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Frankreich überfällt Deutschland

Freiburg, 26.Juli (1870). Die kleinen Händel der Streifpatrouillen im Saarbrücker Bezirk fangen an, langweilig zu werden; indeß soll es uns die Mühe nicht verdrießen, alles gewissenhaft zu verzeichnen, was wie ein Zusammenstoß aussieht. So hat die „Köln. Ztg.“ wieder einige Notizen von dort, 21. Juli, über die Ereignisse der letzten Tage. „Die Franzosen klagen über die Gewaltmärsche, die sie in letzter Zeit gemacht hätten. Die Hitze ist entsetzlich und erschwert unseren braven Soldaten  sehr den Dienst. Täglich haben wir kleinere Knallereien, Besuche hüben und drüben; bald machen die Franzosen einen kleinen Abstecher, bald wir ihnen. Der Feind steht drüben in Stärke von zwei Brigaden mit etwa 16 Geschützen, ist aber augenscheinlich noch nicht fertig. Die Bevölkerung von Saarbrücken ist fortwährend auf dem Exerzierplatz versammelt, von welchem man die Franzosen beobachtet. Die letzte Nacht erwartete man allgemein einen Überfall. Die Bevölkerung der Stadt schlief nur mit einem Auge. Indeß ist alles ruhig geblieben.

Vorgestern wurden in einer auf französischem Gebiete liegenden Schenke zwei sehr berauschte französische Infanteristen von einigen preußischen Zollbeamten betroffen. Die Franzosen warfen ihre Gewehre hin und liefen fort. Einer von ihnen entkam, der andere wurde gefaßt und nach dem nächsten Posten übergeben, von wo er nach Saarbrücken transportiert wurde. …

Von der Glotter, 24. Juli. Jener für die politische Situation so beherzigenswerte Artikel der „Times“ vom 16. Juli liegt vor uns – …  sondern wir meinen den Satz: Frankreichs Ziel in diesem beklagenswerthen Kriege ist bekannt: es will das linke Rheinufer haben, auf der anderen Seite hat Preußen oft erklärt, wenn es gezwungen würde, das Schwert gegen Frankreich zu ergreifen, es dasselbe nicht eher niederlegen würde, als es die alten deutschen Provinzen Elsaß und Lothringen dem „Vaterland“ wieder zurückgegeben sind.“ Also England weiß, daß Elsaß und Lothringen alte deutsche Provinzen sind, um was wir zu kämpfen haben, weiß was wir fordern und um was wir kämpfen – es ist Zeit, daß wir´s uns selber ins Gedächtnis rufen. *Freiburger Zeitung 27.07.1870*

Aus Saarbrücken wird der „Kölnischen Zeitung“ vom 21. Juli gemeldet: Das Zündnadelgewehr hat bei erster Conkurrenz mit dem Cassepot gute Erfolge gehabt. Ein französischer Infanterist, der bei Tagesanbruch an der Grenze auf einen preußischen Infanteristen schoß, fehlte diesen, ging aber wieder vor, nachdem er geladen, wo ihn die preußische Kugel tödlich traf. Zwei französische Gefangene sollen eingebracht sein.  – Am 24. früh fand bei Gersweiler ein Scharmützel mit dem Feind statt; derselbe ging mit 10 Mann Verlust zurück. Unsererseits kein Verlust. Das Zündnadelgewehr hat sich dem Cassepot gegenüber trefflich bewährt.

Gestern Abend wurde Saarlouis gegenüber von französischen Douaniers (Zöllner) auf eine Cavalleriepatrouille der Unsrigen geschossen und zwei Pferde verwundet. Heute nahm, wie gemeldet wird, eine Compagnie unserer Infanteristen das Zollhaus Schrecklingen nebst der Zollkasse. Die Douaniers wurden teils getötet, teils gefangen. Unsererseits ein Offizier verwundet. Fünf französische Deserteurs bei unsern Vorposten gemeldet.

Mit der Ostbahn trafen am Sonnabend Abend an 60 Dienstpflichtige aus Rußland ein, die sich sofort in Kiew um einen dort beschäftigten Landwehr Offizier gesammelt hatten und mit ihm nach der Heimat eilten, um gegen die Franzosen einzutreten. Sie wurden auf den russischen Bahnen frei befördert und erzählen, daß sie überall  die freundlichste Aufnahme und Unterstützung gefunden. *Teltower Kreisblatt 27.07.1870*

Frankreich überfällt Deutschland

50 Tage Krieg im Westen, Kein Franzose hat den Westwall erreicht, so titeln die WIENER NEUESTEN NACHRICHTEN am 19. Oktober 1939, noch bevor Hitlers Armeen dazu kommen, ihren Fuß im Jahre 1940 auf französischen Boden zu setzen, womit sie das hilfs – und kampfbereite Frankreich urplötzlich überfallen, das den Polenfeldzug über gemütlich in seiner Maginot – Linie hockte und zusah, wie der Verbündete, den es zum Kriege ermutigt hatte, zerschlagen wurde. Aber war das wirklich so? Die Zeitung listet die übermenschlichen Anstrengungen Frankreichs für seine Leser auf.

