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Klatsch und Tratsch

Victoria Luise von PreußenDie Versöhnung der Häuser Hohenzollern und Cumberland. Prinzessin Victoria Luise von Preußen, die jüngste Tochter des deutschen Kaisers, hat sich mit dem Prinzen Ernst August von Cumberland, dem Sohne des Herzogs Ernst August und dessen Gemahlin, Herzogin Thyra, verlobt. Damit findet der alte Zwist, der seit der Einverleibung Hannovers in Preußen im Jahre 1866 zwischen den Häusern Cumberland und Hohenzollern geherrscht hatte, sein Ende.

Seit langem schon wurden von verschiedenen Seiten Versöhnungsversuche gemacht, aber sie scheiterten immer wieder an der Unbeugsamkeit des Herzogs von Cumberland, der auf den Hannoverschen Königsthron nicht verzichten wollte und daher den ihm zustehenden Thron des Herzogtums Braunschweig infolge eines Bundesratsbeschlusses nicht einnehmen konnte. Nun hat die alles versöhnende Zeit die Wunden geschlossen, die Regentschaft im Herzogtum hat ein Ende und den Thron wird Ernst August besteigen, an dessen Seite die Tochter des deutschen Kaisers als Herzogin walten wird.

Prinz Ernst August von Cumberland ist nach dem Tode seines Bruders Georg Wilhelm, der bekanntlich bei einer Automobilfahrt verunglückte, der einzige Sohn des Herzogpaares. Er ist im Jahre 1887 in Wien-Penzing geboren und steht derzeit im 1. Schweren Reiterregiment Prinz Karl von Bayern in München. Seine Braut Prinzessin Victoria Luise von Preußen ist, wie bereits bemerkt, das jüngste Kind des deutschen Kaiserpaares. Sie ist im Jahre 1892 im Marmorpalais bei Potsdam geboren. *Österreichs Illustrierte Zeitung 16. Februar 1913*

Enver Bey

Staatsstreich in der Türkei. Vom Balkan. Konstantinopel, 23. Jan. Heute nachmittag um 1/2 4 Uhr brach Enver Bey mit 300 Mann in die Pforte ein und verlangte den Rücktritt des Kabinetts. Das Reuterbüro meldet dazu: Das Kabinett ist zurückgetreten, Mahmud Schevek ist Großwesir, Taalat übernimmt das Innere. Talaat erklärte, sie wollten die nationale Ehre retten oder untergehen. Adrianopel wolle man unbedingt behalten. …

Wie der „Frankf. Ztg. “ aus Konstantinopel telegraphiert wird, ist der bisherige Kriegsminister Nasim Pascha getötet worden. … Gegen 1/2 4 versammelten sich etwa 1500 Personen auf dem Platze vor der Moschee des Sultans Bajazid. Mit roten Fähnchen bewegte sich der Zug bald lawinenhaft anwachsend zur Hohen Pforte. Hier riefen die Kundgeber „Wir wollen keinen schädlichen Frieden!“ Bald sah man auch den Freiheitshelden Oberst Enver Bey ankommen. Die Menge machte ihm Platz und Enver Bey begab sich unbehindert direkt ins Kabinett des Großwesirs Kiamil Pascha. Enver setzte diesem den furchtbaren Ernst der Lage und die Überreizung des Volkes, dem der Friedensschluß unter solchen Bedingungen unverständlich sei, in kurzen Worten auseinander. Kiamil antwortete sofort, daß er bereit sei, zur Verhütung schwerer Erschütterungen des Landes abzudanken, und unterzeichnete sofort seinen Rücktritt. Er bat Enver, diesen dem Sultan zu unterbreiten. … Eine Kundgebung der Partei für Einheit und Fortschritt klagt das Kabinett und Chase Mukhtar wegen des Friedensschlusses von Lausanne des Hochverrats an. …

*Coburger Zeitung 25.01.1913*

Berlin, 24. Jan. In den späten Abendstunden setzte gestern starker Schneefall ein; er dauerte bis lange nach Mitternacht. – Auf den Höhen des Schwarzwaldes und den Vogesen tobten gestern den ganzen Tag über heftige Schneestürme. – aus Magdeburg wird gemeldet, daß nach dem Aufhören des Treibeises die Elbschiffahrt teilweise wieder aufgenommen wurde – In Belgien regnet es seit drei Monaten, wenige Tage ausgenommen, unaufhörlich. Die Flüsse sind dermaßen gestiegen, daß eine Hochwasserkatastrohe befürchtet wird.

Klatsch und Tratsch

Der russische Adel gegen die Juden. Der in Petersburg tagende Kongress der Vertreter des russischen Adels hat eine Resolution angenommen, worin der bedingungslose Ausschluß der Juden, selbst wenn sie die Konfession gewechselt haben, von allen Staatsämtern, von der gesetzgeberischen Tätigkeit sowie vom Militärdienst gefordert wird. Der Antrag, die Juden als Ausländer anzusehen, wurde abgelehnt. Die Judenausweisungen im Gouvernement Tschernigow. Die Massenausweisungen von Juden in Tschernigow nimmt immer größere Dimensionen an. Es wurden neuerdings insgesamt 2000 Personen, meist jüdische Getreidehändler, ausgewiesen. Das dortige Börsenkommitee petitionierte bei Stolypin um Auflösung der Ausweisungsbefehle. Hierfür müssten wir nun nicht in alle Ewigkeit Scham verspüren, wie der Bundespräsident der Deutschen Türken  meint, weil das aber ein Klacks ist, zu unserer sonstigen Schuld, nehmen wir es mit dazu. Auf zwei, drei Jahre Ewigkeit mehr, kommt es auch nicht mehr an.

