Posts Tagged 'Zeitungszeugen'

Ein gemeiner Diebstahl

Der  erst 24jährige Otto Sp. aus Dortmund ist trotz seines verhältnismäßig jugendlichen Alters schon mehrfach mit den Strafgesetzen in Konflikt geraten. Kaum war er großjährig, da mußte er schon für 6 Monate ins Gefängnis wandern, und im vergangenen Jahr hatte er wieder einmal seine Hände nach fremdem Gut ausgestreckt, was zur Folge hatte, daß er 8 Monate hinter Gefängnismauen zubringen mußte. Zwischendurch hatten sich die Gerichte auch sonst mit ihm beschäftigen müssen. Als er dann im Dezember v. J.  wieder auf freien Fuß kam hat er sich aber nicht lange in der Freiheit wohlgefühlt, denn schon sehr bald war er wieder auf sträflichen Wegen.

Ende März v. J.  hatte er mit etlichen Freunden einen kleinen „Zug durch die Gemeinde“ gemacht, bei dem man in einem Lokal an der Kampfstraße landete. Bei der Trinkerei war schließlich dem Sp. das Geld ausgegangen und da hielt er Umschau nach irgendeiner Möglichkeit, sich für die Fortsetzung der Zecherei solches zu beschaffen. Der genossene Alkohol tat sein übriges, so daß er nunmehr keine Hemmungen mehr kannte. Da fielen seine Augen auf die an der Theke des Lokals aufgestellte NSW.-Büchse, von der er erwartete , daß sie die von ihm begehrten Gelder barg. Als er das Lokal verließ, machte er einen schnellen und heimlichen Griff nach dieser Büchse, und im nächsten Augenblick war er auch schon auf der Straße. Nachdem er sich dann in einiger Entfernung in eine dunkle Ecke klemmen konnte, öffnete er mit Gewalt die Büchse und entnahm ihr die Sammelgelder, die zur Linderung der Not armer Volksgenossen dienen sollten. Sofort auch entledigte er sich der Büchse und setzte nun mit den gestohlenen Sammelgeldern – es waren mehr als 7 RM. – seine Trinkerei fort.

Alsbals wurde dann auch das Verschwinden der Büchse bemerkt. Anfangs wußte man nicht so recht, wer die Sammelbüchse von der Theke entfernt hatte, man wollte und konnte zunächst auch garnicht an einen so gemeinen Diebstahl glauben. Aber allmählich wurde es doch zur Gewißheit, daß ein frecher Dieb sich die Sammelgelder angeeignet hatte. Die Kriminalpolizei, die nun mit diesem Fall beschäftigt wurde, hatte sehr bald auch die Spur des Diebes aufgenommen, und als ein Beamter den Sp. zur Rede stellte, da mußte er nach anfänglichem Zögern seine Tat zugeben. Am 08. April d. J. wanderte er wieder einmal ins Gefängnis. Nun stand er vor dem Strafrichrer, der ihn, nachdem der Staatsanwalt 1 Jahr Gefängnis beantragt hatte, wegen Rückfalldiebstahls zu 10 Monaten Gefängnis verurteilte.

DORTMUNDER ZEITUNG, 20. Juli 1937

Luftschutzübung 1937

Erziehungsanstalten

Noch ein wenig NAZI-Schrift aus der Essener NATIONAL ZEITUNG vom 13.01.1937 zum Schulwesen. Es geht um Aufnahmen in die „höheren“ Schulen und das Verhältnis von staatlichen Schulen und Privatschulen. Auszüge:

Nach der Verfügung der Schulaufsichtsbehörde sind die zu höheren Schulen angemeldeten Schüler schriftlich, mündlich und in den Leibesübungen(Sport) zu prüfen. Die Aufnahmeprüfungen finden an allen höheren Schulen Anfang März statt. … Durch das Bestehen der Aufnahmeprüfung besteht jedoch kein Anrecht auf Aufnahme in eine höhere Schule der Stadt., insbesondere auch nicht auf Aufnahme in eine besondere Lehranstalt. Die Städtische Schulverwaltung behält sich hinsichtlich der städtischen Schulen vor, im Laufe der Schulzeit Umschulungen vorzunehmen, wenn sie aus organisatorischen oder planwirtschaftlichen Gründen erforderlich sein sollten. … Hinsichtlich der höheren Knabenschulen wird darauf hingewiesen, dass das Burggymnasium am Adolf-Hitler-Platz sowie die Goetheschule, Alfredstrasse, als humanistische Gymnasien bestehen bleiben. Bei diesen Anstalten wird mit Latein als erste Fremdsprache in Sexta begonnen. Die übrigen  städtischen höheren Knabenanstalten werden, Ostern 1937 beginnend, in die Hauptform der deutschen höheren Knabenschule überführt mit Englisch als erster Fremdsprache in Sexta. …

