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Ein „antisemitischer“ Zwischenfall

Duellsport*Freiburger Zeitung vom 10.06.1914*: Ein Zwischenfall hat sich bei der Aufführung des Mirakel im Zirkus Busch in Berlin zugetragen und ist durch den Schriftsteller Dr. Arthur Dinter, den Geschäftsführer des Verbandes deutscher Bühnenschriftsteller, verursacht worden. Über die Einzelheiten des Zwischenfalls berichtet die Frkf. Ztg. noch:

Nachdem das Spiel etwa eine Stunde lang gewährt hatte und die Musik eben verstummt war, stand Dr. Dinter in seiner Loge auf und rief in das Publikum:

„Ich bitte um einen Augenblick Gehör. Ich protestiere hiermit als Katholik gegen die öffentliche Schändung einer christlichen Konfession. Ich beklage es auf das tiefste, daß wir uns in Deutschland die öffentliche Profanisierung unserer heiligsten Gefühle gefallen lassen müssen, und daß die Christen zu lau und zu feige sind, dagegen zu protestieren.“

Dann verließ Dinter seinen Platz und bat den Inspektionsbeamten um die Feststellung seines Namens. Die Direktion des Deutschen Theaters erklärt, Dr. Dinter habe im Verlaufe seiner Ansprache den Satz gebraucht: „So etwas brauchen wir uns von Juden nicht gefallen zu lassen!“ Dr. Dinter bestreitet ganz entschieden, eine solche Äußerung getan zu haben. Er bestreit auch, von dem Inhalt und der Tendenz des Mirakel vorher unterrichtet gewesen zu sein. Er will vielmehr von einem Bekannten zum Besuche des Mirakel veranlaßt worden sein und die Vorstellung habe bei ihm eine derartige Erregung hervorgerufen, daß er in dieser spontanen Form seinen Gefühlen Ausdruck geben mußte.

Wie die B.Z. am Mittag meldet, hat sich der Vorstand des Verbandes deutscher Bühnenschriftsteller heute mit dem Vorfall bereits beschäftigt. Dinter ist lt. Straßbg. Post aus Mühlhausen im Elsaß gebürtig, hat 1903 an der Universität Straßburg das Staatsexamen für naturwissenschaften abgelegt, war Oberlehrer, Leiter des Elsässertheaters in Thann, Regisseur in Rostock und Berlin und hat mit Max Dreyer und Heinrich Lilienstein den Verband Deutscher Bühnenschriftsteller gegründet. Im Elsaß ist er als Verfasser der Komödie: Die Schmuggler, bekannt.

Der Blogwart ergänzt: Über den mutmaßlichen Verfasser des Mirakel, wenn es das Stück ist, von dem die Zeitung schreibt, kann man hier lesen:

„Ich hatte das Glück ein weltbekannter Autor zu sein und machte mir deshalb nicht die geringsten Sorgen bezüglich meiner Zukunft. Natürlich hoffte ich auf Hollywood und seine Studios, wo ich schon oft beschäftigt und sehr gut bezahlt worden war. Zu meinem grenzenlosen Erstaunen erhielt ich jedoch keinen Drehbuchvertrag, und das, obwohl die führenden Bosse der Filmindustrie zu meinen intimsten Freunden zählten, die oft bei mir in Venedig zu Gast gewesen waren, wenn sie sich in Europa aufhielten. Schließlich erfuhr ich den Grund: als Deutscher, der kein Jude war, unterstellte man mir Nazisympathisant zu sein, nur, weil ich die Veranstaltungen der Anti – Nazi – Liga nicht besuchte und demzufolge nicht öffentlich und deutlich genug gegen Hitler und Nazideutschland Position bezog. Diese Unterstellungen verletzten mich zutiefst.“

Vollmoeller durfte sich zu Recht verletzt und diffamiert fühlen, schließlich setzte er sich auch im Exil, in den USA für jüdische Freunde und Künstler, sowie deren Angehörige und Familien ein.

Der Blogwart meint: Erstaunlich, wie politisch korrekt es bereits im Deutschen Kaiserreich zuging, wenn es schien, daß die Interessen einer bestimmten Menschengruppe berührt wurden. Und das bereits, ohne daß ein unfaßbares, singuläres Verbrechen stattgefunden hatte!

Bild: Die Sitte, sich bei Ehrenstreitigkeiten zu duellieren, hatte unzweifelhaft seine Vorteile. Wer Gesundheit und Leben in die Waagschale werfen muß, um für Verleumdungen einzustehen, wird sich, solche auszusprechen, mehrmals überlegen. Und DIE BILD, zum Beispiel, könnte wöchentlich neue Kolumnisten einstellen.

Wer freut sich auf den Winter

alle Kinder, alle Kinder. Und auch die größen Leut´ die freuen sich wenn es schneit. Ja, früher. Früher mußten noch ausländische Regierungen die Leute zum Frieren bringen. Das waren schlimme Zeiten. Heute schafft das die Bundesregierung ganz alleine und wir können stolz auf ihre Leistungen sein, wenn sie die Energie aus Klimaschutzgründen so verteuert, daß sich Heizen nur noch für HARTZ IV – Empfänger lohnt.

