Posts Tagged 'Sozialismus'

Verwirklichung des Zukunftsstaates

Das socialdemokratische Auskunftsmittel gegen unbequeme Fragen nach dem Aussehen des socialistischen Zukunftsstaates ist bekanntlich der Vorwurf der Unwissenheit oder der Dummheit. Selbst über die Zeit des Uebergangs lassen sich die Führer ungern aus, obgleich hier ihr Meister selbst, Karl Marx, mit seinem Worte von der Dictatur des Proletariats volle Klarheit gegeben hat. Die „Dummheit“ soll darin liegen, von einem vernünftigen Menschen zu verlangen, daß er vorhersage, wie sich die Dinge in der Zukunft entwickeln würden; selbst das, was in der Uebergangszeit zweckmäßig sei oder nicht, könnte nur nach der Entwickelung bis zu jenem Augenblick beurtheilt werden, da die Dinge „zu unserer Entscheidung“ stehen. Anders muß es werden, radikal anders; wie – das ist Sache der „Entwickelung“. Wie man es wohl im gewöhnlichen Leben finden würde, wenn ein Baumeister erklärte: „Lieber Freund, dein Anwesen taugt von Grund aus nichts, wir müssen es einreißen; gieb mir deinen Boden, gieb mir Geld für das Baumaterial und die Löhne und du bekommst ein herrliches Haus; wie das aussehen soll, kann ich jetzt noch nicht wissen, aber es wird mir im Laufe der Dinge schon einfallen!“ Von den ungestümen Baumeistern in der Politik wird man erst recht verlangen dürfen, daß sie nicht bloß über das Einreißen im Reinen sind, sondern Entwürfe, Kostenanschläge, Verwaltungsplan etc. für das Neue anzugeben wissen.

Der Eindruck, daß es im Grunde ein Zeichen von Schwäche ist, sehr natürliche Fragen mit stolzen Grobheiten oder nichtssagenden Phrasen abzuweisen, scheint sich auch in socialdemokratischen Kreisen selbst geltend zu machen. Ein socialdemokratischer Schriftsteller, Oswald Köhler, giebt ein Werk „der socialdemokratische Staat“ heraus. Kaum waren die ersten Lieferungen erschienen, als im „Vorwärts“ stark dagegen geeifert wurde. Es hieß, der Verfasser kenne das Wesen des Socialismus nicht, wenn er Maßnahmen ausklügele, wie der socialistische Staat einzurichten sei. Darauf erwiderte Köhler, es müsse doch ein ganz geheimnißvolles räthselhaftes Ding sein, dieses „Wesen des Socialismus“, wenn man als normaler Parteigenosse, von den breiten Wählermassen zu schweigen, dieses Wesen nicht erkennen lerne; die zukünftigen Gestaltungen würden im geeigneten Augenblick nicht vom Himmel heruntergeflogen kommen und ebenso wenig würden sie von der hoffnungsvollen „Entwickelung“ auf dem Präsentirteller überreicht werden.

Wir glauben denn auch, daß der wahre Grund für die officielle Taktik der allgemeinen Redensarten gegenüber dem Zukunftsstaate wo anders liegt. Sobald nämlich einmal die Möglichkeit der Abschaffung des Privateigenthums und der kommunistischen Verwaltung der Arbeitsprodukte und die verschiedenen Arten eines Umwandelungsprocesses praktisch erörtert werden, stehen heftige Meinungskämpfe innerhalb der Partei zu befürchten. Der Meister Marx hat außer dem Schlagwort von der Diktatur des Proletariats nichts über das Aussehen des Zukunftsstaates hinterlassen, und andere Geister, die mit gleicher Parteiautorität aus der Verlegenheit helfen könnten, hat die Socialdemokratie schlechterdings nicht aufzuweisen. Köhler, der mehr mit einem gemüthlichen Hineinwachsen in den Zukunftsstaat als mit gewaltsamer, blutiger Umwälzung zu rechnen scheint, will zum Zwecke des gesetzlichen Uebergangs den gegenwärtigen Besitzern eine gewisse Abfindungsrente auf Lebenszeit gewähren; als Unterlage dafür, ob dieser Anspruch durch die seitherige Haltung der einzelnen Besitzer etwa verwirkt sei, sollen die Personalnotizen der socialdemokratischen Partei und ihrer Mitglieder gelten. Den letzteren ungeheuerlichen Vorschlag weist der „Vorwärts“ mit der richtigen Bemerkung zurück, daß die Konduitenlisten des Herrn Köhler alle Proscriptionslisten übertreffen würden, die die Geschichte verurtheilt habe. In der Hauptsache aber möchte das officielle Organ wohl von der zukünftigen Behandlung der ehemaligen Besitzer gar nicht gesprochen wissen, worauf wieder Köhler ganz zutreffend einwendet: „Dürfen wir von Expropriation sprechen, so dürfen wir auch von der weiteren Behandlung der Expropriirten sprechen. Das Eine als hochwissenschaftlich und das Andere als Albernheit betrachten, wäre wohl die unübertrefflichste Albernheit.“

