Posts Tagged 'Vor 90 Jahren'

Warte warte nur ein Weilchen

Habe ich auch Deinedann kommt Harrmann auch zu Dir … *Coburger Zeitung 04. Juli 1924* Grausiger Fund. Bei Hannover wurden auf einer Wiese fünf Menschenschädel und in einem Sack Knochen gefunden, die drei oder vier verschiedenen Personen gehörten. Der 45 jährige Händler Harrmann hat eingestanden, daß er seit 1918 bei widernatürlichem Geschlechtsverkehr sieben Männer umgebracht hat. Er hat ihnen zuerst die Kehle durchgebissen und ihnen dann den Kopf abgeschnitten. Die Leichen hat er dann zerstückelt.

– Eine andere Meldung lautet: Nachdem bereits wiederholt menschliche Knochen und Schädel in dem Fluß Leine aufgefunden wurden, wurde bei dem Händler Harrmann eine Hausdurchsuchung abgehalten, wobei man Knochen von vier menschlichen Körpern fand. Auch hat sich das Gerücht verbreitet, daß Haarmann seit längerer Zeit einen Fleischhandel betrieb. Die Polizei nahm nun ein strengstes Verhör vor, in dem Harrmann ein Geständnis ablegte. Danach hat er  seit 1918 nicht weniger als sieben männliche Personen umgebracht.

Angeblich beging er die Tat in höchster Erregung in seiner Wohnung und warf die zerstückelten Leichen dann in die Leine oder in ein anderes Gewässer oder verbarg sie auf dem Friedhof. Die Nachprüfung ist im Gange. Harrmann bestreitet, menschliche Fleischteile verkauft zu haben. In die Angelegenheit sollen noch andere Personen verwickelt sein.

Schweres Unwetter über Düsseldorf

Weißer Terror*Freiburger Zeitung vom 10.06.1924*Schweres Unwetter über Düsseldorf. Sonntag nachmittag ging über Düsseldorf ein heftiges Gewitter mit großem Sturm und wolkenbruchartigem Regen nieder, das sehr schweren Schaden anrichtete. Der Turm der Martinskirche in Bilk stürzte dabei ein und der Turmhelm fiel zum Teil auf ein gegenüberliegendes Haus und beschädigte dieses stark, wobei ein Mann getötet und eine Frau sowie ein KInd verletzt wurden. Den größten Schaden richtete das Unwetter in dem südlichen Teil der Stadt an. Der Floragarten wurde durch Sturm und Hagelschlag stark verheert. Die Fährstraße war infolge herabgerissener Dächer vollkommen unpassierbar. Die Bretter eines Holzlagers wurden vom Sturm in die Luft gewirbelt und gegen die Häuser geschleudert, wodurch viele Fensterscheiben zertrümmert wurden.. Zahlreiche Häusergiebel stürzten ein. Die Feuerwehr wurde in 135 Fällen zur Hilfeleistungen herbeigerufen. Zumeist handelte es sich um abgehobene Dächer und Kamine, um Deckeneinstürze sowie um herabgerissene Hochspannungsleitungen.

Der Blogwart meint: Damals war das Wort Starkregen noch nicht erfunden, es hieß schlicht „Wolkenbruch“. Daß keine Moschee während des Unwetters zu Schaden kam, lag entweder an Allah oder daran, daß es keine Muselmanen in Düsseldorf gab. Die den Feuerwehreinsatz hätten behindern können.

Dreifacher Mord. In dem märkischen Dorfe Luesse bei Belzig wurde nach der B. Z. a. M. am  Freitag nacht von Unbekannten eine schwere Bluttat verübt, der der Kleinbauer Reinhold Kühne, seine Frau und seine Schwiegermutter zum Opfer fielen. Kühne, der ein verdächtiges Geräusch auf seinem Hofe hörte, wurde, während er den Revolver holen wollte niedergeschossen. Die schwerkrank im Bett liegende Ehefrau wurde mit einem Schuß in die Schläfe getötet. Die Schwiegermutter erhielt mit einer Axt einen schweren Schlag auf den Kopf. Die beiden Schwerverletzten wurden in das Kreiskrankenhaus nach Belzig verbracht. Es scheint sich um einen Racheakt zu handeln.

