeinsame zwischen Völkern, die sonst durch die schroffsten Gegensätze auseinandergehalten werden. Bohrender Neid hat England zu dem Verhängnis getrieben, sich dem Nationalismus zu verschwören, den es am meisten zu fürchten hat, weil es verloren wäre, wenn diese Leidenschaft sich in den von ihm unterjochten Ländern ausbreiten würde. …  Der Krieg gegen Deutschland ist frevlerischer Übermut …. NEUE FREIE PRESSE.

Na bitte, geht doch!

Bekanntmachung. Russen, Franzosen und Serben haben Freiburg zu verlassen. Da die Heimreise zur Zeit unmöglich ist, werden den Vermögenden die Stadt Baden, den Wenig – und Unbemittelten die Militärbaracken in Donaueschingen zum Aufenthalt angewiesen. Sonderzüge gehen heute um 3 Uhr nachmittags von Freiburg ab. Andern Ausländern, die ebenfalls nach Baden oder Donaueschingen wollen, ist die Benutzung der  Züge auf Wunsch gestattet. Freiburg, den 5. August 1914. Großh. Bezirksamt.

Russischer Besuch in Tilsit

Es gibt viel zu entdecken, im Internet, wenn man des Lesens mächtig ist, so die Jahrgänge der „Tilsiter Allgemeine Zeitung„, ab dem 26. August 1914. Tilsit, bei manchem mag es klingeln, ah, Tilsiter Friede! Napoleon und Alexander, Zar von Rußland, teilen sich die Welt. Der Erste Weltkrieg wurde gerade entfesselt, durch die Mobilmachung der russischen Armee und aktive Kampfhandlungen der Franzosen gegen deutsche Truppen und die Russen stehen im Osten bereits auf deutschem Territorium. Tilsit hat ersten Besuch vom Feind bekommen und ein Teil der Bevölkerung ist wohl losgelaufen, um zu gaffen und die fremden Soldaten anzuhimmeln und zu beschenken und sich überhaupt wie von Sinnen aufzuführen, was heute aber normal ist. Daraufhin schreibt die Redaktion der Zeitung und veröffentlicht auch zwei Leserbriefe. Auszug.

Russischer Besuch in Tilsit

Unsere gestrigen, in größter Eile und in der ersten inneren Empörung über das würdelose Verhalten eines Teiles der Tilsiter Bürger gegenüber den russischen Soldaten vom Montag niedergeschriebenen Ausführungen sollten selbstverständlich nicht besagen, daß sich etwa die Bürgerschaft Tilsits im  allgemeinen schämen müsse. Wir haben ein viel zu gesundes Vertrauen zu der Bürgerschaft unserer Stadt, als daß wir hätten behaupten wollen oder können, sie habe sich allgemein unwürdig benommen. Unsere Ausführungen bezogen sich selbstverständlich nur auf den Janhagel (Pöbel, Plebs, Abschaum, Unterschicht, Gesindel), der sich über die Maßen unwürdig betragen hat, und es ist Gott sei Dank noch die Mehrzahl der Tilsiter Bürger, die die Bürgerschaft als solches repräsentieren, die sich würdig und angemessen verhalten haben. Die Aufgabe dieses die Bürgerschaft repräsentierenden Teiles wird es sein, in Zukunft den Janhagel und die Straßenmädchen, denen sich leider Gottes auch eine Reihe anderer Mädchen und Frauen aus der Stadt zugesellte, gehörig in die Schranken zu weisen.

Zu dem  Austausch schriftlicher Erklärungen zwischen Oberbürgermeister Pohl und dem befehligenden russischen Rittmeister erfahren wir noch, daß auf Verlangen des russischen Offiziers der Oberbürgermeister eine schriftliche Erklärung austeilte, daß die russischen Truppen in Tilsit ruhig eingeritten und nach erfolgter Proviantierung ruhig wieder die Stadt verlassen hätten. Der russische Offizier hat dem Oberbürgermeister nur die Verabfolgung des Proviants bescheinigt, nicht aber eine Erklärung abgegeben, daß er „von der Bürgerschaft und den Behörden Tilsits höflich und zuvorkommend mit seinen Truppen aufgenommen und behandelt“ worden sei. Von einer solchen Bescheinigung ist, wie uns authentisch mitgeteilt wird, nicht die Rede gewesen.