Die städtischen höheren Mädchenschulen

bleiben vorläufig in ihrer bisherigen Form bestehen. Es kommen in Frage: Luisenschule, Bismarckplatz: Oberlyzeum mit ein- und dreijähriger Frauenschule mit angegliedertem(kombinierten) Lehrgang für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen. Französisch von Sexta, Englisch von Untertertia ab. Victoriaschule, Kurfürstenplatz: Lyzeum und realgymnasiale Studienanstalt. Dreijähriger gemeinsamer Unterbau mit Französisch als Anfangssprache. a) Lyzeum: Englisch von Untertertia, b) realgymnasiale Studienanstalt: Latein von Untertertia, Englisch von Untersekunda ab. Oberlyzeum in Essen-Bredeney, Grashofstrasse: Französisch von Sexta, Englisch von Untertertia ab.

Für die Privatlyzeen in Essen

gilt folgendes:

… dass der öffentlichen Schule vor der privaten der Vorzug gebührt und dass die privaten Schulen nur insoweit bestehen dürfen, als die öffentlichen Schulen nicht in der Lage sind, das schulische Bedürfnis zu befriedigen. … ist durch die Schulaufsichtsbehörde die Anordnung getroffen, dass die privaten Schulen in Essen in Zukunft nur Schülerinnen aufnehmen können, die in entsprechenden Klassen der städtischen höheren Schulen nicht untezubringen sind. … dass durch Erlass des Oberpräsidenten der Rheinprovinz es den Parteigenossen und Beamten zur Pflicht gemacht ist, ihre Kinder den öffentlichen Schulen zuzuführen.

Bei den Mittelschulen

tritt eine Änderung im Lehrplan vorläufig nicht ein, d.h. sämtliche Mittelschulen beginnen mit Französisch in der Sexta. Englisch bleibt wahlfrei von der 3. Klasse ab. …

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Sozialer Wohnungsbau in Essen

Krupp baut wieder Wohnungen in Essen

NATIONAL ZEITUNG, Essen, 13. Januar 1937

Krupp Wohnungsbau1

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Soziale Strandschönheitenungerechtigkeit

„Frauenwelt“, Prag, 17.Jänner 1937

Strandschönheiten

Hitler isst auch keine Butter!

DER PESTER LOYD fasst am 29.Oktober 1936 den deutschen Vierjahresplan so zusammen:

Fisch und Fleisch2 Weiterlesen ‚Hitler isst auch keine Butter!‘

Dann sollt Ihr Makrelen essen

18 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges steht die Versorgung des Deutschen Volkes mit Nahrungsmitteln immer noch auf wackeligen Füssen. Seit 3 Jahren unterliegt Deutschland zudem einer aussenpolitischen Isolierung, die aus den Maßnahmen gegen die Juden resultieren. Der Zeitungszeuge stellt im WESTDEUTSCHEN BEOBACHTER vom 29.04.1936 den VIERJAHRESPLAN vor, mit dem Deutschland sich weitgehend von ausländischen Rohstoffen und Zulieferungen unabhängig machen will, auch soll die Lebensmittelproduktion gesteigert werden. MINISTERPRÄSIDENT Göring hält dazu eine Rede, in der er die Deutschen auf die bevorstehenden Arbeiten einschwört. Pfiffige Kommunisten werden diese Politik auch „Kanonen statt Butter“ nennen, denn die Wiederbewaffnung der Wehrmacht geht zügig weiter. 3 Jahre zuvor waren in der Sowjetunion durch Stalinsche Genialität gut 14 Millionen Menschen verhungert, was keinen LINKEN daran hindert, weiterhin von der Grossartigkeit des sozialistischen Wirtschaftssystems zu schwärmen. Görings Rede ist überschrieben mit

Wir kapitulieren nie!

8 Jahre später wird diese Losung das Deutsche Volk dazu anspornen, weiterhin eine Clique von Verbrechern an der Macht zu halten.

Fisch und Fleisch

… So beginnt also der Run auf die somalischen Fischgründe, der die Somalier noch in heutiger Zeit zwingt, Frachter und Privatyachten zu überfallen, wegen der sozialen Fischgerechtigkeit.

Hausfrauen versündigt Euch nicht!

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Frühstückslektüre

Todesanzeigen vom 26.Oktober 1936. Interessant, weil sie auch die Zeit beschreiben, in der die Menschen lebten. Die Eine stirbt nach der Geburt ihres Kindes, beim Anderen liest man von der Angst, unvorbereitet abzutreten und den Eltern des 16jährigen ist es wichtig zu schreiben, dass der Sohn wenigstens Hitlerjunge war, wenn er auch sonst noch nichts im Leben erreichen konnte.

Todesanzeigen1 Weiterlesen ‚Frühstückslektüre‘


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