Verwundert stellt der Blogwart fest, daß in der Weimarer Republik den Menschen der Waffenbesitz erlaubt war und daß der Journalist, der diese Meldung übernahm, es sträflich unterlassen hat, über die Gefahr von Schußwaffenbesitz im Allgemeinen und im Besonderen sich zu empören. Zeitungen hatten vor 90 Jahren noch eine andere Qualität. Wie auch die Menschen.

Bild: 1924 Amerika sprengt Eisberge, die die Seeschiffahrt bedrohen. Über den Anstieg des Meeresspiegels, durch solcherart Vorgehen, und die unvermeidliche Überschwemmung ganzer Küsten, macht sich diese rücksichtslose Nation natürlich keine Gedanken!

Kriegshetzer

Russische Kriegshetze*Freiburger Zeitung 23.05.1924* (Farbige Hervorhebung – Der Blogwart.) Neue russische Geheimdokumente über die Kriegsschuld. Von Konsul Dr. Charles L. Hartmann. Der heute in Rußland herrschende Sowjet hat keinen Grund, die Geheimnisse der früheren Regierung zu verbergen und öffnete der Allgemeinheit die unerschöpflichen Archive der verschiedenen Ministerien zu Moskau und Petrograd. Es ist die erste Regierung die derart mit den Gepflogenheiten der Geheimdiplomatie gebrochen hat und das Ergebnis, namentlich auf die Vorgeschichte des Krieges und die Frage der Schuld, ist von ungeahnter Tragweite. Von der gründlichen, ein für allemal gefestigten Aufklärung dieser Frage hängt die friedliche Zusammenarbeit der Nationen, die Zukunft unseres Erdteils ab.

Die jetzt an das Tageslicht kommenden bisher gänzlich unbekannten Dokumente beweisen ohne jede Möglichkeit der Einrede, wie von einer kleinen aber sehr rührigen Clique in Frankreich und Rußland die „scheußliche Käuflichkeit“ der französischen Presse (so nennt sie der Außenminister Sasonow), benutzt wurde, um in vorbedachter, langjähriger Kleinarbeit den Weltkrieg zu entzünden.

Zuerst einige Auszüge aus einem 9 Seiten langen Briefe von 1909 des russischen Gesandten zu Paris Iswolsky an das Ministerium. Man traut kaum seinen Augen, wenn man hier, 5 Jahre vor dem Ereignis, bereits alle einzelnen Phasen des Verbrechens von 1914 kaltblütig erwogen und auf ihre Vor- und Nachteile geprüft sieht.

Paris, 16. März 1909. “ Die politischen Eindrücke hier sind alles andere als rosig: Man beobachtet die Funken eines Weltbrandes in der Haltung Serbiens, die von österreichischen Militärs und Imperialisten als unerträglich betrachtet wird. Man sieht bereits die östrreichisch – ungarische Armee in Belgrad einrücken mit der Folge eines Guerillakrieges in dem serbischen Bergland, einem Aufstande in Bosnien-Herzegowina und der Erhebung Böhmens. Als weitere Konsequenz der Mobilmachung der russischen Armee, die Abschiebung einiger Armeekorps nach der österreichischen Grenze, um unseren Protesten den gebührenden Nachdruck zu verleihen – Deutschland, das diese Maßregeln durch gleiche Mobilisierung an seinen beiden Grenzen zu Ost und West beantwortet, – Frankreich schützt seine Ostgrenze, während England seine Panzerflotte nach der Ostsee schickt.

Die Französische Regierung ist sich ihrer uns gegenüber eingegangenen Verpflichtungen voll bewußt und wird in demselben Augenblick, in dem die Russische Nationalehre in Serbien gegen Österreich verpfändet ist, ihre Aufgabe erfüllen – wie aber wird sich die Bevölkerung Frankreichs verhalten? Wird sie mit Genugtuung den Frieden durch Serbien kompromittiert sehen und als dessen Folge den Krieg mit Deutschland?

