Der Rat der Weisen stellt fest

Ueber Deutschland und England schreibt man uns: Eine Reihe sachkundiger Beurteiler, von denen an dieser Stelle nur der Nationalökonom Adolf Wagner genannt sei, haben sich vereinigt, um im Märzheft der Monatsschrift: Ueberall! das deutsch – englische Verhältnis vom geschichtlichen, maritimen, geographischen und volkswirtschaftlichen Standpunkte aus zu beleuchten. Die Redaktion der genannten Monatsschrift fasst das Ergebnis aller dieser Untersuchungen folgendermaßen zusammen:

„So sehr auch die Verdienste der Engländer um Kultur und Zivilisation anzuerkennen sein mögen, die englische Politik ist ein gefährliches Wesen, denn sie kennt nichts anderes , wie den eigenen Vorteil! Gegenüber dieser Tatsache steht die andere Tatsache, daß wir ein großes Reich geworden sind und – bleiben wollen! In dieser Lage bleibt uns nichts übrig, als uns die Engländer selbst zum Muster zu nehmen und ebenfalls nur auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein. Stoßen hierbei die Interessen beider Völker gegeneinander, so muß eine Auseinandersetzung erfolgen. Da diese Auseinandersetzung sehr leicht eine kriegerische sein kann, so müssen wir rüsten. Damit es aber, wenn irgend möglich, zum Kriege nicht kommt, müssen wir ebenfalls rüsten. Das Falscheste, was wir tun könnten, wäre ein Nachgeben.

Denn abgesehen davon, daß wir solchergestalt hinsichtlich der physischen Kraft noch mehr als es schon der Fall ins Hintertreffen kämen, würden wir eine moralische Einbuße erleiden, die nie wieder gut zu machen wäre und die  uns mit Recht die hin und wieder in England beliebte Bezeichnung der „second rate nation“ eintragen würde. Auf der anderen Seite entspricht es durchaus dem Charakter der Engländer, auch an einem Gegner Energie, Festigkeit, Entschlossenheit, Kraft, Kühnheit, Mut, Ausdauer und Tüchtigkeit zu schätzen und anzuerkennen und nicht minder tut das die englische Politik.

Während aber jene Bewertung der guten Eigenschaften auch des Gegners beim einzelnen Engländer eine Folge ritterlicher germanischer Denkungsart ist, ist sie in der Politik nur das Ergebnis allerkühlster Berechnung. Man mag also das Ding drehen und wenden wie man will, so viel steht fest: England kann oder könnte sehr wohl der Freund eines starken deutschen Reiches werden, nimmermehr aber der Freund des kränklichen, zerrissenen, schwachen , zerfahrenen, unentschlossenen und unbewehrten Schattenbildes eines deutschen Reiches.

Auch wir verkennen die guten Eigenschaften der Engländer keineswegs und wollen hoffen, daß es uns gelingt, sie zur Achtung gegen das deutsche Reich zu zwingen, ohne die eine Freundschaft nicht möglich ist. Jetzt aber, oder vielleicht nie wieder ist die Zeit, diese Achtung uns zu erringen, darum nunc, nunc insurgite remis!“ * Freiburger Zeitung 20.02.1912  *

Bild: Deutschland bemüht sich um Englands Anerkennung als gleichberechtigter Partner. Heute würde man „auf Augenhöhe“ schreiben. Kein Wunder, bei so hübschen Damen. Das hindert England aber nicht daran, Deutschland 1914 den Krieg zu erklären. Wegen Auschwitz natürlich. Schon damals ging es immer nur um die Menschenrechte.

Der Blogwart meint: Seit 100 Jahren hat sich an der Einschätzung der Politik der Engländer nichts geändert. Die Europäische Union und das Wohl des Weltklimas sind England im Grunde schnuppe. Diese Politik ist ja nicht falsch, für das eigene Land nur auf den  Vorteil des eigenen Landes bedacht zu sein. Immerhin wird man als Demokrat ja dafür gewählt.  Um die Interessen seiner Wähler zu vertreten und die liegen nun mal in Hamburg, Köln, München, Cottbus oder Wismar. Nicht in Kabul, Warschau, Ankara, Paris, oder gar Washington. Falsch ist es aber, sich als Sozialstation der ganzen Welt aufspielen zu wollen und dabei die Interessen des eigenen Volkes zu ignorieren. An dieser, durch Bundeskanzlerin Merkel geübten Praxis, wird natürlich auch ein Bundespräsident Gauck nichts ändern können. Aber immerhin gehört er nicht zum merkelschen Klüngel, ist also nicht von ihrem Wohlwollen abhängig, in dem, was er so sagt und tut. Und das ist ja auch schon was. Man muß sich auch an den ganz kleinen und bescheidenen Dingen erfreuen können. In einer Demokratie. 