Die eingefrorenen Instrumente einer Militärkapelle. Petersburg 25. Februar. Bei dem gestrigen Leichenbegängnis des Gardekavalleriegenerals Fürsten Wolkonsky ereignete sich ein eigentümlicher Zwischenfall. Als die den Leichenkondukt begleitende Militärmusikkapelle den üblichen Trauermarsch anstimmen sollte, brachte sie zur allgemeinen Verwunderung keinen einzigen Ton heraus, da die Musikinstrumente infolge des heftigen Frostes vollständig eingefroren waren. Die Musikanten bliesen mit aller Gewalt in ihre Instrumente hinein – aber alle Bemühungen blieben vergeblich und die eingefrorenen Instrumente gaben keinen Ton von sich. Der hohe Militär mußte also gegen alle Tradition ohne Musik auf den Friedhof geleitet werden. Als im Mannschaftsquartier die Instrumente allmählich auftauten, sollen sie aber alle Töne wiedergegeben haben, die die Musiklanten dort vorher auf dem Wege zum Friedhof und auf demselben hineingebliesen hatte. BILD war dabei.

Furchtbare Schneefälle in Rußland. St. Petersburg, 28. Februar. Aus allen Landesteilen treffen Nachrichten über noch niemals beobachtete Schneefälle ein. In vielen Gegenden Rußlands liegt der Schnee mehrere Meter hoch und ganze Dörfer und Städte wurden von den unglaublichen Schneemassen begraben. In Ssuchum schneit es ununterbrochen seit acht Tagen und liegt der Schnee bis auf die Dächer der Häuser von der Erde an. Nur mit Mühe konnten sich die Bewohner Ausgänge verschaffen. Viele Einwohner sind in ihren Häusern erstickt oder wurden durch die von den Schneelasten einstürzenden Häuser erschlagen. Die ganze Krimküste gleicht einem furchtbaren Schneefeld. Von vielen Orten ragen nur die Turmspitzen der Kirchen aus dem Schnee hervor. Vom Verkehr ist überhaupt keine Rede. Im Gouvernement Kutais schneit es seit drei Wochen und erreicht die Höhe des Schnees bereits zwölf Meter! Die Not unter den Bauern ist eine furchtbare. Fast sämtliches Vieh ist auf den Winterweiden im Schnee erfroren. Insider munkeln, der Schnee sei auf eine Verschwörung der Schneeräumgeräte – und Streusalzindustrie zurückzuführen, mehrere Schneeschieberverkäufer wurden vom Volkszorn im Schnee erstickt. Das ramponierte Schellnhuberinstitut, bekannt für seine Orakel, erklärte, dieser starke Schneefall wäre ein untrügliches Zeichen für die Erderwärmung, erst fiele der Schnee, um dann wieder zu tauen. Letzteres dürfte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, außerdem benötigten er, Herr Professor Schellnhuber und seine Mitarbeiter, dringend einen neuen Wellnessbereich. Für die Folgen ausbleibender Forschungsgelder würde er keine Garantie übernehmen.

WARNHINWEIS: Für Kinder unter 18 nicht geeignet! Und für Leute, die gerade essen. Gräßliches Verbrechen an einer Leiche. Dem „Piccolo“ wird aus Mailand folgender grauenhafter Vorfall berichtet: In Arosio war die 22jährige bildschöne Genoveva Galli, welche mit einem Holzbildhauer verlobt war, an Lungenentzündung gestorben und auf dem Ortsfriedhofe begraben worden. Tags darauf bemerkten die Kinder des Totengräbers die Türe der Leichenhalle offen. Sie riefen den Kirchendiener herbei, der in die Leichenhalle eintrat, wo sich ihm ein schauerlicher Anblick darbot. In einer Ecke lag der vollkommen entblößte Leichnam des ermordeten Mädchens in gräßlichem Zustande. Die Untersuchung ergab, daß der Leichnam zuerst mißbraucht und dann in geradezu furchtbarer Weise durch unzählige Messerstiche verstümmelt worden war. Die Eingeweide lagen rings um die Leiche auf den Boden zerstreut. Im ersten Augenblicke lenkte sich der Verdacht, die schreckliche Tat einem Anfalle von Nekrophilie begangen zu haben, gegen den Verlobten der Verstorbenen, den Bildhauer Eigidio Consonni, von dem man wußte, daß er das Mädchen überaus gern gehabt hatte, doch stellte sich bald sie völlige Unschuld desselben heraus. Auf dem Felde fand man die Stücke einer blutbefleckten Hose und an einem Stocke ein der Toten gehöriges Skapulier, doch schwebt über dem Täter noch völliges Dunkel. *Volksblatt für Stadt und Land, 05.03.1911*

Grässlich!

 


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