Hierbei mag man sich nicht am wenigsten über die Sicherheit verwundern, mit der diese Leute, die sich über die Art der Verwirklichung ihrer Träume so wenig im Klaren und in Uebereinstimmung befinden, über den heutigen Staat zur Tagesordnung übergehen. Er ist für sie schon eine abgethane Sache, und ebenso gehört die Enteignung alles Privatbesitzes an sich zu den unumstößlichsten Dingen von der Welt. Ueber das Erjagen des Bären machen sie sich nicht die mindesten Zweifel; sie sprechen von ihm, als ob sie ihn schon erlegt hätten, und nur über die Vertheilung des Felles soll geschwiegen werden, weil sonst die „Entwickelung“ durch unbequeme und hinderliche Streitigkeiten aufgehalten werden könnte. Amtspresse Preussens 13.10.1891.

 

Der blanke Sozialismus

Zettel sinniert über britischen Humor. Da fällt mir nur die DDR-Praxis ein, Hühner mit subventionierten Lebensmitteln zu füttern, deren Eier an den Handel mit subventionierten Preisen zu verkaufen und dort die preiswerteren, weil subventionierten Eier, zum eigenen Verzehr zu erwerben. Der Umweg über die Hühner musste gemacht werden, weil die Eier abgestempelt wurden. Frau Bundeskanzlerin Merkel ist eindeutig Tochter und Führerin ihrer Klasse.

Das Auge ist in Gefahr

Wie eng der nationale und der internationale Sozialismus sich ähneln, zeigt folgender Artikel. Nur, daß der internationale Sozialismus, der es auch auf mindestens 50 Millionen Tote gebracht hat, als das Gute, Wahre und Schöne propagiert wird, das es immer mal wieder zu wagen gilt, von denen, die Intellektuelle in unserem Lande geheissen werden, obwohl sie doch nur Demokratie- und Freiheitsfeinde sind.

Schönheit der Arbeit kämpft für Betriebshygiene.

Arbeiter KolchosbäuerinDie Devise, „Schönheit der Arbeit“, ohne die alles sozialistische Streben unserer Weltanschauung nur guter Wille bliebe, hat zu einem Erfolg geführt, der sich vor drei Jahren, als der Kampf um einen menschenwürdigen Arbeitsplatz seinen Anfang nahm, gewiß keiner der Kämpfer hätte träumen lassen: Der Reichsparteitag der Ehre brachte den Erlaß vom „Musterbetrieb“! Alles Trommeln hätte den Mitarbeitern des von Dr. Ley im Rahmen der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ geschaffenen Amtes nichts genützt, hätte nicht der Glaube des Führers unser ganzes Volk in seinen Bann geschlagen und unerhörte Willensleistungen ausgelöst. Die Arbeitsräume der einzelnen Betriebszweige gewannen ein neues Gesicht, in modernen Betrieben freilich rascher als in verbauten „Knochenmühlen“ der wildesten Gründerzeit und Gemeinschafts-, Wasch- und Umkleideräume, Grünflächen, Sportplätze, ja regelrechte kleine „Erholungsparks“ entstanden in manchen Betrieben. Ein Wetteifer setzte ein, der nunmehr seine Krönung im Streben nach der Auszeichnung „Musterbetrieb“ finden soll.

Die Betriebsverbesserungen, die eine Schonung des Augenlichts erreichen wollen, haben wie die übrigen Verbesserungen, gewiss auch zu mancherlei Betriebserfindungen geführt, die oft von den Kameraden an den Maschinen selbst kamen. Ein Zeichen, wie „Schönheit der Arbeit“ eine Sache der Gefolgschaft geworden ist!

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Au Backe

Wie mir meine Erzeugerin gestern nebenbei erzählte, sie, die sie sozialistische Arbeiterin in einem Volkseigenen Betrieb war, in einem Land, in dem die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen dankenswerterweise durch DIE PARTEI abgeschafft worden war, also in der grossartigen DDR, die DIE LINKE und alle gutwollenden Menschen Deutschlands wiederhaben wollen, nun aber in den heutigen Grenzen, war es gar nicht so unüblich vor dem Jahresende auch mal 13 Stunden am Stück zu arbeiten.

Grund für dieses klassenbewusste Verhalten war die hinterherhinkende Planerfüllung. Zuerst wurde geplant und dann kam die Produktion. „13 Stunden Arbeiten, kurz nach Hause, 4 Stunden schlafen und dann raus zur nächsten Schicht.“ Logisch, dass sich da niemand verweigert hat, es ging ja um ihren Betrieb. Sagte sie. Nur, als sie zusätzlich am Sonntag noch zum Ernteinsatz auf den Acker sollte, um die sozialistische Landwirtschaft zu unterstützen, im 6. Monat schwanger, da hat sie sich geweigert. Woran der Sozialismus dann wahrscheinlich auch gescheitert ist. Aber scheitert der nicht immer am egoistischen Denken Weniger? Ich glaube schon.

Im Wettlauf mit der Zeit


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