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Die Rettung der Quadriga

Hier führen fröhliche Bürger und Soldaten die Quadriga heim, die sie dem Freiheitsaktivisten Napoleon entrissen haben, der in Frankreich immer noch als Held und großer Staatsmann verehrt wird, zweifellos eine kulturell unsensible Tat, so würde Deutschland heute nicht mehr handeln, eher würde es fragen: „Die Quadriga? Darf es noch  ein bischen mehr sein?“ Deutschland hat nämlich aus seiner Vergangenheit gelernt. Insbesondere aus der zwischen 1933 und 1945 und daß es davor noch etwas gab, das muß wohl unter den Begriff Geschichtsfälschung fallen.

Jedenfalls, wenn in Deutschland eine Quadriga vergeben wird, wenn auch nur als Preis, dann nur noch an die Würdigsten der Würdigen und nur noch an Staatsmänner, oder auch an Staatsfrauen,  die ernste Prüfungen auf  Herz und Nieren über sich ergehen lassen müssen. Der Preis soll Vorbilder ehren, Menschen, deren Handeln und Denken wertegebunden ist. Schreibt Henry Lohmar von der Märkischen Allgemeinen über die abgesagte Quadriga – Vergabe an Wladimir Putin und fragt gleich nach, welche Werte wohl Putin hat. Und hier liegt der Hase nämlich im Pfeffer. Natürlich hat Putin Werte, nur sind die Werte, die Putins Handeln und Denken bestimmen, nicht die Werte der Deutschen. Das hätte man aber erkennen müssen und festlegen, der Preis soll Vorbilder ehren, Menschen, deren Handeln und Denken an deutsche Werte gebunden ist. Obwohl, das geht ja auch nicht. Deutsche Werte! Welche sollen das sein? Pünktlichkeit, Disziplin, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Fleiß? Seit wir wissen, daß mit diesen Werten auch ein Vernichtungslager betrieben werden kann, haben wir uns davon getrennt und sind froh darüber. Froh auch insbesondere über das, was die Schulen verläßt und mit dieser Schulung nahtlos in die Versorgung durch die Sozialsysteme übergehen kann.

Also, welche Werte? Natürlich geht es um Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, gerade die, für die Napoleon bis nach Ägypten losgezogen ist und französische Menschenrechtsaktivisten erst  die angestellten Schweizer Söldner, dann die Königsfamilie, dann die Adeligen zu Zehntausenden, dann die Geistlichen zu Zehntausenden, dann die Königstreuen zu Hunderttausenden und schliesslich die eigenen Schlächter der Ersten Stunde umbrachten. Im Namen von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten. Daß Putin da nicht mithalten kann, das ist ein ernstes Versäumnis, das ihm zu Recht vorgeworfen wird. Auch ist der Verleihungsgrund, der einstige KGB-Offizier habe Stabilität geschaffen, geradezu lächerlich. Stabilität ist nämlich nichts, was sich der aufgeklärte Bürger wünscht. Zum Beispiel, wer wünscht sich schon eine stabile Währung, die seine Rente sicher macht? Oder daß Gesetze auch gelten und zwar nicht von 06.00 bis 24.00, um dann von anderen Gesetzen abgelöst zu werden? Eben noch die Zusage, daß die Kernkraftwerke laufen und – hast Du nicht gesehen – da laufen sie schon nicht mehr!

Stabilität ist Kokolores. Also Humbug.  Jedenfalls kommt sie ganz, ganz weit abgeschlagen hinter  Freiheit, Demokratie und Menschenrechten, wie wir aktuell an einigen nordafrikanischen Staaten sehen.   Wo nämlich die Stabilität zerbombt werden muß, um Freiheit, Demokratie und Menschenrechten Bahn zu schaffen. Die werden derzeit durch islamische Extremisten repräsentiert, was wieder einmal beweist, Islam ist durchaus mit Demokratie und Freiheit kompatibel, man muß nur die Augen zukneifen und ganz laut singen. Und für die Menschenrechte, da hat er sogar eine eigene Erklärung. Ist das nicht toll?