Um dieses Resultat der „Bevölkerung“ mundgerecht zu machen, ist eines unbedingt notwendig: Die systematische, machtvoll organisierte Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch deren Hauptorgan, die Zeitungen. Iswolsky trägt uns das Ziel und die notwendigen Mittel mit dem Kriegsmute des Zivilisten fröhlichen Herzens vor:

„Es handelt sich darum, die Zeitungen, welche der kriegsfreudigen („belliqueuse“) Politik Poincarès feindlich gesinnt sind, zu neutralisieren, in dem wir ihr Stillschweigen bezahlen und den Krieg vorbereiten.“

Davidov, Abteilungschef im russischen Finanzministerium, reist im Auftrag Sasonows am 29. Oktober 1912 nach Paris und drahtet sofort nach Ankunft nach Petersburg:

„Resums meiner Besprechung mit Poincarè und dem (russischen) Gesandten weiteren Kredit 300000 Franken für rasche Pressintervention, sobald notwendig. Dies ist vernünftig und ich akzeptierte ed referendum Ew. Exellenz. Poincarè wird morgen mit Lenoir (der französische Vertrauensmann der Russen) die Organisation dieses Dienstes fertigstellen.“ Davidov.

Am 30. November 1912 telegrafiert Rassalovitsch, der zuständige Vertreter des russischen Finanzministeriums in Paris nach Petersburg.:

„(Russischer) Gesandter hier sehr pessimistisch, beurteilt allgemeine Lage sehr düster, befürchtet Möglichkeit Besetzung serbischer Hauptstadt infolge Weigerung Unterschrift zu Vertrag, der Vernichtung politischer Unabhängigkeit Königreichs bedeute. Kaiserl. Gesandter ist der Ansicht, Kreditsaldo ohne zu schachern („sans marchander“) zur Verfügung Finanzvertreter für Pressestellen. Drahtet Einwilligung. Lenoir ist abwesend. Gesandter wünscht weitere 300000 Franken für direkte Verteilung, ohne daß jemand außer ihm je die Namen erfährt.“

Mitte 1912 ist der Gesandte Iswolsky der Überzeugung, daß „der Entscheidungspunkt endlich erreicht“ sei. Es handelt sich um die erwartete „neue internationale Krise“. Er selbst übe bereits persönlichen Einfluß auf den Temps, Matin, Petit Parisien und sonstige Zeitungen aus. Aber er hält es für notwendig, von „einem anderen wirksameren Druckmittel Gebrauch zu machen.“ Zu welchem Zwecke? Er erklärt dies in seinem Berichte an den Außenminister über seine Unterredung mit Poincarè vom 21. Juli 1913 (Nr. 348):

„Von dieser Unterredung gewann ich die Überzeugung, daß Herr Poincarè in jeder Beziehung mit uns einig geht und den Zeitpunkt endlich für gekommen hält, die hundertjährigen Ziele unserer traditionellen Politik (à rèaliser les aspirationsèculaires) zu verwirklichen und damit das europäische Gleichgewicht durch Rückkehr der entrissenen Provinzen Elsaß-Lothringen wiederherzustellen.

Die größten Schwierigkeiten sieht er von seiten der Sozial – Radikalen voraus, die in einem jeden Kriege, hauptsächlich aus Börsen – und Geschäftsgründen, aber ganz besonders einem Kriege, der seinen Ursprung am Balkan nimmt, abgeneigt sind. Diese Partei hat sehr fähige Köpfe, Caillaux, Herriot, Painlevè, verfügt über eine beträchtliche Anzahl Abgeordneter und Zeitungen.

Herr Poincarè glaubt mit mir, daß für diesen Zweck ein sehr großes Opfer unsererseits notwendig ist, Ich wage kaum, den Betrag anzugeben: 3000 000 Franken, wovon 250 000 Franken allein für den Radical, Organ des Senators Perschot.

Wenn wir in Betracht ziehen, daß die türkische Regierung fünf Millionen für die Beeinflussung der französischen Presse aufwand, selbst einen der allerersten Schriftsteller kaufte, wenn wir ferner erwägen, wie unbedeutend ein solcher Betrag gegenüber dem damit näherkommenden Ziele ist, so werden Sie es vielleicht übernehmen, diesen Vorschlag zur ungesäumten Bewilligung dem Ministerrate zu unterbreiten.

Ich schlage vor, diese Subsidien wie früher auf Monatsraten zu verteilen, um der Willigkeit der Zeitungen in jedem Augenblicke sicher zu sein. Ich halte es ferner für vorteilhaft, diesmal nicht Lenoir, sondern Lasson zu benutzen. Lasson, den Sie ja wohl in St. Petersburg zu beurteilen Gelegenheit hatten, scheint mir außerordentlich gewandt. Er hat auf den Matin, dessen Finanzdirektor er war,  sowie die großen Tageszeitungen einen sehr bedeutenden Einfluß. Iswolsky.