Unseren Bemerkungen über das unverantwortliche Benehmen der Behörden in unserer Nachbarstadt Ragnit können wir nur hinzufügen, daß nicht nur der Landrat von Trebra, sondern auch der Regierungsassessor und sämtliche Beamte ihren Posten verlassen haben, so daß augenblicklich nicht ein einziger Beamter der Kreisverwaltung in Ragnit anwesend ist.

Zu unserem gestrigen Artikel über das Benehmen gegen die russischen Soldaten ist uns eine große Anzahl von anerkennenden Zuschriften und zustimmenden mündlichen Erklärungen übermittelt worden, daß wir uns außerstande sehenden zahlreichen Bitten um Veröffentlichung dieser Zustimmung zu entsprechen. Nur eine „Abonettin“ beklagt sich über angebliche Übertreibungen in dem Artikel und darüber, daß wir es „immer wieder gerade auf das weibliche Geschlecht abgesehen“ hätten, um es bloßzustellen. Das ist uns aber nie eingefallen. Wir haben eine viel zu hohe Meinung von der Würde und dem Taktgefühl unserer deutschen Frauen und Mädchen im ganzen, als daß wir uns abfällig lediglich über das Verhalten eines Teiles der weiblichen Bevölkerung hätten äußern wollen und können. Es liegt jedoch in der Natur der Sache, daß gerade das Verhalten eines Teiles des weiblichen Publikums und selbstverständlich nicht des guten Durchschnittspublikums  berechtigten Anstoß und ehrliche sittliche und nationale Empörung erregte.

Daß sich auch leider einige Männer in ihrer Unterwürfigkeit und Liebdienerei dazu hinreißen liessen, den russischen Soldaten Schokolade, Zigarretten usw. en masse anzubieten, ändert an dieser Tatsache nicht das geringste. Es gibt selbstverständlich auch in der Männerwelt eine ganze Reihe von Personen, die dem Ernst und der Bedeutung der Situation sich nicht annähernd gewachsen gezeigt haben.

Aus der Reihe der Zuschriften geben wir nachstehend zwei wieder. Ein schwerverwundeter Krieger von 1870/71 schreibt uns:

Sehr geehrte Redaktion, mit Befriedigung habe ich den Leitartikel in Ihrer Zeitung Nr. 198 gelesen, er ist deutlich, aber den Weibern gegenüber, die kein nationales Ehrgefühl haben und keinen Nationalstolz kennen, noch nicht derbe genug. Namhaft müßten sie gemacht und öffentlich an den Pranger gestellt (das Orginal enthält einen kräftigeren Ausdruck. Die Red.) werden. Sind das die vielgerühmten und angedichteten deutschen Frauen? Unmöglich, es kann nur der Abschaum des weiblichen Geschlechts sein. Jede anständige, ehrsame Frau müßte dazu beitragen, daß diese pflichtvergessenen Weiber öffentlich gebrandmarkt würden. Noch eines möchte ich anführen: Man sieht seit der Mobilmachung, seitdem unsere braven Soldaten ihr Blut auf den Schlachtfeldern vergießen, täglich Damen, in Weiß von Kopf bis Fuß gekleidet, in den Straßen herumstolzieren. Schicklich dürfte dies für eine deutsche Dame nicht sein, denn  in dieser höchst ernsten Zeit müßte jeder auffallende Putz unterbleiben. Mögen doch die Damen, wenn einst unsere Krieger siegreich aus dem Feldzuge heimkehren, sie in  weißen Kleidern freudig empfangen. Gefühllose Damen, die in der jetzigen Zeit auf Männerfang ausgehen, müßte man selbst auf dem Schlachtfelde vor die Flinte stellen, damit sie die Schrecken eines Krieges am eigenen Leibe erfahren.