Kurze hartnäckige Kämpfe im Westen. Letzte Feindnachhuten geworfen. Überblick über die Ereignisse an der Westfront seit Kriegsbeginn. Berlin, 19.10. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Zwischen der Saar und der Straße Hornbach-Bitsch warfen unsere Truppen die noch auf deutschem Boden feindlichen feindlichen Nachhuten nach kurzem hartnäckigen Kampf auf und über die Grenze zurück. An den übrigen Abschnitten der Westfront nur örtliche Artillerie – und Spähtrupptätigkeit. An einigen Stellen ist die Fühlung mit dem Feind verlorengegangen, da unsere Gefechtsvorposten die französische Grenze nicht überschritten haben. Damit kann der erste Abschnitt der Kampfhandlungen im Westen – hervorgegangen aus der Initiative der Franzosen – als abgeschlossen betrachtet und folgender Überblick über die Ereignisse an der Westfront seit Beginn des Krieges gegeben werden:

Mit dem Beginn der Operationen in Polen wurden auch unsere Grenzbefestigungen im Westen durch starke Kräfte besetzt. Am 9. September eröffneten die Franzosen die Feindseligkeiten und überschritten mit Spähtrupps an verschiedenen Stellen zwischen Luxemburg und dem Rhein westlich Karlsruhe die deutsche Grenze. Seit dieser Zeit haben an der ganzen Westfront an keiner Stelle ernsthafte Kampfhandlungen stattgefunden. Die rein örtlichen Kämpfe spielten sich in einem flachen, nahe der französischen Grenze liegenden Streifen im Vorfeld unseres Westwalles ab. Von einer einzigen Ausnahme abgesehen, führten diese Kämpfe auf beiden Seiten nur kleine Verbände, meist unter Kompaniestärke. Besetzt wurde von den Franzosen im Laufe des Monats September lediglich: 1. Einige nahe der französischen Grenze gelegene deutsche Ortschaften zwischen der luxemburgischen Grenze und Saarlautern; das südwestlich Saarbrücken gelegene, nach Frankreich vorspringende Waldgebiet „der Warndt“ und 3. der ebenfalls vorspringende Gebietsteil südostwärts Saarbrücken zwischen Saar und Pfälzerwald. Nur in den beiden zuletzt genannten  Gebietsteilen, die von uns planmäßig geräumt waren, hat sich der Feind unter erheblichen Verlusten in einer Tiefe von 3 – 5 Kilometer auf deutschem Boden festgesetzt. Das ganze übrige deutsche Gebiet vor dem Westwall blieb frei vom Feinde.

An keiner Stelle sind französische Kräfte auch nur in die Nähe des Westwalles gekommen, außer dort, wo der Westwall, wie bei Saarbrücken, in unmittelbarer Nähe der Grenze verläuft. Dieser geringen infanteristischen Gefechtstätigkeit entsprach auch das Artilleriefeuer. Es beschränkte sich, von der Unternehmung kleinerer Stoßtrupps abgesehen, auf Störungsfeuer gegen Geländepunkte im Vorfeld unserer Befestigungen. In einem einzigen Fall wurde ein Bunker in der Nähe von Saarbrücken mit 80 Schuß mittleren Kalibers ohne jeden Erfolg beschossen. Im Oberrhein von Karlsruhe bis Basel herrscht seit Kriegsbeginn völlige, fast friedensmäßige Ruhe.

Diesen von französischer Seite als großen Erfolg und wirksame Unterstützung der Polen hingestellten Geländegewinn hat der Feind zwischen der luxemburgischen Grenze und dem Warndt sowie zwischen der Saar und dem Pfälzerwald freiwillig wieder aufgegeben und ist, von unseren daraufhin energisch nachstoßenden Truppen bedrängt, bis dicht an und über die französische Grenze zurückgegangen.

Die Luftkriegsführung an der Westfront ging bisher über Aufklärungstätigkeit sowie Jagd – und Flakabwehr auf beiden Seiten nicht hinaus. Bombenangriffe fanden nicht statt. Der wirkungsvollen deutschen Abwehr durch Jäger und Flak sind seit Kriegsbeginn an der Westfront 60 feindliche Flugzeuge, darunter 12 britische erlegen. Die feindlichen Flugzeugverluste im Inneren Deutschlands und im Küstenvorfeld sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

Die deutschen Gesamtverluste durch feindliche Einwirkung an der Westfront betragen seit Kriegsbeginn bis zum 17. Oktober 196 Tote, 356 Verwundete und 114 Vermißte sowie insgesamt 11 Flugzeuge. Dem gegenüber wurden bis 18. Oktober allein 25 französische Offiziere und 664 Unteroffiziere und Mannschaften als Gefangene eingebracht. An der 174 Kilometer langen Oberrhein – Front wurde nur ein Mann durch einen gelegentlich eines Flakabschusses herabfallenden Granatsplitter verwundet. Britische Truppen konnten bisher in der vorderen Linie der Westfront nirgends festgestellt werden.

1939 Jewish Life in Bialystok



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