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Deutschland soll Europa und die Welt wiederaufrichten

Artikel aus der *Freiburger Zeitung vom 2. Juli 1932*. Lausanne, 1. Juli. Die fünf Hauptgläubigermächte haben in einer langen Sitzung auf englische Anregung (!) der deutschen Delegation einen neuen und, wie es heißt, endgültigen Vorschlag für die Regelung der Reparationen – und Finanzfragen vorgelegt. In diesem Vorschlag wird nicht mehr von Reparationen und auch nicht mehr von dem Gemeinschaftfonds gesprochen, sondern Deutschland aufgefordert, sich darüber zu äußern, ob es bereit sei, eine Summe, die noch nicht näher festgelegt ist, die sich aber auf fünf Milliarden Goldmark belaufen wird, zur

wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Europas und der Welt (!)

zu zahlen. Durch diese Formulierung soll ausgesprochen werden, daß diese Summe sowohl für die wirtschaftliche Wiederaufrichtung Europas als auch zur Zahlung eines etwa verbleibenden Schuldenrestes an die Amerikaner dienen soll. Dieser Vorschlag ist ein Rahmenvorschlag, der noch näher ausgearbeitet werden muß. Mit dem Verzicht auf die ausdrückliche Erwähnung der Reparationen und der Bezeichnung „Beitrag Deutschlands zur wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Europas und der Welt“, wobei die von Frankreich verlangte Schlußklausel gegen die amerikanische Schuldenforderungen nicht mehr ausdrüpcklich erwähnt wird, nähert er sich früheren Vorschlagen, die bereits die Streichung der Reparationen von der Zahlung einer Summe von fünf Milliarden Goldmark abhängig machten.

Die Summe von fünf Milliarden

die im Einzelnen noch nicht feststeht, sondern erst zwischen den Gläubigern ausgehandelt werden muß, soll in Form einer Obligationsanleihe aufgebracht werden. Die Obligationen sollen auf die Deutsche Reichsbahn und deutsche Industrieunternehmungen lauten und von Deutschland bei der BIZ. in Basel hinterlegt werden. Der Zinsendienst für diese Obligationen und ihre Amortisierung sollen nach einem mehrjährigen Moratorium (man spricht von fünf Jahren) und zwar nach Feststellung der deutschen Zahlungsfähigkeit durch einen Ausschuß, in dem auch Deutschland vertreten ist, aufgenommen werden. Die Laufzeit der Obligationen wird sich, je nach dem Ausgabetermin, auf etwa zwanzig Jahre bemessen. Ein Teil der Obligationen, etzwa vier Fünftel, soll je nach der Höhe der amerikanischen Schulden – Restforderung auf die Vereinigten Staaten übertragen und der verbleibende Betrag von etwa einem Fünftel auf die Gläubiger  je nach ihren Ansprüchen und Kapitalbedürfnissen verteilt werden. Dabei soll Rücksicht auf die besonders notleidenden Gläubigerländer genommen werden.

Bild: *Wiener Bilder 17. Juli 1932* „Am 9. Juli wurde im Hotel Beaurivage in Lausanne der denkwürdige Vertrag unterzeichnet, demzufolge die Reparationssumme,  die Deutschland noch zu zahlen hat, mit drei Milliarden Mark begrenzt wird. Die Verhandlungen, die nach wechselvollem Verlauf dank der staatsmännischen Geschicklichkeit Macdonalds (England), Herriots (Frankreichs) und von Papens (Deutschlands) zu einem befriedigenden Abschluß führten, endeten mit der feierlichen Unterzeichnung des Paktes durch die Delegierten der auf der Konferenz vertretenen Staaten. Unser Bild: Herr von Papen, der deutsche Reichskanzler unterschreibt mit der historischen goldenen Feder.

Der Blogwart meint, zur Ehre des Herrn von Papen sei angemerkt, Deutschland war Schuldner, nicht wie heute Gläubiger. Und die Schuldensumme war begrenzt. Heute ist Deutschland Gläubiger und hat sich bereit erklärt, für alle Schulden seiner Schuldner in Zukunft aufzukommen, so lange die Europäische Gemeinschaft existiert. Und solche vollkommen Bekloppten und Verbrecher repräsentieren das Deutsche Volk. Darauf die nächste Diätenerhöhung. Wohl bekommts.

Wer freut sich auf den Winter

alle Kinder, alle Kinder. Und auch die größen Leut´ die freuen sich wenn es schneit. Ja, früher. Früher mußten noch ausländische Regierungen die Leute zum Frieren bringen. Das waren schlimme Zeiten. Heute schafft das die Bundesregierung ganz alleine und wir können stolz auf ihre Leistungen sein, wenn sie die Energie aus Klimaschutzgründen so verteuert, daß sich Heizen nur noch für HARTZ IV – Empfänger lohnt.