… Von all den Dingen, die Sie heute gesagt haben und in die Sie Ihre Wünsche und Glückwünsche gekleidet haben, ist mir am Wichtigsten, dass die Menschen in diesem Land wieder lernen, dass sie in einem guten Land leben, das sie lieben können. Weil es ihnen die wunderbaren Möglichkeiten gibt, in einem erfüllten Leben Freiheit zu etwas und für etwas zu leben. Und diese Haltung nennen wir Verantwortung. Und dass Menschen auf den unterschiedlichsten Ebenen beruflich oder politisch wieder neu Vertrauen gewinnen müssen darin, dass sie Kräfte haben, die wir bei unseren Vorfahren gesehen haben, die uns aus Krisen herausgeführt haben. Und die wir uns selber manchmal nicht mehr zutrauen.  …   “ Joachim Gauck. Spontan.

Der Blogwart meint: Bah! Liebe zum eigenen Land … Freiheit … Vorfahren … herausgeführt haben – kein Wort von den Trümmertürken, Integration, Teilhabe … dieser Mann taugt keinesfalls dazu, das heutige Deutschland zu vertreten.

7 Responses to “Der Rat der Weisen stellt fest”


  1. 1 Prosemit 20. Februar 2012 um 06:56

    Bitte ersten Beitrag wegen falscher Formatierung löschen. Danke!

    „Gegenüber dieser Tatsache steht die andere Tatsache, daß wir ein großes Reich geworden sind und – bleiben wollen!“

    Wenn das kein Kriegsgrund ist…

    Ich darf etwas in der Geschichte herumstochern. Wie immmer in den Quellen wühlen. Ich komme noch einmal auf die Armenier zurück.

    Und auf Ida Hahn-Hahn, über die Wikipedia, wie immer als Quelle völlig ungeeignet, tendenziös und falsch bis zum geht nicht mehr, schreibt :

    Äußerungen über Türken und Araber, ebenso wie ein mehrmals sich manifestierender offener Rassismus, wie er beispielsweise in ihren Schilderungen von Negersklavinnen in den Orientalischen Briefen erkennbar wird, machen ihre Reiseberichte über den Orient aus heutiger Sicht zu einem fragwürdigen Lesevergnügen.

    Nein, sie sind eine vorzügliche Quelle – lesenswert!

    Aber ich wollte zu den Armeniern kommen. Sie sieht viel.

    Die Armenier sind ein eigentümliches, durch die ganze Levante als Bankiers und Kaufleute verbreitetes Volk, das namentlich hier durch große Reichtümer und große Geschmeidigkeit einen bedeutenden Einfluß erlangt hat, indem alle Geldgeschäfte des Staates durch die Armenier gemacht werden. Die Paschas geben z. B. ihre Statthalterschaften an Armenier in Pacht, welche deren Abgaben in die Staatskasse zahlen, und dann Gott weiß wie! sie wieder einzutreiben wissen, und natürlich mit Vorteil für sich. Man spricht nicht viel Gutes von ihnen. Sie sollen abgefeimt in allen Listen und Ränken sein und noch schlauer und gewandter als die Griechen. Es gab einst ein Königreich Armenien zwischen dem Kaukasus und Euphrat, das die Perser eroberten. Seitdem zerstreute sich das Volk, und hat im Äußeren ganz und gar türkische Sitten und Gebräuche angenommen: dieselbe Lebensweise, dieselbe Kleidung und Verschleierung der Frauen; – aber keinen Harem, denn sie sind Christen. Einige bekennen sich zur katholischen Kirche, die meisten zur armenischen. Sie haben ihre eigenen Kirchen und Klöster. Auf der Straße unterscheiden sich die Armenierinnen durch dunkelrote Pantoffeln von der gelben Beschuhung der Türkinnen und der schwarzen der Jüdinnen. Die Armenier tragen schwarze Kaftane und große schwarze kugelartige um die Stirn glatte Kopfbedeckungen. Ihre Häuser sind von außen dunkel angestrichen, um sie recht unscheinbar zu machen, während drinnen oft großer Luxus herrscht. Dies schicke ich voraus über die Armenier, von denen man grade jetzt viel reden hört, weil einer vor ungefähr vierzehn Tagen in aller Stille geköpft worden ist. Er ist nämlich zum Islam übergegangen und hat eine Türkin geheiratet; darauf ist es ihm leid geworden und er hat zum christlichen Glauben zurückkehren wollen, oder hat es wirklich getan. Dafür ist denn sein Kopf gefallen. Daß hier ein strenges Regiment herrscht, ist mir nicht so fürchterlich, als daß es dabei so still ist. Ein Mensch hat irgend etwas verbrochen – weg ist er man weiß kaum wie!