Dieser Vorschlag wurde von dem Außenminister im Einverständnis mit dem Ministerpräsidenten Kovovtsev in einem Kabinettsrate unter Vorsitz des Zaren besprochen und das verlangte Geldopfer, um damit die öffentliche Meinung in Frankreich im Sinne des Krieges zu beeinflussen, bewilligt. …. (Gekürzt durch den Blogwart, Weiterlesen im Orginal.)

Bild: Eigentlich sollte statt der Karte das Bild eines Richard Herzigers oder eines H.M. Broders stehen, die ja nicht müde werden, als Journalisten, die sie sind, zum Kriege zu trommeln. Gegen den Iran, gegen Rußland und gegen jeden, der gerade auf der Agenda der Schurken in Washington steht. Aus rechtlichen Gründen hat der Blogwart es aber sein gelassen. Und nein, diese Leute werden natürlich nicht für ihre Kriegstreiberei bezahlt. Sie tun das aus Idealismus. Für die Freiheit. Die Menschenrechte. Und die Humanität. Nur, daß das klargestellt ist.

Ein deutscher Kriegsverbrecher

Rast„Freiburger Zeitung“ vom 21.05.1924: Berlin, 20. Mai. (Priv.-Tel.) Der Dresdener Bürgermeister und demokratischer Reichstagsabgeordneter Dr. Külz war im Herbst 1923 vom französischen Kriegsgericht in Nancy wegen angeblicher Kriegsverbrechen zum Tode  verurteilt worden. Dr. Külz hatte, nachdem auf seinen ausdrücklichen Wunsch der Reichstag seine Immunität aufgehoben hatte, ein Verfahren gegen sich wegen Kriegsverbrechen beim Oberreichsanwalt beantragt. Wie das Tgbl. erfährt, ist dieses Verfahren nunmehr abgeschlossen und hat ergeben, daß das Gericht in Nancy dem früheren Hauptmann Külz in drei Fällen angeblicher Verfehlungen bei Kriegsereignissen zur Last legte, bei denen er nachweislich gar nicht beteiligt war. Im vierten ihm zur Last gelegten Fall handelt es sich um die Beschlagnahme von Gold bei einer Hausdurchsuchung im Pfarrhaus einer französischen Stadt, die unter strengster Beobachtung der hierüber bestehenden kriegsrechtlichen und internationalen Vorschriften von Dr. Külz durchgeführt worden ist.

Uebrigens bekundeten alle vernommenen Zeugen, daß gerade Dr. Külz sich vielfach für die Interessen der französischen Bevölkerung mit Nachdruck eingesetzt hat.

Der Blogwart meint: Sicherlich war das, vom französischen Kriegsgericht gesprochene Todesurteil, nur einer der vielen bedauernswerten Justizirrtümer. Mit Bestimmtheit können wir aber sagen, daß nach 1945 viel sorgfältiger recherchiert wurde.

Rußland wird kämpfen

Maikönigin Berlin 1934*Freiburger Zeitung vom 29.04.1934* Zwischen Honolulu, Charbin und Moskau. Prophezeiungen und Kriegsgespräche im Fernen Osten. Ein Reisebericht von H. Kaub. Nowo-Sibirsk, im April.

Nun sitzt der Mann mit dem Kalmükengesicht und dem riesengroßen, vierkantigen Schädel eine Stunde da und erklärt mir, weshalb Rußland 1. kämpfen wird und 2. siegen muß. „Heute ist das alles ganz anders!“ sagt er und donnert mit der mächtigen Tatze auf das kleine Tischlein, auf dem der „Ober“ des Sibirien-Expreß den Teee serviert hatte. Zucker hatte er keinen gebracht. Man nahm ein Stück Konfekt dazu, durch das man den Tee sog. Jenes Konfekt, das man ißt, an dem man aber nicht riechen soll.

„Damals, vor zwei oder drei Jahren hätte ich nicht sagen können, Rußland wird kämpfen und Rußland wird siegen. Heute kann ich es.“  Er deutet hinaus. Draußen legen Sträflinge und Zwangsarbeiter letzte Hand an die Doppelgleise. Hier zwischen Krasnojarsk und Nowo-Sibirsk wird das automatische Blocksignalsystem soeben ausgebaut. Damit wird die Leistungsfähigkeit der Strecke erhöht.