Rest des Artikels hier in der Ausgabe 199 der „Tilsiter Allgemeine Zeitung„.  In den folgenden Ausgaben,  erfährt man von der Vorliebe des russischen Soldaten für Fahrräder und Uhren und der Drohung, sollten Widerstandshandlungen oder Sabotage gegen die feindliche Armee stattfinden, die in der Nähe befindlichen Dörfer niederzubrennen. Was es nicht alles gab! Interessant auch die Verlustelisten auf denselben Seiten, vielleicht findet da ja jemand seinen Vorfahren wieder. Hier noch ein lesenswerter Artikel zur damaligen Lage.

Lügenmäuler

Wie jetzt dankenswerterweise darauf wieder hingewiesen wird, betrachteten unsere Freunde und Alliierten, deren Wohl unser einziges politisches und ökonomisches Bestreben ist, und für die wir bis 2010 immer noch die Reparationen aus dem Versailler Friedensdiktat hinblättern, inklusive erzwungener Anerkennung der Alleinschuld am Kriegsausbruch 1914, den Zusammenschluß von Deutscher Demokratischer Republik und Bundesrepublik Deutschland als höchst gefährlich.

So warnte Francois Mitterrand, unser damals über alles geliebter französischer Präsident, wir würden uns wieder in die „schlechten“ Menschen verwandel(n), als die man (uns)  kennen gelernt habe. Er verglich die Situation Europas mit dem Jahr vor dem ersten Weltkrieg .

Und was war vor dem ersten Weltkrieg?  Welch schlechte Taten hat das deutsche Kaiserreich dort getan? Lag es im Krieg mit anderen Nationen? Mitnichten! Es hatte eine blühende Wirtschaft, war in der Welt geachtet und bedrohte damit allerdings die Interessen Englands, Rußlands und Frankreichs, weshalb wir heute immer noch so tun, als wären wir deren Putzlappen. Englands und Frankreichs. Und nicht damit genug, winseln und wieseln wir vor dem Nachfolger des „Kranken Mannes vom Bosporus“, der, würden wir sein Prekariat, das er uns aufgeladen hat, umgehend, inklusive des Geschwüredoktors Mayzek dorthin zurückschicken, woher es gekommen ist, in kürzester Frist ökonomisch kollabieren würde.

Der zweite Balkankrieg 1913

Wird das gelehrt?

AisneDr. v. Bethmann Hollweg, Reichskanzler: … Erst am Nachmittag des 31. (Juli 1914) trifft ein Telegramm des Zaren beim Kaiser ein, in dem er sich dafür verbürgt, daß seine Armee keine provokatorische Haltung gegen uns einnehmen werde. Aber die Mobilmachung an unserer Grenze ist schon seit der Nacht vom  30. zum 31. Juli in vollem Gange. Während wir auf russisches Bitten  in Wien vermitteln, erhebt sich die russische Wehrmacht an unserer langen, fast ganz offenen Grenze und Frankreich mobilisiert zwar noch nicht, aber trifft doch, wie es zugibt, militärische Vorbereitungen.

Und wir? – Wir hatten absichtlich bis dahin keinen Reservemann einberufen, dem europäischen Frieden zuliebe! Sollten wir jetzt weiter geduldig warten, bis etwa die Mächte, zwischen denen wir eingekeilt sind, den Zeitpunkt zum Losschlagen wählten?

Dieser Gefahr Deutschland auszusetzen, wäre ein Verbrechen gewesen!