Bis aber Freiheit, Demokratie und Menschenrechte herbeigebombt sind, in Afrika, da mangelt es freilich an der Stabilität.  Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte in der vergangenen Woche den Rebellen brutales Vorgehen im Westen des Landes vorgeworfen: Plünderung, Brandschatzung und Überfälle auf Krankenhäuser. Schon zu Beginn der bewaffneten Auseinandersetzungen hatten türkische Bauarbeiter der BBC berichtet, sie hätten in Derna miterleben müssen, wie 80 Arbeiter aus dem Tschad von Aufständischen mit Äxten ermordet worden seien, weil diese sie für Söldner hielten. „Es gab rassistische Ausschreitungen. Häuser wurden angezündet, in denen noch Menschen waren und verbrannten“, berichtet auch ein HRW-Sprecher.

Aber Stabilität, das haben wir nun gelernt, ist nichts, was wir schätzen müssen, weil uns ja diese Instabilität nicht betrifft,  und schon gar nicht ein Grund, Putin mit einer Quadriga zu ehren. Der wird es, sind sich alle Kommentatoren sicher, auch schon irgendwie verkraften. Und das macht uns dann doch wieder alle froh. Weil wir nämlich an stabilen Beziehungen zu Rußland interessiert sind. Immerhin versorgt es uns mit Gas und Öl und einen Bürgerkrieg in Rußland, wie er in Nordafrika tobt, den könnten wir uns aus Gründen der Versorgungsstabilität nicht leisten, jedenfalls nicht, bis die Rebellen in Nordafrika eine Versorgungspipeline nach Deutschland legen werden, was sie gleich, nachdem sie   Freiheit, Demokratie und Menschenrechten zum Sieg verholfen haben, aus reiner Herzensgüte und Dankbarkeit tun werden. Ganz sicher.

Bild: Loveparade um die Quadriga. Wie man sieht, auch hier werden die Sicherheitsbestimmungen gröblichst mißachtet. Feiernde führen spitze Gegenstände mit sich, könnten unter Pferdehufe kommen oder von in die Luft geschleuderten Kränzen verletzt werden. Zeit, daß der Bürgermeister deshalb zurücktritt. Jetzt!

Auftakt zum Massenmord

Gastfreundschaft aufs schmählichste verletzt

Der folgende Text wurde vor 100 Jahren geschrieben aber er liest sich wie eine Beschreibung des heutigen Zustandes. Leicht gekürzt. Hervorhebungen im Orginal. Und wem fallen nicht sofort jene liebenswerten Menschen ein, die in Deutschland Asyl erhalten haben, hier aber ihren heimischen Bürgerkrieg fortsetzen oder sich dazu verschwören, die, die sie aufgenommen haben, möglichst zahlreich umzubringen? Anarchismus ist Frieden und Toleranz abweichender politischer Ideen! Und wenn ein Theoretiker des Anarchismus nach erfolgtem Bombenattentat in einer Zeitung erklärt, Anarchisten würden den Anarchismus nur nicht richtig verstehen, dann pieseln wir uns vor Begeisterung und Freude ins Höschen.

Die Blütezeit jener falschen, verlogenen Freiheit, die der theoretisierende Liberalismus verschuldete, scheint langsam aber unrettbar zu verschwinden. Heute ist man sich in allen ernsten politischen Kreisen über die grundlegenden Unterschiede einer wahren und einer demagogischen Demokratie klar, heute weiß man, daß auch unter dem anscheinend demokratischen Wahlrechte sich parlamentarische Impotenz und buerokratische Korruption wohl befinden. Viel Unfug wurde mit dem Schlagworte „Politische Freiheit“ getrieben. Zu den Ladenhütern liberaler Auffassung gehört das Lob für England, das in London ein Asyl den politisch Verfolgten eröffnet habe und auch den Anarchisten und Nihilisten im Namen der Menschlichkeit ein schützendes Obdach gebe.