Eine unmögliche Leistung. Berlin. 25.Okt. Den Blättern zufolge ist vor einigen Tagen bei der Reichsregierung eine Note eingegangen, in der die Reparationskommission eine Steigerung der deutschen Kohlenlieferungen verlangt. Die deutsche Regierung hat mit den Sachverständigen eingehend die Note beraten und will, wie die Germania schreibt, versuchen, mit den Alliierten zu Verhandlungen zu kommen, um dabei ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen. Trotzdem die deutsche Regierung nur duch äusserste Anstrengung und durch empfindliche Schädigung der eigenen deutschen Interessen die bisher gemachten Kohlenlieferungen ausführen konnte, fordert jetzt die Reparationskommission eine Mehrlieferung von 200 000 Tonnen Kohlen monatlich. Sämtliche Blätter erklären diese Forderung für unerfüllbar. Deutschland hätte bisher trotz des Tiefstandes der Mark englische Kohlen einführen müssen, um seine Wirtschaft vor dem Erliegen zu bewahren und die Eisenbahnen, die Gas – und Elektrizitätswerke in Betrieb zu halten. Die weiter fortschreitende Entwertung des deutschen Geldes hat jetzt die Einfuhr ausländischer Kohle unmöglich gemacht. In den letzten Monaten hat Deutschland für 8 – 9 Milliarden Mark monatlich ausländische Kohle einführen müssen. FREIBURGER ZEITUNG. 26.10.1922.

Erstaunlich, wie damals die Menschen dem Aberglauben verhaftet waren, elektrische Energie müßte erzeugt werden, um Güter zu produzieren. Heute wissen wir, Strom kommt immer aus der Steckdose, man braucht sie nur im Baumarkt zu kaufen und an die Wand zu schrauben.  Und wer Geld benötigt, muß nicht arbeiten, nein, er geht zum Amt oder demonstriert so lange, bis er mehr Geld bekommt. Kuriose Zeiten waren das damals.

Bild: Die blutigen Ausschreitungen der Kommunisten in Berlin am 15. Oktober. Kommunisten verprügeln einen Teilnehmer der Versammlung des Bundes für Freiheit und Ordnung. WIENER BILDER. 22.10.1922.

Bunt statt braun! Früher wurden andere Begründungen verwendet, um mit dem guten Gefühl, eine noch bessere Sache zu tun, auf andere Menschen einzudreschen. Die Zeitungen, außer den Kampfblättern der Antifaschisten, waren aber noch nicht so weit, wie die heutigen.

Kommunistenexzesse in Berlin. In Berlin haben sich am 15. d. M. blutige Zusammenstöße zwischen den nationalistischen Teilnehmern des Bundes für Freiheit und Ordnung und Kommunisten ereignet. Die kommunistische Partei hat die Veranstaltung des neugegründeten Bundes seit Tagen bereits als eine Provokation der Arbeitermassen und als Wiedererwachen der Orgesch in Berlin aufgefaßt und daher ihre Anhänger zu energischem Widerstand aufgefordert. Tatsächlich erschienen die ersten Kommunisten vor dem Zirkus Busch – Gebäude schon lange, bevor die Tore geöffnet wurden.

Zunächst versuchten sie in den Haupteingang in den Zirkus einzudringen und als dies nicht gelang, drangen sie durch das kurz zuvor geöffnete Busch – Palais ein. Im Saale warfen sie Tische und Stühle um, versperrten die Eingänge und zertrümmerten die Fensterscheiben. Inzwischen wurde die Polizei alarmiert. Sie entsandte eine kleine Patrouille, die auf den Widerstand der Kommunisten stieß, Als sie dennoch in das Zirkus Busch – Gebäude gelangen wollte, kam es zu einem Handgemenge, wobei mehrere Personen verletzt und verhaftet wurden. Bei den Verhafteten fand man Revolver, Dolche und Schlagringe.

Inzwischen waren neue kommunistische Trupps angekommen und stellten sich auf den Zugangsstraßen zu dem Zirkus auf, um die Mitglieder des Bundes für Freiheit und Ordnung zu erwarten. Gegen 10 Uhr kamen die ersten Versammlungsteilnehmer  und wurden von den Kommunisten am Betreten des Zirkus gehindert. Auch in der Umgebung des Gebäudes kam es jetzt zu heftigen Zusammenstößen. Die Polizeibeamten wollten diese Kämpfe unterbrechen, konnten aber wegen ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit die Streitenden nicht auseinanderbringen. Mehrere Personen lagen schwer verletzt am Straßendamm. Die Verwundeten wurden von den Kommunisten in Sicherheit gebracht, so daß in vielen Fällen die Personalien nicht festgestellt werden konnten.

Trotz dieser Zwischenfälle begann die Versammlung des Bundes. Wie Ohrenzeugen behaupte, kam es zu wüsten antisemitischen Hetzreden. Mittlerweile dauerte der Kampf vor dem Zirkus Busch – Gebäude fort. Immer wieder kam es zu Zusammenstößen zwischen den Kommunisten und der Polizei, wobei die Kommunisten in schärfster Weise vorgingen und von ihren Totschlägern, Dolchen und Schlagringen Gebrauch machten. … .

Schon damals war also die Angewohnheit verbreitet, legale Versammlungen zu sprengen, wir haben die Fehler der Weimarer Republik also nicht nur erkannt, die zum Aufstieg des Großen Volkssschauspieler führten, wir wiederholen sie auch. Jetzt aber stehen die Demokraten an der Spitze der Exzesse. Bravo, Genossen.


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