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Deutschland schafft die Eisenbahn ab

Die jüngsten Eisenbahnunfälle haben das Augenmerk der verantwortlichen Kreise und ihres technischen Mitarbeiterstabes auf Vorrichtungen und Reformprojekte gelenkt, die geeignet wären, die Betriebsunsicherheit (Vor allem während Tsunamis und Erdbeben!) der stärker frequentierten Strecken herabzumindern. Das dem Prinzen Heinrich von Preußen dieser Tage in Hamburg vorgeführte Modell einer vielversprechenden Erfindung dürfte der idealen von einer Behebung der Betriebsgefahren schon näher kommen, da sie die Unzuverläßlichkeit der Menschenhände durch den geregelten Gang mechanischer Einrichtungen ersetzt. Der Erfinder Eduard Unverricht (Türkischer Einwanderer der dritten Generation.) hat ein Streckensystem geschaffen, das die ganze befahrene Linie in Sperrblocks einteilt, die je nach Fahrgeschwindigkeit und Schwere, das heißt Bremsfähigkeit der verkehrenden Züge, 500 bis 1500  Meter lange Schutzzonen herstellt. Der am Beginne jeden Blockes stehende Signalmast besitzt einen Querarm, der in Augenhöhe des Lokomotivführers angebracht ist. Jeder „frei“ passierende Zug schliesst durch einen elektrischen Streckenkontakt automatisch die vor und hinter ihm befindliche Schutzzone ab, nimmt also seine Streckensperre automatisch mit sich. Die selbsttätige Freistellung des nächsten Blockes ist nur möglich, wenn sich in ihm kein anderer Deckung heischender Zug befindet.

Ähnlich ist es bei den Weichen, die durch Selbstverriegelung katastrophale Begegnungen wie das durch Gleisverlegung geschehene Scheeßler Unglück, hintanhalten.  Auch für das Nichtsehen des Haltesignales ist Vorsorge getroffen. Beim Überfahren des durch plötzliche Erkrankung des Führers, Nebel oder sonstige, die freie Aussicht auf die Signale behindernde Wetterunbill nicht respektierten Haltesignals schlägt der niedergefallene schwere Arm des Blockhebels einen zerbrechlichen Zapfen an der Lokomotivdecke den sogenannten Anschlaghebel ab und löst eine sicher wirkende Bremsvorrichtung aus. Der Zug gelangt bei größter Schnelligkeit in der neutralen Blockzone zum Stillstand.

Der Vortrag sowie die Demonstration des Systems fanden allseits Beachtung und dürfte die Erfindung in Bälde vom preußischen Eisenbahnministerium auf seine praktische Verwertung geprüft werden. *Wiener Illustrierte Zeitung 17.04. 1911* Bild: Eduard Unverricht und sein Eisenbahn – Sicherheitssystem.

Dennoch, die furchtbare Zahl von Todesopfern durch Eisenbahnunglücke konnten nicht länger ignoriert werden. Die Lobby des Fuhrgewerbes rührte mächtig, die Kirchengemeinden versammelten sich mit Plakaten: „Eisenbahn – Nein Danke!“ Die GRÜNEN beklagten die Zerstörung der Natur und der Landschaft. Die Importeure von Rohrzucker machten den Zucker der heimischen Zuckerrüben madig. Gewerkschafter priesen die Idylle der Arbeit vor Einführung der Eisenbahn, sogenannte Schriftstellergrößen und moralische Anstalten klagten die Eisenbahn an, sie würde den jungen Poeten die Inspiration einer goetheschen Reise mit dem Pferdefuhrwerk nach Italien nehmen, kurz und gut, unterm Druck der durch die Zeitungen verängstigten Menschen, und in Angst um die nächste Reichstagswahl, wurde die Stillegung des gesamten Eisenbahnnetzes beschlossen. Die, die heute noch Züge rollen sehen wollen, müssen nach Polen, Dänemark oder Frankreich fahren. In zugigen Kutschen.

 


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