Mein Reisegefährte ist vielleicht der Hundertste, mit dem ich die fernöstliche Frage erörtere zwischen Honolulo, Tokio und Charbin, Krasnojarsk und Nowo – Sibirsk. Und jeder dieser Hundert hatte eine andere Meinung. Nur in einem waren sich alle klar: daß es eines Tages geschehen werde. Der Krieg im Fernen Osten Asiens. Die Auseinandersetzung.

Der Filmreporter, der von Honululu mit herüberkam, glaubte, es werde schon im Herbst losgehen. Der amerikanische Diplomat, der nach Tokio gebucht war, rechnete mit einer Beschleunigung nach dem Ablauf des Naval- Agreement, also des großen Seeabkommens, das 1935 endet. Denn da würden sich Fragen der „Gleichberechtigung“ aufwerfen, die nicht auf dem Verhandlungswege beizulegen seien. Die Botschafter Chinas, die im vergangenen Monat zu einer Konferenz nach Nanking berufen waren, um über die kommende Politik zu beraten, schätzten, wie einer der maßgebenden Leute Chinas verriet, den Beginn des großen Ereignisses auf spätestens 1936 im Frühjahr.

Die Engländer – ich sprach einen in Singapore stationierten höheren Seeoffizier – glauben nicht daran, daß über den kommenden Sommer hinaus die fernöstliche Frage sich anders als kriegerisch lösen lassen wird. Die Japaner lächeln und sagen nichts. Aber sie betonen meist, daß die mandschurische Frage nicht so brennend sei, um schon jetzt einen Krieg zu wagen. Und die Russen meinen: „Hoffentlich erst in zwei bisr drei Jahren!“ Für sie ist jede gewonnene Stunde eine Stärkung.

In Wladiwostock merkt man die Kriegsgefahr auf Schritt und Tritt. Wer nicht im Kriegsdienst aktiv ist oder als Fremder durchreist, der ist überflüssig und wird abgeschoben, sofern er nicht gerade Spion ist und erschossen werden kann.

Ein in Tokio militärisch ausgebildeter Mandschurenoffizier machte mir eine Rechnung auf, die interessant genug ist, um sie (der Inhalt des Zuggespräches in den Grenzgebieten) wiederzugeben: In Mandschuria und jetzt auf dem Vormarsch in das Land der Mongolen sind 100000 Japaner, 90000 Mandschurentruppen und 10000 Weißrussen, die unter japanischem Kommando stehen. Diese Zahlen stimmen ungefähr mit dem überein, was der mysteriöse Genaral Blücher sagte, als er behauptete, die Japaner 130000 eigene Truppen im Manschurengebiet hätten. Zuzüglich 110000 Mandschurensoldaten und 12000 Weißrussen.

Der gleiche manschurische Offizier sagte, daß die Russen zur Zeit nur 16000 Mann in der Fern – Ost – Armee hätten, einschließlich 10000 Mann Kavallerie. Freilich kämen noch zwei Spezial Korps der GPU hinzu und eine Kavalleriedivision für den Gebietsteil der Mongolei.

So sind die Figuren aufgestellt in diesen Schachfeldern. Jedem Gegner durch raffinierte Spionage genau bekannt. Aber in dem Schachspiel gibt es noch einen Faktor, der allem ein anderes Gesicht zu geben vermag. Die Luftwaffe.

Jener Kalmücke im Zug nach Nowo – Sibirsk meinte: „Der Krieg wird schwer für beide Länder. Aber das Risiko ist größer für Japan als für Rußland. Denn Japan kann niemals das Herz Rußlands erreichen. Aber – Rußland kann in wenigen Stunden das Herz Japans erreichen – mit dem Flugzeug! Die leichten Häuser, die modernen Brandbomben!“

Wie sagte doch kürzlich General Hayashi, der japanische Kriegsminister: „Rußland hat 300 Kriegsflugzeuge und Bombenflugzeuge bei Charbin konzentriert.“ Er schwieg über Wladiwostock, das einst die Russen im Falle eines Krieges räumen wollten. Aber er weiß, daß dort eine große Flugzeugbasis ist, er weiß, daß Wladiwostock heute kämpft und das Zentrum des Vorstoßes nach Japan ist – durch die Luft.

