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Die Ungezieferplage im Osten

Die Ungezieferplage im OstenBild: Schlimme Ausschreitungen in der deutschen-kaiserlichen Armee. Rekruten werden, unterm Gejohle ihrer älteren Kameraden und Absingens der „Wacht am Rhein“ , die Haare geschoren, worauf ihnen angeblich Entlausungspulver auf die nackte Kopfhaut gestreut wird. Viele junge Soldaten halten dieses Mobbing nicht aus und stürzen sich, bei nächster Gelegenheit, ins feindliche Maschinengewehrfeuer. Darum  sollte sich mal der Wehrbeauftragte kümmern! Meint der Blogwart.

Die Kämpfe bei Wirballen.  *Coburger Zeitung 27.02.1915.*

Aus dem großen Hauptquartier wird uns über die Kämpfe bei Wirballen am 10. Februar 1915 geschrieben: Unter den größten Anstrengungen, welche die tiefverschneiten Wege verursachten, waren die Truppen des Generals von Lauenstein am 9. Februar an den Feind herangekommen und warfen diesen in leichtem Kampfe aus dem Schorellener Forst hinaus.

Wie aus erbeuteten russischen Befehlen hervorgeht, glaubte der Gegner,  sich vor dem deutschen Ansturm in eine schon wohlvorbereitete, stark befestigte Stellung, Pillkallen – Stallupönen, zurückziehen und dort behaupten zu können, aber der starke Flankendruck, den die deutsche Offensive ausübte, zwang den Feind zum Aufgeben dieses Planes und veranlaßte ihn, sich nach einer dritten, gleichfalls vorbereiteten Stellung südlich Wirballen zurückzuziehen.

Es waren eineinhalb russische Divisionen, die sich am Nachmittag des 10. Februar dort einfanden und in Eydtkuhnen, Wirballen und Kirbathy zur Ruhe übergingen. Obwohl man vom Anmarsch der deutschen Kräfte wußte, hielt man es für ausgeschlossen, daß die Deutschen bei dem herrschenden Schneesturm an diesem Tage noch herankommen könnten. Man wiegte sich derart in Sicherheit, daß man sogar auf das Ausstellen irgendwelcher Sicherungsposten gänzlich verzichtete.

Nur so konnte es kommen, daß die Angreifer, die sich durch die Naturgewalten nicht aufhalten ließen, noch am 10. Februar an die russische Unterkunft kamen, allerdings nur mit Infanterie und einigen Geschützen, denn alles übrige war in den Schneewehen steckengeblieben. Es war Abend, als Eydtkuhnen, und es war Mitternacht, als Wirballen überfallartig angegriffen und gestürmt wurde. Auf der Chaussee standen zwei russische Batterien mit zwölf Geschützen und einer großen Anzahl von Munitionswagen, anscheinend rastend. An sie kam die deutsche Infanterie, ohne einen Schuß zu tun, bis auf fünfzig Meter heran. Die sämtlichen Pferde wurden niedergeschossen und dann die Geschütze und Munitionswagen genommen, der Rest der Bedienung flüchtete.

Sowohl in Eydtkuhnen wie in Wirballen kam es dann zu nächtlichen Straßenkämpfen, die mit der Gefangennahme von 1000 Russen endeten. Die Zahl der Gefangenen war so groß, daß man kaum wußte, was man mit ihnen anfangen sollte.

Nach der Einnahme der beiden Orte fielen auch die beiden dortigen Bahnhöfe in deutsche Hände, mit ihnen eine schier unermeßliche Beute. Es standen hier drei Lazarett – und ebensoviel Verpflegungszüge. Einer dieser Züge war der Lazarettzug der Zarin, der von dem Fürsten Lieven und zahlreichem Personal begleitet wurde. In ihm fand der Stab des Generals von Lauenstein ganz unerwartet ausgezeichnetes Nachtquartier. Die übrigen Züge waren mit einer großen Menge Hafer, ausgezeichneten Konserven, sehr viel Schokolade, ferner mit Stiefeln und Pelzwesten in großer Zahl beladen.

Jeder berittene deutsche Soldat war imstande, eine Pelzweste an sich zu nehmen. Augenblicklich noch wichtiger aber war für die seit drei Tagen auf eiserne Portionen angewiesene deutsche Truppe, die Erbeutung von 110 russischen Feldküchen, die fast durchweg mit warmen Essen gefüllt waren.

Man kann sich den Jubel unserer siegreichen Truppen vorstellen, als diese beute in ihre Hand gefallen war. Es war augenblicklich der schönste Lohn für die jungen Truppe, die an diesem Tage teilweise zum ersten Male ins Gefecht gekommen war und sich glänzend geschlagen  hatte.

Deutscher Landwehrmann mit Feldofen 1915

Die Bukowina von den Russen frei. Die „Köln. Ztg.“ meldet aus Bukarest: Die Russen sind nach mehrtägigen heftigen Artilleriekämpfen in der Gegend von Bijan, das sie stark befestigt hatten, vertrieben worden und haben sich fluchtartig 20 Kilometer hinter den Pruth zurückgezogen. Hiermit ist der letzte Widerstand der Russen gebrochen. Die Bukowina ist vollständig gesäubert.


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