Die beispiellose Korruption des französischen Parlaments, die permanenten Skandale der neuen Republik Portugal haben uns geradezu höhnisch das wahre Bild der „demokratischen Repräsentanz“ geboten und die Anarchistenschlacht in London hat nun der ganzen gesitteten Welt gezeigt, wie weit man mit der Humanitätsduselei gegenüber politischen Banditen kommt.

Es wird keinem vernünftigen Menschen einfallen, die Zustände im Zarenreiche verteidigen zu wollen. Gewiß geschehen dort ganze Berge von Verwaltungssünden und Verwaltungsverbrechen. Aber es war das gefährlichste, was das zivilisierte Europa tun konnte, als es sich, vielleicht verirrt durch das Mitleid mit dem Lose nach Sibirien Verbannter hinreißen ließ, die revolutionären Elemente zu entschuldigen.  Aus kleinlichen, tendenziösen Momenten versuchte man dank einer kurzsichtigen Presse, die Bombenwerfer und Attentäter des Zarenreiches, die Mörder des portugiesischen Königs Karol, den Anarchisten Ferrer als „Helden der Freiheit“, als „Helden opfermutigen Fortschrittes“ darzustellen. …

Die Anarchistenschlacht hat nun gezeigt in welche Gefahr ganz Europa durch die russischen Banditen gerät. Angeblich als Kämpfer der Freiheit, als verfolgte Idealisten sind die politischen Abenteurer aus dem Zarenreich nach dem Westen gewandert. Aber sie haben die Gastfreundschaft auf das schmählichste verletzt, sie haben bewiesen, daß es ihnen nicht um  Freiheit und politisches Recht zu tun ist, sondern daß sie unter dem Deckmantel nichts anderes darstellten, als gemeine Raubmörder und Banditen. … (Es folgt eine Aufzählung der Verbrechen.)

Dieser Straßenkampf hat die britische Weltstadt in eine beispiellose Aufregung versetzt. Aus allen Schichten der Bevölkerung  verlangt man nicht nur eine Verschärfung der  Einwanderungsgesetze, sondern auch die Aufhebung des derzeitigen Asylrechtes für politische Flüchtlinge. Der Minister Churchill bemüht sich, die ganzen Unterlassungssünden der scheinliberalen Regierung zu verteidigen. Er muß auch trachten, den Unmut der Bevölkerung einzudämmen, da nach den letzten Londoner Berichten für die britische Hauptstadt die Gefahr einer antijüdischen Bewegung größten Stiles besteht. In dem Whitechapel – Bezirk wohnt vorwiegend eine jüdische Bevölkerung und zum Unglück für dieselbe sind alle an dem Polizistenmord, beziehungsweise an der Schlacht beteiligten Russen Juden.  …  In Deutschland hat man jenen Flüchtlingen, die sich anständig benahmen, nichts in den Weg gelegt, aber mit Gesellen, welche glaubten, auch in Deutschland politische Machinationen treiben zu können, wird kurzer Prozess gemacht und dieselben werden rücksichtslos an die Grenze wieder abgeschoben. … *Die neue Zeitung 05.01.1911*

Bild: Menschen mit Migrationshintergrund, die  nur am Reichtum der Londoner teilhaben wollen, an ihren Brieftaschen, ihrem Schmuck, ihren Sozial – und Krankenversicherungen, ohne je dafür gearbeitet zu haben, werden höflich aber bestimmt gebeten, das Land zu verlassen. *Wiener Bilder 08.01.1911*

Dr. Schachtschneider

60 Jahre Grundgesetz und unsere Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ist tot. Mehr Leiche geht schon gar nicht mehr. Ich kannte den Dr. Schachtschneider vorher nicht aber der Vortrag ist einleuchtend. Unsere Politikeliten haben uns in eine Despotie geführt und erzählen uns, was das für ein demokratischer Erfolg ist. Ruhig ansehen.


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