800 Kilometer sind es von Wladiwostock bis nach Tokio. Zwei Stunden für eine der neuen Maschinen.

Inzwischen mühen sich weiterhin jammervolle Zwangsarbeiter an den Doppelgleisen nach dem Fernen Osten. Gehetzt von Drohungen ihrer Aufseher, der Leute von der GPU, die wenig Mitleid kennen.

Die Siedler, die man nach dem Fernen Osten gelockt hat und die zum Teil noch in diesen Tagen und Wochen an ihre Bestimmungsorte verfrachtet werden, sind die Nachhut der Roten Armee des Fernen Ostens, die man auf Selbstversorgung einrichten will, damit sie nicht vier Wochen nach Ausbruch eines Kampfes verhungert ist.

Auch die Frabriken, die man anlegt, dienen diesen Zwecken. Eine riesige, nur auf Krieg, nicht auf Frieden abgestellte Organisation wird hier fieberhaft geschaffen.

„Rußland wird kämpfen, wenn man es angreift!“ sagt der Kalmücke im Sibirienexpreß.

„Japan wurde noch nie besiegt!“ sagt vorsichtig der Mandschurenoffizier, eingedenk dessen. was man ihn auf der Kriegsakademie in Tokio zu sagen lehrte.

Der Westeuropäer schweigt. Er wird es erleben.

Bild: Maiumzug in Berlin  1934. Festwagen mit der Maikönigin.

Der Hitler Prozeß

Der Hitler Prozeßwird am 28.02. 1924 von der „Coburger Zeitung* thematisiert: Der Hitler-Prozeß. Die Anklageschrift. Die etwa 35 Seiten umfassende Anklageschrift schildert ausführlich die Vorgänge im Bürgerbräukeller am Abend des 8. November, in der schon durch wiederholte Veröffentlichungen in der Presse bekannt gewordenen Weise. Neu ist dagegen die Mitteilung, daß die Aktion in einer geheimen Besprechung beschlossen wurde, die am 7. November unter Beteiligung der nationalsozialistischen Sturmabteilungen des Bundes Oberland und der Reichskriegsflagge abgehalten wurde.

Es standen zwei Pläne zur Erwägung. Der eine von Hitler, der dann auch tatsächlich durchgeführt wurde, während der zweite vorsah, daß nach einer großangelegten Nachtübung des Kampfbundes am Morgen des 11. November ein Einmarsch in München mit dem Sturze der Regierung und gewaltsame Teilnahme Kahrs, Lossows und Seißers erfolgen sollte. Man entschied sich für den Plan Hitlers.

Es werden dann bis ins kleinste die genau festgelegten Beteiligungen der einzelnen Verbände an dem Unternehmen angeführt, woraus hervorgeht, daß in ganz Bayern Geheimbefehl zur Mobilisation und zum Marsch nach München ausgegeben wurden.

Über die Beteiligung der Infanterieschule wird uns auch gesagt, daß der Kampfbund seit längerer Zeit versuchte, Einfluß auf die Angehörigen der Infanterieschule zu gewinnen, wobei sich besonders Oberleutnant Roßbach und Leutnant Wagner, später auch Oberleutnant a.D. Pernet, der Stiefsohn Ludendorffs, betätigten. Roßbach vermittelte einen Besuch mehrerer Herren der Infanterieschule am 4. Novemer 1923 bei Ludendorff, der bei dieser Gelegenheit über die völkische Erhebung sprach und die Ansicht äußerte, daß die völkische Idee in kürzester Zeit siegen werde.. Er sprach auch davon, daß es Hitler  durch seine Bewegung  gelungen sei, die weiß-blaue Gefahr während der letzten 3 Jahre niederzuhalten. Diese Gefahr bestehe darin, daß in Bayern das Königtum wieder aufgerichtet werde, was dazu führen würde, daß entweder Bayern sich vom Reiche trennen oder aber die Führung im Reiche an sich reiße und sich über Preussen stellen werde. Auf die Frage der Infanterieschüler, wann er an eine völkische Erhebung denke, antwortete Ludendorff, der erste Zeitpunkt sei schon verpaßt, jetzt könne es noch Wochen oder Monate dauern, bis die Not der großen Masse des Volkes zum völkischen Gedanken treibe. Am 8. November mittags begaben sich Pernet und Wagner zum Oberkommando des Kampfbundes in die Schellingstraße.

