Posts Tagged 'Hitzschlag'

Dramen über Dramen

Einen Hitzschlag erlitt gestern in Berlin ein Schutzmann, der vor dem Kolonialmuseum plötzlich zusammenbrach. Allerlei. Aus Schmerz über den Verlust seiner Frau stürzte sich in Halle a. S. ein Arbeiter aus Naundorf mit seinen drei Kindern angeseilt in die Saale. Der Vater und ein Mädchen ertranken. – Während eines Besuches im Hause seiner Mutter wurde in Horst der 21jährige Bergmann Hohaus  von seiner Braut nach einer erregten Auseinandersetzung durch Messerstiche ins Herz getötet. – Der 20jährige Expeditionsbeamte Werner fuhr in einem Mietskahn auf den Main hinaus und feuerte sich dort vier Kugeln in den Kopf, fiel in den Strom und ertrank. Das Motiv der Tat ist angeblicher Liebeskummer. – Bubenhände versuchten nachts in Zabrze ein Haus in die Luft zu sprengen. Das Gebäude wurde an mehreren Stellen beschädigt. Es soll sich um einen Racheakt handeln. –  In dem Orte Dromara im County Down wurde ein junger Gutsbesitzer verhaftet. Er hatte von einem 14jährigen Mädchen einen Kuß verlangt und, als dieser verweigert wurde, das Kind durch einen Revolverschuß schwer verletzt. – Ein Arbeiter fuhr mit einem Kahn, in dem sich auch sein fünfjähriges Kind befand, bei Köln an einen in voller Fahrt befindlichen Rheinschlepper heran, um dem dort bediensteten erwachsenen Sohne Kleider zu bringen. Der Nachen trieb an das erste Anhängeschiff und zerschellte. . Der Vater ertrank, das Kind konnte gerettet werden. – In der chemischen Fabrik Hönningen wurden zehn Arbeiter durch ausströmendes Gas betäubt. Einer von ihnen fand dabei den Tod. – Pastor Richelson in Newyork, der seinerzeit wegen Ermordung seiner Braut zum Tode verurteilt wurde, wurde hingerichtet.

Karlsruhe, 21. Mai. Wegen Ablebens des Herzogs Georg Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg, Prinzen von Großbritannien und Irland, legt der Großherzogliche Hof von heute an die Trauer auf 10 Tage bis zum 30. Mai einschließlich nach der 4. Stufe der Trauerverordnung an. Die Todesfahrt des Prinzen von Cumberland. Zu dem Automobilunglück, bei dem Prinz Georg Wilhelm von Cumberland sein Leben einbüßte, wird noch gemeldet: Prinz Georg Wilhelm von Cumberland passierte in Begleitung seines Chauffeurs und Kammerdieners auf der Reise von Prag nach Schwerin die Berlin – Hamburger Chaussee am 20. d. M.  Diese Chaussee ist zwischen Friesack und ihrem Eintritt in den Kreis Ruppin eine vorzüglich gerade und viel befahrene Autostraße. Im Walde des Ritterguts Rackel, etwa 10 Kilometer hinter Friesack gegen 6 Uhr abends geschah das Unglück. Der Prinz saß selbst am Steuer. Der Wagen stürzte über die Böschung des Weges hinein in eine 30 Jahre alte Kiefernschonung. Unweit waren Arbeiter beschäftigt, die zu Hilfe eilten. … *Freiburger Zeitung 22. Mai 1912*

Bild: Mangels Handy mit Fotofunktion mußte sich der Zeichner der WIENER BILDER noch selbst zusammenreimen, wie sich der Unfall abspielte. Auf die Fakten konnte da keine Rücksicht genommen werden. Heute wissen wir aber, wäre der Prinz mit dem Pferde geritten oder zu Fuß von Prag nach Schwerin gegangen, dann wäre das nicht passiert. Zivilisation hat immer auch ihre Nachteile.

Erderwärmung läßt Schweine sterben

Bundeskanzlerin Merkel: „Noch 0,08 Grad Celsius herunter mit der Temperatur, dann sind wir gerettet.Die Hitze und die Truppen. Gotha, 25. Juli (1911) Die Infanterieregimenter 97, 95 und 71, die gegenwärtig auf dem Übungsplatz Ohrdruf stationiert sind, haben seit gestern über 100 Marode. Zwei Soldaten sollen, wie das Tagebl. berichtet, gestorben sein. Die Übungen mußten abgebrochen werden. Folgen der Hitze. Mühlhausen, 25. Juli. Gestern nachmittag kamen zwei Waggons mit 50 Schweinen an, die infolge der Hitze eingegangen waren. Ebenso ist noch ein Transport mit Rindern unterwegs, die ebenso unterm Einfluß der Hitze verendet sind. Köln, 25. Juli. In den letzten drei Tagen sind am Mittelrhein von Köln bis Duisburg 80 Personen durch Hitzschlag oder Ertrinken ums Leben gekommen. Vom Ertrinken wie vom Hitzschlag wären bedauerlicherweise insbesondere muslimische Feministinnen betroffen, die weder Schwimmen konnten, noch bei dieser Hitze auf das beliebte Feministinnengewand, die Burka, verzichten wollten. Das sei, so ein Sprecher des Zentralrats der Muslime, aber den Preis der Emanzipation wert. *Freiburger Zeitung 25.07.1911*

