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Minderheitenschutz

Im April 1919 zeigt eine Illustration einer Wiener Zeitung die Bevölkerungsverhältnisse in den Sudetengebieten. Präsident Wilson hatte erklärt, Gebiete, die von nationalen Mehrheiten bewohnt würden, sollten diesen zugesprochen werden. Das galt nicht für Deutsche. Wenn der große Volksschauspieler Hitler sich der deutschen Minderheiten in fremden Staaten annahm, dann konnte er sich auf den amerikanischen Präsidenten Wilson berufen und zwar auf den Punkt 13. Text: Das Selbstbestimmungsrecht für das deutsche Sudetenland. 624 000 Deutsche des Sudetenlandes sollen unter Berufung auf die historischen Grenzen dem tschecho – slowakischen Staat einverleibt werden! Seit 700 Jahren bewohnen die Deutschen das Sudetenland, das sie als erste gerodet, bebaut und in blühende Gaue verwandelt haben. Die Volkszählung vom Jahre 1910 ergab folgendes Verhältnis: Deutsche …. 642810 …. 94,8 Prozent. Tschechen … 25098 …. 3,7 Prozent. Das Sudetenland ist also kerndeutsch und muß beim deutschen Mutterlande bleiben. Die Ansprüche der Tschecho – Slowaken auf das deutsche Sudetenland: Die Siedlungsverhältnisse in Westschlesien und Nordmähren. Schraffiert: Deutsche – Weiß: Tschecho – Slowaken.

Volk von Heloten

Der Schutz der Minderheiten also, weswegen, wegen „Nie wieder Auschwitz“ und so, in der Neuzeit in den Krieg gezogen wird, lag nach dem Ersten Weltkrieg ein wenig im Argen. Nicht nur in Polen. Es war aber o.k., wenn es die Deutschen betroffen hat, wie wir wissen, haben die ja ab 1933 ganz scheußliche Dinge veranstaltet und das Drangsalieren zuvor war die gerechte Bestrafung für die kommenden Nazi – Verbrechen. Das muß man sich immer wieder sagen, sonst klingen solche Reden irgendwie relativierend und das wollen wir ja nicht, daß irgendwas relativiert wird.

Eine Protestrede Krepeks. Bei der Eröffnung der Grünen Woche in Leitmeritz am 10. ds. zu der auch Divisionär General Rada mit zahlreichen Offizieren, sowie der Leiter der politischen Bezirksverwaltung Min.- Rat Cefanv´erschienen waren, kam es zu einem Zwischenfall. Als Abgeordneter Krepek in seiner Rede davon sprach, daß „Frankreich das Henkeramt in Deutschland“ versehe, verließ General Rada mit seinen Begleitoffizieren und der Leiter  der politischen Bezirksverwaltung Min.-Rat Cefany den Festpavillon, Als Krepek seine Rede beendet hatte, wurde er von schwerem Unwohlsein befallen, so daß er sofort den Festplatz verlassen mußte. Er begibt sich zur Heilung seines Herzleidens nach der Slowakei.

Krepek führte aus: Wir sind auf dem Wege des Rechts und der Verständigung nicht vorwärts gekommen, die Verhältnisse sind seit einem Jahr schlechter geworden! Die Mehrheit des tschechischen Volkes in diesem Staat ist nicht so überwältigend, daß man einem Dreimillionen – Volk auf die Dauer seine nationalen und politischen Rechte vorenthalten könnte. Das deutsche Landvolk spricht es heute vor aller Welt aus,  daß es seine Pflicht und Arbeit tun wird, daß es aber auch auf Grund seines Besitzes, seiner Leistung, seiner Kraft entschlossen ist, seine Pflicht auf nationalem Gebiet zu erfüllen bis zur letzten Konsequenz, bis zum letzten Blutstropfen.

Die chauvinistischen Kreise in Prag dominieren und ihre Ansicht: Das ist unser Staat; Wir antworten: Ist es Euer Staat, dann laßt uns ziehen! Seid Ihr aber angewiesen auf unsere Kraft und Arbeit, wie es die historischen Tatsachen beweisen, dann gebt unserem Volke die nationalen, politischen und kulturellen Rechte, ohne die ein großes Volk im zwanzigsten Jahrhundert nur noch als Helote  leben kann. Das deutsche Volk in Böhmen hat auch nicht den Willen, in diesen Verhältnissen weiterzuleben und es wird sich zur Wehre setzen. Wir sehen die Verhältnisse, die der Weltkrieg geschaffen, namentlich jene in Deutschland, unter denen wir so furchtbar leiden. Es ist das Henkeramt Frankreichs, welches dort ausgeübt wird. Die deutsche Regierung müßte zu dem Entschluß kommen, in dieser furchtbaren Lage nichts anderes zu tun, als über die große Geschäftsfirma von 50 Millionen Menschen den Konkurs anzumelden.

Wir Deutschen müssen sehr wachsam sein, denn auch hier will der Rausch der Kriegspsychose nicht aus den Köpfen. Das nationale Unrecht fängt im Parlamente an und geht bis zur Hetze an den Sprachgrenzen. Zur nationalen Bedrückung kommt jetzt auch die wirtschaftliche. Eine Abgabe steht bevor, die das deutsche Volk nicht mehr leisten kann, die Vermögensabgabe. Dieser unüberlegte Schritt kann den Staat erschüttern. Von Schlesien, von Nordmähren und Südmähren bis herüber nach Böhmen erhebt sich nur ein Ruf, und das ist der des Widerstandes gegen diese Vergewaltigung, die für uns nichts anderes bedeutet, als eine Verschuldung des Bauernstandes. Die Verschuldung, aus der er sich endlich nach dem Kriege emporgerungen hat. Wir werden auf diese Forderung nicht eingehen, hier muß ein einmütiger Widerstand einsetzen. Unser Volk hat nur ein Mittel in diesem Staat, wo alles versagt, was Gerechtigkeit bedeutet: Das ist der Kampf. …. .PRAGER TAGBLATT 12.09.1922.

Bild: Sanktionen: Wir müssen es ihm noch schwerer machen, der Kerl ist sonst imstande und erfüllt unsere Bedingungen.

Jetzt muß man noch einmal daran erinnern, diese Leute, diese Deutschen, sind ja nicht in die Tschechoslowakei eingewandert, um es sich im Sozialsystem gemütlich zu machen, die es ja auch nicht gab,  sondern sie waren schon hunderte Jahre zuvor dort gewesen und hatten das Land entscheidend mitgeprägt. Im positiven Sinne. Aber plötzlich war es mit der Gleichbehandlung aus, die unter der K. und K. -Monarchie herrschte, weil die Sieger des Ersten Weltkrieges die Verlierer verhackstückten und willkürlich neue Staaten schufen, in denen die neuen Regierungen das Motto „Wir zuerst“ lebten, wie das eben in Musterdemokratien so üblich ist. Und diese Art der Behandlung setzte sich in den folgenden Jahren fort. Die Geschichtsbücher fangen meist mit Konrad Henlein an, wenn es um die Konflikte zwischen Tschechen und Sudeten geht, aber die begannen schon sehr viel früher.


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