Darum forderten wir noch am 31. Juli von Rußland die Demobilisierung als einzige Maßregel, welche noch den europäischen Frieden retten könnte. Der kaiserliche Botschafter in Petersburg erhält ferner den Auftrag, der russischen Regierung zu erklären, daß wir im Falle der Ablehnung unserer Forderung den Kriegszustand als eingetreten betrachten müssten. Der kaiserliche Botschafter hat diesen Auftrag ausgeführt. Wie Rußland auf unsere Forderung der Demobilisierung geantwortet hat, wissen wir heute noch nicht. Telegraphische Meldungen darüber sind nicht bis an uns gelangt, obwohl der Telegraph weit unwichtigere Meldungen noch übermittelte. So sah sich der Kaiser am 1. August, nachmittags 5 Uhr, gezwungen, unsere Wehrmacht mobil zu machen.

Zugleich mußten wir uns versichern, wie sich Frankreich stellen würde. Auf unsere bestimmte Frage, ob es sich im Falle eines deutsch-russischen Krieges neutral halten würde, hat uns Frankreich geantwortet, es werde tun, was ihm seine Interessen geböten. Das war eine ausweichende Antwort auf unsere Frage, wenn nicht eine Verneinung unserer Frage. Trotzdem gab der Kaiser den Befehl, daß die französische Grenze unbedingt zu respektieren sei. Dieser Befehl wurde strengstens befolgt, bis auf eine einzige Ausnahme. Frankreich, das zur selben Stunde wie wir mobil machte, erklärte uns, es werde eine Zone von 10 Kilometern an der Grenze respektieren.

Und was geschah in Wirklichkeit? Bombenwerfende Flieger, Kavalleriepatrouillen, auf reichsländisches Gebiet eingebrochene Kompanien! Damit hat Frankreich, obwohl der Kriegszustand noch nicht erklärt war, den Frieden gebrochen und uns tatsächlich angegriffen.

Was jene Ausnahme betrifft, so habe ich vom Chef des Generalstabs folgende Meldung erhalten:

Von den französischen Beschwerden über Grenzverletzungen unsererseits ist nur eine einzige zuzugeben. Gegen den ausdrücklichen Befehl hat eine anscheinend von einem Offizier geführte Patrouille des XIV. Armeekorps am 2. August die Grenze überschritten. Sie ist scheinbar abgeschossen, nur ein Mann ist zurückgekehrt. Aber lange, bevor diese einzige Grenzüberschreitung erfolgte, haben französische Flieger bis nach Süddeutschland hinein auf unsere Bahnlinien Bomben abgeworfen, haben am Schluchtpaß französische Truppen unsere Grenzschutztruppen angegriffen. Unsere Truppen haben sich, dem Befehle gemäß zunächst gänzlich auf die Abwehr beschränkt.

So weit die Meldung des Generalstabs. Meine Herren, wir sind jetzt in der Notwehr; und Not kennt kein Gebot! Unsere Truppen haben Luxemburg besetzt, vielleicht schon belgisches Gebiet betreten. Meine Herren, das widerspricht den Geboten des Völkerrechts. Die französische Regierung hat zwar in Brüssel erklärt, die Neutralität Belgiens respektieren zu wollen, so lange der Gegner sie respektiere. Wir wußten aber, daß der Feind zum Einfall bereit stand. …

Reichstag. – 1. Sitzung. Dienstag den 4. August 1914

Bewilligen wir die Kriegskredite

Der Autor hat in der Schule nur gelernt, wie anbiederisch die deutschen Sozialdemokraten die Kriegskredite bewilligten, wohingegen Karl Liebknecht seine Zustimmung verweigerte. Was er nie gelesen hatte, war die Begründung der Sozialdemokraten dafür. Am 30. Juli 1914 wurde die Generalmobilmachung der russischen Armee erklärt und Russland und das deutsche Kaiserreich besassen eine gemeinsame Grenze.

