Posts Tagged 'Mißbrauch'

Orientierungshelfer

Wir brauchen Orientierung im immer dichteren Gestrüpp von Meldungen, Mutmaßungen und Meinungen. Wir brauchen Journalisten, die Verantwortungsbewusstsein zeigen, denen wir vertrauen können, die verlässlich und glaubwürdig sind. Wir brauchen Kontroversen, Konflikte, Kritik. Aber keine Verletzungen, Verspottung, Verachtung. Wir brauchen Medien, die zuspitzen. Aber nicht, um damit jemanden zu erstechen. Prüfen, abwägen, auch mal etwas weglassen, weil sich die gute Story am Ende doch als lahme Ente erwiesen hat (…) nur so wird bezahlter Journalismus eine Zukunft haben.“ Bundespräsident Christian Wulff

Oesterreich. Aufklärung, Krieg gegen Vorurtheile, Freiheit zu denken und zu reden, Projekte zum allgemeinen und Privatbesten sind herrliche Dinge: aber Mißbrauch dieser Dinge verdient –  wie jeder Mißbrauch, Zügel, Ahndung Strafe. Dazu gehören auch solche Broschüren, und Schriften, in denen man sich erlaubt, das Betragen und die Handlung der Regierung zu beurtheilen. Um dies Uebel, das sich hier und da eingeschlichen, in seinem Keim zu ersticken, kam von Sr. Majestät vom 18. August 1784 die Erklärung, als ein Zusatz zum Edikt vom 12. Februar 1739, in Ansehung der satyrischen, verleumderischen und aufwieglerischen Schriften und Pasquille. Sie erhält im Wesentlichen:

Des Kaisers Majestät hätten erfahren, daß man im Publikum Broschüren über den Vorschlag  einer Auflage von 40 vom 100 auf allen Erdertrag verbreitet, und unter Vorspiegelung, als wäre solches bereits beschlossen, Unruhe im Land zu erwegen suche, da doch an ein solches Vorhaben für diese Provinzen niemals gedacht worden : daß man auf der anderen Seite entdeckt habe, daß Pasqille, und andere ähnliche die Einbildung der Unterthanen erhitzende Broschüren immer häufiger in Vorschein kämen; – daher erneuern Se. Majestät das Edikt  vom 12. Februar, 1739, und befehlen allen Staat – bedienten aufs nachdrücklichste, die Verfasser, Drucker, und Verbreiter solcher Schriften auszuforschen, und solche zur verordneten Strafe zu ziehen. Nachläßige Ausforschung soll gleichfalls geahndet werden. Die Schuldigen sollen außer der Verbannung und Einziehung eines Theils ihres Vermögens, 1000 Thaler Strafe bezahlen, oder wenn sie solche nicht bezahlen können, mit fünfjähriger Gefängniß, oder Zuchthausstrafe belegt werden. Jeder Angeber solcher hingegen soll 1000 Fl. bekommen und die Mitschuldigen, wenn sie solches angeben, außer diesen 1000 Fl. auch straffrey bleiben. FREIBURGERZEITUNG, 25. SEPTEMBER 1784.

Mißbrauch der Mißbraucher

Im Wettbewerb der Mißbrauchsopfer von irgendwas sind nun auch die ostdeutschen Mißbrauchten mit überwältigender Teilnehmerzahl vom Start gespurtet, ein Massenlauf um die zu erwartenden Entschädigungen, und die Begeisterten, die nach Eröffnung des Rennens um die phantasievollsten Geschichten immer noch eintrudeln, um einen Happen zu schnappen, sei es an Aufmerksamkeit, der Gelegenheit, greinend in eine Kamera zu schluchzen, oder am Ende den erwarteten Mammon einzuheimsen, hinterlassen beim staunenden Beobachter den Eindruck höchster Konzentration und unbedingten Siegeswillens.

Aber, so steht die Frage im Raum, werden sie den Vorsprung ihrer westdeutschen Kollegen noch wettmachen können, die mit mehr als einer Nasenlänge Vorsprung gestartet sind?  Wird sich auch hier wieder das Wort Michael Gorbatschows bewahrheiten, wer zu spät kommt, den bestraft der leere Geldbeutel?

Fast zwanzig Jahre ist es nun schon her, daß das letzte Rennen um den großen Denunziantenpreis im Osten Deutschlands stattfand, wo seinerzeit der Nachbar des Nachbarn Verkommenheit in den sogenannten Stasiakten aufzuspüren suchte und die Gründe, für sein verpfuschtes Leben.  Worauf er dann Zettel in die umliegenden Postkästen verteilte, über die Stasispitzelei. Fast zwanzig Jahre ist es her, daß sozialistische Lehrerpersönlichkeiten, die bis dahin brav die Lehren von Marx, Engels und Lenin in die feurigen Herzen ihrer Schutzbefohlen pflanzten, mutig ihre Direktoren stürzten, um nun endlich Wahrhaftigkeit und das Licht der Erkenntnis zu verbreiten, in ihren Schulklassen. Fast zwanzig Jahre ist es her, daß zuvor geachtete Menschen plötzlich zu Parias abgestempelt wurden, von denen, die vorgaben, sie zu schätzen und zu verehren, und kaum hätte der Blogbetreiber es sich träumen lassen, einen solchen Aufbruch zu erleben, jetzt kommt die Wahrheit ans Licht, aus den engen Gassen und Häuserschluchten, es ist, als wäre der Faust durchs Land gegangen. Oder zumindestens Barack Obama, der schwarze Lichtbringer.

Doch kann das schon alles sein, diese entsetzlichen Vorwürfe von ehemals Jugendlichen, die in der DDR keinen verständnisvollen Klaps auf den Hintern bekamen und die Aufmunterung, „geh Spielen Kleiner und treib es nicht wieder so toll“, wie das heute im menschlicheren Rechtssystem üblich ist, wo der Richter dem Beklagten sofort das noch blutige  Messer wieder aushändigt, weil dessen Fehlen sonst seine kindliche Seele tief verletzen könnte?

Ich sage nein. Waren wir doch alle Opfer, die in diesem unmenschlichen System aufgewachsen sind, das uns zwang, morgens aufzustehen, um zur Schule zu eilen oder an unseren Kampfplatz für den Frieden. Das uns mit politisch korrektem Fernsehen langweilte und noch langweiligeren Zeitungen und das uns nötigte, ein Leben innerhalb der gesellschaftlichen Normen  zu leben, weil es sich eben nicht schickte, Diebstähle zu begehen, zu rauben, Brand zu stiften, zu schlagen, zu vergewaltigen, weil das dem Staate vorbehalten war, oder nicht den Sozialismus aufzubauen, weil es für die Verweigerung daran keinen Monatslohn gab. Wo, so frage ich, bleibt der Runde Tisch für die vom Sozialismus und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, die sich jetzt DIE LINKE nennt, und den nächsten Mißbraucherstaat anstrebt, Mißbrauchten? Haben wir nicht alle eine Entschädigung verdient? Und wenn ja, wer sammelt die Beiträge dafür bei uns ein?

Kinderarbeit in der DDR


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