    Hier ist ein Motiv für die Auslöschung des armenischen Volkes fünfzig Jahre später zu finden. Die Häuser waren übrigens schwarz gestrichen. Eine verpflichtende Demütigung von Seiten der mohammedanischen Türken. So wie auch damals und immer schon :

    Ein Knabe wollte mich mit seinem Rosenkranz schlagen…… da er doch schon zwölf, dreizehn Jahre alt sein mochte. Ich könnte es hier zu Lande auf die Dauer nicht aushalten – nicht die Verachtung ertragen, mit der der Muselmann auf den Giaur herabsieht.

    Die „Orietalischen Briefe“ sind bei Gutenberg zu finden.
    http://gutenberg.spiegel.de/buch/1650/1

  2. 2 eulenfurz 20. Februar 2012 um 07:45

    „Falsch ist es aber, sich als Sozialstation der ganzen Welt aufspielen zu wollen…“

    Die Wähler und Dulder scheinen das offenbar anders zu sehen, sie zahlen schon seit Jahrzehnten freiwillig ihre Ablässe.

  3. 3 Denkmal 20. Februar 2012 um 11:30

    Oh man! Trümmertürken? Nicht schlecht aber kann falsch verstanden werden. Mit der Liste stimmt was nicht. „Kabul, Warschau, Ankara, Paris, oder gar Washington“. Da fehlt doch eine Stadt, wie hieß die gleich noch mal? Fing auf jedem fall mit „J“ an.

  4. 4 Sophist X 20. Februar 2012 um 12:32

    „Gutes Land“? Gar das „Land… lieben?“ Das Vokabular ist rechtsaußen! Munkelt man nicht, er habe Sarrazin damals, entgegen den Vorgaben der Nationalpresse, nicht für vogelfrei erklärt? Das geht garnicht. Der Mann sollte sofort zurücktreten nachdem er gewählt wurde.

  5. 5 Der Klaus 20. Februar 2012 um 12:41

    Die Türkenlobby tobte bereits vorher vor Wut.

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article13875001/Vosskuhle-und-Lammert-lehnen-Kandidatur-ab.html

    „13.02 Uhr: Stimmung gegen Gauck im Netz

    Im Internet rühren sich die Stimmen gegen Joachim Gauck als möglichen Nachfolgekandidaten. Im sozialen Netzwerk Facebook etwa werden mehrere Gruppen gegründet, die sich gegen den Ex-DDR-Bürgerrechtler aussprechen, darunter die Gruppe „Gauck: Nein, danke“.

    Ein Grund dafür: Gauck hatte sich abfällig über die kapitalismuskritische Occupy-Bewegung geäußert und in einem früheren Interview dem Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin Mut attestiert, als der mit strittigen Äußerungen zur Zuwanderung im Feuer der Kritik stand.

    Ein Internetnutzer twittert: „Gauck meinte vor nicht langer Zeit: Sarrazin sei mutig & Anti-Banken-Proteste seien „unsäglich albern“.“ Die Ablehnung kommt besonders auch aus Migrantenkreisen. „Sarrazin-Unterstützer Joachim Gauck als neuer Präsident? NEIN DANKE…“, schreibt etwa der türkische Journalist Erhan Mertürk aus Berlin auf Facebook.

    Ein anderer kommentiert auf Twitter: „Gauck: Keine Distanzierung von Sarrazin, Kapitalismuskritik ist albern, Atomausstieg gefühlsduselig #BitteNichtGauck“.“

    Wer diese Figuren zum Schäumen bringt hat irgendwas richtig gemacht.

  6. 6 Blond 20. Februar 2012 um 14:14

    Ob Kommentator Denkmal
    wohl die hier meinte:
    Jena,
    Jever,
    Jüterbog oder
    Johanngeorgenstadt?
    Oder doch international:
    Jakarta oder
    Johannesburg?
    Ich glaub’s eher nicht 😦

  7. 7 Karl Eduard 20. Februar 2012 um 19:31

    @Blond

    Und? Hätte er damit unrecht? Die Sicherheit Deutschlands wurde ja auch nicht am Hindukusch verteidigt.


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