Wagner wurde beim Oberkommando von Roßbach und Göring über das geplante Unternehmen unterrichtet und mit entsprechenden Weisungen versehen. Um 8 1/2 Uhr abends traten die beiden Offiziersinspektionen und die beiden Fähnrichinspektionen in der Infanterieschule zusammen, wobei ihnen von Wagner mitgeteilt wurde, daß in diesem Augenblick die völkische Regierung für Deutschland im Bürgerbräukeller ausgerufen werde. Gleichzeitig werde in ganz Deutschland die völkische Revolution beginnen und von allen Richtungen der Vormarsch nach Berlin erfolgen. Ludendorff habe befohlen, daß die Infanterieschule sofort unter der Führung Roßbachs Verwendung finde. Fast sämtliche Infanterieschüler traten daraufhin mit Waffen und scharfer Munition im Kasernenhofe an. Es wurden Hakenkreuzfahnenund Hakenkreuzarmbinden ausgegeben, worauf die Infanterieschule etwa um 9 Uhr zum Bürgerbräukeller marschierte.

Die Anklageschrift führt dann aus, dann man auf Seite Hitlers das eingeleitete Unternehmen auch dann noch fortzuführen versuchte, als man schon sicher wußte, daß Kahr, Lossow und Seißer entschlossen waren, den Putsch mit den gesetzlichen staatlichen Mitteln niederzuschlagen. …. Weiter im Orginal zu lesen.

Bild: Besucher des Hitler-Prozesses werden handverlesen. Nazis müssen draußenbleiben. So sieht die vielbeschworene Weimarer Demokratie aus. Auch, daß der Staat einen Putschversuch mit Waffengewalt niederschlägt, sollte unsere Empörung bis zum Siedepunkt anheizen. Hier, würde Michael Mannheimer philosophieren, sieht man, daß Bürger, um die Freiheit zu erringen, das Äußerste wagen. Wie in Kiew. 2014.

Generalfeldmarschall v. Hindenburg

Der Putsch in München 1923*Die Coburger Zeitung vom 25.02.1924*Der folgende Brief des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg wurde dem „Berl. Lok. – Anz.“ zur Veröffentlichung zugestellt:

„In letzter Zeit sind vielfach Aufforderungen an mich ergangen, es zu verhindern, daß der unselige Prozess gegen meinen treuen Kriegsgefährten General Ludendorff stattfindet. Jeder vaterlandsliebende Deutsche wird mit tiefem Schmerz dem Prozess entgegensehen, und daher sind mir die an mich gerichteten Wünsche nur zu begreiflich. Aber bei ruhiger Überlegung muß man sich sagen, daß in einem Staatswesen ein Eingriff in die Rechtspflege eine Unmöglichkeit ist.

Auch glaube ich nicht, daß mein Gehilfe in großer und schwerer Zeit bei seinem geraden Charakter den Gedanken gutheißen würde, ihm eine Ausnahmestellung erwirken zu wollen.

Halten wir uns daher in diesen trüben Tagen an den festen Glauben, daß eine rein sachliche gerichtliche Klarlegung zeigen wird, daß alle Handlungen meines lieben Kameraden und Gehilfen lediglich auf glühende und selbstlose Vaterlandsliebe zurückzuführen sind, eine Annahme, die ich in dem Bestreben, beiden Teilen gerecht zu werden, auch seinen augenblicklichen Gegnern nicht vorenthalten will. v. Hindenburg

Bild: 1923 schlug das Weimarer Regime eine friedliche, wenn auch nichtgenehmigte,  Demonstration der Opposition mit Waffengewalt nieder. Nur wenige Oppositionelle führten damals aus Liebhaberei Gewehre, Revolver oder Pistolen mit sich. Hätte ein Boxer sie angeführt, wäre die Angelegenheit anders ausgegangen. So war nur ein Postkartenmaler bereit, die Sache der Opposition zu vertreten. Das Ende ist bekannt. Seitdem kann der Westen nicht mehr ruhig zusehen, wenn Bewaffnete um Hilfe rufen, um, mit demokratischen Mitteln Gewählte, aus dem Amt zu schießen. Zum Glück. Sagt der Blogwart.


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