Posts Tagged 'Milchfrau'

Lebensmittel- und andere Skandale

Jena, 10. Juni. Zu einem ergötzlichen Auftritt kam es in der Wiesenstraße. Ein Schutzmann ließ die unverkennbare Absicht durchblicken, den Inhalt einer Kanne einer Milchfrau etwas näher zu untersuchen, worüber diese aber fuchsteufelswild wurde.

Hier muß der Blogwart für die im bundesdeutschen Bildungssystem Aufgewachsenen erklären, daß Schutzmänner die damaligen Polizisten waren, die sich in Ermangelung von Streifenwagen und zugewanderten Fachkräften, aus Afrika oder dem großartigen Islam,  zu Fuß und im Bewußtsein ihrer Autorität auf den Straßen und Plätzen der Dörfer und Städte völlig frei bewegten und Recht und Gesetz vertraten. Man kann sich das heute kaum vorstellen. Nicht wahr? Daß Polizisten zu Fuß unterwegs sind und das auch noch einzeln. Auch, daß die Milch, unpasteurisiert, einfach so auf der Straße verkauft wurde.

Als der Hüter des Gesetzes seine Prüfung dennoch fortsetzen wollte, ergriff die geärgerte Milchhändlerin plötzlich ihre heldenmütig verteidigte Kanne und – goß den gesamten Inhalt in die nächsterreichbare Straßengossen. Der Beamte war zunächst baff, machte dann aber einen energischen Vorstoß auf die zweite Milchkanne. Das bekam ihm aber schlecht; die erboste Milchdame packte das wohlgefüllte Blechgefäß, ein kühner Schwung – und im nächsten Moment ergoß sich ein weißer Strahl über den hartnäckigen Angreifer. Schallendes Gelächter der Zuschauer! Die tapfere Offensive der robusten Milchhändlerin wird ihr sicher manche Unannehmlichkeiten einbringen, auch wird sie trotz ihres Sträubens den offenbaren Verdacht des Schutzmannes entkräften müssen: daß die Milchkannen zu nahe an der Wasserleitung gestanden. Die Milch also gepanscht war.

Bonn a. Rh., 11. Juni. Ein 26jähriger Lehrer hat sich im Juni v. J. am k. Gymnasium in Münster für einen 29jährigen Schüler ausgegeben und legte für für diesen die Reifeprüfung ab, die vorzüglich ausfiel. Der Schüler verriet aber später aus Angst den Betrug. Die Strafkammer verurteilte gestern Schüler und Lehrer wegen gemeinschaftlicher Urkundenfälschung zu je drei Monaten Gefängnis.

Kein SkandalFriedrichshafen, 10. Juni. Luftschiffe mit Poststationen. Nach Mitteilungen der Luftschiffwerft Friedrichshafen werden sämtliche Delagschiffe jetzt mit Poststationen versehen werden. Der jeweilige Verwalter einer Delagstation wird zum Postverwalter ernannt. Der Stempel erhält die Aufschrift „Luftpost“ und den Namen des betreffenden Luftschiffes und Datum. Die verschiedenen Luftschiffpostämter werden der Oberpostdirektion Frankfurt a. M. unterstellt. Außerdem werden nunmehr sämtliche Zeppelinluftschiffe mit drahtloser Telegrafie ausgerüstet.

Vermischtes. Die kluge Witwe. Im Anschluß an die Tatsache, daß Frau Astor, die, wie bekannt, auf Grund des Testaments ihres bei der „Titanic“ – Katastrophe umgekommenen Gatten nur dann in den Genuß der gesamten Erbschaft gelangt, wenn sie sich nicht mehr verehelicht, erzählt die „Pall Mall Gazette“ von einem ähnlichen Falle, der aber eine andere, als die vom Erblasser beabsichtigte Wendung nahm. Ein Londoner Börsenagent, der in etwas vorgerücktem Alter eine junge Miß von 18 Jahren geheiratet hatte, hinterließ  seiner Witwe ein Vermögen von 75 Millionen Francs, unter der Bedingung, daß sie sich nicht wieder verheiraten würde. Andernfalls sollte das Geld dem Neffen des Verstorbenen zufallen. Was tat die Witwe? Sie heiratete den Neffen. *Coburger Zeitung 12.06.1912*

Bild: Nicht die lustige Witwe. Sondern Victoria Luise von Preußen, die 1912 20 Jahre alt sein wird. Hier zum 18. Geburtstag.


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