Haase(Königsberg) Abgeordneter: Meine Herren, im Auftrag meiner Fraktion habe ich folgende Erklärung abzugeben. Wir stehen vor einer Schicksalsstunde. Die Folgen der imperialistischen Politik, durch die eine Ära des Wettrüstens herbeigeführt wurde und die Gegensätze unter den Völkern sich verschärften, sind wie eine Sturmflut über Europa hereingebrochen. Die Verantwortung hierfür fällt den Trägern dieser Politik zu;

(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten)

wir lehnen sie ab.

(Bravo! bei den Sozialdemokraten.)

Die Sozialdemokratie hat diese verhängnisvolle Entwicklung mit allen Mitteln bekämpft, und noch bis in die letzten Stunden hinein hat sie durch machtvolle Kundgebungen in allen Ländern, namentlich in innigem Einvernehmen mit den französischen Brüdern,

(Lebhaftes Bravo bei den Sozialdemokraten)

für die Aufrechterhaltung des Friedens gewirkt.

(Erneuter lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Ihre Anstrengungen sind vergeblich gewesen. Jetzt stehen wir vor der ehernen Tatsache des Krieges. Uns drohen die Schrecknisse feindlicher Invasionen. Nicht für oder gegen den Krieg haben wir heute zu entscheiden, sondern über die Frage der Bereitstellung der zur Verteidigung des Landes erforderlichen Mittel.

(Lebhafte Zustimmung bei den bürgerlichen Parteien.)

Nun haben wir zu denken an die Millionen Volksgenossen, die ohne ihre Schuld in dieses Verhängnis hineingerissen sind.

(Sehr wahr! Bei den Sozialdemokraten.)

Sie werden von den Verheerungen des Krieges am schwersten getroffen.

(Sehr richtig. Bei den Sozialdemokraten.)

Unsere heißen Wünsche begleiten unsere zu den Fahnen gerufenen Brüder ohne Unterschied der Partei.

(Lebhaftes allseitiges Bravo und Händeklatschen.)

Wir denken auch an die Mütter, die ihre Söhne hergeben müssen, an die Frauen und Kinder, die ihres Ernährers beraubt sind und denen zu der Angst um ihre Lieben die Schrecken des Hungers drohen. Zu diesen werden sich bald zehntausende Verwundete und verstümmelter Kämpfer gesellen.

(Sehr wahr!)

Ihnen allen beizustehen, ihr Schicksal zu erleichtern, diese unmenschliche Not zu lindern, erachten wir als eine zwingende Pflicht.

(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.)

Für unser Volk und seine freiheitliche Zukunft steht bei einem Sieg des russischen Despotismus, der sich mit dem Blute der Besten des eigenen Volkes befleckt hat

(lebhafte Rufe: Sehr wahr! Bei den Sozialdemokraten)

viel, wenn nicht alles auf dem Spiel.

(Erneute Zustimmung)

Es gilt, diese Gefahr abzuwehren, die Kultur und die Unabhängigkeit unseres eigenen Landes sicherzustellen.

(Bravo!)

Da machen wir wahr, was wir immer betont haben: wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich.

(Lebhaftes Bravo!)

Wir fühlen uns dabei im Einklang mit der Internationale, die das Recht jedes Volkes auf nationale Selbständigkeit und Selbstverteidigung jederzeit anerkannt hat,

(Sehr richtig! Bei den Sozialdemokraten.)

wie wir auch in Übereinstimmung mit ihr jeden Eroberungskrieg verurteilen.

(Sehr gut! Bei den Sozialdemokraten.)

Wir fordern, dass dem Kriege, sobald das Ziel der Sicherung erreicht ist, und die Gegner zum Frieden geneigt sind, ein Ende gemacht wird durch einen Frieden, der die Freundschaft mit den Nachbarvölkern ermöglicht.

(Bravo! Bei den Sozialdemokraten.)

Weiterlesen ‚Bewilligen wir die Kriegskredite‘


August 2019
M D M D F S S
« Jul    
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Blog Stats

  • 2.156.418 hits

Archiv