Die Hitzewelle Amerikas scheint nun auf den europäischen Kontinent übergegriffen zu haben. Die seit Tagen hier herrschende tropische Hitze hat schon mancherlei unangenehme Konsequenzen sowohl für Stadt als auch Landbewohner gezeitigt. Besonders in den Sudeten macht sich bereits Dürre bemerkbar. Der Wasserstand der Elbe verschlechtert sich von Tag zu Tag, so daß bis auf weiteres bereits die Einstellung der Schiffahrt erfolgt ist. An vielen Stellen des Elbebettes treten die sogenannten „Hungersteine“, charakteristische historische Merkmale an den Ufern des Flusses, wieder ans Tageslicht. Diese Hungersteine sind schon seit mehreren Jahren nicht mehr sichtbar gewesen. Das starke Heraustreten der Steine bekundet die rapide Abnahmes des Wassers, das bisher diese Zeugen einer Jahrhunderte alten Vergangenheit immer gut bedeckt hat. Das vorletzte Mal sind diese Steine im Juli des Jahres 1904 vom Wasser entblößt gewesen. Dieses Datum wurde auf einem der Steine eingemeißelt. Auf dem Stein unterhalb der Tetschener Kettenbrücke sind die Jahreszahlen 1115, 1616, 1636, 1707, 1716, 1790, 1800, 1811, 1842, 1862, 1868, 1983, und 1904 zu lesen. Die Bedeutung der Jahreszahlen geht jedenfalls konform mit der Bedeutung der Bezeichnung dieser Steine. Die Bevölkerung hat jedenfalls schon vor vier und noch mehr Jahrhunderten den Stillstand der schon 1057 n Chr. betriebenen Elbeschiffahrt als eine schwere wirtschaftliche Schädigung empfunden und die Steine, die in solchen Zeiten als drohende Zeugen dieser Krisis ans Tageslicht traten, „Hungersteine“ getauft. *Österreichs Illustrierte Zeitung 30.07.1911*

Der Sommer 1911

Prag, 26. Juli. Die an das gestrige Gewitter geknüpften Hoffnungen, daß nunmehr kühleres Wetter vorherrschen wird, haben sich nicht erfüllt und heute stieg die Temperatur hier zu einer Höhe hinan, wie sie schon seit vielen Jahren nicht mehr beobachtet wurde. Sonnenseitig wurden mittags 54 Grad Celsius abgelesen. Infolge der drückenden Schwüle wurden zahlreiche Personen von Unwohlsein befallen. Der Aufenthalt in den Straßen war in den Mittagsstunden geradezu unmöglich. …

Berlin, 23. Juli. Berlin hat heute den heißesten Tag seit 6 Jahren (!) gehabt. Im Schatten wurde eine Temperatur von 36 Grad gemessen. Ein Kutscher wurde vom Hitzschlag getroffen. Er fiel vornüber aus dem Wagen, wurde überfahren und getötet. In Wannsee erlitt eine Dame im Bad einen Hitzschlag und starb bald darauf.

Berlin, 25. Juli. Hier sind zahlreiche Hitzschläge konstatiert worden. In Leipzig sind 40 Grad Celsius konstatiert worden. Vier Personen sind infolge Hitzschlages krank geworden.

Köln, 23. Juli. Seit 8 Tagen herrscht hier furchtbare Hitze, die vielfach bösartige Krankheiten hervorgerufen hat und zahlreiche Todesopfer insbesonders unter den Kindern forderte. Gestern wurden zehn Personen vom Hitzschlag getroffen.

Stettin, 23. Juli. Gestern wurden 40 Grad Celsius abgelesen. Vom Kaisergrenadierregiment Nr. 2, das in der Nähe der Stadt eine Übung veranstaltete, wurden infolge Hitze 96 Mann marschunfähig.

Hamburg, 23. Juli. Die Hitze war gestern und heute unerträglich. 30 Personen wurden vom Hitzschlag getroffen.

318 Schweine verendet. Von einem Schweinetransport aus Norddeutschland wurden bei der Ankunft am Kölner Schlachthofe 318 Stück infolge der Hitze verendet vorgefunden.

Zahlreiche Hitzschläge in Sachsen. Wie das „Gothaer Tagblatt“ meldet, sind von den Mannschaften der Infanterieregimenter Nr. 71, 94 und 95, die sich gegenwärtig auf einem Übungsmarsche nach Ohrdruff befinden, 100 Mann infolge der großen Hitze dienstunfähig geworden. Zwei der erkrankten Soldaten sind an Hitzschlag bereits gestorben. Die Übungen mußten abgebrochen werden. Aus der ganzen Provinz Sachsen laufen Nachrichten ein, wonach zahlreiche Personen Hitzschläge erlitten haben. In den letzten beiden Tagen sind in der Provinz Sachsen 20 Personen an Hitzschlag gestorben. …

Große Hitze in London. London 22. Juli. Mit 42 Grad Celsius erreichte heute die Hitze ihren Höhepunkt. Seit September 1906 wurde in London eine derartige Hitze nicht erlebt. In vielen Teilen des Landes hat der Torfboden Feuer gefangen. Die Flammen bedrohen viele historische Landsitze und Dörfer. Unzählige Fälle von Hitzschlag haben sich ereignet.  Quelle.

Es betrifft auch die Schweine


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