Eine unmögliche Leistung. Berlin. 25.Okt. Den Blättern zufolge ist vor einigen Tagen bei der Reichsregierung eine Note eingegangen, in der die Reparationskommission eine Steigerung der deutschen Kohlenlieferungen verlangt. Die deutsche Regierung hat mit den Sachverständigen eingehend die Note beraten und will, wie die Germania schreibt, versuchen, mit den Alliierten zu Verhandlungen zu kommen, um dabei ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen. Trotzdem die deutsche Regierung nur duch äusserste Anstrengung und durch empfindliche Schädigung der eigenen deutschen Interessen die bisher gemachten Kohlenlieferungen ausführen konnte, fordert jetzt die Reparationskommission eine Mehrlieferung von 200 000 Tonnen Kohlen monatlich. Sämtliche Blätter erklären diese Forderung für unerfüllbar. Deutschland hätte bisher trotz des Tiefstandes der Mark englische Kohlen einführen müssen, um seine Wirtschaft vor dem Erliegen zu bewahren und die Eisenbahnen, die Gas – und Elektrizitätswerke in Betrieb zu halten. Die weiter fortschreitende Entwertung des deutschen Geldes hat jetzt die Einfuhr ausländischer Kohle unmöglich gemacht. In den letzten Monaten hat Deutschland für 8 – 9 Milliarden Mark monatlich ausländische Kohle einführen müssen. FREIBURGER ZEITUNG. 26.10.1922.

Erstaunlich, wie damals die Menschen dem Aberglauben verhaftet waren, elektrische Energie müßte erzeugt werden, um Güter zu produzieren. Heute wissen wir, Strom kommt immer aus der Steckdose, man braucht sie nur im Baumarkt zu kaufen und an die Wand zu schrauben.  Und wer Geld benötigt, muß nicht arbeiten, nein, er geht zum Amt oder demonstriert so lange, bis er mehr Geld bekommt. Kuriose Zeiten waren das damals.

Bild: Die blutigen Ausschreitungen der Kommunisten in Berlin am 15. Oktober. Kommunisten verprügeln einen Teilnehmer der Versammlung des Bundes für Freiheit und Ordnung. WIENER BILDER. 22.10.1922.

Bunt statt braun! Früher wurden andere Begründungen verwendet, um mit dem guten Gefühl, eine noch bessere Sache zu tun, auf andere Menschen einzudreschen. Die Zeitungen, außer den Kampfblättern der Antifaschisten, waren aber noch nicht so weit, wie die heutigen.

Kommunistenexzesse in Berlin. In Berlin haben sich am 15. d. M. blutige Zusammenstöße zwischen den nationalistischen Teilnehmern des Bundes für Freiheit und Ordnung und Kommunisten ereignet. Die kommunistische Partei hat die Veranstaltung des neugegründeten Bundes seit Tagen bereits als eine Provokation der Arbeitermassen und als Wiedererwachen der Orgesch in Berlin aufgefaßt und daher ihre Anhänger zu energischem Widerstand aufgefordert. Tatsächlich erschienen die ersten Kommunisten vor dem Zirkus Busch – Gebäude schon lange, bevor die Tore geöffnet wurden.

Zunächst versuchten sie in den Haupteingang in den Zirkus einzudringen und als dies nicht gelang, drangen sie durch das kurz zuvor geöffnete Busch – Palais ein. Im Saale warfen sie Tische und Stühle um, versperrten die Eingänge und zertrümmerten die Fensterscheiben. Inzwischen wurde die Polizei alarmiert. Sie entsandte eine kleine Patrouille, die auf den Widerstand der Kommunisten stieß, Als sie dennoch in das Zirkus Busch – Gebäude gelangen wollte, kam es zu einem Handgemenge, wobei mehrere Personen verletzt und verhaftet wurden. Bei den Verhafteten fand man Revolver, Dolche und Schlagringe.

Inzwischen waren neue kommunistische Trupps angekommen und stellten sich auf den Zugangsstraßen zu dem Zirkus auf, um die Mitglieder des Bundes für Freiheit und Ordnung zu erwarten. Gegen 10 Uhr kamen die ersten Versammlungsteilnehmer  und wurden von den Kommunisten am Betreten des Zirkus gehindert. Auch in der Umgebung des Gebäudes kam es jetzt zu heftigen Zusammenstößen. Die Polizeibeamten wollten diese Kämpfe unterbrechen, konnten aber wegen ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit die Streitenden nicht auseinanderbringen. Mehrere Personen lagen schwer verletzt am Straßendamm. Die Verwundeten wurden von den Kommunisten in Sicherheit gebracht, so daß in vielen Fällen die Personalien nicht festgestellt werden konnten.

Trotz dieser Zwischenfälle begann die Versammlung des Bundes. Wie Ohrenzeugen behaupte, kam es zu wüsten antisemitischen Hetzreden. Mittlerweile dauerte der Kampf vor dem Zirkus Busch – Gebäude fort. Immer wieder kam es zu Zusammenstößen zwischen den Kommunisten und der Polizei, wobei die Kommunisten in schärfster Weise vorgingen und von ihren Totschlägern, Dolchen und Schlagringen Gebrauch machten. … .

Schon damals war also die Angewohnheit verbreitet, legale Versammlungen zu sprengen, wir haben die Fehler der Weimarer Republik also nicht nur erkannt, die zum Aufstieg des Großen Volkssschauspieler führten, wir wiederholen sie auch. Jetzt aber stehen die Demokraten an der Spitze der Exzesse. Bravo, Genossen.


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